Es gibt Spiele, die mit bescheidenen Mitteln überraschen. Die zeigen, dass ein einzelner Entwickler mit Leidenschaft und einer guten Idee etwas Besonderes erschaffen kann. Ebola Village ist nicht so ein Spiel. Was der russische Solo-Entwickler Indie Games Studio hier auf PlayStation 5 abgeliefert hat, ist ein erschreckend plumper Resident Evil-Klon, der zwar die richtigen Vorbilder kennt, aber nahezu alles falsch macht, was man falsch machen kann. Dabei ist Ebola Village bereits der vierte Titel der „Ebola“-Reihe, die der Entwickler in den letzten sechs Jahren veröffentlicht hat. Man könnte also erwarten, dass mit jedem Ableger die Qualität steigt, das Handwerk besser wird, die eigene Identität klarer wird. Weit gefehlt. Der provokante Titel mag Aufmerksamkeit erzeugen – der Inhalt dahinter kann sie beim besten Willen nicht rechtfertigen.

Story: Bekannt, aber nicht auf gute Art
Protagonistin Maria sitzt in ihrer sowjetisch anmutenden Wohnung und schaut fern, als eine Eilmeldung über eine biologische Bedrohung die Übertragung unterbricht. Sie macht sich auf den Weg ins Dorf, um nach ihrer Mutter und ihrem Ex-Mann Ruslan zu sehen – und findet natürlich das blanke Chaos vor. Zombies, Geheimnisse, ein verlassenes Dorf irgendwo in der ehemaligen UdSSR.
Das Setting klingt auf dem Papier interessant. Die UdSSR als Kulisse für einen Survival-Horror hat durchaus Potenzial – der Kalte Krieg, das sowjetische Erbe, die beklemmende Enge dieser Architektur. Ebola Village verschenkt dieses Potenzial vollständig. Die Geschichte bleibt oberflächlich, die Charaktere eindimensional, die Dialoge hölzern. Die Beziehung zwischen Maria und Ruslan, die eigentlich emotionalen Tiefgang liefern könnte, wird angerissen und dann fallengelassen. Am Ende ist man kaum schlauer als am Anfang und hat auch kein Interesse mehr, es zu sein.
Gameplay: Resident Evil hat angerufen
Wer Resident Evil kennt, wird sich bei Ebola Village ständig déjà-vu-verdächtig fühlen – und das ist keine Metapher. Das Inventarsystem, die Heilgegenstände, die Rätselstruktur, sogar die ikonische knarzende Tür beim Raumwechsel: Alles hier ist erkennbar von Capcoms Survival-Horror-Serie inspiriert. Das wäre für sich genommen noch kein Problem. Viele gute Spiele stehen auf den Schultern von Riesen. Die Frage ist immer, was man mit dieser Inspiration anfängt.
Ebola Village macht damit: nichts Eigenes. Statt die bekannten Mechaniken weiterzuentwickeln oder zumindest sauber umzusetzen, werden sie einfach kopiert – und dabei regelmäßig schlechter ausgeführt.
Das Inventarsystem ist das beste Beispiel. Man startet mit vier Slots, findet irgendwann eine Tasche und endet mit zehn Plätzen. Das klingt nach Resident Evil, fühlt sich aber deutlich schlechter an. Die Menge an Gegenständen, die man aufsammeln muss, steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum verfügbaren Platz. Das Ergebnis: ständiges Hin-und-Her zur Truhe im Safe Room, endloses Backtracking, frustrierendes Ressourcenmanagement ohne spielerischen Mehrwert. In Resident Evil 2 Remake war das Inventarmanagement eine bewusste Designentscheidung mit Spannung. Hier ist es nur nervig.
Die Rätsel sind einfach bis simpel. Man findet einen Schlüssel, öffnet eine Tür, findet einen weiteren Gegenstand. Komplexere Rätsel, die zum Nachdenken anregen, sucht man vergebens. Die wenigen Ausnahmen sind nicht kreativ, sondern verwirrend – nicht weil sie schwierig wären, sondern weil die Spielregeln unklar kommuniziert werden.
Der Kampf gegen Zombies funktioniert grundsätzlich, hat aber keinen Biss. Die Feinde reagieren auf Treffer auf eine Weise, die gleichzeitig unbefriedigt und unfreiwillig komisch ist. Ragdoll-Effekte, die in die falsche Richtung gehen, Animationen, die nicht mit der Welt interagieren, Gegner, die sich verhalten, als wären sie sich selbst nicht sicher, was sie eigentlich tun sollen.
Atmosphäre: Das Potenzial bleibt ungenutzt
Das ist vielleicht die größte Enttäuschung. Ein Survival-Horror in einem verlassenen sowjetischen Dorf könnte unheimlich gut sein. Die Prämisse schreit geradezu nach beklemmender Stimmung, nach dem Gefühl von Isolation, nach einem Setting, das die Schauder des Kalten Krieges mit dem klassischen Zombie-Horror verbindet.
Stattdessen liefert Ebola Village eine Atmosphäre, die zwischen unfreiwilliger Komik und bleierner Langeweile pendelt. Die Umgebungen wirken generisch, die Beleuchtung ist inkonsistent, und so manches Detail – etwa ein übergroßes Gurkenglas neben dem Fernseher in Marias Wohnung oder Tischdecken, die zentimeterweise neben dem Tisch schweben – reißt einen immer wieder aus der Immersion heraus.
Dabei fängt das Spiel schon in der Wohnung mit einem Fail an. Maria erklärt, dass sie nicht ins Badezimmer geht, weil es zu dunkel ist – obwohl sie eine funktionierende Taschenlampe dabei hat. Das ist exemplarisch für das gesamte Designprinzip: Logik und Konsistenz bleiben auf der Strecke, wenn es darum geht, einen bestimmten Effekt zu erzielen.
Technik: Nicht zeitgemäß
Auf der PlayStation 5 hat Ebola Village nichts verloren – zumindest nicht in diesem Zustand. Die Grafik ist weit entfernt von dem, was aktuelle Hardware leisten kann. Texturen wirken matschig, Charaktermodelle hölzern, Animationen steif. Das wäre bei einem bewussten Retro-Stil noch vertretbar, aber Ebola Village versucht gar nicht erst, wie ein 90er-Jahre-Spiel auszusehen. Es sieht einfach nicht gut aus – ohne stilistischen Grund.
Die Performance auf PS5 ist stabil, was angesichts der technischen Ansprüche des Spiels keine Überraschung ist. Ladezeiten sind kurz, Einbrüche in der Bildrate gibt es nicht. Dass ausgerechnet die PS5-Stärken – schnelle SSD, starke GPU – hier nicht genutzt werden, ist bezeichnend.
Die englische Lokalisierung lässt zu wünschen übrig. Übersetzungen wirken maschinell, Texte haben gelegentlich grammatikalische Probleme, und die Sprachausgabe klingt billig und wenig überzeugend. Man merkt, dass Russisch die Originalsprache ist und die Übersetzung nachrangig behandelt wurde.
Spiellänge: Kurz, aber nicht kurz genug
Ein Durchgang dauert etwa drei bis fünf Stunden, abhängig davon, wie viel Zeit man mit Backtracking und Orientierungslosigkeit verbringt. Es gibt eine Trophy für einen Abschluss unter drei Stunden, was zeigt, dass die Entwickler selbst wissen, wie kompakt das Spiel ist.
Vier Durchgänge braucht man für den Platinum-Rang – eine Forderung, die angesichts der Spielqualität schwer zu rechtfertigen ist. Wer sich freiwillig viermal durch Ebola Village kämpft, verdient den Platinum-Rang allein für die Ausdauer.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Auch günstig ist zu teuer
Ebola Village kostet auf PS5 knapp 20 Euro. Auf Steam war es zeitweise für unter zehn Dollar erhältlich. Selbst zu diesem Preis ist das Angebot schwer zu empfehlen. Wer auf einen günstigen Survival-Horror-Lückenfüller wartet – etwa bis zum Release von Resident Evil Requiem – findet bessere Optionen. Das Resident Evil 2 Remake ist regelmäßig für deutlich weniger als 20 Euro im Angebot. Tormented Souls ist eine liebevollere Hommage an den klassischen Survival-Horror. Selbst ältere Resident-Evil-Teile bieten mehr Spielspaß für weniger Geld.
Ebola Village schafft es nicht einmal, als billiger Zeitvertreib zu funktionieren. Die Frustration überwiegt zu oft, die unfreiwillige Komik amüsiert nur kurz, und das Gefühl, dass man die Zeit besser hätte nutzen können, bleibt von der ersten bis zur letzten Minute präsent.
Unser Fazit
Ebola Village ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn Inspiration ohne Verständnis kopiert wird. Die Vorbilder sind offensichtlich – Resident Evil in nahezu jeder Hinsicht – aber das Wesentliche geht verloren: das Gefühl, dass jede Designentscheidung einen Grund hat. Das Inventarsystem frustriert statt zu fordern, die Atmosphäre zerfällt regelmäßig in unfreiwillige Komik, die Technik ist weit unter dem Standard aktueller Hardware.
Das Setting in der ehemaligen UdSSR hätte etwas Besonderes sein können. Die Story rund um Maria, ihre Mutter und Ruslan hätte emotionalen Tiefgang haben können. Stattdessen ist Ebola Village ein generisches, technisch schwaches und spielerisch oberflächliches Spiel, das man getrost ignorieren kann – egal wie günstig es gerade im Angebot ist.
Wertung: 3,5/10 – Schwach
Ein plumper Resident Evil-Klon, der weder technisch noch spielerisch überzeugt. Das sowjetische Setting bleibt ungenutzt, die kopierten Mechaniken werden schlechter umgesetzt als im Original, und selbst der günstige Preis rettet diesen Titel nicht.
Pro und Contra
Pro:
- Interessantes Setting (UdSSR, sowjetisches Dorf)
- Günstiger Preis (~10-20€)
- Kurze Spielzeit (für manche ein Vorteil)
- Stabile Performance auf PS5
- Breite Sprachunterstützung (inkl. Deutsch)
- Vollständige Controller-Unterstützung
- Retro-Charme in einigen Momenten spürbar
- Survival-Horror-Grundgerüst funktioniert ansatzweise
- Keine Abstürze oder schwerwiegende Bugs
- Unfreiwillige Komik sorgt gelegentlich für Unterhaltung
Contra:
- Extrem offensichtlicher Resident Evil-Klon ohne eigene Ideen
- Technisch weit unter PS5-Standard
- Frustrierendes, übermäßig einschränkendes Inventarsystem
- Hölzerne Animationen und steife Charaktermodelle
- Schwache englische Lokalisierung
- Charaktere und Story bleiben oberflächlich
- Unfreiwillige Komik durch schlechtes Design
- Logikfehler und Inkonsistenzen häufen sich
- Kaum Atmosphäre trotz geeignetem Setting
- Kein spielerischer Mehrwert gegenüber besseren Vorbildern
Häufige Fragen zu Ebola Village
Ist Ebola Village ein Resident Evil-Klon?
Ja, eindeutig. Inventarsystem, Rätselstruktur, Heilgegenstände, die knarzende Tür beim Raumwechsel – die Inspiration ist in jeder Spielminute spürbar. Die Umsetzung erreicht das Vorbild bei weitem nicht.
Wie lang ist das Spiel?
Ein Durchgang dauert etwa drei bis fünf Stunden. Es gibt eine Trophy für den Abschluss unter drei Stunden, was für Speed-Runner ein kleines Ziel bietet.
Ist es auf Deutsch verfügbar?
Ja, Ebola Village unterstützt deutsche Texte. Die Lokalisierung ist aber nicht makellos – gelegentlich merkt man die maschinelle Übersetzung.
Lohnt es sich für Survival-Horror-Fans?
Nein. Wer klassischen Survival-Horror sucht, greift besser zu Resident Evil 2 Remake, Resident Evil Village oder Tormented Souls. Alle bieten deutlich mehr für weniger oder ähnlich viel Geld.
Auf welchen Plattformen ist es verfügbar?
PC (Steam, Epic Games), PS5, PS4, Xbox Series X|S, Xbox One und Nintendo Switch. Der PC-Release war im Mai 2025, die Konsolen-Version folgte am 23. Januar 2026.
Hat es Trophäen/Achievements?
Ja. Für den Platinum-Rang auf PS5 sind mehrere Durchgänge nötig. Angesichts der Spielqualität ist das eine ernste Zumutung für Completionists.
Ist es ein Einzelentwickler-Projekt?
Ja. Indie Games Studio ist de facto ein Solo-Entwickler. Das erklärt einige technische Schwächen, rechtfertigt sie aber nicht vollständig – es gibt Indie-Solo-Projekte mit deutlich höherer Qualität.
Lohnt sich der Kauf als Überbrückung bis Resident Evil Requiem?
Nein. Selbst als günstiger Lückenfüller gibt es bessere Optionen. Ältere Resident Evil-Teile, Tormented Souls oder andere Indie-Horror-Titel sind deutlich empfehlenswerter.
Technische Daten
Genre: Survival Horror, First-Person, Action-Adventure
Entwickler: Indie Games Studio
Publisher: Axyos Games
Release PC: 13. Mai 2025 (Steam/Epic Games)
Release Konsolen: 23. Januar 2026
Getestete Plattform: PlayStation 5
Plattformen: PC, PS5, PS4, Xbox Series X|S, Xbox One, Nintendo Switch
Spielzeit: ~3-5 Stunden
Preis: ~10-17€ (PC) / ~20€ (Konsolen)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, u.a.
Systemanforderungen PC (Minimum):
- OS: Windows 10/11 (64-bit)
- CPU: Ryzen 3 1200 / Core i5-7500
- RAM: 8 GB
- GPU: Radeon RX 560 / GeForce GTX 1050 Ti
- Speicher: 27 GB





