Forza Motorsport 5

Forza Motorsport 5 im Test – Next-Gen-Grafik trifft auf weniger Inhalt

Mit jeder neuen Microsoft-Konsole gibt es traditionell ein Rennspiel zum Launch. Bei der originalen Xbox war es Project Gotham Racing, bei der Xbox 360 kam PGR 3 zum Start. Nun, mit der Xbox One, haben wir Forza Motorsport 5 – die neueste Iteration der Rennspiel-Reihe von Turn 10 Studios. Die Erwartungen sind hoch: Kann das Studio die Power der neuen Konsole nutzen und gleichzeitig an den Erfolg von Forza Motorsport 4 anknüpfen? Die Antwort ist komplizierter, als wir erwartet hätten.

Das Launch-Dilemma: Qualität vs. Quantität

Eines müssen wir gleich zu Beginn ansprechen, denn es ist der Elefant im Raum: Forza Motorsport 5 hat deutlich weniger Inhalt als sein Vorgänger. Während Forza 4 mit über 500 Fahrzeugen und mehr als 26 Strecken aufwarten konnte, müssen wir uns bei Forza 5 mit etwa 200 Fahrzeugen und nur 14 Strecken begnügen.

Der Vergleich in Zahlen:

Forza 4 Forza 5
Fahrzeuge 500+ ~200
Strecken 26+ 14
Streckenvarianten 100+ ~50

Das ist ein herber Rückschritt, der besonders langjährige Fans der Serie schmerzen wird. Turn 10 begründet dies damit, dass alle Fahrzeuge und Strecken für die neue Konsolengeneration komplett neu erstellt werden mussten – die alten Assets waren schlicht nicht mehr verwendbar. Das mag technisch nachvollziehbar sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man deutlich weniger für sein Geld bekommt.

Schmerzhafte Abwesenheiten: Besonders bitter ist das Fehlen der legendären Nürburgring Nordschleife – für viele Fans DIE ikonische Rennstrecke schlechthin. Auch das Auktionshaus, ein beliebtes Feature der Vorgänger, wurde gestrichen. Dafür gibt es neue Strecken wie Spa-Francorchamps und den Mount Panorama Circuit in Bathurst – zwei absolute Legenden des Motorsports.

Grafik: Das schönste Rennspiel aller Zeiten

Wenn es um die Optik geht, setzt Forza Motorsport 5 neue Maßstäbe. Es ist schlicht und ergreifend das schönste Rennspiel, das wir je gesehen haben, und zweifellos der grafisch beeindruckendste Launch-Titel der Xbox One.

Die technischen Eckdaten:

  • 1080p Auflösung – echtes Full HD ohne Tricks
  • 60 FPS – butterweich, ohne Einbrüche
  • Atemberaubende Lichteffekte und Reflexionen
  • Fotorealistische Fahrzeugmodelle

Turn 10 Studios hat eng mit Autoherstellern und dem Datenspezialisten Calspan zusammengearbeitet, um die Fahrzeuge so realistisch wie möglich darzustellen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Lackierungen glänzen im Sonnenlicht, Lederausstattungen sehen tatsächlich wie Leder aus, und selbst kleinste Details wie Nähte an den Sitzen sind erkennbar.

Forzavista – Der virtuelle Showroom: Das aus Forza 4 bekannte Autovista-Feature wurde zu Forzavista weiterentwickelt. Während im Vorgänger nur eine begrenzte Auswahl an Fahrzeugen detailliert betrachtet werden konnte, ermöglicht Forzavista nun die Inspektion aller Fahrzeuge im Spiel. Man kann um die Autos herumgehen, Türen öffnen, sich ins Cockpit setzen und jedes Detail bewundern. Es fühlt sich an wie ein Besuch im exklusivsten Autohaus der Welt – nur ohne den Druck eines aufdringlichen Verkäufers.

Die Strecken: Obwohl es nur 14 Strecken gibt, sind diese atemberaubend schön gestaltet. Die Stadtkulisse von Prag mit ihren Kopfsteinpflasterstraßen und der historischen Architektur ist ein echtes Highlight. Man möchte fast anhalten und die Sehenswürdigkeiten bewundern. Auch Spa-Francorchamps mit der berühmten Eau-Rouge-Passage und der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi sind visuell beeindruckend.

Kleine Kritikpunkte: Bei aller Grafikpracht gibt es auch Schwächen: Die Zuschauer am Streckenrand wirken wie Pappaufsteller, Bäume bewegen sich nicht im Wind, und generell fehlt es an dynamischen Elementen abseits der Fahrzeuge. Auch dynamische Wetterbedingungen oder einen Tag-Nacht-Wechsel sucht man vergebens – ein Feature, das die Community seit Jahren fordert.

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Das Drivatar-System: Die Revolution der KI

Das absolute Highlight von Forza 5 und der größte Innovationssprung ist das neue Drivatar-System. Hier zeigt Turn 10, was mit der Cloud-Anbindung der Xbox One möglich ist, und revolutioniert damit die Art und Weise, wie wir gegen computergesteuerte Gegner antreten.

So funktioniert es: Die Xbox One analysiert kontinuierlich euren Fahrstil – wie ihr bremst, wie aggressiv ihr überholt, ob ihr die Ideallinie haltet oder abkürzt, wie ihr euch in Zweikämpfen verhaltet. Diese Daten werden in die Cloud hochgeladen und erstellen einen virtuellen Klon eures Fahrverhaltens: euren persönlichen Drivatar.

Das Geniale daran: Während ihr offline seid, kann euer Drivatar in den Spielen anderer Spieler antreten und Credits für euch verdienen! Und umgekehrt: Wenn ihr ein Rennen startet, tretet ihr nicht gegen generische KI-Gegner an, sondern gegen die Drivatare eurer Freunde und anderer realer Spieler. Das Ergebnis sind unvorhersehbare, menschlich wirkende Rennen.

In der Praxis: Die Drivatare verhalten sich tatsächlich anders als traditionelle KI. Manche sind aggressiv und versuchen, euch von der Strecke zu drängen. Andere fahren defensiv und blockieren geschickt. Wieder andere machen typisch menschliche Fehler – sie gehen zu heiß in Kurven, verlieren die Kontrolle oder verpassen den Bremspunkt. Das macht jedes Rennen spannend und unberechenbar.

Das Drivatar-System ist nicht nur ein Marketing-Buzzword, sondern ein echter Game-Changer. Es hebt die Einzelspieler-Erfahrung auf ein neues Level und lässt traditionelle Racing-KI alt aussehen.

Top Gear: Lizenz gut genutzt

Forza 5 nutzt die Top Gear-Lizenz geschickt aus. Die drei Moderatoren Jeremy Clarkson, James May und Richard Hammond führen mit kurzen, charmanten Videos in jede neue Fahrzeugklasse und jeden neuen Renn-Typ ein. Ihre Kommentare sind informativ und unterhaltsam – man lernt tatsächlich etwas über die Geschichte und Besonderheiten der jeweiligen Fahrzeuge.

Der Top Gear Test Track: Natürlich darf auch der legendäre Top Gear Test Track nicht fehlen. Hier könnt ihr eure Rundenzeiten mit denen der TV-Show vergleichen – inklusive der typischen Hindernisse wie Baustellen und Müllsäcke. Ein nettes Easter Egg für Fans der Serie.

Gameplay: Simulation mit Zugänglichkeit

Am Kern-Gameplay hat sich wenig geändert – und das ist gut so. Forza 5 ist nach wie vor eine Rennsimulation, die Realismus in den Vordergrund stellt, aber durch umfangreiche Hilfsoptionen auch für Einsteiger zugänglich bleibt.

Die Fahrassistenten:

  • Bremshilfe: Das Spiel bremst automatisch vor Kurven
  • Lenkhilfe: Unterstützung bei der Lenkung
  • Stabilitätskontrolle: Verhindert Übersteuern
  • ABS: Anti-Blockier-System
  • Traktionskontrolle: Verhindert Durchdrehen der Räder
  • Ideallinie: Zeigt den optimalen Weg über die Strecke

Wer alle Hilfen aktiviert, kann auch als absoluter Neuling sofort losfahren. Profis schalten alles ab und erleben eine knallharte Simulation, bei der jeder Fehler bestraft wird. Das Schöne: Je mehr Hilfen ihr deaktiviert, desto höher fallen die Credits-Belohnungen aus.

Die Impulse-Trigger: Ein echtes Highlight ist die Nutzung der neuen Impulse-Trigger des Xbox-One-Controllers. Die Trigger verfügen über eigene Vibrationsmotoren und geben haptisches Feedback beim Bremsen und Beschleunigen. Man spürt förmlich, wenn die Reifen an ihre Grenzen kommen oder das ABS eingreift. Ein Feature, das man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal erlebt hat.

Das Fahrverhalten: Die Physik-Engine wurde weiter verfeinert. Jedes der 200 Fahrzeuge fühlt sich einzigartig an – von der behäbigen Familienkutsche bis zum nervösen Formel-1-Boliden. Apropos: Zum ersten Mal in der Forza-Geschichte gibt es Open-Wheel-Rennwagen! Der Lotus E21 aus der Formel-1-Saison 2013 und historische F1-Legenden wie der McLaren M23 von James Hunt oder der Ferrari 312T2 von Niki Lauda sind spielbar. Diese Fahrzeuge zu beherrschen ist eine echte Herausforderung – aber auch unglaublich befriedigend.

Karrieremodus und Progression

Der Karrieremodus ist solide, aber nicht revolutionär. Ihr wählt aus verschiedenen Ligen, die jeweils eine bestimmte Fahrzeugklasse repräsentieren. Von D-Klasse (langsamere Straßenautos) über A, B, C, S, R bis zur X-Klasse (die schnellsten Hypercars) ist alles vertreten.

Das Klassensystem:

  • D-Klasse: Kompaktwagen, Einsteiger-Sportwagen
  • C-Klasse: Sportlimousinen, Hot Hatches
  • B-Klasse: Sportwagen, leichte Muscle Cars
  • A-Klasse: Schnelle Sportwagen, getunete Fahrzeuge
  • S-Klasse: Supersportwagen, GT-Rennwagen
  • R-Klasse: Rennwagen, Le Mans Prototypen
  • X-Klasse: Die absoluten Speed-Monster

Das Affinitätssystem: Neu ist das Affinitätssystem: Je mehr ihr Fahrzeuge eines bestimmten Herstellers fahrt, desto höher steigt eure Affinität zu dieser Marke. Das bringt Boni und erleichtert den Kauf weiterer Fahrzeuge des gleichen Herstellers. Wer also Fan von Ford, Ferrari oder BMW ist, wird belohnt.

Kritik am Fortschritt: Die Großzügigkeit von Forza 4 ist leider Geschichte. Das Verdienen von Credits fühlt sich langsamer an, und manche Fahrzeuge sind verdächtig teuer. In Kombination mit den angebotenen Mikrotransaktionen (ja, man kann Credits mit Echtgeld kaufen) hinterlässt das einen bitteren Beigeschmack. Turn 10 hat zwar versprochen, dies nach dem Launch zu überarbeiten, aber zum Testzeitpunkt ist die Progression durchaus zäh.

Sound: Motorensymphonie

Akustisch ist Forza 5 ein Genuss. Die Motorensounds wurden akribisch aufgenommen und klingen absolut authentisch. Der tiefe Grollen eines amerikanischen V8, das Kreischen eines Ferrari-V12 bei hohen Drehzahlen, das charakteristische Heulen des Lotus-F1-Motors – jedes Fahrzeug hat seinen eigenen, unverwechselbaren Klang.

Die Impulse-Trigger tragen auch akustisch zum Erlebnis bei: Man hört und fühlt gleichzeitig, wenn die Reifen quietschen oder der Motor überdreht. Die Musik im Menü ist dezent und unaufdringlich – während der Rennen konzentriert man sich ohnehin vollständig auf die Strecke.

Multiplayer und Online-Features

Neben dem Karrieremodus bietet Forza 5 umfangreiche Online-Optionen:

Rivals-Modus:

  • Asynchrone Wettkämpfe gegen die Zeiten anderer Spieler
  • Ständig neue Herausforderungen
  • Perfekt für kurze Sessions zwischendurch

Online-Rennen:

  • Bis zu 16 Spieler gleichzeitig
  • Verschiedene Hopper für unterschiedliche Fahrzeugklassen
  • Ranglistensystem für kompetitive Spieler

Lackier-Editor: Der legendäre Forza-Lackier-Editor ist zurück und besser denn je. Mit unzähligen Layern und Formen könnt ihr wahre Kunstwerke erschaffen oder die Designs anderer Spieler kaufen. Die Community hat bereits beeindruckende Kreationen hochgeladen.

Fazit

Forza Motorsport 5 ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es das grafisch beeindruckendste Rennspiel aller Zeiten und ein perfekter Showcase für die Fähigkeiten der Xbox One. Das Drivatar-System ist eine echte Innovation, die die Einzelspieler-Erfahrung revolutioniert. Die Fahrphysik ist erstklassig, die Impulse-Trigger ein Gamechanger, und die Top-Gear-Integration fügt Charme hinzu.

Auf der anderen Seite ist der drastische Rückgang an Inhalten im Vergleich zu Forza 4 nicht zu übersehen. 200 Autos und 14 Strecken mögen für ein Launch-Spiel akzeptabel sein, aber nach dem Vorgänger mit 500 Autos fühlt es sich wie ein Rückschritt an. Das Fehlen der Nordschleife schmerzt, die Mikrotransaktionen hinterlassen einen faden Beigeschmack, und dynamisches Wetter sowie Tag-Nacht-Wechsel fehlen weiterhin.

Trotz dieser Kritikpunkte: Wenn ihr eine Xbox One habt und Rennspiele mögt, führt an Forza 5 kein Weg vorbei. Es ist das beste Rennspiel zum Launch und zeigt eindrucksvoll, was die neue Konsolengeneration leisten kann. Nur solltet ihr euch darauf einstellen, dass Turn 10 mit kommenden Updates und DLCs (hoffentlich) nachliefern wird, was zum Start fehlt.

Ein vielversprechender Start in eine neue Ära – mit Luft nach oben.


Bewertung: 8.0/10 ⭐

Stärken:

  • Grafisch das schönste Rennspiel aller Zeiten
  • Revolutionäres Drivatar-System
  • Stabile 1080p bei 60 FPS
  • Hervorragende Impulse-Trigger-Nutzung
  • Erstmals Open-Wheel-Rennwagen (F1, IndyCar)
  • Charmante Top-Gear-Integration
  • Forzavista für alle Fahrzeuge
  • Authentische Motorensounds
  • Umfangreiche Hilfsoptionen für Einsteiger
  • Tiefgreifender Lackier-Editor

Schwächen:

  • Deutlich weniger Autos als Forza 4 (200 vs. 500+)
  • Nur 14 Strecken (Forza 4 hatte 26+)
  • Nürburgring Nordschleife fehlt
  • Kein dynamisches Wetter oder Tag-Nacht-Wechsel
  • Mikrotransaktionen für Credits
  • Auktionshaus gestrichen
  • Progression fühlt sich langsamer an
  • Zuschauer und Streckenrand wenig dynamisch

Technische Daten:

  • Entwickler: Turn 10 Studios
  • Publisher: Microsoft Studios
  • Plattform: Xbox One (exklusiv)
  • Release: 22. November 2013 (Launch-Titel)
  • Genre: Rennsimulation
  • Auflösung: 1080p bei 60 FPS
  • Fahrzeuge: ~200
  • Strecken: 14
  • Spieler: 1-16 (Online)
  • Top Gear-Lizenz: Ja (Clarkson, May, Hammond)
  • Altersfreigabe: USK 0

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