Icewind Dale

Icewind Dale: Enhanced Edition im Test – Dungeon Crawling im ewigen Eis

Mit Icewind Dale präsentierte uns Black Isle Studios im Jahr 2000 ein weiteres Dungeons & Dragons Computer-Rollenspiel, das auf der bewährten Infinity Engine basierte – jener Technik, die bereits Baldur’s Gate zu einem wahren Meisterwerk gemacht hatte. Nun, fast 15 Jahre später, hat Beamdog dem Klassiker eine Frischzellenkur verpasst und die Enhanced Edition veröffentlicht.

Für alle, die das Original verpasst haben oder es auf modernen Systemen erleben wollen, ist die Enhanced Edition der perfekte Einstiegspunkt. Aber auch Veteranen finden hier Neuerungen, die einen erneuten Besuch im eisigen Norden rechtfertigen. Ich habe beide Versionen gespielt und kann sagen: Beamdog hat gute Arbeit geleistet – auch wenn nicht alles perfekt ist.

Doch zunächst zum Spiel selbst: Während Baldur’s Gate mit seiner komplexen Charakterentwicklung und den verzweigten Storylines brillierte, schlägt Icewind Dale einen völlig anderen Weg ein.

Hier steht nicht die Politik von Athkatla oder die Intrigen der Schwertküste im Mittelpunkt, sondern pure, unverfälschte Action im ewigen Eis des Nordens. Weniger Reden, mehr Kämpfen. Weniger Charakterdrama, mehr Dungeon Crawling. Das mag für manche wie ein Rückschritt klingen, aber für Fans klassischer D&D-Abenteuer ist es genau das, was sie wollen.

Nach dem grandiosen Erfolg von Baldur’s Gate – und mit dem heiß erwarteten Baldur’s Gate 2 bereits am Horizont – war die Erwartungshaltung an Black Isle Studios natürlich hoch. Die Frage war: Kann man mit derselben Engine noch einmal überzeugen, ohne sich dabei zu wiederholen? Die Antwort lautet: Ja, aber auf eine völlig andere Art und Weise.

Story: Das Geheimnis des eisigen Nordens

Die Geschichte führt uns in die raue, unwirtliche Region des Icewind Dale, weit im Norden der Schwertküste. Diese Region kennen viele Forgotten Realms-Fans aus den Romanen von R.A. Salvatore – hier lebt der berühmte Dunkelelf Drizzt Do’Urden, auch wenn er in diesem Spiel nicht auftritt. Die Zehn Städte, eine lose Konföderation von Siedlungen, kämpfen ums Überleben in einer Landschaft, die keine Schwäche verzeiht.

Der Beginn in Easthaven

Das Abenteuer beginnt im kleinen Städtchen Easthaven, wo die Bewohner mit mysteriösen Problemen zu kämpfen haben. Seltsame Kreaturen bedrohen die Karawanenwege. Händler verschwinden spurlos. Gerüchte über uralte Übel machen die Runde. Und dann ist da noch diese Expedition, die in die Berge aufbrechen soll, um dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Als Anführer einer sechsköpfigen Abenteurergruppe schließt ihr euch dieser Expedition an – und natürlich geht alles schief. Was als einfache Erkundungsmission beginnt, entwickelt sich zu einem epischen Kampf gegen ein uraltes Böses, das seit Jahrhunderten im Eis geschlummert hat und nun erwacht.

Anders als Baldur’s Gate

Was Icewind Dale von seinem großen Bruder unterscheidet, ist die Art der Erzählung. Während Baldur’s Gate eine sehr charaktergetriebene Geschichte erzählte – wer könnte schon Minsc und seinen Hamster Boo vergessen, oder die tragische Imoen, oder den mysteriösen Elminster? – konzentriert sich Icewind Dale mehr auf die pure Atmosphäre und das „Gefühl“ des Abenteuers.

Die Story ist geradliniger, weniger verzweigt, aber dadurch auch fokussierter. Es ist, als würde man einen klassischen Pen & Paper-Abend mit Freunden nachspielen – weniger politische Intrigen, dafür mehr klassisches Dungeon Crawling. Der Dungeon Master hat einen klaren Plan, und ihr arbeitet euch durch.

Das bedeutet aber keineswegs, dass die Geschichte langweilig wäre. Im Gegenteil: Die Dialoge sind gut geschrieben, die NPCs haben Charakter – auch wenn sie nicht ganz so ausgefeilt sind wie in Baldur’s Gate – und die Geheimnisse, die ihr nach und nach lüftet, sind durchaus spannend. Besonders die Hintergrundgeschichte der Region und die Verbindungen zu vergangenen Ereignissen sind faszinierend ausgearbeitet.

Die Lore des Icewind Dale, die Kriege zwischen den Zehn Städten, die Bedrohungen durch Barbaren und Monster, die uralten Ruinen unter dem Eis – all das wird geschickt eingewoben. Fans der Forgotten Realms werden viele Anspielungen und Easter Eggs finden.

Gameplay: Eure Gruppe, eure Regeln

Hier zeigt Icewind Dale seine wahren Stärken – und seinen fundamentalen Unterschied zu Baldur’s Gate.

Komplette Charaktererstellung

In Baldur’s Gate erstellte man einen einzelnen Protagonisten und sammelte dann vorgefertigte NPCs ein, die sich der Gruppe anschlossen. Jeder dieser NPCs hatte seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Quest, seine eigenen Meinungen. Das war großartig für die Story, aber es schränkte die taktischen Möglichkeiten ein.

Icewind Dale geht den umgekehrten Weg: Ihr erstellt alle sechs Gruppenmitglieder selbst. Keine vorgefertigten NPCs, die sich euch anschließen. Ihr seid der Architekt eurer gesamten Truppe, vom ersten bis zum letzten Charakter.

Das mag zunächst einschüchternd wirken, besonders für Neueinsteiger ins Genre. Sechs Charaktere erstellen, mit all den Klassen, Rassen, Attributen, Fertigkeiten, Zaubern? Das ist eine Menge Arbeit, bevor das eigentliche Spiel überhaupt beginnt. Aber es bietet auch ungeahnte Möglichkeiten.

Die Qual der Wahl

Die verfügbaren Klassen und Rassen sind vielfältig, und jede Kombination eröffnet neue taktische Möglichkeiten:

Klassische Zusammenstellung:

  • Ein Fighter als Frontlinie
  • Ein Paladin oder Ranger als zweiter Nahkämpfer
  • Ein Cleric für Heilung und Buffs
  • Ein Mage für offensive Zauber
  • Ein Thief für Fallen und Schlösser
  • Ein Bard oder zweiter Caster für Unterstützung

Oder etwas Ungewöhnlicheres:

  • Ein reines Magier-Team, das alles wegzaubert
  • Eine Truppe aus lauter Barbaren (brutal, aber lustig)
  • Ein Team aus Multi-Class-Charakteren für maximale Flexibilität
  • Eine Gruppe aus lauter Klerikern verschiedener Götter

Icewind Dale lässt euch die Freiheit, genau die Gruppe zusammenzustellen, die eurem Spielstil entspricht. Wollt ihr taktische Perfektion? Dann plant sorgfältig. Wollt ihr Chaos? Auch das geht. Das Spiel richtet sich nach euch, nicht umgekehrt.

Das D&D 2nd Edition-Regelwerk

Wie Baldur’s Gate nutzt auch Icewind Dale das Advanced Dungeons & Dragons 2nd Edition-Regelwerk. Das bedeutet:

  • THAC0 statt Angriffsbonus (ja, niedrigere Werte sind besser – willkommen in den 90ern)
  • Descending Armor Class (AC 10 ist schlecht, AC -5 ist gut)
  • Vancian Magic (Zauber müssen vorbereitet werden und sind dann „verbraucht“)
  • Level Caps je nach Klasse und Rasse
  • Multi-Classing und Dual-Classing mit all ihren Komplexitäten

Für Veteranen des Pen & Paper-Spiels ist das vertrautes Terrain. Für Neulinge kann es anfangs verwirrend sein. Das Spiel erklärt die Regeln nicht immer perfekt, und manchmal muss man einfach das Handbuch lesen – oder einen Guide im Internet.

Realtime with Pause

Das Kampfsystem übernimmt die bewährte Realtime-with-Pause-Mechanik von Baldur’s Gate. Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab, aber ihr könnt jederzeit pausieren, um Befehle zu erteilen. Das funktioniert genauso gut wie im Vorgänger und ist intuitiv zu bedienen.

Der Unterschied: In Icewind Dale geht es deutlich öfter zur Sache. Während ihr in Baldur’s Gate manchmal minutenlang Dialoge führen konntet, ohne einen einzigen Gegner zu Gesicht zu bekommen, ist Icewind Dale kampflastiger. Deutlich kampflastiger.

Das ist keineswegs negativ gemeint – es ist einfach ein anderer Ansatz. Wenn ihr Lust auf taktische Kämpfe gegen Horden von Goblins, Orcs, Untoten und anderen fiesen Kreaturen habt, seid ihr hier goldrichtig. Die Kämpfe sind herausfordernd und erfordern echte Taktik. Blindes Draufhauen funktioniert nur auf den niedrigsten Schwierigkeitsgraden.

Die Dungeons

Die namensgebenden Dungeons sind das Herzstück des Spiels, und hier hat Black Isle ganze Arbeit geleistet. Die unterirdischen Komplexe sind liebevoll gestaltet und bieten genau die richtige Mischung aus Rätseln, Fallen und Kämpfen.

Besonders gelungen sind die größeren Komplexe, die sich über mehrere Ebenen erstrecken:

  • Dragon’s Eye: Ein Schlangenkult hat sich in diesem Vulkan eingenistet
  • The Severed Hand: Eine zerstörte Elfenfestung voller Geheimnisse
  • Dorn’s Deep: Uralte Zwergenruinen mit dunkler Geschichte
  • Lower Dorn’s Deep: Noch tiefer, noch gefährlicher
  • The finale Konfrontation: Die ich hier nicht spoilern werde

Jeder Dungeon hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Atmosphäre, seine eigenen Herausforderungen. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei fair, aber durchaus fordernd. Wer Baldur’s Gate zu leicht fand, wird hier definitiv mehr gefordert. Manche Bosskämpfe erfordern mehrere Anläufe und echte taktische Planung.

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Grafik: Verbesserte Infinity Engine

Optisch baut Icewind Dale natürlich auf der Infinity Engine auf, zeigt aber deutliche Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Baldur’s Gate.

Technische Verbesserungen

Die Texturen sind schärfer, die Animationen flüssiger und die Effekte bei Zaubern einfach spektakulär. Black Isle hat aus der Engine herausgeholt, was möglich ist, ohne die Hardware-Anforderungen zu sehr in die Höhe zu treiben.

Besonders beeindruckend sind die Zaubereffekte. Wenn ein Feuerball explodiert, dann spürt man das förmlich – die Explosion breitet sich aus, Gegner fangen Feuer, Rauch steigt auf. Wenn ein Blitzschlag einschlägt, zuckt der Bildschirm. Wenn ein Cone of Cold eine Gegnergruppe einfriert, sieht man das Eis an ihnen kleben. Die Entwickler haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet und die optische Präsentation der Magie auf ein neues Level gehoben.

Die Eislandschaften

Die verschiedenen Eislandschaften sind wunderschön gerendert und fangen die Atmosphäre des hohen Nordens perfekt ein:

  • Verschneite Wälder, in denen der Wind heult
  • Zugefrorene Seen unter düsterem Himmel
  • Eisige Gebirgspässe, kaum passierbar
  • Die bescheidenen Siedlungen der Zehn Städte
  • Unterirdische Höhlen, in denen das Eis leuchtet

Das Setting ist naturgemäß weniger abwechslungsreich als die Schwertküste – es ist halt überall kalt und weiß. Aber Black Isle hat es geschafft, innerhalb dieser Einschränkung Variation zu schaffen. Kein Gebiet sieht aus wie das andere.

Verbessertes Interface

Die Benutzeroberfläche wurde gegenüber Baldur’s Gate leicht überarbeitet und ist noch intuitiver geworden. Besonders die Charakterbögen sind übersichtlicher gestaltet – was bei sechs selbsterstellten Charakteren auch dringend nötig ist.

Die Inventarverwaltung funktioniert einwandfrei, das Zauberlernen und -vorbereiten ist problemlos möglich, und die Paperdoll-Ansicht zeigt genau, welche Ausrüstung ein Charakter trägt.

Sound: Jeremy Soules Meisterwerk

Hier spielt Icewind Dale seine vielleicht größte Stärke aus. Der Soundtrack von Jeremy Soule – ja, derselbe Jeremy Soule, der später die Elder Scrolls-Spiele vertonen sollte – ist schlichtweg grandios.

Die Musik

Die Melodien fangen die Atmosphäre des eisigen Nordens perfekt ein. Es gibt:

  • Melancholische Stücke für die Wildnis, die die Einsamkeit und Schönheit der Landschaft transportieren
  • Spannende Kampfmusik, die das Adrenalin hochpumpt
  • Unheimliche Ambient-Sounds in den Dungeons, die einen nie vergessen lassen, dass Gefahr lauert
  • Triumphale Fanfaren bei Erfolgen und Entdeckungen

Wenn ihr durch einen Schneesturm wandert und die Musik langsam anschwillt, bekommt ihr garantiert Gänsehaut. Der Soundtrack ist so gut, dass man ihn auch außerhalb des Spiels hören kann – und sollte.

Sprachausgabe und Soundeffekte

Die Sprachausgabe ist durchweg professionell, auch wenn nicht jeder Dialog vertont ist. Bei der Masse an Text wäre eine Vollvertonung unrealistisch gewesen. Die wichtigen Szenen und Charaktere haben ihre Stimmen, und die Sprecher machen einen guten Job.

Die Soundeffekte passen perfekt zur Stimmung:

  • Das Knirschen des Schnees unter den Füßen
  • Das Klirren von Schwertern im Kampf
  • Das Prasseln von Feuerzaubern
  • Die unheimlichen Geräusche in verlassenen Ruinen
  • Das Heulen des Windes in der Wildnis

Atmosphäre pur

Besonders atmosphärisch wird es in den Dungeons. Black Isle hat es geschafft, eine Stimmung zu erschaffen, die einen wirklich in ihren Bann zieht. Man fühlt sich tatsächlich wie ein Abenteurer, der durch uralte, vergessene Gewölbe wandelt und dabei nie weiß, was hinter der nächsten Ecke lauert.

Die Kombination aus visueller Präsentation, Soundeffekten und Musik ist nahezu perfekt. Icewind Dale ist eines dieser Spiele, bei denen man das Licht ausmacht, die Kopfhörer aufsetzt und sich komplett verliert.

Kritikpunkte

Bei aller Begeisterung gibt es auch einige Schwächen.

Weniger Charaktertiefe

Der offensichtlichste Kritikpunkt: Die selbsterstellten Charaktere haben keine Persönlichkeit. Keine Begleiter-Quests, keine Dialoge untereinander, keine Reaktionen auf eure Entscheidungen. Sie sind Spielfiguren, keine Personen.

Wer die unvergesslichen NPCs von Baldur’s Gate vermisst – Minsc, Jaheira, Viconia, Edwin – wird hier nicht fündig. Das ist der Preis der Freiheit bei der Charaktererstellung. Taktische Flexibilität gegen narrative Tiefe.

Geradlinigere Story

Die Geschichte ist weniger verzweigt als in Baldur’s Gate. Es gibt weniger Nebenpfade, weniger optionale Gebiete, weniger Möglichkeiten, die Story zu beeinflussen. Das Spiel führt euch auf einem relativ vorgegebenen Pfad vom Anfang zum Ende.

Für manche ist das ein Problem, für andere ein Feature. Wer ohnehin hauptsächlich wegen der Kämpfe und des Dungeon Crawlings spielt, wird es kaum bemerken.

Hohe Einstiegshürde

Sechs Charaktere von Grund auf erstellen, mit einem komplexen Regelwerk, das nicht vollständig erklärt wird – das kann Neulinge abschrecken. Das Spiel ist nicht besonders einsteigerfreundlich und erwartet, dass man sich einarbeitet.

Keine deutsche Synchronisation

Das Spiel bietet nur englische Sprachausgabe mit deutschen Texten. Die Übersetzung ist gut, aber wer alles auf Deutsch hören möchte, wird enttäuscht.

Umfang und Wiederspielwert

Icewind Dale bietet etwa 40-60 Stunden Spielzeit für einen Durchgang, je nach Gründlichkeit. Der Wiederspielwert ist hoch, weil:

  • Verschiedene Gruppenkonstellationen völlig andere Spielerfahrungen bieten
  • Höhere Schwierigkeitsgrade echte Herausforderung bieten
  • Die Erweiterung „Heart of Winter“ zusätzlichen Content liefert
  • Man Entscheidungen anders treffen kann (auch wenn die Auswirkungen begrenzt sind)

Die Erweiterungen

Erwähnenswert sind die Erweiterungen:

  • Heart of Winter: Eine neue Kampagne mit höheren Leveln und neuen Gebieten
  • Trials of the Luremaster: Ein kostenloses Add-on mit einem zusätzlichen Dungeon

Die Enhanced Edition von Beamdog enthält all das und bringt das Spiel auf moderne Systeme.

Die Enhanced Edition: Was ist neu?

2014 veröffentlichte Beamdog – das Studio, das bereits die Enhanced Editions von Baldur’s Gate und Baldur’s Gate 2 herausgebracht hatte – auch Icewind Dale in einer überarbeiteten Fassung. Die Frage ist: Was genau wurde verbessert, und lohnt sich der Kauf?

Technische Verbesserungen

Die offensichtlichste Neuerung: Das Spiel läuft auf modernen Betriebssystemen ohne Probleme. Windows 10 und 11, macOS, Linux, sogar iOS und Android – die Enhanced Edition unterstützt sie alle. Keine DOSBox, keine Kompatibilitätsmodi, kein Gefummel mit alten Treibern.

Dazu kommen:

  • Höhere Auflösungen: Das Spiel skaliert auf moderne Monitore, auch auf 4K
  • Verbessertes UI: Die Benutzeroberfläche wurde für höhere Auflösungen angepasst
  • Zoom-Funktion: Man kann näher ran oder weiter rauszoomen als im Original
  • Quickloot: Schnelleres Plündern von Leichen und Behältern
  • Verbessertes Multiplayer: Einfacheres Online-Spielen mit Freunden
  • Cloud-Saves: Spielstände in der Cloud speichern (Steam/GOG)
  • Cross-Platform-Multiplayer: PC, Mac und mobile Spieler können zusammenspielen

Neue Klassen und Optionen

Die Enhanced Edition importiert Inhalte aus Baldur’s Gate 2 und anderen D&D-Spielen:

Neue Klassen:

  • Monk: Waffenloser Kämpfer mit besonderen Fähigkeiten
  • Sorcerer: Spontaner Zauberwirker ohne Zauberbuch
  • Barbarian: Wütender Kämpfer mit Berserker-Rage
  • Wild Mage: Chaotischer Magier mit unvorhersehbaren Effekten

Neue Kits (Subklassen):

  • Über 30 Kits aus Baldur’s Gate 2, darunter Kensai, Berserker, Blade, Bounty Hunter und viele mehr

Neue Zauber:

  • Dutzende zusätzliche Zauber aus späteren D&D-Editionen

Das erweitert die Möglichkeiten bei der Charaktererstellung erheblich. Ein reines Sorcerer-Team? Ein Mönch als Frontlinie? Wild Mages für Chaos? Alles möglich.

Die Story Mode-Option

Für Spieler, die primär wegen der Atmosphäre und des Erkundens kommen, bietet die Enhanced Edition einen Story Mode. In diesem Modus sind die Kämpfe deutlich einfacher, sodass man sich auf die Erfahrung konzentrieren kann, ohne ständig zu sterben.

Das ist keine Schande – nicht jeder hat die Zeit oder Lust, jeden Kampf zehnmal zu wiederholen. Der Story Mode macht Icewind Dale für ein breiteres Publikum zugänglich.

Verbesserte KI-Skripte

Die Begleiter-KI wurde verbessert. Man kann aus verschiedenen vorgefertigten Skripten wählen, die bestimmen, wie sich die Charaktere im Kampf verhalten:

  • Aggressive Skripte für Frontlinie-Kämpfer
  • Defensive Skripte für Heiler und Supporter
  • Fernkampf-Skripte für Bogenschützen und Magier
  • Oder komplett manuelle Kontrolle für Puristen

Das reduziert das Mikromanagement erheblich, ohne die taktische Kontrolle komplett aufzugeben.

Die Black Pits

Exklusiv für die Enhanced Edition gibt es The Black Pits, eine Arena-Kampagne:

  • Separate Story außerhalb der Hauptkampagne
  • Kämpft in einer Gladiatoren-Arena gegen immer stärkere Gegner
  • Verdient Gold, kauft Ausrüstung, verbessert eure Gruppe
  • Perfekt für alle, die pure Kämpfe ohne Dungeon-Erkundung wollen

Es ist ein netter Bonus, aber nicht der Hauptgrund, die Enhanced Edition zu kaufen.

Was fehlt oder wurde kritisiert?

Die Enhanced Edition ist nicht perfekt:

  • Einige Bugs wurden mit den Patches eingeführt, die im Original nicht existierten
  • Die neuen Klassen passen nicht immer perfekt zum Balance des Originals
  • Der Preis ist für ein 14 Jahre altes Spiel nicht gerade niedrig
  • Puristen beklagen, dass manche Änderungen den „Geist“ des Originals verwässern

Trotzdem überwiegen die Vorteile. Die Enhanced Edition ist die beste Art, Icewind Dale heute zu spielen.

Fazit

Icewind Dale: Enhanced Edition ist kein Baldur’s Gate 2 – und das will es auch gar nicht sein. Stattdessen bietet es genau das, was der Titel verspricht: Ein klassisches Dungeons & Dragons-Abenteuer, das sich auf die Essenz des Rollenspiels besinnt. Weniger komplexe Charakterinteraktionen, dafür mehr taktische Kämpfe. Weniger politische Intrigen, dafür mehr atmosphärische Dungeons.

Die Enhanced Edition macht das Spiel zugänglicher als je zuvor. Moderne Systeme werden unterstützt, neue Klassen und Optionen erweitern die Möglichkeiten, und Quality-of-Life-Verbesserungen reduzieren die Frustration. Für Neulinge ist sie der perfekte Einstieg; für Veteranen eine gute Gelegenheit, den Klassiker noch einmal zu erleben.

Die Stärken liegen eindeutig im exzellenten Charaktersystem, das vollständige Kontrolle über die Gruppe bietet, in den fordernden aber fairen Kämpfen und in der unvergleichlichen Atmosphäre, die durch Jeremy Soules Soundtrack noch verstärkt wird. Die etwas geradlinigere Story und die weniger ausgeprägten Charakterinteraktionen sind verkraftbare Schwächen, die dem Spielspaß keinen Abbruch tun.

Black Isle Studios hat damals bewiesen, dass die Infinity Engine vielseitig einsetzbar ist. Beamdog hat nun bewiesen, dass der Klassiker auch 2014 und darüber hinaus relevant bleibt. Icewind Dale: Enhanced Edition ist ein würdiger Vertreter des CRPG-Genres und ein Muss für jeden Fan klassischer Rollenspiele.

Für alle, die schon immer mal eine eigene Abenteurergruppe zusammenstellen und diese durch eisige Wildnis und gefährliche Dungeons führen wollten, ist diese Enhanced Edition eine klare Empfehlung. Das Spiel macht genau das, was es verspricht – und das auf höchstem Niveau, jetzt auch auf modernen Geräten.

Die Kälte ruft. Eure Gruppe ist bereit. Zeit, Geschichte zu schreiben.


Bewertung: 8/10

Stärken:

  • Vollständige Kontrolle über alle sechs Gruppenmitglieder
  • Exzellentes D&D 2nd Edition-Regelwerk
  • Fordernde, taktische Kämpfe
  • Herausragender Soundtrack von Jeremy Soule
  • Atmosphärische Dungeons mit Liebe zum Detail
  • Verbesserte Infinity Engine-Grafik
  • Spektakuläre Zaubereffekte
  • Stimmige Eislandschaften
  • Enhanced Edition: Läuft auf modernen Systemen problemlos
  • Enhanced Edition: Neue Klassen (Monk, Sorcerer, Barbarian, Wild Mage)
  • Enhanced Edition: Über 30 neue Kits aus Baldur’s Gate 2
  • Enhanced Edition: Höhere Auflösungen und Zoom-Funktion
  • Enhanced Edition: Story Mode für entspannteres Spielen
  • Enhanced Edition: The Black Pits Arena-Modus
  • Heart of Winter und Trials of the Luremaster inklusive
  • Hoher Wiederspielwert durch verschiedene Gruppenkonstellationen
  • Cross-Platform-Multiplayer

Schwächen:

  • Keine Charakterpersönlichkeiten (selbsterstellt)
  • Geradlinigere Story als Baldur’s Gate
  • Weniger Nebenquests und Verzweigungen
  • Hohe Einstiegshürde für Neulinge
  • Komplexes Regelwerk nicht vollständig erklärt
  • Keine deutsche Synchronisation
  • Enhanced Edition führte einige neue Bugs ein
  • Preis für ein älteres Spiel relativ hoch

Technische Daten:

  • Entwickler: Black Isle Studios (Original) / Beamdog (Enhanced Edition)
  • Publisher: Interplay Entertainment (Original) / Beamdog (Enhanced Edition)
  • Genre: Isometrisches RPG / CRPG / Dungeon Crawler
  • Plattformen: PC, Mac, Linux, iOS, Android
  • Release Original: 29. Juni 2000
  • Release Enhanced Edition: 30. Oktober 2014
  • Engine: Infinity Engine (Enhanced)
  • Regelwerk: Advanced Dungeons & Dragons 2nd Edition
  • Setting: Forgotten Realms / Icewind Dale / Zehn Städte
  • Gruppengröße: 6 selbsterstellte Charaktere
  • Enthält: Hauptspiel + Heart of Winter + Trials of the Luremaster + The Black Pits
  • Neue Klassen (EE): Monk, Sorcerer, Barbarian, Wild Mage
  • Spielzeit: 40-60 Stunden
  • Altersfreigabe: USK 12

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