Mit Need for Speed Hot Pursuit Remastered erscheint das erste Remaster des Franchise. Vor ziemlich genau 10 Jahren lieferte Criterion Games mit Hot Pursuit einen der erfolgreichsten und beliebtesten NFS-Teile. Trotzdem ist aus der Community klar zu vernehmen: Hot Pursuit war nicht die erste Wahl für ein Remaster. Recht häufig hört man den Wunsch nach Underground oder Most Wanted (2005). Nach intensiven Stunden in Seacrest County steht fest: Die Wahl war nachvollziehbar. Hot Pursuit Remastered ist kein optisches Wunder, aber ein spaßiger Arcade-Racer mit fairem Preis und plattformübergreifendem Multiplayer.
Das Konzept: Cops vs. Racer
Need for Speed begann mit gnadenlosen Rasereien in tollen Sportwagen. Die Polizei wurde Spielbestandteil, später kam Tuning-Fokus hinzu. Mit Hot Pursuit ging man einen Schritt zurück und konzentrierte sich speziell auf Gesetzeshüter. Die Überlegung: Wie baut man diese als gleichwertigen Gegenpart zur Fraktion der Raser auf?
Herausgekommen ist ein Rennabenteuer das man aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet. Tuning spielt keine besondere Rolle mehr. Beide Fraktionen erhalten im Spielverlauf und durch Erfolge immer leistungsfähigere oder für Spezialeinsätze vorgesehene Fahrzeuge.
Auf einer Karte verstreut werden nach und nach Ereignisse und Missionen angezeigt. Über 120 Events gibt es. Diese absolviert man jeweils für eine der Parteien.
Als Racer: Primärziel ist als Erster ins Ziel zu kommen oder neue Bestzeit zu fahren. Nebenbei versucht man der immer wieder auftauchenden Polizei zu entkommen.
Als Cop: Es geht darum Rennen zu beenden, Raser zu stoppen und auszuschalten. Man nutzt Gadgets – Nagelbretter, EMP-Kanone, Straßensperren.
Eine Story wie bei NFS 2015 oder Payback gibt es nicht. Keine Hauptfigur, keine cinematischen Cutscenes. Als Spieler kann man bei beiden Parteien aufsteigen – entweder sammelt man Prestige und Preisgelder als Racer, oder man steigt im Rang als Cop.
Das simplere Grundkonzept ist nicht per se schlecht. Das Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Katz-und-Maus-Spiel. Abwechslung gibt es durch verschiedene Missionsvorgaben und unterschiedliche Gadgets. Für Erfolge gibt es Medaillen – Bronze, Silber, Gold. Man kennt das Prinzip.
Der Fuhrpark: 75 Boliden ohne Tuning
Der Fuhrpark ist überschaubar. Insgesamt 75 verschiedene Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller – Ford, Porsche, Ferrari, Dodge, Mercedes-Benz. Das eine oder andere spezielle Modell steht nur einer Partei zur Verfügung.
Die Auswahl ist solide für ein fokussiertes Rennspiel. Von Muscle Cars (Dodge Challenger) über Import-Tuner (Nissan GT-R) bis Hypercars (Bugatti Veyron) ist alles dabei. Die Cop-Fahrzeuge reichen von Standard-Crown-Vics bis zu exotischen Interceptors.
Im Vergleich zu modernen NFS-Teilen wie Heat ist die Auswahl begrenzt. Aber für das Konzept reicht sie – man freischaltst konstant neue Autos durch Progression.
Tuning gibt es nicht. Da wir es nicht mit Simulation zu tun haben fehlen die Tuning- und Einstellmöglichkeiten. Die Unterschiede bei Fahrzeugen finden sich bei Geschwindigkeit, Beschleunigung und Handling. Das ist simpel aber funktional.
Natürlich gibt es bei der Raserei Unfälle. Man durchbricht Straßensperren, crasht in Wände. Dabei entstehende Schäden sind jedoch rein optischer Natur und haben keinerlei Auswirkung auf Fahrverhalten oder Leistung. Bei potenziellem Totalschaden tritt filmreife Situationskamera in Aktion die das Geschehen in Zeitlupe und aus speziellem Kamerawinkel zeigt.
Das Ganze hat ein bisschen was von Burnout – kein Wunder, an der Reihe hat Criterion Games großen Anteil.
Gameplay: Arcade-Action mit simplen Controls
Wer schon mal einen Titel von Criterion Games gespielt hat oder einen anderen Arcade-Racer kennt, weiß wie simpel sich Fahrzeuge steuern lassen. Geschwindigkeit ist ebenso wenig Problem wie das Durchfahren von Kurven. Selbst wenn man aus der Spur kommt ist das noch lange kein Grund zur Sorge.
In Hot Pursuit ist man die meiste Zeit mit extrem hoher Geschwindigkeit unterwegs. Hier kommt es nur auf eines wirklich an: Gutes Reaktionsvermögen. Wenn bei Tempo 250+ plötzlich eine Straßensperre auftaucht hat man nicht viele Möglichkeiten.
Die Steuerung ist butterweich. Drifts sind einfach, Nitro-Boosts sind wuchtig, Crashes sind spektakulär. Es ist zugängliches Arcade-Racing wie man es kennt.
Übrigens: Eine Cockpit-Ansicht sucht man vergebens. Auch Dinge wie manuelle Schaltung oder anpassbare Traktions- und Stabilitätskontrolle sind dem actionlastigen Arcade-Konzept zum Opfer gefallen. Das ist schade für Enthusiasten aber konsequent für die Zielgruppe.
Ein kleines Manko: Die nicht ganz so überragende KI der Kontrahenten. Da es nur einen Schwierigkeitsgrad gibt der sich stellenweise als zu leicht entpuppt, fehlt auf Dauer ein bisschen an weiterer Herausforderung.
Zum Vergleich: Forza Horizon bietet einstellbare Schwierigkeit. Gran Turismo ebenfalls. Hot Pursuit hat eine fixe Schwierigkeit die nicht für jeden ideal ist.

Die Welt: Seacrest County
Die Strecken sind insgesamt sehr schön gestaltet und stimmig. Vom Detailgrad sicher nicht mehr ganz zeitgemäß, auch wenn man hier im Remaster ein wenig Hand angelegt hat. Da man aber meistens durch weitläufige Landschaften fährt fällt dies nicht so sehr auf.
Seacrest County ist inspiriert von Küstenregionen der USA – kurvige Küstenstraßen, dichte Wälder, offene Highways. Die Umgebung ist abwechslungsreich und macht Spaß zu befahren.
Auf den Straßen ist allerdings so gut wie nichts los. In den Gegenverkehr zu fahren bedeutet in der Regel tatsächlich nur die falsche Fahrbahnseite zu nutzen. Gelegentlich kommt einem tatsächlich mal ein Fahrzeug entgegen. Das ist schade – mehr Verkehr würde Spannung erhöhen.
Die Fahrzeugmodelle sind recht ansehnlich und so gibt es in dieser Hinsicht nicht viel zu meckern. Im Remaster wurden sie aufpoliert – höhere Auflösung, schärfere Texturen.
Das Remaster: Technische Verbesserungen
Optisch ist das Spiel auch als Remaster keine Offenbarung wenn man sich zum Beispiel NFS Heat anschaut. Aber man hat es geschafft technische Makel der Originalfassung zu eliminieren:
Verbessert:
- Kantenflimmern eliminiert
- Matschige Texturen ersetzt
- Größere Sichtweite
- Höhere Auflösung (bis 4K)
- Neue Umgebungselemente
- Bessere Performance (60fps auf Current-Gen)
Unverändert:
- Grundlegende Asset-Qualität
- Welt-Größe
- Gameplay-Mechaniken
- Event-Struktur
Das ist klassisches Remaster – technische Verbesserungen ohne fundamentale Änderungen. Im Vergleich zu einem Remake (das von Grund auf neu gebaut würde) ist der Unterschied begrenzt.
Auf PS5/Xbox Series X läuft das Spiel mit 60fps in 4K. Das macht enormen Unterschied für Arcade-Racer. Die Framerate ist butterweich, Input-Lag ist minimal.
Auf PS4 Pro/Xbox One X: 1080p-4K (dynamisch), 60fps. Auf Base-PS4/Xbox One: 1080p, 30fps. PC: Bis 4K, unlocked fps.

Sound: Lizenzierter Soundtrack
Die Musik während der Rennen sind lizenzierte Tracks von bekannten Interpreten wie Bad Religion, Benny Benassi, Weezer und 30 Seconds to Mars. Der Soundtrack bringt richtig Stimmung in die Rennen und macht durchaus Spaß.
Die Musikauswahl ist solide für 2010-Standards. Es ist kein ikonischer Soundtrack wie Underground, aber er erfüllt seinen Zweck.
Dazu gibt es orchestralen Score von Marios Takoushis und Vanesa Lorena. Eine wohlklingende Erzählstimme begleitet die Handlungen und gibt gelegentliche Erklärungen.
Die Motorensounds sind wuchtig. Sirenen der Cops sind präsent. Crash-Sounds sind befriedigend. Das Audio-Design ist stark für ein Spiel aus 2010.
Umfang und Multiplayer
Vom Umfang her ist das Gebotene schon fein. Zumal in die Remastered-Fassung alle veröffentlichten DLCs integriert wurden. So hat man einige Strecken, Fahrzeuge und Events zur Auswahl.
Die Karriere bietet ausreichend Missionen für etwa 20 Stunden Spielzeit. Das ist respektabel für fokussiertes Rennspiel.
Darüber hinaus hat Hot Pursuit Remastered noch einen Multiplayer-Modus im Schlepptau der schon beim Original Bestandteil war und jetzt erweitert wurde.
Mit dem integrierten Autolog habt ihr ein internes Netzwerk das auch plattformübergreifend über Leistungen und Bestzeiten eurer Freunde informiert. Ihr findet so immer wieder neue Herausforderungen.
Ebenso plattformübergreifend könnt ihr euch mit Freunden und anderen Spielern direkt messen. Hierbei stehen verschiedene Spielmodi zur Auswahl. Mit „Meistgesuchter“ und „Alle gegen Alle“ stehen sogar zwei völlig neue zur Auswahl.
Das Cross-Play ist großartig für 2020. PS4, Xbox One, PC, Switch – alle können zusammen spielen. Das erweitert die Community massiv.

Für wen eignet sich Hot Pursuit Remastered?
Die Zielgruppe: Arcade-Racing-Fans die Cops-vs-Racer-Action lieben.
Geeignet für:
- Fans des Originals die Nostalgie suchen
- Arcade-Racer-Enthusiasten
- Spieler die simplen Spaß ohne Tuning-Komplexität wollen
- Leute die Polizei-Verfolgungen schätzen
- Multiplayer-Fans (Cross-Play ist brilliant)
Nicht geeignet für:
- Sim-Racing-Fans
- Underground/Most-Wanted-Nostalgiker die Tuning erwarten
- Spieler die moderne Grafik brauchen
- Story-fokussierte Spieler
- Leute die Schwierigkeit-Einstellungen erwarten
Im Vergleich zur Konkurrenz: Forza Horizon ist umfangreicher und moderner. Burnout Paradise Remastered ist ähnlich aber ohne Cops. Hot Pursuit füllt Nische mit seinem Cops-vs-Racer-Konzept.
Der Preis: Kein Vollpreis-Titel
Wichtig: Da es sich nicht um einen Vollpreistitel handelt (Launch-Preis: 30 Euro), darf man als Fan von actionlastigen Rasereien zuschlagen.
Für 30 Euro bekommt man:
- Komplettes Spiel mit allen DLCs
- Cross-Play-Multiplayer
- Technische Verbesserungen
- 20+ Stunden Karriere
Das ist faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Kein 60-Euro-AAA-Titel aber solide Remaster-Umsetzung.
Unser Fazit
Need for Speed hat es als Reihe momentan nicht leicht, obwohl die meisten Spiele gar nicht schlecht waren. Bei jeder Neuankündigung hofft ein Großteil der Fans dass entweder „Underground“ im Namen auftaucht oder noch besser das Spiel das Konzept aufgreift. Speziell Need for Speed Underground 2 hat enorm große Fanbase.
Wenn dann gezielt ein Remaster angekündigt wird hat diese natürlich berechtigte Hoffnung dass es ihr Liebling sein könnte. Lässt man die Enttäuschung darüber dass es nicht so gekommen ist beiseite, muss man objektiv sagen: Man hat mit Hot Pursuit nachvollziehbare Wahl getroffen.
Der Titel kam insgesamt recht gut weg, bildet im Grunde das Serienkonzept gut ab und macht durchaus Spaß. Der eine wird den Einzelspieler-Bereich mögen, der andere bevorzugt Mehrspieler-Modus. Sicher gibt es viele die in beiden Varianten gute Unterhaltung finden.
Optisch ist das Spiel auch als Remaster keine Offenbarung. Man hat aber technische Makel der Originalfassung – Kantenflimmern und matschige Texturen – eliminiert. Mit größerer Sichtweite, höherer Auflösung, neuen Umgebungselementen und besserer Performance ist das Ganze auch in 2020 ein spaßiger Titel.
Da es sich nicht um einen Vollpreistitel handelt (30 Euro statt 60), ist es faire Empfehlung für Arcade-Racing-Fans. Besonders das plattformübergreifende Cross-Play macht den Multiplayer attraktiv.
Wertung: 7,5/10 – Gut
Ein solides Remaster eines Arcade-Klassikers mit technischen Verbesserungen und Cross-Play-Multiplayer, das durch fairen Preis überzeugt auch wenn moderne Grafik fehlt.
Pro und Contra
Pro:
- Fokussiertes Cops-vs-Racer-Konzept funktioniert brilliant
- Alle DLCs der Original-Version integriert
- Plattformübergreifendes Cross-Play erweitert Community massiv
- Autolog-System motiviert durch Freunde-Vergleiche
- Simpel zugängliche Arcade-Steuerung
- 60fps auf Current-Gen für butterweiche Performance
- Fairer Preis (30 Euro statt Vollpreis)
- Technische Makel des Originals eliminiert
- Über 120 Events für 20+ Stunden Content
- Spektakuläre Crash-Kamera im Burnout-Stil
Contra:
- Grafisch auch als Remaster nicht zeitgemäß
- Sehr wenig ziviler Verkehr auf Straßen
- Keine Cockpit-Ansicht verfügbar
- Kein Tuning-System für Fahrzeuge
- KI der Gegner nicht besonders clever
- Nur ein fixer Schwierigkeitsgrad (oft zu leicht)
- Begrenzte Fahrzeugauswahl (75 Autos)
- Keine Story oder Hauptfigur
- Fehlendes manuelles Schaltgetriebe
- Nicht die Fan-Favoriten (Underground/Most Wanted) als Remaster
Häufige Fragen zu NFS Hot Pursuit Remastered
Was ist der Unterschied zum Original?
Technische Verbesserungen: Höhere Auflösung, 60fps, bessere Texturen, größere Sichtweite. Alle DLCs integriert. Cross-Play-Multiplayer hinzugefügt. Gameplay ist identisch.
Gibt es Cross-Play?
Ja! PS4, Xbox One, PC und Switch können zusammen spielen. Das ist großartige Ergänzung die die Community vereint.
Brauche ich das Original gespielt zu haben?
Nein. Es ist standalone Remaster. Man kann ohne Vorkenntnisse einsteigen.
Gibt es Tuning?
Nein. Hot Pursuit fokussiert auf Cops-vs-Racer-Action ohne Tuning-Komplexität. Man schaltet neue Autos frei aber modifiziert sie nicht.
Wie ist die Performance?
PS5/Xbox Series X: 4K, 60fps. PS4 Pro/Xbox One X: 1080p-4K (dynamisch), 60fps. Base-Konsolen: 1080p, 30fps. PC: Bis 4K, unlocked fps.
Lohnt es sich wenn ich das Original habe?
Für Hardcore-Fans ja (Cross-Play, 60fps). Für Casual-Spieler fragwürdig – es ist dasselbe Spiel mit besserer Technik. Im Sale empfehlenswert.
Warum nicht Underground oder Most Wanted?
EA/Criterion entschieden dass Hot Pursuit die nachvollziehbarste Wahl war – technisch einfacher zu remastern, weniger lizenzierte Musik-Probleme.
Gibt es neue Inhalte?
Neue Multiplayer-Modi („Meistgesuchter“, „Alle gegen Alle“). Sonst ist es das Original mit allen DLCs plus technischen Verbesserungen.
Technische Daten
Entwickler: Stellar Entertainment (Remaster), Criterion Games (Original)
Publisher: EA
Plattformen: PC, PS4, Xbox One, Nintendo Switch
Release: 6. November 2020
Genre: Arcade-Rennspiel
Spieleranzahl: Einzelspieler + Online-Multiplayer (Cross-Play)
Spielzeit: 20+ Stunden
Sprachen: Deutsch, Englisch (Text + Sprache)
Altersfreigabe: USK 6 / PEGI 7
Technische Specs:
- PS5/Xbox Series X: 4K, 60fps
- PS4 Pro/Xbox One X: 1080p-4K (dynamisch), 60fps
- PS4/Xbox One: 1080p, 30fps
- PC: Bis 4K, unlocked fps
- Cross-Play: Ja (alle Plattformen)



