Assassin's Creed

Assassin’s Creed: Ubisoft stellt neues Führungsteam für die Zukunft der Reihe vor

Vantage Studios, Ubisofts von Tencent mitfinanzierte Tochtergesellschaft, hat drei erfahrene Führungskräfte ernannt, die künftig die strategische Ausrichtung von Assassin’s Creed verantworten. Martin Schelling übernimmt als Head of Brand die Gesamtleitung, Jean Guesdon wird Head of Content und François de Billy Head of Production Excellence. Alle drei verbindet eine langjährige Geschichte mit der Reihe, insbesondere durch ihre gemeinsame Arbeit an Assassin’s Creed Origins.

Die neuen Köpfe hinter Assassin’s Creed

Martin Schelling bringt umfangreiche Produktionserfahrung mit. Er war an der Entwicklung einiger der prägendsten Titel der Reihe beteiligt, darunter Assassin’s Creed Revelations, Assassin’s Creed IV: Black Flag, Assassin’s Creed Origins und Assassin’s Creed Valhalla. Zuletzt war er als Chief Production Officer für die Optimierung der Entwicklungsabläufe im gesamten Ubisoft-Portfolio zuständig. In seiner neuen Rolle verantwortet er die langfristige Vision und Gesamtstrategie der Marke.

Jean Guesdon übernimmt die kreative Leitung als Head of Content. Er ist einer der dienstältesten Entwickler bei Ubisoft und war bereits am Original von 2007 beteiligt. Bekannt wurde er vor allem als Creative Director von Assassin’s Creed IV: Black Flag und Assassin’s Creed Origins, zwei Titeln, die als Wendepunkte der Reihe gelten. Black Flag brachte die Piraterie-Thematik und öffnete das Spielkonzept, Origins führte das RPG-System ein, das die Reihe seither prägt. Zwischen 2023 und Mitte 2024 hatte Guesdon Ubisoft vorübergehend verlassen, um bei Behaviour Interactive zu arbeiten, dem Studio hinter Dead by Daylight.

François de Billy komplettiert das Trio als Head of Production Excellence. Er soll die Produktionspraktiken und Prozesse für alle Assassin’s-Creed-Projekte optimieren. De Billy war als Production Director an Origins und Valhalla beteiligt und ist seit 2001 bei Ubisoft tätig. Intern gilt er als Spezialist für die Optimierung komplexer Entwicklungsabläufe.

Das erweiterte Führungsteam

In den kommenden Wochen wechseln Schelling, Guesdon und de Billy aus ihren bisherigen Positionen in ihre neuen Rollen. Sie werden gemeinsam mit zwei weiteren Führungskräften arbeiten: Andrée-Anne Boisvert, die als Producer für markenübergreifende Initiativen und Head of Technological Excellence fungiert, und Lionel Hiller, Vice President für Brand und Go-to-Market-Strategie.

Über allem steht Vantage Studios selbst, das von Ubisoft-Montreal-Mitgründer Christophe Derennes und Charlie Guillemot geleitet wird. Letzterer ist der Sohn von Ubisoft-CEO Yves Guillemot, was wiederholt Kritik wegen möglicher Vetternwirtschaft ausgelöst hat. Charlie Guillemot hat die Bedenken öffentlich zur Kenntnis genommen.

Hintergrund: Warum Vantage Studios?

Die Neubesetzung steht im Kontext einer der größten Umstrukturierungen in der Geschichte Ubisofts. Im März 2025 gründete das Unternehmen Vantage Studios als Tochtergesellschaft, in die Tencent rund 1,25 Milliarden US-Dollar investierte. Die neue Einheit verantwortet die drei wichtigsten Marken des Konzerns: Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six.

Vantage Studios ist eines von fünf sogenannten „Creative Houses“, in die Ubisoft seine Entwicklungskapazitäten aufgeteilt hat. Im Gegensatz zu den anderen ist Vantage als eigenständige Tochtergesellschaft strukturiert, was mehr Flexibilität bei Entscheidungen ermöglichen soll.

Der Abgang von Marc-Alexis Côté

Die Neubesetzung folgt auf den kontroversen Weggang von Marc-Alexis Côté, der fast 20 Jahre lang an Assassin’s Creed gearbeitet hatte. Seit 2022 leitete er als Vice President und Executive Producer die globale Strategie der Reihe und berichtete direkt an CEO Yves Guillemot.

Im Oktober 2025 gab Ubisoft bekannt, dass Côté das Unternehmen verlassen habe. Das Unternehmen erklärte, ihm sei eine Führungsposition bei Vantage Studios angeboten worden, die er abgelehnt habe. Côté widersprach dieser Darstellung auf LinkedIn: „Ich habe diese Entscheidung nicht getroffen.“

Im Januar 2026 reichte Côté Klage beim Superior Court of Quebec ein und forderte über 1,3 Millionen kanadische Dollar (etwa 935.000 US-Dollar) Schadensersatz. Er wirft Ubisoft eine sogenannte konstruktive Kündigung vor, also eine faktische Entlassung durch untragbare Arbeitsbedingungen.

Laut Klageschrift wurde Côté ein Posten als „Head of Production“ angeboten, der dem neuen „Head of Franchise“ unterstellt gewesen wäre. Diese Position hätte alle drei großen Marken bei Vantage beaufsichtigt, war jedoch ausschließlich in Frankreich angesiedelt. Für Côté, der in Québec arbeitete, kam das nicht infrage. Alternative Angebote für die Leitung eines „Creative House“ für weniger bedeutende Marken habe er als Degradierung empfunden.

Als Côté die Angebote ablehnte und eine Abfindung forderte, habe Ubisoft ihm mitgeteilt, nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen. Einen Tag später verkündete das Unternehmen seinen „freiwilligen“ Weggang. Die Klage wirft Ubisoft vor, den Abgang so darzustellen, um keine Abfindung zahlen zu müssen und die Wettbewerbsklausel aufrechtzuerhalten, die Côtés Jobmöglichkeiten in der Branche einschränkt.

Mehrere Assassin’s-Creed-Projekte in Entwicklung

Das neue Führungsteam übernimmt die Verantwortung für eine umfangreiche Projekt-Pipeline. Ubisoft-CEO Yves Guillemot bestätigte in einem Interview mit Variety, dass sich „mehrere“ Assassin’s-Creed-Titel in Entwicklung befinden, darunter Einzelspieler- und Mehrspieler-Projekte.

Das nächste große Einzelspieler-Projekt ist Assassin’s Creed Codename Hexe. Das Spiel wird von Ubisoft Montreal entwickelt und spielt während der Hexenverfolgungen im Heiligen Römischen Reich im 17. Jahrhundert. Clint Hocking fungiert als Creative Director, Darby McDevitt als Lead Writer. Letzterer ist bekannt für seine Arbeit an Black Flag und Revelations. Hexe soll der „dunkelste“ Assassin’s-Creed-Titel werden und möglicherweise erstmals übernatürliche Elemente stärker in den Vordergrund rücken.

Ein offizielles Veröffentlichungsdatum für Hexe existiert noch nicht. Branchenkenner wie Tom Henderson gehen von einem Release Ende 2027 aus, nachdem der Titel ursprünglich für 2026 angedacht war. Assassin’s Creed Shadows soll bis dahin mit umfangreichen Erweiterungen unterstützt werden.

Parallel arbeitet Ubisoft an Assassin’s Creed Codename Invictus, einem Mehrspieler-Titel, der wie Hexe in den Animus Hub integriert werden soll. Dieser Hub dient als gemeinsame Plattform für alle künftigen Assassin’s-Creed-Spiele und wurde mit Shadows eingeführt.

Darüber hinaus kursieren hartnäckige Gerüchte über ein Remake von Assassin’s Creed IV: Black Flag unter dem Codenamen „Obsidian“. Insider berichten, dass das Projekt nach der Einstellung mehrerer anderer Spiele Priorität erhalten habe. Eine offizielle Ankündigung könnte bereits im April erfolgen.

Einordnung: Ein Neuanfang unter schwierigen Vorzeichen

Die Ernennung des neuen Führungsteams ist Teil von Ubisofts Versuch, nach einem turbulenten Jahr wieder Stabilität zu finden. Die Gründung von Vantage Studios, die Umstrukturierung in Creative Houses und ein Sparprogramm mit geplanten Einsparungen von 500 Millionen Euro haben das Unternehmen grundlegend verändert.

Sechs Spiele wurden im Rahmen der Sparmaßnahmen eingestellt, darunter das mehrfach verschobene Prince of Persia: The Sands of Time Remake. Studios in Stockholm und Halifax wurden geschlossen, bei Ubisoft Toronto (das am Splinter-Cell-Remake arbeitet) wurden 40 Entwickler entlassen.

Mit Schelling, Guesdon und de Billy setzt Ubisoft auf bewährte Kräfte, die die Reihe aus ihrer Blütezeit kennen. Insbesondere die gemeinsame Erfahrung bei Origins könnte als Blaupause dienen: Das Spiel von 2017 rettete das Franchise nach dem enttäuschenden Syndicate und dem daraus resultierenden einjährigen Entwicklungsstopp.

Ob das neue Team ähnliche Erfolge erzielen kann, wird sich zeigen. Die Herausforderungen sind groß: steigende Entwicklungskosten, eine fragmentierte Spielerschaft und die Konkurrenz durch GTA 6, das Ende 2026 erscheinen soll. Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend sein für die Zukunft einer Reihe, die seit 2007 zu den wichtigsten Marken der Branche gehört.

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