Dawn of War

Warhammer 40,000: Dawn of War im Test – Brutal, episch, meisterhaft

Relic Entertainment hat mit der Homeworld-Serie bewiesen, dass sie Strategie-Spiele beherrschen. Jetzt verlassen die Kanadier den Weltraum und widmen sich dem düsteren Warhammer 40,000-Universum. Dawn of War bringt die brutale Zukunftsvision von Games Workshop erstmals als vollwertiges Echtzeit-Strategiespiel auf den PC. Nach Dutzenden Stunden mit den Blood Ravens, chaotischen Multiplayer-Schlachten und der verzweifelten Verteidigung gegen Ork-Horden steht fest: Relic hat nicht nur das beste Warhammer-Spiel aller Zeiten erschaffen, sondern auch eines der besten RTS-Games 2004. Dies ist keine bloße Lizenz-Umsetzung – dies ist Genre-definierende Echtzeitstrategie mit einem einzigartigen Setting.

Das 41. Jahrtausend – Willkommen in der Zukunft

Warhammer 40,000 ist eines der dunkelsten Science-Fiction-Universen überhaupt. Im 41. Jahrtausend gibt es nur Krieg. Die Menschheit, organisiert als totalitäres Imperium unter dem Gott-Imperator, kämpft an allen Fronten gegen xeno-Bedrohungen, Chaos-Dämonen und Verräter. Es ist eine dystopische Zukunft ohne Hoffnung, nur endloser Kampf.

Dawn of War fängt diese Atmosphäre ab der ersten Minute ein. Wer die Tabletop-Spiele kennt, wird wiedererkennen. Wer neu einsteigt, bekommt eine intensive Einführung in eine der faszinierendsten fiktionalen Welten.

Kampagne – Die Blood Ravens auf Tartarus

Die Story-Kampagne folgt den Blood Ravens, einem Space-Marine-Orden, auf dem Planeten Tartarus. Captain Gabriel Angelos führt seine Truppen gegen eine Ork-Invasion – zumindest scheint es zunächst so. Schnell stellt sich heraus, dass uralte, dunkle Mächte erwachen, und dass die Orks nur der Anfang sind.

Narrative Stärken: Die Story ist für RTS-Standards überdurchschnittlich. Zwischensequenzen sind atmosphärisch dicht, die Charaktere haben Persönlichkeit (besonders Gabriel Angelos), und die Wendungen funktionieren. Für Warhammer-Veteranen gibt es zahlreiche Referenzen, Neulinge bekommen genug Kontext.

Die elf Missionen bieten 12-15 Stunden Spielzeit. Der Mix aus klassischen Basis-Bau-Missionen und fokussierten Squad-basierten Szenarien hält die Kampagne abwechslungsreich. Manche Missionen geben einem nur eine Handvoll Einheiten und ein Ziel – keine Verstärkung, nur taktische Meisterleistung.

Einschränkung: Man spielt ausschließlich die Space Marines. Wer Orks, Eldar oder Chaos in der Kampagne spielen will, wird enttäuscht. Aber ehrlich: Space Marines sind die ikonischste Fraktion – es passt.

Gameplay – Revolutionäres Ressourcen-System

Hier zeigt Relic Innovation. Dawn of War wirft traditionelles RTS-Ressourcen-Management über Bord und ersetzt es durch ein überlegenes System.

Keine Arbeiter-Mikromanagement: Vergessen sind endlose Klicks auf Bauern, die Holz hacken oder Gold schürfen. In Dawn of War erobert man strategische Punkte auf der Karte und baut dort Listening Posts (Horchposten). Diese generieren automatisch Requisition – die Hauptressource.

Drei Ressourcen-Typen:

  • Requisition: Für Einheiten und einfache Gebäude (generiert durch kontrollierte Punkte)
  • Power: Für fortgeschrittene Einheiten und Upgrades (generiert durch Generatoren)
  • Squad Cap: Limitiert maximale Einheiten-Anzahl (erhöht durch bestimmte Gebäude)

Das System funktioniert brillant. Statt Wirtschaft zu micromanagen, fokussiert man auf Taktik. Territoriumskontrolle wird zum strategischen Kern – wer mehr Punkte hält, hat mehr Ressourcen. Das erzeugt konstanten Druck zu expandieren und Punkte zu verteidigen.

Fraktionen – Vier verschiedene Spielweisen

Jede der vier Fraktionen spielt sich fundamental anders:

Space Marines: Ausgewogene Elite-Truppen. Teuer, mächtig, vielseitig. Space Marines sind keine Masse, sondern hochspezialisierte Squads. Ein Tactical Squad kann mit Boltern schießen, mit Flammen-Waffen Infanterie grillen, oder mit Raketen-Launchern Panzer knacken.

Orks: Horde-Fraktion. Billig, zahlreich, chaotisch. Orks kompensieren geringe Einheiten-Qualität mit überwältigender Masse. Eine Ork-Armee ist ein grüner Tsunami, der alles überrollt. „WAAAGH!“ ist nicht nur Schlachtruf, sondern Spielweise.

Eldar: Schnell, fragil, taktisch. Eldar setzen auf Hit-and-Run, Teleportation und psychische Kräfte. Sie sind die schwierigste Fraktion – hohes Skill-Ceiling, aber in den richtigen Händen verheerend.

Chaos Space Marines: Korrumpierte Version der Space Marines. Kombinieren Space Marine-Stärke mit dämonischen Verstärkungen. Chaos kann buchstäblich Dämonen beschwören. Das ist so cool, wie es klingt.

Die Balance zwischen Fraktionen ist beeindruckend. Keine dominiert absolut, jede hat klare Stärken und Schwächen. Asymmetrisches Balance-Design auf höchstem Niveau.

Kommandanten – Helden mit Progression

Jede Fraktion hat Kommandanten – Hero-Einheiten, die Erfahrung sammeln und stärker werden. Ein Space Marine Captain startet mächtig und wird im Laufe der Schlacht zur Walking-Apocalypse.

Artefakt-System: Auf Maps findet man Artefakte, die Kommandanten ausrüsten können. Bessere Waffen, Rüstungen, Reliquien. Das fügt RPG-Elemente hinzu ohne das RTS-Gameplay zu verwässern.

Ein hochgelevelter, voll ausgerüsteter Kommandant kann ganze Armeen zerlegen. Aber er ist nicht unbesiegbar – fokussiertes Feuer oder spezialisierte Anti-Hero-Einheiten können ihn stoppen.

Kämpfe – Spektakulär und brutal

Die Gefechte in Dawn of War sind visuell und spielerisch beeindruckend. Das ist kein abstraktes „Einheiten treffen sich, Gesundheitsbalken sinken“. Das sind chaotische, blutige Massenschlachten.

Nahkampf-Fokus: Viele Einheiten sind spezialisiert auf Nahkampf. Space Marine Assault Squads aktivieren Jump Packs, springen in Feindlinien und zerfetzen sie mit Chainswords. Ork Nobs schwingen Power Klaws. Eldar Banshees kreischen und schnetzeln.

Der Nahkampf ist taktisch relevant. Einheiten im Melee können nicht beschossen werden ohne friendly fire. Positionierung, Flanking, Morale-System – alles spielt eine Rolle.

Spezialfähigkeiten: Fast jede Einheit hat aktivierbare Fähigkeiten. Granaten, Flammenwerfer, Power Weapons, psychische Attacken. In hektischen Schlachten die richtigen Fähigkeiten zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen, entscheidet über Sieg oder Niederlage.

Morale-System: Einheiten können brechen. Unter schwerem Feuer sinkt Morale, bei Null flieht die Einheit. Das fügt Realismus hinzu – selbst Orks können panisch werden (wenn auch selten).

Grafik – 2004-Standards übertroffen

Visuell ist Dawn of War beeindruckend. Die Engine rendert hunderte Einheiten gleichzeitig ohne Performance-Einbrüche. Die Detail-Dichte ist hoch – man kann nah heranzoomen und einzelne Space Marines beim Kämpfen beobachten.

Visuelle Highlights:

  • Detaillierte Einheiten-Modelle (jeder Space Marine ist erkennbar)
  • Spektakuläre Animationen (Jump Pack-Sprünge, Chainsword-Exekutionen)
  • Zerstörbare Umgebungen (Gebäude zerfallen, Schlachtfelder sehen nach Kämpfen verwüstet aus)
  • Wettereffekte und Tag/Nacht-Zyklen auf manchen Maps

Die Kamera erlaubt extremes Heranzoomen bis zur Bodenperspektive. Man kann Schlachten aus Augenhöhe betrachten – ein nettes Feature, das die Brutalität verstärkt.

Künstlerische Richtung: Relic versteht Warhammer 40K. Die Gothic-Industrial-Ästhetik ist perfekt eingefangen. Space Marines sehen aus wie gepanzerte Kathedralen, Ork-Technologie ist chaotischer Schrott, Eldar ist elegant-alien. Alles stimmt.

Sound – Jeremy Soule und epische Vertonung

Der Soundtrack stammt von Jeremy Soule (The Elder Scrolls, Guild Wars). Er liefert epische, düstere Kompositionen, die das 41. Jahrtausend perfekt einfangen. Von heroischen Kriegshymnen bis zu bedrohlichen Ambient-Sounds – alles passt.

Sprachausgabe – Herausragend: Jede Fraktion hat unverwechselbare Stimmen. Space Marines rufen „For the Emperor!“, „Purge the heretic!“ mit fanatischer Überzeugung. Orks grölen „WAAAGH!“ und „We’z gonna krump ya!“. Die Eldar sprechen mit arrogantem Mystizismus, Chaos mit korrumpierter Bösartigkeit.

Die deutsche Synchronisation ist exzellent – keine lieblose Übersetzung, sondern qualitativ hochwertige Arbeit. Wer Deutsch spielt, verpasst nichts.

Waffensounds: Das charakteristische Rattern der Bolter, das Kreischen von Chainswords, das Brummen von Plasmakanonen – jede Waffe klingt einzigartig und wuchtig. Audio-Design auf AAA-Niveau.

Multiplayer – Acht Spieler, endloses Chaos

Der Multiplayer unterstützt bis zu acht Spieler. Maps sind speziell für Multiplayer designed mit zahlreichen strategischen Punkten und Ressourcen-Orten.

Modi:

  • Annihilate: Zerstöre feindliche HQ
  • Control Area: Halte Territorien für Victory Points
  • Take and Hold: King of the Hill mit kritischen Punkten

Die Balance zwischen Fraktionen ist gut. Jede kann gewinnen, es gibt keine unschlagbare Meta (zum Launch). Matchmaking funktioniert über THQ-Server, läuft stabil.

KI-Skirmish: Wer keine Lust auf menschliche Gegner hat, spielt gegen KI. Auf höchsten Schwierigkeitsgraden ist sie fordernd, wenn auch manchmal vorhersehbar. Für Solo-Spieler bieten Skirmish-Matches langfristigen Wiederspielwert.

Army Painter – Persönliche Armeen

Ein Highlight für Tabletop-Fans: Der Army Painter. Man kann Einheiten komplett umfärben – Rüstung, Waffen, Details. Primär-, Sekundär-, Trim-Farben individuell anpassen.

Wer auf dem Tisch Ultramarines (blau) spielt, kann seine digitale Armee identisch gestalten. Oder man kreiert komplett eigene Chapter-Farben. Von Blood Angels (rot) über Dark Angels (dunkelgrün) bis zu eigenen Kreationen – alles möglich.

Das ist nicht nur Kosmetik. Es verstärkt die Verbindung zur eigenen Armee. Man baut nicht generische Space Marines – man baut seine Blood Ravens, seine Orks, seine Warband.

Für wen ist Dawn of War?

Pflichtkauf für:

  • Warhammer 40K-Fans (jeder Art)
  • RTS-Enthusiasten, die Innovation wollen
  • Fans von Starcraft, Warcraft, Age of Empires (hier ist was Neues)
  • Wer spektakuläre Schlachten liebt
  • Multiplayer-Strategie-Spieler

Empfohlen für:

  • Strategie-Einsteiger (zugänglicher als viele RTS)
  • Kampagnen-Fokussierte Spieler
  • Wer düstere Sci-Fi mag

Bedingt empfehlenswert für:

  • Wer nur Kampagnen-Vielfalt will (nur Space Marines spielbar)
  • Erwartung an Dutzende Einheiten-Typen (fokussiertes Roster)

Eckdaten zum Spiel

Titel: Warhammer 40,000: Dawn of War
Entwickler: Relic Entertainment
Publisher: THQ
Plattform: PC
Release: September 2004
Genre: Echtzeit-Strategiespiel
Spieler: 1-8 (Kampagne, Skirmish, Multiplayer)
Engine: Impossible Creatures Engine (modifiziert)
Fraktionen: 4 (Space Marines, Orks, Eldar, Chaos)
USK: 16
Komponist: Jeremy Soule

Gamefinity-Wertung: 9,0/10

Fazit: RTS-Meisterwerk im 41. Jahrtausend

Relic Entertainment liefert mit Dawn of War eines der besten Echtzeitstrategie-Spiele seit Jahren. Die Kombination aus innovativem Ressourcen-System, spektakulären Kämpfen, exzellenter Präsentation und dem Warhammer 40K-Setting ist meisterhaft.

Das Gameplay ist zugänglich genug für Einsteiger, aber taktisch tiefgründig genug für Veteranen. Die vier Fraktionen spielen sich fundamental anders. Die Balance ist beeindruckend. Die technische Umsetzung übertrifft 2004er-Standards.

Stärken:

✓ Perfekte Umsetzung der Warhammer 40K-Atmosphäre
✓ Innovatives, strategisches Ressourcen-System
✓ Spektakuläre, brutale Kämpfe
✓ Vier asymmetrisch balancierte Fraktionen
✓ Exzellenter Soundtrack von Jeremy Soule
✓ Herausragende Sprachausgabe (auch Deutsch)
✓ Army Painter für individuelle Armeen
✓ Kommandanten mit Progression und Ausrüstung
✓ Stabiler, umfangreicher Multiplayer
✓ Hoher Wiederspielwert

Schwächen:

✗ Kampagne nur mit Space Marines spielbar
✗ KI manchmal vorhersehbar
✗ Roster könnte mehr Einheiten-Vielfalt haben
✗ Manche Missionen wiederholen Strukturen

Abschließende Empfehlung: Dawn of War ist für RTS-Fans ein Pflichtkauf. Für Warhammer 40K-Enthusiasten ist es der Traum, jahrzehntelang darauf gewartet zu haben. Für Strategie-Spieler allgemein ist es eines der besten Genre-Beispiele 2004.

Relic beweist erneut (nach Homeworld), dass sie zu den besten Strategie-Entwicklern der Branche gehören. Sie verstehen nicht nur Gameplay-Mechaniken, sondern auch wie man Atmosphäre, Setting und Spielspaß vereint.

Die Mischung aus zugänglichem Design und taktischer Tiefe macht Dawn of War sowohl für Casual- als auch Hardcore-Spieler attraktiv. Das Ressourcen-System ist Innovation, die andere RTS studieren sollten. Die Kämpfe sind visuell beeindruckend ohne Gameplay zu opfern.

Wer Echtzeitstrategie auch nur ansatzweise mag, sollte zugreifen. Wer Warhammer 40K liebt, hat endlich das Spiel, das dem Universum gerecht wird. „For the Emperor!“ ist nicht nur Schlachtruf – es ist Lebensgefühl.

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