Wer den Crash-Modus aus Burnout vor vielen Jahren kennen und lieben gelernt hat, kann seit Mai 2017 auf PC und PlayStation 4 wieder auf Punktejagd gehen. Am 10. Oktober erschien Danger Zone für Xbox One und im November für die One X. Nach intensiven Stunden im virtuellen Crash-Test-Zentrum steht fest: Das Spielprinzip funktioniert, aber die sterile Präsentation und der begrenzte Umfang enttäuschen. Danger Zone ist Nostalgie-Service für Burnout-Fans, aber kein vollwertiger Nachfolger.
Die Macher: Ex-Criterion-Entwickler
Burnout war seinerzeit eine sehr erfolgreiche Rennserie die eben auch durch den Crash-Modus bestach. Während Entwickler Criterion Games sich mittlerweile um die Need for Speed-Serie kümmert, haben ein paar ehemalige Mitarbeiter ein Indie-Studio namens Three Fields Entertainment gegründet.
Nach ihrem Erstlingswerk Dangerous Golf versuchten sie sich mit Lethal VR im VR-Sektor. Nun haben sie ihr drittes Spiel Danger Zone entwickelt. Das Versprechen: Der legendäre Burnout-Crash-Modus als eigenständiges Spiel.

Das Spielprinzip: Chaos und Kettenreaktionen
Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man steuert ein Fahrzeug – das kann ein normaler Wagen, ein Rennbolide oder auch ein Formel-1-Racer sein – und versucht damit so viele Verkehrsteilnehmer wie möglich zu crashen. Die Hoffnung: Eine möglichst große Kettenreaktion an Crashs auslösen.
Je mehr Schaden man anrichtet, umso höher steigt der Crash-Counter der schnell in die Millionen geht. Um diesen möglichst hoch zu treiben liegen auf der Strecke verteilt Cash-Münzen und sogenannte Smashbreaker.
Mit Smashbreakern kann man sein bereits demoliertes Auto noch einmal explodieren und es geschickt durch die Luft schleudern lassen um auch die letzte Cash-Münze zu ergattern. Diese werden benötigt um durch möglichst hohe Geldbeträge die begehrten Bronze-, Silber-, Gold- oder sogar Platin-Medaillen zu erspielen.
Das Konzept ist direkt aus Burnout 3: Takedown übernommen. Es funktioniert nach wie vor – das Timing beim Crash, die Kettenreaktion beobachten, den perfekten Smashbreaker-Moment finden. Es ist befriedigend, süchtig machend, frustrierend.

Aufbau: Virtuelles Crash-Test-Zentrum
Aufgebaut ist das Spiel wie ein virtuelles Crash-Test-Zentrum. Man beginnt mit einem 4 Levels umfassenden Tutorial welches die sehr einfache Steuerung erklärt.
Die Steuerung: Ein Knopf für Gas, einer für Bremse, einer zum Aktivieren des Smashbreakers. Mehr braucht es nicht um sich ins Getümmel zu stürzen. Das ist zugänglich aber auch zu simpel – es fehlt Tiefe.
Bei Start jeder neuen Sequenz wird dem Spieler ein Überblick über das Areal gegeben. Dann geht es ab auf die nächste Kreuzung. Man beschleunigt, zielt auf die optimale Crash-Position, löst Chaos aus.
Fällt man von der Strecke ist die Runde direkt verloren – egal wieviel Cash man bis dahin schon gesammelt hat. Diese Tatsache kann zuweilen sehr frustrierend sein. Ein LKW schubst das eigene Fahrzeug über die Kante und vielleicht geht sogar ein neuer Rekord flöten. Man kann nichts dagegen unternehmen.
Das ist schlechtes Design. Es gibt keine Warnung, keine Rettungsmöglichkeit. Man investiert Minuten in den perfekten Run und verliert alles durch einen unkontrollierbaren Faktor.
Technische Präsentation: Steril und eintönig
Technisch sieht man Danger Zone seine Indie-Herkunft leider an. Die Levels haben allesamt einen etwas steril wirkenden „Testlabor-Charakter“. Alle Strecken sehen sich sehr ähnlich und es gibt keinerlei lebendige Umgebungselemente.
Die Umgebung ist grau, klinisch, langweilig. Betonwände, Markierungen, Verkehrsschilder – das wars. Es fehlt die Persönlichkeit, die Vielfalt. Burnout 3 hatte diverse Locations – Städte, Highways, Küstenstraßen. Danger Zone hat… Testlabor.
Die Fahrzeugmodelle sind okay. Crash-Deformationen sind befriedigend. Explosionen sind spektakulär. Aber die Gesamtpräsentation ist uninspiriert.
Der Sound ist okay. Crash-Geräusche sind wuchtig, Explosionen sind laut. Aber: Einen Soundtrack gibt es nicht. Das ist fatal. Die Eintönigkeit des Leveldesigns wird dadurch noch unterstrichen.
Burnout lebte von seinem energetischen Soundtrack – Punk-Rock, Electronic, Indie. Danger Zone hat… Stille. Man hört nur Motoren und Crashes. Das wird schnell monoton.

Kamera und Steuerung: Limitiert
Die Steuerung ist wie erwähnt sehr einfach gehalten. Leider gibt es aber auch keine verschiedenen Kameraperspektiven. Vor allem bei Einsatz des Smashbreakers ist es sehr hinderlich dass die Kamera nur in der X-Achse gedreht werden kann.
Nach oben oder unten kann man nicht schwenken und verpasst dadurch so manche Cash-Münze. Das ist frustrierend wenn man den perfekten Smashbreaker zündet aber die Kamera nicht kooperiert.
Man fliegt durch die Luft, sieht die Cash-Münze, aber die Kamera-Perspektive erlaubt keine Steuerung dorthin. Das ist schlechtes Design für ein Spiel das auf Präzision setzt.
Multiplayer: Nicht vorhanden
Einen Multiplayer-Modus sucht man vergeblich. Weder offline noch online kann man sich im direkten Vergleich mit Freunden messen. Lediglich in den Highscore-Listen kann man sehen ob man im Ranking vor oder hinter Freunden steht.
Das ist massiv verschenktes Potential. Burnout-Crash-Modus war brilliant im Multiplayer – Hot-Seat-Wechsel, jeder versucht den höchsten Score. Das fehlt komplett.
Kein lokaler Multiplayer, kein Online-Multiplayer, keine Leaderboard-Integration mit Freunden-Filter. Nur globale Ranglisten. Das ist 2017 inakzeptabel für ein Score-Attack-Spiel.
Zum Vergleich: Trials hat brillante Multiplayer-Integration. TrackMania ebenfalls. Danger Zone hat… nichts.
Umfang: Zu wenig Content
Leider gibt es bisher in der PlayStation- und PC-Version lediglich 20 Level. Dafür ist Danger Zone mit seinem Preis von 12,99 Euro im PSN-Store recht günstig.
20 Level klingt nach viel. Die Realität: Jedes Level dauert 1-3 Minuten. Man kann alle Level in 2-3 Stunden durchspielen. Für Platin-Medaillen braucht man länger, aber der Basis-Content ist begrenzt.
Die bald erscheinende Xbox-Variante wird 12 zusätzliche Herausforderungen enthalten. Diese sollen bis Jahresende auch für PlayStation und PC nachgereicht werden als kostenloses Update.
Das ist gut für Langzeit-Support aber es zeigt: Der Launch-Content ist zu dünn. Man hätte mehr Level benötigt oder deutlich günstigeren Preis.

Langzeitmotivation: Für Highscore-Jäger
Die Langzeitmotivation kommt primär von Highscore-Jagd. Man versucht Platin-Medaillen zu erreichen, höhere Scores zu knacken, perfekte Runs zu fahren.
Für manche Spieler ist das genug. Die Burnout-Fans die hunderte Stunden im Crash-Modus verbrachten finden hier ähnliche Sucht-Qualität.
Aber für Casual-Spieler fehlt Variation. Keine Story, kein Progression-System außer Medaillen, keine Freischaltungen, kein Multiplayer. Nach 5-10 Stunden hat man alles gesehen.
Im Vergleich: Burnout Paradise Remastered bietet dutzende Stunden Content. Wreckfest hat Career-Mode und Multiplayer. Danger Zone hat… 20 Level.
Für wen eignet sich Danger Zone?
Die Zielgruppe: Hardcore-Burnout-Fans die den Crash-Modus vermissen.
Geeignet für:
- Burnout-Nostalgiker
- Highscore-Jäger die Präzision lieben
- Spieler die Score-Attack-Gameplay schätzen
- Leute mit 13 Euro Budget für kurzen Spaß
- Fans von Crash-Physik und Kettenreaktionen
Nicht geeignet für:
- Spieler die umfangreichen Content erwarten
- Leute die Multiplayer brauchen
- Story-fokussierte Spieler
- Spieler die visuell beeindruckende Präsentation wollen
- Casual-Racer die Variation schätzen
Im Vergleich zur Konkurrenz: Burnout Paradise Remastered ist in allen Belangen überlegen – mehr Content, bessere Grafik, Multiplayer. Danger Zone ist Nischen-Produkt für spezifische Zielgruppe.
Preis-Leistungs-Verhältnis
12,99 Euro für 20 Level (später 32 mit Update). Das ist etwa 40 Cent pro Level. Klingt günstig.
Die Realität: 2-3 Stunden für Durchlauf, vielleicht 10 Stunden für Platin-Medaillen. Das ist 1,30 Euro pro Stunde Entertainment.
Im Vergleich: Rocket League kostet ähnlich, bietet hunderte Stunden. Burnout Paradise kostet mehr, bietet zehnfache Content.
Danger Zone ist okay für den Preis wenn man genau weiß was man bekommt. Es ist Nischen-Nostalgie-Service, kein vollwertiges Spiel.
Unser Fazit
Danger Zone ist ein ambivalentes Projekt. Das Kern-Gameplay – der Burnout-Crash-Modus – funktioniert nach wie vor. Es ist befriedigend, Kettenreaktionen auszulösen, Smashbreaker perfekt zu timen, Highscores zu jagen.
Aber die Präsentation ist steril. Testlabor-Ästhetik ist langweilig, fehlender Soundtrack ist fatal, begrenzte Kamera frustriert. Der Umfang ist zu dünn – 20 Level (32 mit Update) sind nicht genug für 13 Euro.
Das größte Manko: Fehlender Multiplayer. Burnout-Crash-Modus war brilliant im kompetitiven Setting. Danger Zone verzichtet komplett darauf. Keine lokale Co-Op, kein Online-Multiplayer, nur Ranglisten.
Für Hardcore-Burnout-Fans die den Crash-Modus verzweifelt vermissen ist es spielbar. Aber für alle anderen gibt es bessere Alternativen. Burnout Paradise Remastered bietet das komplette Burnout-Erlebnis. Wreckfest hat bessere Crash-Physik und Multiplayer.
Danger Zone fühlt sich an wie ein Proof-of-Concept das zu früh released wurde. Die Idee ist gut, die Ausführung ist unvollständig. Mit mehr Levels, besserem Leveldesign, Soundtrack und Multiplayer wäre es brilliant. So ist es… okay.
Wertung: 6,0/10 – Befriedigend
Funktionierendes Burnout-Crash-Modus-Gameplay das durch sterile Präsentation, fehlenden Multiplayer und zu geringen Umfang enttäuscht – nur für Hardcore-Nostalgiker empfehlenswert.
Pro und Contra
Pro:
- Burnout-Crash-Modus-Gameplay funktioniert nach wie vor
- Befriedigende Kettenreaktionen und Crash-Physik
- Smashbreaker-Mechanik ist süchtig machend
- Zugängliche, simple Steuerung
- Fairer Preis (12,99 Euro)
- Platin-Medaillen bieten Herausforderung
- Kostenloses Update mit 12 zusätzlichen Levels geplant
- Highscore-Jagd motiviert Perfektionisten
- Tutorial erklärt Mechaniken gut
- Explosionen und Crash-Deformationen sind spektakulär
Contra:
- Sterile Testlabor-Ästhetik wirkt langweilig und eintönig
- Kein Soundtrack vorhanden – nur Motorengeräusche
- Nur 20 Level zum Launch (zu wenig Content)
- Kein Multiplayer – weder lokal noch online
- Limitierte Kamera frustriert bei Smashbreaker-Einsatz
- Instant-Fail bei Strecken-Verlassen ist unfair
- Alle Levels sehen sich sehr ähnlich
- Keine lebendigen Umgebungselemente
- Fehlende Kameraperspektiven-Optionen
- Zu geringer Umfang für Langzeitmotivation
Häufige Fragen zu Danger Zone
Ist es wie Burnout-Crash-Modus?
Ja, das Kern-Gameplay ist identisch. Man crasht Fahrzeuge, löst Kettenreaktionen aus, nutzt Smashbreaker. Aber die Präsentation ist deutlich schlechter.
Gibt es Multiplayer?
Nein. Weder lokal noch online. Nur globale Highscore-Listen. Das ist das größte Manko.
Wie viele Levels gibt es?
20 zum Launch. Ein kostenloses Update soll 12 weitere bringen (Xbox-Version hat sie bereits). Gesamt: 32 Level.
Lohnt es sich für 13 Euro?
Für Hardcore-Burnout-Fans die den Crash-Modus verzweifelt vermissen: Ja. Für alle anderen: Nein, es gibt bessere Alternativen.
Wie lange dauert ein Durchlauf?
2-3 Stunden für alle Level durchspielen. Für Platin-Medaillen: 10-15 Stunden. Danach wird es repetitiv.
Gibt es einen Soundtrack?
Nein. Das ist fatal. Man hört nur Motoren und Crashes. Burnout lebte von seinem energetischen Soundtrack.
Kann man die Kamera frei bewegen?
Nein. Nur X-Achsen-Rotation. Man kann nicht nach oben/unten schwenken. Das frustriert bei Smashbreaker-Einsatz.
Kommen die Macher von Criterion?
Ja. Three Fields Entertainment wurde von Ex-Criterion-Entwicklern gegründet die an Burnout arbeiteten.
Technische Daten
Entwickler: Three Fields Entertainment
Publisher: Three Fields Entertainment
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Release: 30. Mai 2017 (PC/PS4), 10. Oktober 2017 (Xbox One)
Genre: Arcade-Crash-Spiel
Spieleranzahl: Einzelspieler (nur Highscore-Listen)
Spielzeit: 2-15 Stunden
Sprachen: Englisch (Text + Menü)
Altersfreigabe: USK 6 / PEGI 7
Technische Specs:
- PS4: 1080p, 60fps
- Xbox One: 1080p, 60fps
- PC: Bis 4K, unlocked fps
- Multiplayer: Nein




