Tamashii: Chronicle of Ascend

Tamashii: Chronicle of Ascend im Test – Cyberpunk-Brettspiel mit Dual-Welt-Mechanik

Awaken Realms Lite präsentiert mit Tamashii: Chronicle of Ascend ein ambitioniertes Cyberpunk-Brettspiel, das thematisch zwischen Matrix, Altered Carbon und Terminator angesiedelt ist. In einer düsteren Zukunft hat die künstliche Intelligenz „Ascend“ die Kontrolle über die Welt übernommen und die Menschheit in einen endlosen Kreislauf digitaler Unterdrückung gezwungen. Spieler schlüpfen in die Rolle von Widerstandskämpfern – sogenannten „Outsidern“ – die als einzige die Fähigkeit besitzen, zwischen verschiedenen synthetischen Körpern zu wechseln und sowohl in der physischen als auch virtuellen Realität zu agieren.

Diese Prämisse ist nicht nur atmosphärisch dicht, sondern wird auch mechanisch konsequent umgesetzt. Awaken Realms Lite, der kleinere Ableger des bekannten Verlags, hat sich mit diesem Titel offensichtlich vorgenommen, nicht nur ein weiteres Cyberpunk-Spiel auf den Markt zu werfen, sondern eines der thematisch stimmigsten Vertreter des Genres der letzten Jahre zu schaffen. Ob dieser ambitionierte Anspruch eingelöst wird, zeigt dieser ausführliche Test.

Dual-Welt-Konzept: Innovation trifft Cyberpunk

Das innovative Herzstück von Tamashii bildet sein Dual-Welt-System, das weit über eine simple thematische Spielerei hinausgeht. Spieler navigieren simultan durch eine modulare Stadtkarte in der physischen Dimension und hacken sich parallel durch die digitale Sphäre. Diese permanente Präsenz auf zwei Ebenen ist keine Abfolge getrennter Phasen, sondern ein konstantes Hin und Her, das strategische Entscheidungen auf beiden Ebenen gleichermaßen relevant macht.

In der realen Welt erkunden Spieler neue Distrikte, die sich aus modularen Tiles zusammensetzen und bei jeder Partie ein neues Stadtlayout kreieren. Hier bekämpfen sie feindliche Roboter, sammeln essenzielle Informationen und schalten neue Bereiche frei. Jede Bewegung, jeder Kampf kostet wertvolle Zeit – und Zeit ist in Tamashii die knappste Ressource. Parallel dazu nutzen die Spieler Pattern-Matching-Mechaniken, um in der virtuellen Welt Gegner zu hacken, defensive Systeme zu deaktivieren und Boni zu aktivieren, die wiederum Aktionen in der physischen Welt ermöglichen oder vereinfachen.

Die Pattern-Matching-Mechanik erinnert an Titel wie „Bullet“, ist aber geschickt ins Cyberpunk-Setting eingebettet und fühlt sich dadurch wesentlich thematischer an. Spieler legen kleine Chips in bestimmten Mustern aus, um Programme zu kreieren. Diese kleinen digitalen Werkzeuge, die durch präzises Anordnen von Mustern entstehen, vermitteln tatsächlich das Gefühl rudimentärer Programmierarbeit – man optimiert, testet verschiedene Kombinationen und versucht, mit minimalen Ressourcen maximale Effizienz zu erreichen. Natürlich mögen echte Entwickler schmunzeln, aber für ein Brettspiel ist die Abstraktion clever gewählt und funktioniert überraschend gut.

Das Geniale am Dual-Welt-System ist die permanente Verknüpfung beider Ebenen. Was in der digitalen Welt geschieht, beeinflusst direkt die Optionen in der physischen Realität und umgekehrt. Ein erfolgreiches Hack-Manöver kann Türen öffnen, Gegner schwächen oder zusätzliche Aktionen gewähren. Gleichzeitig erfordern manche Hacks, dass bestimmte Bedingungen in der realen Welt erfüllt sind. Diese Verzahnung erzeugt ein konstantes Puzzle, bei dem beide Dimensionen gleichermaßen Aufmerksamkeit fordern.

Körper-Wechsel: Strategische Vielfalt

Besonders clever implementiert ist das „Body-System“, das nicht nur thematisch faszinierend ist, sondern auch jedem Charakter eine völlig distinkte Spielweise verleiht. Die Outsider sind nicht an einen biologischen Körper gebunden, sondern können zwischen verschiedenen synthetischen Hüllen wechseln. Je nach gewähltem Körper stehen unterschiedliche Fähigkeiten, Bewegungsreichweiten und taktische Ansätze zur Verfügung. Ein schwer gepanzerter Kampfkörper bewegt sich langsamer, kann aber deutlich mehr Schaden einstecken und austeilen. Ein wendiger Infiltrationskörper hingegen ermöglicht schnelle Bewegungen und Zugang zu Bereichen, die anderen verwehrt bleiben, ist dafür aber deutlich fragiler.

Dieses System verstärkt nicht nur die thematische Immersion – man fühlt sich wirklich wie ein digitales Bewusstsein, das verschiedene Shells nutzt – sondern fügt auch erheblichen strategischen Tiefgang hinzu. Der Körperwechsel ist keine kosmetische Entscheidung, sondern eine taktische Notwendigkeit. Manche Missionen erfordern bestimmte Körpertypen, um Ziele zu erreichen oder Hindernisse zu überwinden. Andere Situationen belohnen geschicktes Timing beim Wechsel zwischen verschiedenen Körpern, um ihre jeweiligen Stärken optimal auszunutzen.

Besonders im kooperativen Spiel mit mehreren Teilnehmern entfaltet das Body-System sein volles Potential. Die Gruppe muss sich koordinieren, welche Körpertypen für das aktuelle Szenario benötigt werden. Ein ausgewogener Mix verschiedener Spezialisierungen ist oft der Schlüssel zum Erfolg, aber manchmal kann auch eine fokussierte Strategie mit ähnlichen Körpertypen überraschend effektiv sein. Diese taktische Flexibilität gehört zu den größten Stärken des Spiels und sorgt dafür, dass sich verschiedene Partien selbst mit identischem Szenario grundlegend unterschiedlich anfühlen können.

Flexible Szenario-Struktur statt starrer Kampagne

Statt einer starren, linearen Kampagne setzt Tamashii auf ein erfrischend flexibles Szenario-System, das dem modernen Brettspiel-Design entspricht. Zehn verschiedene Missionen stehen zur Verfügung und können in nahezu beliebiger Reihenfolge absolviert werden – lediglich das große Finale erfordert den erfolgreichen Abschluss aller anderen Szenarien als Voraussetzung. Diese Struktur fördert nicht nur die Experimentierfreude, sondern macht auch jede Partie zu einem eigenständigen Abenteuer mit verzweigten Entscheidungspunkten und multiplen Lösungswegen.

Jedes Szenario präsentiert seine eigenen Herausforderungen, Ziele und narrativen Wendungen. Mal müssen die Outsider wichtige Daten aus einem stark gesicherten Serverraum extrahieren, während in einer anderen Mission die Befreiung gefangener Widerstandskämpfer im Vordergrund steht. Die Szenarien unterscheiden sich nicht nur thematisch, sondern auch mechanisch deutlich voneinander. Manche fokussieren auf intensive Kampfsequenzen, während andere eher auf geschicktes Ressourcenmanagement und clevere Hack-Kombinationen setzen.

Diese modulare Struktur hat einen weiteren Vorteil: Sie eignet sich hervorragend für Spielgruppen, die nicht regelmäßig zusammenkommen können. Anstatt eine durchgehende Kampagne zu verfolgen, die bei jedem Treffen nahtlos fortgesetzt werden muss, kann man einfach ein Szenario herausgreifen, das zur aktuellen Stimmung und verfügbaren Zeit passt. Gleichzeitig gibt es zwischen den Szenarien genug narrative Verknüpfungen, dass sich beim Durchspielen mehrerer Missionen ein größeres Bild der Welt und der Bedrohung durch Ascend zusammenfügt. Es ist eine gelungene Balance zwischen Flexibilität und kohärenter Erzählung.

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Produktionsqualität: Hochwertig, aber ohne Miniaturen

Awaken Realms genießt in der Brettspiel-Community eine wohlverdiente Reputation für opulente Produktionen, und Tamashii enttäuscht materiell keineswegs. Die Qualität der Komponenten überzeugt durchweg auf ganzer Linie: 16 detaillierte Körper-Spielsteine, vier doppellagige Spielerbretter, die das Handling erheblich erleichtern, über 300 verschiedene Spielsteine für Ressourcen und Marker sowie mehr als 300 Karten füllen die umfangreiche Box. Die Materialien fühlen sich wertig an, die Karten sind stabil und auch nach mehrmaligem Spielen zeigen sich keine Abnutzungserscheinungen.

Besonders beeindruckend sind die Miniaturen der Kickstarter/Gamefound-Edition. Die detaillierten Figuren für die verschiedenen Körper und Gegner sind nicht nur funktional, sondern echte Eyecatcher auf dem Tisch. Jede Miniatur ist liebevoll gestaltet und fängt die Cyberpunk-Ästhetik perfekt ein. Die Größe und Qualität der Miniaturen entspricht genau dem, was man von Awaken Realms erwartet – hier wurde nicht gespart. Gerade im Kontrast zu späteren Retail-Versionen, die nur Standees enthalten, wird deutlich, wie sehr die Miniaturen zur Atmosphäre beitragen.

Die Grafik von Paolo Scippo und Giovanni Pirrotta trifft perfekt den Ton zwischen düsterem Cyberpunk und zugänglicher Spielbarkeit. Die Karten sind nicht nur atmosphärisch gestaltet, sondern auch funktional durchdacht – wichtige Informationen lassen sich auf einen Blick erfassen, ohne dass die ästhetische Qualität darunter leidet. Die Ikonografie ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase intuitiv verständlich, auch wenn das Regelbuch hier leider nicht immer die beste Hilfe bietet.

Die Stretch Goals und Erweiterungen wie „Catie’s Diary“, „Forbidden Chapter“ und die „Edgerunners“-Miniaturen fügen der bereits umfangreichen Box noch mehr Inhalt hinzu. Besonders die zusätzlichen Miniaturen aus dem Edgerunners-Pack erweitern die taktischen Möglichkeiten und sorgen für noch mehr Variabilität auf dem Spieltisch.

Japanisches Flair: Authentische Atmosphäre

Visuell und thematisch trifft Tamashii absolut ins Schwarze und setzt neue Maßstäbe dafür, wie organisch Thema und Mechanik verschmelzen können. Die Handlung spielt in Japan, und dieser kulturelle Einfluss ist keine oberflächliche Dekoration, sondern durchzieht das gesamte Spiel von Grund auf. Von der detailreichen Artwork über die sorgfältig gestalteten Charakterdesigns bis hin zu den japanischen Namen und Begriffen – alles atmet eine authentische Cyberpunk-Atmosphäre mit unverkennbar japanischem Flair.

Die Entwickler haben sich offensichtlich intensiv mit japanischer Cyberpunk-Ästhetik auseinandergesetzt, wie sie etwa aus Anime-Klassikern wie Ghost in the Shell oder Akira bekannt ist. Neonbeleuchtete Straßenschluchten, überfüllte Distrikte voller digitaler Werbetafeln, die Verschmelzung von traditioneller japanischer Architektur mit futuristischer Technologie – all diese ikonischen Elemente finden sich im Artwork wieder. Gleichzeitig vermeidet Tamashii die Falle, in die viele westliche Cyberpunk-Produktionen tappen: Es bedient sich nicht einfach an japanischen Versatzstücken, sondern zeigt echtes Verständnis für die kulturellen und philosophischen Dimensionen des Genres.

Das Thema wirkt niemals aufgesetzt oder wie eine nachträglich applizierte Lackierung, sondern verschmilzt nahtlos mit den Spielmechaniken. Die Idee des Körperwechsels etwa ist tief in japanischen Konzepten von Identität und dem Verhältnis zwischen Seele und Körper verwurzelt. Der Name „Tamashii“ selbst bedeutet im Japanischen „Seele“ oder „Geist“ – eine perfekte Wahl für ein Spiel, in dem das Bewusstsein zwischen verschiedenen Hüllen wandert. Diese thematische Tiefe hebt Tamashii deutlich von anderen Cyberpunk-Brettspielen ab, die oft nur die oberflächliche Neon-Ästhetik kopieren, ohne das Genre wirklich zu verstehen.

Schwachstellen: Regelbuch und Balancing

Trotz seiner zahlreichen Stärken und des innovativen Designs zeigt Tamashii leider auch einige Schwächen, die das Spielerlebnis beeinträchtigen können. An vorderster Front steht hier das Regelbuch, das unübersichtlich gestaltet ist und den Einstieg unnötig erschwert. Die Informationen sind nicht immer logisch strukturiert, wichtige Regeln verstecken sich manchmal in Nebensätzen, und die Beispiele könnten deutlich zahlreicher und ausführlicher sein. Gerade für ein Spiel mit derart komplexen, ineinandergreifenden Mechaniken wäre ein didaktisch besser aufbereitetes Regelwerk Gold wert gewesen. Man findet sich zwar nach einigen Partien zurecht, aber die ersten Spiele verlaufen oft stockend mit ständigen Regelrückfragen.

Die angegebene Spielzeit von 45-90 Minuten erweist sich als ausgesprochen optimistisch. In der Praxis dauern Partien, besonders mit voller Spielerzahl, oft deutlich länger – zwei bis zweieinhalb Stunden sind keine Seltenheit. Dies liegt zum einen an der Komplexität der Entscheidungen, die sorgfältiges Abwägen erfordern, zum anderen aber auch am konstanten Nachschlagen im Regelbuch, zumindest in den ersten Partien. Spieler sollten sich mental auf längere Sessions einstellen und entsprechend Zeit einplanen.

Der Schwierigkeitsgrad kann zudem frustrierend wirken, was das Spielerlebnis manchmal unnötig belastet. Der konstante Zeitdruck, gepaart mit der nicht unerheblichen Zufälligkeit der Würfelwürfe, führt dazu, dass man sich gehetzt fühlt, anstatt die durchaus cleveren Puzzles und die faszinierende Spielwelt in Ruhe zu genießen. Es gibt Momente, in denen man das Gefühl bekommt, trotz optimaler Planung durch Pechsträhnen beim Würfeln ausgebremst zu werden. Hier hätte eine etwas entspanntere Balance oder zumindest optionale Schwierigkeitsregler dem Spielerlebnis deutlich gutgetan. Das Spiel fordert, aber manchmal kippt diese Herausforderung in reine Frustration – besonders für Spieler, die das erste Mal an den Tisch kommen.

Solo-Modus: Solide, aber kooperativ besser

Für Solo-Spieler bietet Tamashii: Chronicle of Ascend eine durchaus solide und gut durchdachte Erfahrung, die sich nicht wie ein nachträglich angeflanschtes Feature anfühlt. Die Entwickler haben dem Einzelspieler-Modus offensichtlich Aufmerksamkeit geschenkt. Auch wenn die kooperative Variante mit mehreren Spielern letztendlich mehr Freude bereitet – allein schon wegen der gemeinsamen Planungsphase und der sozialen Interaktion – funktioniert das Solo-Spiel erstaunlich gut.

Die KI-Steuerung für die Gegner und das Spielsystem selbst funktioniert reibungslos und erfordert keine aufwendigen Flowcharts oder komplizierte Entscheidungsbäume. Die Aktionen der Gegner werden durch ein cleveres Kartensystem gesteuert, das ausreichend Variabilität bietet, ohne den Solo-Spieler mit administrativem Overhead zu belasten. Man kann sich auf die eigenen Züge konzentrieren, ohne ständig die Gegenseite mikromanagen zu müssen.

Besonders die Szenario-Struktur erweist sich als ideal für Solo-Sessions. Man kann problemlos ein Szenario in einer Sitzung durchspielen, ohne eine fortlaufende Kampagne im Kopf behalten zu müssen. Dies macht Tamashii zu einem hervorragenden Solo-Spiel für zwischendurch – wobei „zwischendurch“ hier durchaus zwei Stunden bedeuten kann. Der Schwierigkeitsgrad im Solo-Modus ist durchaus anspruchsvoll, aber durch die volle Kontrolle über alle Entscheidungen lässt sich das Spiel oft besser optimieren als in größeren Gruppen, wo Diskussionen und unterschiedliche Spielstile den Flow bremsen können.

Erweiterungspotential: Modulares Design

Das modulare System von Tamashii ist von Grund auf erweiterungsfreundlich konzipiert und lässt reichlich Raum für zusätzliche Inhalte. Im Test standen neben der Core Box auch die Stretch Goals sowie drei große Erweiterungen zur Verfügung: „Forbidden Chapter“, „Catie’s Diary“ (beide in der Miniaturen-Version) und das „Edgerunners“-Miniaturenpack.

Catie’s Diary ist eine narrative Erweiterung, die zusätzliche Story-Elemente und neue Szenarien einführt. Die Erweiterung konzentriert sich auf die Hintergrundgeschichte eines der Charaktere und fügt emotionale Tiefe zur ohnehin schon dichten Welt hinzu. Die zusätzlichen Miniaturen aus diesem Pack sind ebenso detailliert wie die des Grundspiels und erweitern die taktischen Optionen spürbar.

Forbidden Chapter bringt weitere Szenarien ins Spiel, die sich nahtlos in das bestehende System einfügen. Diese Erweiterung konzentriert sich auf bisher unerzählte Aspekte der Welt und bietet neue Herausforderungen, die auch erfahrene Spieler fordern. Die mechanischen Ergänzungen fügen sich organisch ein, ohne das Grundspiel zu überladen.

Edgerunners ist ein reines Miniaturenpack, das zusätzliche Körperoptionen und Gegnertypen ins Spiel bringt. Die Qualität der Miniaturen ist herausragend und sie fügen sich perfekt in die Ästhetik des Grundspiels ein. Für Sammler und Spieler, die Wert auf visuelle Vielfalt legen, ist dieses Pack ein Highlight.

Das Grundspiel allein bietet bereits dutzende verschiedene Orte, die es zu erkunden gilt, und genug Variabilität für zahlreiche Spielabende. Mit den Erweiterungen potenziert sich dieser Wiederspielwert erheblich. Die zehn Szenarien des Grundspiels werden durch die Erweiterungs-Missionen ergänzt, was das Gesamtpaket zu einem monumentalen Spielerlebnis macht, das problemlos Dutzende von Spielsitzungen füllen kann.

Die modulare Struktur der Stadtkarten, das flexible Szenario-System und die Vielfalt möglicher Körpertypen bieten weiterhin zahllose Ansatzpunkte für zukünftige Expansionen. Die Tatsache, dass Awaken Realms Lite bereits mehrere hochwertige Erweiterungen veröffentlicht hat, zeigt das Engagement für das System. Für Fans des Grundspiels ist dies eine erfreuliche Perspektive – das Kickstarter/Gamefound-Paket mit allen verfügbaren Inhalten ist bereits jetzt ein Fest für Cyberpunk-Enthusiasten.

Zielgruppe: Für wen lohnt sich Tamashii?

Ideal für:

  • Cyberpunk-Enthusiasten
  • Fans kooperativer Strategiespiele
  • Spieler, die Pattern-Matching-Mechaniken schätzen
  • Solo-Spieler mit Präferenz für szenario-basierte Spiele
  • Awaken Realms-Fans

Weniger geeignet für:

  • Gelegenheitsspieler (steile Lernkurve)
  • Spieler, die Zeitdruck meiden
  • Gruppen, die schnelle Partien bevorzugen
  • Käufer, die Retail-Version suchen (deutlich weniger Inhalt)

Stärken und Schwächen

Stärken:

✅ Innovatives Dual-Welt-System mit simultaner Spielweise
✅ Thematisch stimmiges Cyberpunk-Setting mit japanischem Flair
✅ Clever implementiertes Body-System für strategische Vielfalt
✅ Hochwertige Materialqualität und spektakuläre Miniaturen (Kickstarter/Gamefound)
✅ Flexible Szenario-Struktur fördert Wiederspielwert
✅ Pattern-Matching fühlt sich wie echtes Hacking an
✅ Solide Solo-Variante
✅ Umfangreiche Erweiterungen fügen erheblichen Content hinzu

Schwächen:

❌ Unübersichtliches Regelbuch erschwert Einstieg
❌ Tatsächliche Spielzeit deutlich länger als angegeben
❌ Frustrierender Zeitdruck und Würfelglück-Abhängigkeit
❌ Steile Lernkurve für Neueinsteiger
❌ Kickstarter/Gamefound-Edition mittlerweile schwer erhältlich

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die getestete Kickstarter/Gamefound-Edition mit Core Box, allen Stretch Goals und den Erweiterungen „Forbidden Chapter“, „Catie’s Diary“ und „Edgerunners“ stellt ein umfangreiches Gesamtpaket dar, das deutlich über das Grundspiel hinausgeht. Diese Version ist mittlerweile nicht mehr regulär erhältlich und wurde exklusiv über Crowdfunding finanziert.

Für die Backer stellte das Paket ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Man erhielt eine enorme Menge an hochwertigem Material: Hunderte von Karten, Tokens und Markern, doppellagige Spielerboards, die modularen Stadtkarten, ein umfangreiches Spielsystem mit zehn verschiedenen Szenarien im Grundspiel plus zusätzliche Szenarien aus den Erweiterungen, und vor allem die spektakulären Miniaturen, die Awaken Realms zu Recht berühmt gemacht haben. Die Produktionsqualität ist durchweg exzellent.

Die Erweiterungen „Catie’s Diary“ und „Forbidden Chapter“ fügen nicht nur neue Szenarien hinzu, sondern erweitern auch die narrative Tiefe der Welt erheblich. Das „Edgerunners“-Pack bringt zusätzliche Miniatur-Optionen ins Spiel. Der hohe Wiederspielwert durch die flexible Szenario-Struktur, die verschiedenen Körpertypen und die modularen Karten rechtfertigt die Investition vollständig.

Die Retail-Version, die später in den Handel kam, enthält nur das Grundspiel ohne Miniaturen (stattdessen Standees) und kostet etwa 200-210 Euro. Im Vergleich dazu war das Kickstarter/Gamefound-Paket mit allen Inhalten und Miniaturen ein deutlich besseres Angebot. Wer heute noch an das Spiel mit Miniaturen kommen möchte, muss auf dem Zweitmarkt suchen und oft erhebliche Aufpreise zahlen.

Fazit: Ambitioniertes Cyberpunk-Erlebnis mit Ecken und Kanten

Tamashii: Chronicle of Ascend ist ein ausgesprochen ambitioniertes Spiel, das seine größten Stärken eindeutig in der thematischen Kohärenz und den genuinen innovativen Mechaniken findet. Trotz einiger nicht zu verleugnender Schwächen beim Balancing, der frustrierenden Regelpräsentation und gelegentlichen Frustmomenten durch überzogenen Zeitdruck gelingt es dem Spiel, ein authentisches Cyberpunk-Erlebnis zu schaffen, das weit über oberflächliche Genre-Klischees und billige Neon-Ästhetik hinausgeht.

Die Verzahnung der beiden Spielwelten funktioniert überraschend organisch, das Body-System ist sowohl thematisch als auch mechanisch eine Bereicherung, und die japanische Cyberpunk-Atmosphäre ist so dicht und authentisch umgesetzt, wie man es selten in westlichen Produktionen findet. Awaken Realms Lite hat bewiesen, dass sie nicht nur schöne Spiele produzieren können, sondern auch mechanisch tiefgehende, die echte Innovation wagen.

Wer sich für Cyberpunk-Themen begeistert und bereit ist, sich auf komplexere Mechaniken sowie eine nicht unerhebliche Lernkurve einzulassen, findet hier ohne Zweifel einen der besten und interessantesten Vertreter seiner Art auf dem aktuellen Brettspielmarkt. Das Spiel bietet genug strategischen Tiefgang und Wiederspielwert, um lange zu fesseln – vorausgesetzt, man kann über die gelegentlichen Frustmomente durch Würfelpech und Zeitdruck hinwegsehen und akzeptiert, dass die ersten Partien eher holprig verlaufen werden. Für die Zielgruppe der Cyberpunk-Enthusiasten und Strategiespiel-Veteranen ist Tamashii jedoch eine klare Empfehlung, die trotz ihrer Ecken und Kanten ein einzigartiges und unvergessliches Spielerlebnis bietet.

Empfehlung: Unverzichtbar für Cyberpunk-Enthusiasten und Freunde kooperativer Strategiespiele mit starkem Thema. Gelegenheitsspieler sollten sich auf eine steile Lernkurve und anspruchsvolles Gameplay einstellen – wer diese Herausforderung jedoch annimmt, wird mit einem der thematisch stimmigsten Brettspiele der letzten Jahre belohnt.


Bewertung & Allgemeine Informationen

Bewertung: 7,8/10

Allgemeine Informationen:

Entwickler: Awaken Realms Lite
Spieleranzahl: 1-4 Spieler
Spieldauer: 45-90 Minuten (offiziell), in der Praxis oft länger
Altersempfehlung: Ab 14 Jahren
Genre: Kooperatives Cyberpunk-Abenteuer mit Bag-Building und Pattern-Matching
Verfügbarkeit: Kickstarter/Gamefound-Edition (getestet) nicht mehr regulär erhältlich. Retail-Version im deutschen Handel für ca. 200-210 Euro (nur Core Box, keine Miniaturen)
Lokalisierung: Deutsche Version verfügbar

Hinweis: Dieser Test basiert auf der Kickstarter/Gamefound-Edition mit Core Box, allen Stretch Goals sowie den Erweiterungen „Forbidden Chapter“, „Catie’s Diary“ (beide Miniaturen-Version) und „Edgerunners“ (Miniaturenpack). Die später erschienene Retail-Version enthält nur das Grundspiel ohne Miniaturen (Standees statt Miniaturen) und ist im deutschen Handel für ca. 200-210 Euro erhältlich.


Technische Details

Spielmaterial (Kickstarter/Gamefound-Edition):

  • 16 Körper-Spielsteine (detailliert)
  • Detaillierte Miniaturen für Körper und Gegner
  • Zusätzliche Miniaturen aus Erweiterungen
  • 4 doppellagige Spielerbretter
  • Über 300 verschiedene Spielsteine
  • Über 300 Karten
  • Modulare Stadtkarten
  • Würfel
  • Stretch Goals-Inhalte

Hinweis: Retail-Version enthält Standees statt Miniaturen

Spielmodi:

  • Kooperativ (2-4 Spieler)
  • Solo (mit KI-Steuerung)

Szenario-Struktur:

  • 10 verschiedene Missionen
  • Beliebige Reihenfolge (außer Finale)
  • Verzweigte Entscheidungspunkte
  • Hoher Wiederspielwert

Mechaniken:

  • Dual-Welt-System (physisch & virtuell)
  • Pattern-Matching für Hacking
  • Body-System für unterschiedliche Spielstile
  • Bag-Building
  • Kooperatives Ressourcenmanagement

Getestete Erweiterungen (Kickstarter/Gamefound):

  • Stretch Goals (deutsch)
  • Forbidden Chapter Expansion (Miniature Version, deutsch)
  • Catie’s Diary Expansion (Miniature Version, deutsch)
  • Edgerunners (Miniature Expansion)

Hinweis: Die Retail-Version enthält nur die Core Box ohne Miniaturen (Standees) und ohne Erweiterungen.

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