Mit Battlefield 1 wagt sich DICE an ein Setting, das in den letzten Jahren eher stiefmütterlich behandelt wurde. Während die Konkurrenz sich in futuristischen Szenarien mit Wallrunning und Jetpacks verliert, kehrt die Battlefield-Reihe zurück zum Ersten Weltkrieg.
Eine mutige Entscheidung, die sich im Vorfeld schon als cleverer Schachzug entpuppte. Die Trailer lösten Begeisterungsstürme aus und die Beta versprach bereits Großes.
Der Krieg, der niemals enden sollte
Battlefield 1 katapultiert uns zurück in die Jahre 1914 bis 1918 – einen der dunkelsten Abschnitte der Menschheitsgeschichte. Der „Große Krieg“ forderte Millionen von Opfern und veränderte die Welt für immer.
DICE hat sich dieser gewaltigen Aufgabe angenommen und versucht, verschiedene Schauplätze und Perspektiven einzufangen. Die Entwickler haben sehr viel Wert darauf gelegt, diesem Krieg mit dem nötigen Respekt zu begegnen.
Kampagne: War Stories
Die Kampagne verzichtet auf die übliche Heldengeschichte eines einzelnen Protagonisten. Stattdessen erleben wir mehrere kleinere Episoden, sogenannte „War Stories“.
Prolog: Sturm aus Stahl
Das Spiel beginnt mit einem Prolog, der deutlich macht, was DICE erreichen möchte. Man übernimmt nicht einen Soldaten, sondern mehrere. Stirbt einer, schlüpft man in die Rolle des nächsten.
Diese Sequenz ist enorm intensiv und vermittelt eindringlich die Sinnlosigkeit und Brutalität dieses Krieges. Fast ein Statement: Im Ersten Weltkrieg gab es keine Superhelden.
Die Episoden
Freunde in hoher Not: Als Pilot Clyde Blackburn durch spektakuläre Luftkämpfe – eine willkommene Abwechslung zum Bodenkampf
Der Läufer: Als Frederick Bishop durch die Hölle von Gallipoli
Avanti Savoia!: In den italienischen Alpen mit atemberaubenden Bergkulissen und Stealth-Passagen
Durch Schlamm und Blut: Als amerikanischer Panzerfahrer in Frankreich
Nichts ist geschrieben: Mit Lawrence von Arabien in der Wüste
Filmreife Inszenierung
Alle Episoden teilen die filmreife Inszenierung. DICE versteht es meisterhaft, uns in diese Zeit zu versetzen. Die Geschichten sind gut erzählt und haben emotionale Momente.
Kritik: Manche Episoden geraten zu kurz. Gerade wenn man sich in eine Geschichte hineingefunden hat, ist sie auch schon vorbei. Die Kampagne bietet etwa sechs bis acht Stunden Spielzeit.
Der Multiplayer – Epische Schlachten im Großen Krieg
Kommen wir zum eigentlichen Star des Spiels. Battlefield 1 ist der beste Multiplayer-Shooter seit langem und zeigt eindrucksvoll, warum die Serie für viele die Königsklasse darstellt.
Fantastische Maps
Die Maps sind durchweg hervorragend gestaltet:
- Amiens: Dichte Häuserkämpfe
- Sinai-Wüste: Weitläufige Panzerschlachten
- Argonnenwald: Erbitterte Gefechte im Wald
- Schlammige Schützengräben Frankreichs
- Wüsten Arabiens
Jede Karte hat ihren eigenen Charakter und fordert unterschiedliche Spielweisen.
Überarbeitetes Klassensystem
| Klasse | Rolle | Waffen |
|---|---|---|
| Sturmtrupp | Nahkampf, Anti-Panzer | Maschinenpistolen, Sprengstoff |
| Sanitäter | Heilen, Wiederbeleben | Selbstladegewehre |
| Supporter | Munition, Unterdrückung | Schwere MGs |
| Späher | Aufklärung, Scharfschütze | Gewehre |
Jede Klasse ist wichtig für den Teamerfolg.
Authentische Waffen
Die historischen Waffen des Ersten Weltkriegs sind liebevoll nachgebildet:
- Gewehr 98
- Lewis Gun
- Hellriegel
- Und viele mehr
Jede Waffe hat ihr eigenes Handling und ihre eigenen Stärken.
Behemoths – Das Highlight
Diese riesigen Fahrzeuge spawnen, wenn ein Team deutlich zurückliegt:
- Zeppelin über der Map
- Panzerzug auf den Schienen
- Schlachtschiff auf dem Wasser
Wenn der Zeppelin über der Map schwebt und die Erde unter seinem Bombardement bebt, fühlt man sich mittendrin im Chaos des Krieges. Unvergessliche Momente!
Spielmodi
Eroberung: Der Klassiker – Flaggen erobern und halten
Operations: Der neue Stern! Kombiniert mehrere Maps zu einer großen Schlacht. Kämpfe können über eine Stunde dauern und sind intensiv.
Rush, Team-Deathmatch, Domination: Runden das Angebot ab

Technik: Frostbite in Hochform
Technisch ist Battlefield 1 eine Wucht. Die Frostbite-Engine zeigt, was in ihr steckt.
Zerstörung
- Gebäude bröckeln unter Beschuss
- Granaten reißen Krater in die Landschaft
- Am Ende sieht die Map komplett anders aus
Diese Zerstörung ist nicht nur kosmetisch, sondern hat taktische Bedeutung.
Dynamisches Wetter
Plötzlich aufziehende Sandstürme oder dichter Nebel verändern Sicht und Taktik grundlegend. In einem Moment klare Sicht, im nächsten tappt man durch Nebel. Keine Runde wie die andere!
Performance
Auf PlayStation 4 läuft das Spiel flüssig. In besonders hektischen Momenten kann die Framerate minimal einbrechen. Die Ladezeiten sind akzeptabel.
Sound: Maßstäbe gesetzt
Soundtrack
Der Soundtrack von Johan Söderqvist und Patrik Andrén ist grandios. Die orchestralen Stücke fangen Dramatik und Tragik des Ersten Weltkriegs perfekt ein. Das Hauptthema erzeugt Gänsehaut.
Sound-Design
Battlefield 1 akustisch ein absolutes Erlebnis:
- Authentische, kraftvolle Waffensounds
- Pfeifen von Granaten
- Rattern der Maschinengewehre
- Schreie der Soldaten
Man hört genau, aus welcher Richtung Schüsse kommen. Spielentscheidend!
Immersive Sprachausgabe
Im Multiplayer sprechen die Soldaten in ihrer jeweiligen Muttersprache – ein tolles Detail für die Immersion.
Progression und Langzeitmotivation
Erfahrungspunkte
Mit jedem Match sammelt man XP für seine Klasse und schaltet Waffen, Gadgets und Ausrüstung frei. Das System belohnt sowohl gute Schützen als auch Teamspieler.
Battlepacks
Kosmetische Waffenskins in verschiedenen Seltenheitsstufen. Positiv: Rein kosmetisch, keine Pay-to-Win-Vorteile.
Medaillen und Zuweisungen
Zusätzliche Herausforderungen für Langzeitmotivation.
Kritikpunkte
- Menüführung: Könnte intuitiver sein
- Gasmasken-Mechanik: Spaltet die Gemüter, ständiges Aufsetzen nervt manchmal
- Nur 9 Maps zum Release: Ordentlich, aber 2-3 mehr wären schön gewesen
- Kampagne zu kurz: Mehr Tiefe gewünscht
Fazit
DICE hat es geschafft. Battlefield 1 ist nicht nur eine willkommene Abwechslung zu den zahllosen futuristischen Shootern, sondern setzt neue Maßstäbe in Sachen Multiplayer-Action.
Die Entscheidung, den Ersten Weltkrieg als Setting zu wählen, war mutig und zahlt sich aus. Die Schlachten sind episch, die Atmosphäre ist dicht und das Gameplay macht süchtig.
Die Kampagne hätte zwar etwas umfangreicher ausfallen dürfen, überzeugt aber durch ihre clevere Struktur und die respektvolle Darstellung des Krieges.
Der Multiplayer ist das wahre Highlight und wird Fans über Monate, wenn nicht Jahre binden. Ob man mit dem Panzer durch Häuserzeilen pflügt, als Pilot Luftduelle austrägt oder im Schützengraben um jeden Meter kämpft – Battlefield 1 liefert konstant großartige Momente.
DICE hat die Serie zurück zu alter Stärke geführt. Der Erste Weltkrieg war eine Tragödie, aber als Setting für einen Shooter funktioniert er hervorragend – vorausgesetzt man behandelt das Thema mit dem nötigen Respekt.
Und genau das hat DICE getan.
Bewertung: 9/10 ⭐
Stärken:
- Mutiges WWI-Setting
- Respektvoller Umgang mit dem Thema
- War Stories statt einer Geschichte
- Prolog „Sturm aus Stahl“ intensiv
- Grandioser Multiplayer
- Fantastisch gestaltete Maps
- Behemoths unvergesslich (Zeppelin!)
- Operations-Modus episch
- Dynamisches Wetter
- Spektakuläre Zerstörung
- Authentische historische Waffen
- Überarbeitetes Klassensystem
- Frostbite-Engine in Hochform
- Grandioser Soundtrack
- Sound-Design setzt Maßstäbe
- Soldaten sprechen Muttersprache
- Faires Fortschrittssystem
- Nur kosmetische Battlepacks
Schwächen:
- War Stories teilweise zu kurz
- Mehr Tiefe in Episoden gewünscht
- Nur 9 Maps zum Release
- Menüführung umständlich
- Gasmasken-Mechanik nervt manchmal
- Season Pass spaltet Community
Technische Daten:
- Entwickler: DICE
- Publisher: Electronic Arts
- Genre: Multiplayer-Shooter / Military-Shooter
- Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
- Release: 21. Oktober 2016
- Engine: Frostbite
- Setting: Erster Weltkrieg (1914-1918)
- Spieler: Bis zu 64 (Multiplayer)
- Spielzeit: 6-8 Stunden (Kampagne), Hunderte Stunden (Multiplayer)
- Altersfreigabe: USK 16


