Zwei Jahre nach dem ursprünglichen Release erscheint Final Fantasy XV in seiner endgültigen Form: Die Royal Edition vereint das Hauptspiel mit sämtlichen DLCs, Updates und exklusiven Neuerungen in einem umfassenden Paket. Für alle, die das Spiel noch nicht kennen, ist dies der ideale Einstiegspunkt. Für Besitzer des Originals stellt sich die Frage: Lohnt sich ein erneuter Besuch in Eos?
Wer unseren ausführlichen Test zum Hauptspiel gelesen hat, kennt bereits die Stärken und Schwächen von Final Fantasy XV – die unvergessliche Bromance zwischen Noctis, Ignis, Gladio und Prompto, die wunderschöne Open World, aber auch die gehetzt wirkende zweite Spielhälfte und die unvollständige Geschichte. Die Royal Edition adressiert einige dieser Kritikpunkte und fügt substanzielle neue Inhalte hinzu.
Schauen wir uns an, was genau im Paket enthalten ist und ob die Neuerungen den Unterschied machen.
Was enthält die Royal Edition?
Die Royal Edition ist ein gewaltiges Paket. Square Enix hat hier wirklich alles zusammengeworfen, was in den zwei Jahren nach Release erschienen ist – und noch einiges obendrauf.
Das Hauptspiel mit allen Updates
Das Basisspiel hat seit November 2016 zahlreiche kostenlose Updates erhalten. Die Royal Edition enthält all diese Verbesserungen bereits integriert. Das berüchtigte Kapitel 13, das bei Release für seinen frustrierenden Stealth-Abschnitt kritisiert wurde, bietet nun eine alternative Route. Die Charakterwechsel-Funktion, die es erlaubt, während der Kämpfe zu Ignis, Gladio oder Prompto zu wechseln, ist freigeschaltet. Kleine Quality-of-Life-Verbesserungen wie das Überspringen von Zwischensequenzen und verbesserte Ladezeiten sind ebenfalls enthalten.
Die Season Pass-DLCs
Alle drei Character-DLCs sind enthalten und erzählen wichtige Geschichten, die im Hauptspiel nur angedeutet wurden.
Episode Gladiolus spielt während Kapitel 7, als Gladio die Gruppe vorübergehend verlässt. Wir erfahren, warum er geht und was er in dieser Zeit erlebt. Der DLC fokussiert auf Nahkampf-Action und zeigt Gladio in einem Kampf gegen den legendären Gilgamesh. Die Episode dauert etwa zwei Stunden und ist spielerisch solide, wenn auch nicht überragend. Für Gladio-Fans ein Muss, für andere nettes Zusatzmaterial.
Episode Prompto ist persönlicher und emotionaler. Sie spielt während der Ereignisse von Kapitel 12 und enthüllt Geheimnisse über Promptos Herkunft, die im Hauptspiel nur angedeutet werden. Der Gameplay-Stil wechselt zu einem Third-Person-Shooter mit Stealth-Elementen – passend zu Promptos Charakter als Fernkämpfer. Die Episode dauert etwa zwei bis drei Stunden und gehört zu den stärkeren DLCs. Die Story-Enthüllungen sind bedeutsam und werfen ein neues Licht auf Promptos Charakter.
Episode Ignis ist das Highlight der Character-DLCs. Sie spielt während der dramatischen Ereignisse in Altissia und zeigt, was mit Ignis passiert, während Noctis gegen Leviathan kämpft. Der DLC bietet nicht nur spannende Kämpfe, sondern auch multiple Enden – darunter ein alternatives Ende, das die gesamte Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lässt. Episode Ignis dauert etwa drei Stunden und ist sowohl spielerisch als auch narrativ die beste der drei Episoden.
Das Multiplayer-Expansion: Comrades
Der Comrades-Modus war ursprünglich ein Online-Multiplayer-DLC, in dem Spieler eigene Charaktere erstellen und kooperative Missionen bestreiten konnten. Die Story spielt in der zehnjährigen Zeitspanne zwischen Kapitel 13 und dem Finale und zeigt, wie die Welt ohne Noctis überlebt.
Mittlerweile wurde Comrades als eigenständiges Free-to-Play-Spiel ausgegliedert, aber die Royal Edition enthält die finale Version des Modus, die auch offline spielbar ist. Der Modus bietet etwa 15 bis 20 Stunden zusätzlichen Content, ist aber primär für Multiplayer konzipiert und solo weniger spaßig.
Exklusive Royal Edition-Inhalte
Die wahren Neuerungen, die die Royal Edition von der Standard-Version plus Season Pass unterscheiden, sind die exklusiven Inhalte.
Das erweiterte Kapitel 14 ist die bedeutendste Änderung. Das Finale des Spiels wurde komplett überarbeitet und erweitert. Statt eines linearen Weges durch die zerstörte Stadt Insomnia gibt es nun eine semi-offene Zone mit Nebenmissionen, versteckten Bossen und mehr Erkundungsmöglichkeiten. Der Abschnitt, der im Original vielleicht eine Stunde dauerte, kann nun drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen.
In Insomnia erwarten euch neue Kämpfe gegen imperiale Truppen und Dämonen, optionale Superboss-Begegnungen wie Cerberus und Omega, sowie zusätzliche Story-Sequenzen, die das Finale emotional verstärken. Die letzten Momente mit den Freunden wurden erweitert – und ja, sie sind noch tränenreicher als im Original.
Die Regalia Type-D ist ein neuer Fahrzeugmodus für das königliche Auto. Im Gegensatz zur normalen Regalia, die nur auf Straßen fahren kann, ist die Type-D ein Offroad-Fahrzeug. Sie kann querfeldein fahren, über Felsen klettern und Bereiche erreichen, die vorher nur zu Fuß oder per Chocobo erreichbar waren. Das macht die Erkundung der Open World deutlich komfortabler und schneller.
Neue Bosse wurden der Welt hinzugefügt. Omega, ein klassisches Final Fantasy-Monster, wartet in den Ruinen von Insomnia. Cerberus, der dreiköpfige Höllenhund, stellt eine weitere Herausforderung dar. Diese Bosse gehören zu den härtesten Kämpfen im Spiel und bieten Endgame-Content für Spieler, die nach Herausforderung suchen.
Das königliche Schiff ist ein neues Fortbewegungsmittel für die Gewässer rund um Eos. Mit ihm könnt ihr neue Angelplätze erreichen, versteckte Inseln erkunden und spezielle Dungeons finden. Die Schifffahrt fügt der Welt eine neue Dimension hinzu und belohnt Entdecker mit seltenen Items und Geheimnissen.
First-Person-Modus erlaubt es, das gesamte Spiel aus der Ego-Perspektive zu erleben. Ein nettes Gimmick, das besonders für Screenshots und immersives Spielen interessant ist. Für Kämpfe ist der Modus weniger geeignet, da die Übersicht leidet, aber für Erkundung und Fotografie ist er eine willkommene Option.

Was hat sich verbessert?
Neben den neuen Inhalten gibt es zahlreiche Verbesserungen, die das Spielerlebnis insgesamt aufwerten.
Das überarbeitete Kapitel 13
Das berüchtigte Kapitel 13 war einer der größten Kritikpunkte am Original. Ein langer, frustrierender Stealth-Abschnitt, in dem Noctis ohne seine Waffen und Kräfte auskommen musste, zog sich endlos und fühlte sich wie ein anderes Spiel an. Die Royal Edition bietet nun die Wahl: den originalen Weg spielen oder eine alternative Route wählen, bei der man als Gladio und Ignis parallel agiert.
Die alternative Route ist kürzer, actionreicher und gibt Einblicke in das, was die anderen Gruppenmitglieder während Noctis‘ Solo-Mission erlebt haben. Beide Wege können gespielt werden, was für Wiederspieler interessant ist.
Charakterwechsel im Kampf
Eine der meistgewünschten Funktionen wurde nachgeliefert: die Möglichkeit, während der Kämpfe zwischen allen vier Charakteren zu wechseln. Im Original war man auf Noctis beschränkt und konnte den anderen nur Befehle geben. Nun kann man direkt in die Rolle von Ignis, Gladio oder Prompto schlüpfen.
Jeder Charakter spielt sich anders. Ignis ist schnell und technisch mit seinen Dolchen, Gladio ist langsam aber kraftvoll mit seinem Großschwert, und Prompto kämpft aus der Distanz mit Schusswaffen. Diese Vielfalt macht die Kämpfe abwechslungsreicher und gibt den Nebencharakteren mehr Bedeutung.
Verbesserte Performance und Grafik
Die Royal Edition profitiert von zwei Jahren technischer Optimierung. Ladezeiten wurden verkürzt, Framerate-Einbrüche reduziert, und kleinere Bugs behoben. Auf der PlayStation 4 Pro und Xbox One X gibt es zudem verbesserte Grafikoptionen mit höherer Auflösung und stabilerer Performance.
Für PC-Spieler ist die Windows Edition relevant, die parallel zur Royal Edition erschien und noch weitere technische Verbesserungen bietet – native 4K-Unterstützung, HDR, NVIDIA-Grafikfeatures und Mod-Support.
Was fehlt noch?
Trotz aller Erweiterungen bleiben einige Kritikpunkte bestehen, die auch die Royal Edition nicht vollständig behebt.
Episode Ardyn, der letzte Story-DLC, der die Hintergrundgeschichte des Antagonisten erzählt, ist nicht in der Royal Edition enthalten. Er erschien erst 2019, nach dem Release der Royal Edition, und muss separat erworben werden. Wer die komplette Geschichte will, muss also noch einmal zahlen.
Die ursprünglich geplanten DLCs Episode Aranea, Episode Lunafreya und Episode Noctis wurden leider gecancelt, als Square Enix die weitere Entwicklung von Final Fantasy XV einstellte. Die Geschichte von Lunafreya insbesondere bleibt damit unterentwickelt – ein Makel, den auch die Royal Edition nicht beheben kann.
Die Nebenquests wurden nicht überarbeitet und bleiben größtenteils repetitiv. „Bring mir dies, töte jenes“ ist nach wie vor der Standard. Hier hätte eine Qualitätsverbesserung dem Spiel gutgetan.
Der Schwierigkeitsgrad ist immer noch zu niedrig für erfahrene Spieler. Die neuen Bosse bieten zwar Herausforderung, aber der Hauptteil des Spiels bleibt zu einfach.
Für wen lohnt sich die Royal Edition?
Die Antwort hängt davon ab, wo man steht.
Für Neulinge
Die Royal Edition ist der einzig richtige Einstiegspunkt für Spieler, die Final Fantasy XV noch nie gespielt haben. Alle Verbesserungen, alle DLCs, alle zusätzlichen Inhalte – alles ist enthalten. Das Erlebnis ist deutlich vollständiger und runder als das Original von 2016. Wer jetzt einsteigt, bekommt die beste Version des Spiels, die es gibt.
Für Besitzer des Originals ohne Season Pass
Wenn ihr das Hauptspiel gespielt, aber keine DLCs gekauft habt, ist die Royal Edition eine Überlegung wert – vorausgesetzt, ihr wollt das Spiel noch einmal erleben. Die Character-DLCs allein sind ihren Preis wert, und die exklusiven Royal-Inhalte fügen substanziellen Mehrwert hinzu. Ob ein kompletter Neukauf oder das separate Royal Pack (nur die exklusiven Inhalte) sinnvoller ist, hängt vom Preis ab.
Für Besitzer des Season Pass
Hier wird es knifflig. Ihr habt bereits die Character-DLCs. Die exklusiven Royal-Inhalte sind separat als Royal Pack erhältlich. Ob euch das erweiterte Kapitel 14, die Regalia Type-D, das Schiff und die neuen Bosse den Aufpreis wert sind, müsst ihr selbst entscheiden. Für Fans, die das Spiel lieben, ist es wahrscheinlich ein Ja. Für alle anderen eher nicht.
Fazit
Die Final Fantasy XV Royal Edition ist das, was das Spiel von Anfang an hätte sein sollen. Zwei Jahre Entwicklung nach Release haben ein unvollständiges, wenn auch charmantes Spiel in eine deutlich rundere Erfahrung verwandelt. Die Character-DLCs füllen wichtige Story-Lücken, das erweiterte Finale gibt dem Abschluss mehr Gewicht, und die Quality-of-Life-Verbesserungen machen das Spielen angenehmer.
Ist Final Fantasy XV damit perfekt? Nein. Die grundlegenden Schwächen – die unterentwickelte zweite Hälfte, die flache Darstellung von Lunafreya, die repetitiven Nebenquests – bleiben bestehen. Aber die Royal Edition mildert viele Kritikpunkte und verstärkt die ohnehin schon beträchtlichen Stärken.
Die Bromance zwischen den vier Freunden ist nach wie vor das Herz des Spiels, und mit den DLCs lernen wir jeden von ihnen besser kennen. Die Welt von Eos ist mit der Regalia Type-D und dem königlichen Schiff besser erkundbar denn je. Das erweiterte Finale macht den emotional bereits packenden Abschluss noch intensiver.
Für Neulinge gibt es keinen Grund, eine andere Version zu kaufen. Die Royal Edition ist Final Fantasy XV, wie es sein sollte. Für Veteranen ist es eine Einladung, noch einmal nach Eos zurückzukehren – und diesmal die vollständige Reise zu erleben.
„Walk tall, my friends“ – jetzt erst recht.
Bewertung: 8.3/10
(Wertung bezieht sich auf das Gesamtpaket für Neulinge. Für Besitzer des Originals variiert der Mehrwert je nach bereits vorhandenen Inhalten.)
Was die Royal Edition bietet:
- Komplettes Hauptspiel mit allen Updates
- Episode Gladiolus (Charakter-DLC)
- Episode Prompto (Charakter-DLC)
- Episode Ignis (Charakter-DLC)
- Comrades Multiplayer-Modus (offline spielbar)
- Erweitertes Kapitel 14 mit neuen Bossen
- Regalia Type-D (Offroad-Fahrzeug)
- Königliches Schiff für Seeerkundung
- First-Person-Modus
- Charakterwechsel im Kampf
- Alternatives Kapitel 13
- Alle kostenlosen Updates seit Release
Was nicht enthalten ist:
- Episode Ardyn (separat erhältlich)
- Gecancelte DLCs (Aranea, Lunafreya, Noctis)
Stärken gegenüber dem Original:
- Deutlich vollständigere Geschichte durch Character-DLCs
- Erweitertes, emotionaleres Finale
- Mehr Erkundungsmöglichkeiten (Type-D, Schiff)
- Kampfvielfalt durch Charakterwechsel
- Verbessertes Kapitel 13
- Neue Endgame-Bosse
- Technische Optimierungen
Verbleibende Schwächen:
- Repetitive Nebenquests
- Unterentwickelte zweite Spielhälfte
- Lunafreya bleibt blass
- Zu niedriger Schwierigkeitsgrad
- Episode Ardyn nicht enthalten
Technische Daten:
- Entwickler: Square Enix Business Division 2
- Publisher: Square Enix
- Genre: Action-RPG / Open World
- Plattformen: PlayStation 4, Xbox One
- Release Royal Edition: 6. März 2018
- Engine: Luminous Engine
- Inhalt: Hauptspiel + Season Pass + Royal Pack
- Zusätzliche Spielzeit: +15-25 Stunden (DLCs + neue Inhalte)
- Gesamtspielzeit: 50-120+ Stunden
- Altersfreigabe: USK 12
