Mit Achtung! Cthulhu Tactics schickt uns Auroch Digital in Zusammenarbeit mit Ripstone in den Zweiten Weltkrieg – genauer gesagt in eine alternative Version des Zweiten Weltkriegs, die von finsteren Mächten beeinflusst wird. Ja, noch finsterer als Nazis. Die Grundlage bildet das Pen & Paper-Rollenspiel von Modiphius Entertainment, das eine interessante Mischung aus Lovecraft’schem Horror und historischem Kriegsszenario bietet.
Für Fans von XCOM 2 oder XCOM: Enemy Unknown klingt das vielversprechend. Rundenstrategie mit RPG-Elementen, okkulte Nazis, kosmischer Horror – eine Kombination, die auf dem Papier fantastisch klingt. Die Frage ist nur: Kann ein Budget-Titel diesem ambitionierten Konzept gerecht werden?
Die Antwort ist kompliziert. Achtung! Cthulhu Tactics ist einer dieser Titel, die trotz offensichtlicher Schwächen einen gewissen Reiz haben. Ein B-Movie unter den Taktikspielen – mit allem, was dazugehört: charmanten Momenten, verschenktem Potenzial und dem Gefühl, dass hier mehr möglich gewesen wäre.
Das Setting: Lovecraft meets World War II
Bevor wir ins Gameplay eintauchen, lohnt sich ein Blick auf das Setting – denn das ist zweifellos der interessanteste Aspekt des Spiels.
Die Pen & Paper-Vorlage
Achtung! Cthulhu ist ursprünglich ein Pen & Paper-Rollenspiel, das 2013 von Modiphius Entertainment via Kickstarter finanziert wurde. Es kombiniert zwei beliebte Genre: den Zweiten Weltkrieg als historische Kulisse und den Cthulhu-Mythos von H.P. Lovecraft als übernatürliche Bedrohung.
Die Grundidee ist simpel aber effektiv: Was wäre, wenn die Nazis nicht nur nach Wunderwaffen gesucht hätten, sondern auch nach okkulten Mächten? Was wäre, wenn sie dabei auf etwas gestoßen wären, das weitaus älter und mächtiger ist als die gesamte Menschheit?
Der Cthulhu-Mythos kurz erklärt
Für alle, die mit Lovecraft nicht vertraut sind: Der Cthulhu-Mythos dreht sich um die Vorstellung, dass die Erde einst von kosmischen Wesenheiten beherrscht wurde – den Großen Alten. Diese Wesen sind so fremd und mächtig, dass der bloße Anblick eines solchen Geschöpfs einen Menschen in den Wahnsinn treiben kann. Sie schlafen in verborgenen Städten unter dem Meer, in den Tiefen des Weltraums oder in Dimensionen jenseits unserer Wahrnehmung.
Cthulhu selbst ist nur einer dieser Großen Alten – ein tentakelgesichtiger Riese, der in der versunkenen Stadt R’lyeh schlummert und darauf wartet, dass die Sterne richtig stehen.
Das Geniale an diesem Setting: Es geht nicht um den Kampf Gut gegen Böse. Es geht um die Erkenntnis, dass die Menschheit kosmisch irrelevant ist – eine Ameise, die versucht, einen Vulkanausbruch aufzuhalten.
Die Nachtwölfe und der okkulte Krieg
Im Spiel sind die Nazis auf etwas gestoßen, das sie nicht verstehen – und das sie nicht kontrollieren können. Die Nachtwölfe (im Original „Black Sun“) sind eine Geheimorganisation innerhalb der SS, die sich dem Okkulten verschrieben hat. Sie haben uralte Texte gefunden, verbotene Rituale durchgeführt und Portale zu anderen Dimensionen geöffnet.
Was sie gerufen haben, dient nicht dem Dritten Reich. Es dient niemandem außer sich selbst.
Das ist ein fantastisches Setting für ein Spiel. Leider nutzt Achtung! Cthulhu Tactics dieses Potenzial nur oberflächlich.

Story: Geheime Experimente im dunklen Wald
Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. Das Jahr ist 1944, und die Alliierten kämpfen sich durch Europa. Aber hinter den Frontlinien geschehen seltsame Dinge. Gerüchte über geheime Experimente und okkulte Rituale erreichen die Geheimdienste.
Der Auftrag
Irgendwo in einem dunklen Wald, tief im von den Nazis besetzten Gebiet, befindet sich ein Bunker. Die Nachtwölfe haben dort etwas gefunden – oder erschaffen. Was genau, weiß niemand. Aber die Berichte sind beunruhigend genug, um ein Spezialistenteam zu entsenden.
Ihr übernehmt die Kontrolle über dieses vierköpfige Team:
Die Soldaten:
- Corporal Akhee „Ace“ Singh: Ein indischer Soldat der britischen Armee, Scharfschütze
- Sergeant Brandon Carter: Amerikanischer GI, schwere Waffen
Die Agenten:
- Ariane Dubois: Französische Widerstandskämpferin mit… besonderen Fähigkeiten
- Captain Eric „Badger“ Harris: Britischer Offizier, ebenfalls mit übernatürlichen Kräften
Die beiden Agenten sind das interessantere Element. Sie verfügen über psionische Fähigkeiten – Telepathie, Telekinese, die Manipulation von Schatten. Woher diese Kräfte stammen, wird nie wirklich erklärt. Das Spiel setzt voraus, dass man das Pen & Paper-Universum kennt, wo solche Fähigkeiten ausführlicher behandelt werden.
Das Problem mit der Erzählung
Hier zeigt sich die erste große Schwäche des Spiels: Die Story ist dünn. Sehr dünn.
Das Tutorial führt die vier Charaktere zusammen, und dann geht es los. Man erfährt wenig über ihre Hintergründe, ihre Motivationen, ihre Beziehungen zueinander. Sie sind Spielfiguren, keine Persönlichkeiten. Die Dialoge zwischen den Missionen sind kurz und oberflächlich. Es gibt keine Cutscenes, keine emotionalen Momente, keine Charakterentwicklung im narrativen Sinne.
Die Handlung beschränkt sich auf: „Gehe zum nächsten Bunker, töte die Nazis und Monster, finde heraus, was die Nachtwölfe planen.“ Das reicht für ein Taktikspiel, aber es verschenkt das großartige Setting.
Wo ist der kosmische Horror?
Der Cthulhu-Mythos lebt von Atmosphäre. Von der langsamen Erkenntnis, dass etwas Schreckliches im Verborgenen lauert. Von der Angst vor dem Unbekannten. Von der Verzweiflung angesichts von Mächten, die jenseits menschlichen Verstehens liegen.
Achtung! Cthulhu Tactics hat davon fast nichts.
Die Lovecraft-Monster – Shoggothen, Tiefe Wesen, Diener der Großen Alten – sind einfach stärkere Gegner, die man umschießt. Es gibt keine Momente des Schreckens, keine Enthüllungen, die den Spieler verstören. Der „Wahnsinn“, der im Cthulhu-Mythos so zentral ist, wird auf ein Stress-System reduziert, das kaum Auswirkungen hat.
Das ist die größte verpasste Chance des Spiels.

Gameplay: XCOM light
Das Kernspiel funktioniert nach bekanntem Muster. Wenn ihr jemals XCOM, Jagged Alliance oder ein ähnliches Taktikspiel gespielt habt, werdet ihr euch sofort zurechtfinden.
Der Erkundungsmodus
Außerhalb von Kämpfen bewegt ihr euch im Erkundungsmodus über die Karte. Ihr markiert einen Punkt, und der gesamte Trupp bewegt sich dorthin. Dabei wird der Nebel des Krieges verdrängt – ihr seht nur, was eure Charaktere sehen können.
Dieser Modus ist entspannt. Es gibt keine Zeitlimits, keinen Druck. Ihr könnt in eurem eigenen Tempo erkunden, Ecken überprüfen, euch vorsichtig vorarbeiten. Das funktioniert gut und erzeugt durchaus Spannung – man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert.
Sobald ein Gegner im Sichtbereich auftaucht, wechselt das Spiel automatisch in den Kampfmodus.
Das Aktionspunkte-System
Im Kampf hat jeder Charakter 12 Aktionspunkte (AP) pro Runde. Jede Aktion kostet eine bestimmte Anzahl:
| Aktion | Typische AP-Kosten |
|---|---|
| Bewegung (pro Feld) | 1 AP |
| Standardschuss | 4 AP |
| Gezielter Schuss | 6 AP |
| Nachladen | 2 AP |
| Granate werfen | 4-6 AP |
| Nahkampfangriff | 4 AP |
| Heilung | 4 AP |
| Übernatürliche Fähigkeit | 4-8 AP |
| Overwatch (Überwachung) | 4 AP |
Das System ist transparent und übersichtlich. Die Benutzeroberfläche zeigt immer an, wie viele Punkte eine Aktion kostet und wie viele danach übrig bleiben. Man kann Aktionen planen, bevor man sie ausführt, und sieht sofort die Konsequenzen.
Ein typischer Zug könnte so aussehen:
- Singh bewegt sich 3 Felder zur besseren Deckung (3 AP)
- Singh feuert einen gezielten Schuss auf den feindlichen Offizier (6 AP)
- Singh geht in Overwatch für die verbleibenden 3 AP
Das funktioniert gut. Es ist nicht revolutionär, aber solide.
Deckung und Trefferchancen
Wie in jedem guten Taktikspiel ist Deckung entscheidend. Das Spiel unterscheidet zwischen:
- Keine Deckung: Voller Schaden, hohe Trefferchance für Feinde
- Halbe Deckung: Reduzierter Schaden, niedrigere Trefferchance
- Volle Deckung: Stark reduzierter Schaden, sehr niedrige Trefferchance
Typische Deckungsobjekte sind:
- Bäume und Felsen (Außenbereiche)
- Sandsäcke und Panzerwracks
- Mauerwerk und Bunkeranlagen
- Kisten und Möbel (Innenbereiche)
Die Trefferchance wird von mehreren Faktoren beeinflusst:
- Entfernung zum Ziel (nah/mittel/lang)
- Deckung des Ziels
- Ausrüstung (z.B. Zielfernrohr)
- Charakterwerte (Treffsicherheit)
- Spezialfähigkeiten
Das alles ist Standard-Taktik-Gameplay, und es funktioniert ordentlich.
Die übernatürlichen Fähigkeiten
Die beiden Agenten verfügen über psionische Kräfte, die dem Spiel etwas Würze verleihen:
Ariane Dubois:
- Kann Feinde mit Gedankenkraft angreifen
- Schattenkontrolle für verbesserte Tarnung
- Schwächung feindlicher Verteidigung
Captain Harris:
- Telepathische Angriffe
- Schutzschilde für Verbündete
- Aufdeckung versteckter Feinde
Diese Fähigkeiten sind mächtig, aber nicht übermächtig. Sie kosten AP und haben manchmal auch negative Nebeneffekte (Stress). Sie fügen dem Gameplay eine zusätzliche Ebene hinzu und unterscheiden das Spiel zumindest etwas von purem Militär-Taktik.
Das Stress-System
Ein Element, das zum Cthulhu-Setting passt: Stress. Die Charaktere haben neben Lebenspunkten auch eine Stressanzeige. Stress steigt durch:
- Anblick von Monstern
- Verletzungen
- Tod von Kameraden
- Einsatz übernatürlicher Fähigkeiten
- Bestimmte Gegnerangriffe
Hoher Stress kann zu negativen Effekten führen:
- Reduzierte Treffsicherheit
- Fehlgeschlagene Aktionen
- Im Extremfall: Panik und Kontrollverlust
Das ist thematisch passend – der Wahnsinn des Cthulhu-Mythos in Spielmechanik übersetzt. In der Praxis ist der Einfluss allerdings begrenzt. Stress baut sich zwischen Kämpfen wieder ab, und die negativen Effekte sind selten spielentscheidend. Hier hätte man mutiger sein können.

Was fehlt: Der große XCOM-Vergleich
Da das Spiel unweigerlich mit XCOM verglichen wird, sollten wir ehrlich sein: Achtung! Cthulhu Tactics fehlt vieles, was XCOM großartig macht.
Kein Basenbau
Das gravierendste Fehlen: Es gibt keinen strategischen Layer. Kein Hauptquartier, das man ausbaut. Keine Forschung, die neue Technologien freischaltet. Keine Produktion von Ausrüstung. Keine globale Bedrohungskarte.
In XCOM ist das Management der Basis mindestens so wichtig wie die taktischen Kämpfe. Man muss Prioritäten setzen: Welche Forschung zuerst? Welche Einrichtung bauen? Wie verteilt man die Ressourcen?
In Achtung! Cthulhu Tactics gibt es das alles nicht. Zwischen den Missionen hat man nur ein einfaches Menü, in dem man Ausrüstung zuweist und Fähigkeiten verbessert. Das ist schade, weil es dem Spiel an strategischer Tiefe mangelt.
Kein echter Permadeath
In XCOM ist der Tod eines hochstufigen Soldaten tragisch. Man hat Stunden investiert, um diesen Charakter aufzubauen. Er hat einen Namen, eine Geschichte (zumindest in der eigenen Vorstellung). Und dann – ein kritischer Treffer, und er ist weg. Für immer.
In Achtung! Cthulhu Tactics können „gefallene“ Charaktere von jedem beliebigen Kameraden wiederbelebt werden. Ohne spezielle Ausrüstung. Sie stehen mit einem Lebenspunkt wieder auf und können weiterkämpfen. Das kann man sogar mehrmals pro Mission machen.
Das nimmt enorm viel Spannung. Der Tod ist kein Scheitern, sondern ein kleines Ärgernis. Die emotionale Bindung an die Charaktere, die in XCOM so stark ist, existiert hier kaum.
Nur vier fixe Charaktere
In XCOM rekrutiert man dutzende Soldaten. Man baut einen Pool auf, rotiert verletzte Kämpfer aus, spezialisiert Teams für verschiedene Missionstypen.
In Achtung! Cthulhu Tactics habt ihr exakt vier Charaktere. Immer dieselben. Keine Auswahl, keine Alternativen. Fällt einer aus (was selten vorkommt), müsst ihr mit drei weitermachen.
Das reduziert die taktische Vielfalt erheblich.
Wenig Missionsvielfalt
Die Missionen sind repetitiv. Im Grunde läuft jede Mission gleich ab:
- Erkunde die Karte
- Finde und eliminiere Gegner
- Erreiche das Missionsziel (meist: eliminiere alle Gegner oder erreiche einen bestimmten Punkt)
- Mission beendet
Es gibt keine Zeitlimits, keine VIP-Rettungen, keine Bomben-Entschärfungen, keine Überfall-Missionen. Die Nebenmissionen unterscheiden sich kaum von den Hauptmissionen. Nach einigen Stunden fühlt sich alles gleich an.
Gegnervielfalt
Ein Lichtblick ist die Gegnervielfalt, zumindest thematisch.
Menschliche Feinde
- ADVENT-Soldaten: Standard-Infanterie der Nachtwölfe
- Offiziere: Stärker gepanzert, können Befehle geben
- Scharfschützen: Gefährlich auf Distanz
- Flammenwerfer-Truppen: Flächenschaden, ignorieren teilweise Deckung
Übernatürliche Feinde
- Shoggothen: Formlose Schrecken aus dem Mythos, sehr widerstandsfähig
- Tiefe Wesen: Fischähnliche Humanoide, schnell und tödlich
- Kultisten: Menschen, die den Großen Alten dienen
- Dämonische Wesen: Verschiedene Horror-Kreaturen
Die Monster sind optisch ansprechend gestaltet und fühlen sich tatsächlich bedrohlicher an als die menschlichen Gegner. Allerdings fehlt die Atmosphäre – sie sind einfach stärkere Feinde, keine existenziellen Bedrohungen.

Grafik: Zweckmäßig, aber nicht mehr
Optisch ist Achtung! Cthulhu Tactics funktional. Es erfüllt seinen Zweck, mehr nicht.
Die Umgebungen
Außenbereiche:
- Bewaldete Gebiete mit Nebel und düsterer Beleuchtung
- Ruinen und verlassene Gebäude
- Sandsäcke, Stacheldraht, Panzerwracks
- Bunkeranlagen und militärische Stellungen
Innenbereiche:
- Betonkorridore mit schwacher Beleuchtung
- Labore mit mysteriösen Apparaturen
- Ritualkammern mit okkulten Symbolen
- Gefängniszellen und Lagerräume
Das Problem: Nach einigen Missionen sieht alles gleich aus. Dieselben Objekte, dieselben Texturen, dieselben Layouts. Die Innenbereiche sind besonders eintönig – ein grauer Betonkorridor nach dem anderen.
Die Lovecraft-Atmosphäre
Die versprochene Lovecraft-Atmosphäre kommt grafisch kaum rüber. Die Monster sehen zwar angemessen gruselig aus, aber der kosmische Horror – das Gefühl von Wahnsinn und Unbegreiflichkeit – wird nicht transportiert.
Kein Flimmern am Rand der Wahrnehmung. Keine verstörenden Visionen. Keine Geometrie, die nicht ganz richtig ist. All das, was den Cthulhu-Mythos visuell so faszinierend macht, fehlt.

Sound: Minimalistisch
Die Soundkulisse ist zurückhaltend – um es freundlich auszudrücken.
Musik
Der Soundtrack existiert, fällt aber kaum auf. Düstere Ambient-Klänge, gelegentlich spannungsgeladene Passagen während der Kämpfe. Nichts, was im Gedächtnis bleibt. Keine ikonischen Melodien, keine emotionalen Höhepunkte.
Soundeffekte
- Waffen klingen unterschiedlich (aber nicht spektakulär)
- Schritte, Türen, Umgebungsgeräusche sind vorhanden
- Monster haben ihre eigenen Sounds (durchaus passend)
Sprachausgabe
Die Charaktere geben nach Befehlen Kommentare ab. Das Repertoire ist allerdings begrenzt – nach einigen Missionen hat man alles gehört. Die Gegner lassen vor ihrem Tod auch Worte hören, ebenfalls mit begrenzter Variation.
Die Texte sind vollständig deutsch übersetzt, die Sprachausgabe ist jedoch nur auf Englisch. Für ein Budget-Spiel ist das akzeptabel.
Schwierigkeitsgrade und Balance
Das Spiel bietet vier Schwierigkeitsgrade:
| Stufe | Name | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 | Leicht | Für absolute Einsteiger, sehr verzeihend |
| 2 | Normal | Noch relativ locker, KI macht Fehler |
| 3 | Schwer | Angemessene Herausforderung für Taktik-Fans |
| 4 | Albtraum | Erfordert optimale Spielweise |
Die Balance ist uneinheitlich. Auf Normal stellt sich die KI manchmal erstaunlich dumm an – Gegner bleiben in ungünstigen Positionen stehen, nutzen keine Deckung, schießen auf bereits getötete Ziele.
Auf Schwer wird es besser, und auf Albtraum muss man wirklich jede Entscheidung sorgfältig abwägen. Das Problem: Der Sprung zwischen Normal und Schwer ist recht groß.
Plattformunterschiede
Interessanterweise gibt es Berichte über Unterschiede zwischen PC und Konsole. Die Gegner-KI scheint auf PlayStation 4 treffsicherer zu sein als auf PC im selben Schwierigkeitsgrad. Ob das durch Updates behoben wurde oder absichtlich ist, lässt sich schwer nachvollziehen.

Umfang und Spielzeit
Die Kampagne bietet:
- Etwa 10 Hauptmissionen
- Mehrere optionale Nebenmissionen
- Gesamtspielzeit: 12-18 Stunden
Die Nebenmissionen sind lohnenswert für Erfahrungspunkte und Ausrüstung, aber sie unterscheiden sich kaum von den Hauptmissionen. Der Wiederspielwert ist begrenzt – ohne verschiedene Klassen, unterschiedliche Truppenkonstellationen oder Story-Verzweigungen gibt es wenig Anreiz für einen zweiten Durchgang.

Fazit
Achtung! Cthulhu Tactics ist einer dieser typischen Titel, die zwar nur Mittelmaß sind, aber trotzdem Spaß machen können. Nach den ersten Missionen hatte ich schon „Geheimtipp“ auf der Zunge – nur um dann die Gewissheit zu haben, dass hier tonnenweise Potenzial verschenkt wurde.
Trotzdem wollte ich wissen, wie es weitergeht. Welche Ausrüstung und Fähigkeiten es noch zu entdecken gibt. Gegen welche Gegner ich sie einsetzen darf. Das Grundgerüst funktioniert, und für Fans von Rundenstrategie ist der Titel durchaus einen Blick wert.
Die Kombination aus Lovecraft und Zweitem Weltkrieg ist reizvoll, wird aber nicht ausgeschöpft. Die Gameplay-Mechaniken sind solide, aber es fehlt an Tiefe und Abwechslung. Die Grafik und der Sound sind zweckmäßig, aber nicht beeindruckend.
Da es sich um keinen Vollpreis-Titel handelt, darf man über die minimalistische Kulisse hinwegsehen. Wer ein kurzes, unkompliziertes Taktik-Abenteuer sucht und mit der Mischung aus Nazis und kosmischem Horror etwas anfangen kann, wird einige unterhaltsame Stunden haben.
Für den großen XCOM-Hunger reicht es nicht. Aber als Snack zwischendurch? Durchaus genießbar.
Ia! Ia! Taktik fhtagn!
Bewertung: 6.5/10
Stärken:
- Interessantes Setting (Lovecraft + WW2)
- Solides Aktionspunkte-System
- Übersichtliche Steuerung
- Stress-System als thematisches Element
- Faire Schwierigkeitsgrade
- Budget-freundlicher Preis
- Deutsche Texte verfügbar
- Funktionierendes Grundgerüst
- Nebenmissionen für Extra-Inhalte
Schwächen:
- Kein Basenbau oder strategisches Meta-Layer
- Kein echter Permadeath
- Missionen sehr repetitiv
- Lovecraft-Atmosphäre kaum spürbar
- Story dünn und oberflächlich
- Charaktere bleiben blass
- Grafik zweckmäßig, aber nicht mehr
- Sound minimalistisch
- Begrenzter Wiederspielwert
- Nur vier fixe Teammitglieder
Technische Daten:
- Entwickler: Auroch Digital
- Publisher: Ripstone
- Genre: Rundenstrategie / Taktik-RPG
- Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
- Release: 4. Oktober 2018
- Vorlage: Achtung! Cthulhu (Pen & Paper von Modiphius)
- Setting: Alternativer Zweiter Weltkrieg / Cthulhu-Mythos
- Truppengröße: 4 fixe Charaktere
- Spielzeit: 10-15 Stunden
- Altersfreigabe: USK 16
