Battlefield Hardline

Battlefield Hardline im Test – Polizisten & Verbrecher statt Soldaten & Panzer

Drei Monate nach Ferguson. Im August 2014 erschossen Polizisten in Ferguson, Missouri, den unbewaffneten Michael Brown. Die folgenden Unruhen und Proteste entfachten eine nationale Debatte über Polizeigewalt, Rassismus und Militarisierung der Polizei in den USA. In diesem gesellschaftlichen Klima veröffentlicht Electronic Arts im März 2015 einen Shooter, der Polizisten gegen Verbrecher antreten lässt, mit militärischer Ausrüstung und ohne Konsequenzen.

Willkommen bei Battlefield Hardline, dem umstrittensten Eintrag der Serie. Entwickelt nicht von DICE, sondern von Visceral Games (Dead Space), versucht Hardline, die Battlefield-Formel in ein Polizei-Setting zu übersetzen. Panzer werden zu gepanzerten Lieferwagen, Jets zu Helikoptern, Soldaten zu Cops und Criminals. Das Ergebnis ist ein Spiel, das zwischen zwei Identitäten steckt: Zu viel Battlefield für ein authentisches Polizei-Spiel, zu wenig Battlefield für Serie-Veteranen.

Nach über 30 Stunden Multiplayer, einer durchgespielten Kampagne und zahlreichen frustrierenden Momenten mit Server-Disconnects steht fest: Hardline ist ein technisch kompetentes, aber konzeptionell verwirrtes Spiel. Es ist besser als Battlefield 4 zum Launch, bietet interessante neue Modi und hat die beste Singleplayer-Kampagne seit Bad Company 2. Doch es fühlt sich an wie ein teures Expansion Pack, nicht wie ein vollwertiges 70-Euro-Spiel.

Die zentrale Frage: Hat Battlefield ein Polizei-Setting verdient – oder ist das ein zynischer Griff in die Kasse, der ein sensibles Thema ausbeutet?


Die Kontroverse: Timing ist alles

Bevor wir über Gameplay sprechen, müssen wir den Elefanten im Raum adressieren: Das Timing von Hardline ist katastrophal. Die Militarisierung der Polizei ist in den USA ein brennendes Thema. Bilder von Polizisten in Tarnuniformen mit militärischen Waffen, die gegen Demonstranten vorgehen, dominierten 2014 die Nachrichten. In diesem Kontext ein Spiel zu veröffentlichen, das genau diese Dynamik als Unterhaltung verpackt, ist… problematisch.

EA und Visceral argumentieren, Hardline sei ein leichtherziges Cops-and-Robbers-Spiel im Stil von Bad Boys oder Miami Vice. Die Kampagne sei eine TV-Crime-Drama-Hommage, der Multiplayer ein kompetitiver Shooter ohne politische Botschaft. Das mag die Intention sein, aber die Intention ist nicht die Wirkung. Wenn Spieler als militarisierte SWAT-Teams mit Schrotflinten und Sturmgewehren gegen „Verbrecher“ vorgehen, sendet das eine Botschaft – gewollt oder nicht.

Die Gaming-Community ist gespalten. Manche sehen es als harmlosen Spaß, andere als tonten Opportunismus. Kritiker weisen darauf hin, dass das Spiel reale Gewalt trivialisiert. Befürworter entgegnen, dass es „nur ein Spiel“ ist und man nicht jede Fiktion durch politische Linse betrachten sollte.

Meine Perspektive: Spiele existieren nicht im Vakuum. Hardlines Polizei-Fantasy wäre 2010 weniger problematisch gewesen. 2015, Monate nach Ferguson, fühlt es sich unangenehm an. Das Spiel unternimmt keinen Versuch, mit den Realitäten von Polizeiarbeit zu engagieren – es nutzt sie als Kulisse für einen Multiplayer-Shooter. Das ist legitim, aber nicht über Kritik erhaben.


Story: Episodisches Crime-Drama

Die Singleplayer-Kampagne ist Hardlines größte Überraschung. Visceral, bekannt für narrative Spiele wie Dead Space, hat eine tatsächlich interessante Geschichte geschrieben – jedenfalls nach Battlefield-Standards.

Die Story folgt Nick Mendoza, einem Detective aus Miami, der in eine Verschwörung um korrupte Cops und Drogenkartelle verwickelt wird. Die Kampagne ist als TV-Serie strukturiert: Zehn Episoden, jede mit Intro-Sequenz, Cliffhanger-Ende und „Nächste Episode“-Teaser. Es ist ein cleveres Erzählkonzept, das den episodischen Fortschritt betont.

Die Handlung

Nick Mendoza arbeitet mit seinem Partner Khai Minh Dao für die Miami Police. Sie jagen Drogenhändler, stoßen aber auf Korruption in den eigenen Reihen. Captain Julian Dawes, Nicks Mentor, ist tief in illegale Machenschaften verstrickt. Als Nick zu viel herausfindet, wird er zum Sündenbock gemacht – verhaftet, diskreditiert, aus der Polizei geworfen.

Drei Jahre später kommt Nick aus dem Gefängnis und sucht Rache. Er verbündet sich mit ehemaligen Verbrechern – Tyson Latchford, ein Ex-Cop mit fragwürdiger Moral, und Boomer, ein Demolitions-Experte. Gemeinsam jagen sie Dawes quer durch Miami, Los Angeles und schließlich nach Nevada.

Die Story ist kein Meisterwerk, aber sie ist besser als jede Battlefield-Kampagne seit Bad Company 2. Es gibt tatsächliche Charaktermomente, moralische Grautöne (sollte Nick mit Verbrechern zusammenarbeiten?), und ein paar überraschende Wendungen. Khai, Nicks Ex-Partnerin, bleibt auf der „richtigen“ Seite des Gesetzes, was zu interessanter Dynamik führt.

Das Problem: Die Charaktere bleiben Archetypen. Nick ist der desillusionierte Cop, Khai die idealistische Polizistin, Tyson der zynische Antiheld. Niemand entwickelt sich wirklich. Das Ende bietet eine Entscheidung (töte Dawes oder verhaften), aber beide Optionen fühlen sich unbefriedigend an.

Die Schauspieler

Visceral setzte auf professionelle Schauspieler mit vollständiger Motion-Capture-Aufnahme – ein aufwendiger Ansatz für ein Battlefield-Spiel. Nicholas Gonzalez (bekannt aus „The Good Doctor“) spielt Nick Mendoza und verleiht ihm eine glaubwürdige Mischung aus Desillusionierung und unterdrückter Wut. Kelly Hu (X-Men 2, Arrow) gibt Khai Minh Dao die nötige Stärke, ohne in Klischees zu verfallen. Benito Martinez (The Shield) spielt Captain Dawes als manipulativen Mentor, der seine Fassade erst spät fallen lässt.

Die Leistungen sind solide, wenn auch nicht außergewöhnlich. Die Motion-Capture-Technologie ermöglicht nuancierte Gesichtsausdrücke und natürliche Körpersprache. In Zwischensequenzen fühlen sich die Charaktere wie echte Menschen an, nicht wie steife Videospiel-Avatare. Das ist ein spürbarer Fortschritt gegenüber früheren Battlefield-Kampagnen.

Die deutsche Synchronisation ist professionell umgesetzt. Stefan Günther leiht Nick Mendoza seine Stimme und trifft den Ton des desillusionierten Cops gut, auch wenn die deutsche Fassung etwas an der rauen Straßenglaubwürdigkeit verliert, die das englische Original hat. Nick klingt auf Deutsch etwas zu sauber, zu „synchronisiert“ – ihm fehlt die leichte Heiserkeit, die Gonzalez mitbringt. Daniela Bette-Koch spricht Khai Minh Dao und verleiht ihr die nötige Entschlossenheit und Stärke. Ihre Interpretation funktioniert ausgezeichnet – die deutsche Khai wirkt ebenso kompetent und prinzipientreu wie das Original. Tobias Brecklinghaus spricht Captain Dawes und transportiert dessen manipulative Freundlichkeit überzeugend. Seine Stimme passt perfekt zu einem Mentor, dem man zunächst vertraut, bevor die Maske fällt.

Ungewöhnlich für ein AAA-Spiel: Der deutsche Rapper Kollegah wurde für eine Nebenrolle verpflichtet. Es ist eine Marketing-Entscheidung, die polarisiert – manche finden es cool, andere deplatziert. Seine Performance ist okay für einen Nicht-Profi, fällt aber neben den erfahrenen Synchronsprechern auf. Es ist kein Desaster, aber man merkt den Unterschied zu ausgebildeten Sprechern.

Wer das authentische Crime-Drama-Gefühl will, sollte auf Englisch mit deutschen Untertiteln spielen. Die deutsche Fassung ist aber keineswegs schlecht – nur etwas glatter als das Original, und mit einer interessanten, wenn auch umstrittenen Rapper-Beteiligung.

Das Gameplay der Kampagne

Hier wird es interessant. Die Kampagne ist nicht nur ein linearer Shooter-Korridor – sie bietet Stealth-Optionen und offene Ansätze. Nick hat einen Polizei-Scanner, der Gegner markiert, Beweismittel findet und taktische Informationen liefert. Man kann Levels laut durchballern oder leise mit nicht-tödlichen Takedowns abschließen.

Die Stealth-Mechanik ist überraschend solide. Man kann Granaten werfen, um Gegner abzulenken, Feinde einzeln ausschalten, Leichen verstecken. Es ist kein Metal Gear Solid, aber für ein Battlefield-Spiel beeindruckend. Manche Levels erlauben komplett nicht-tödliche Durchgänge – man verhaftet Verbrecher statt sie zu töten, was Bonuspunkte gibt.

Die Levels sind semi-offen. Man hat oft mehrere Routen zum Ziel – durch die Vordertür, über Dächer, durch Belüftungsschächte. Es fühlt sich weniger wie Call of Duty-Korridore an und mehr wie Deus Ex Lite. Die Freiheit ist begrenzt, aber vorhanden.

Das Pacing ist das größte Problem. Manche Missionen sind brillant designed – eine frühe Episode lässt dich ein Drogenlabor infiltrieren mit mehreren Ansätzen. Andere sind generische Shootouts. Episode 7, eine Wüstenmission, ist ein endloser Schießstand ohne Abwechslung. Die Qualität schwankt erheblich.

Die Kampagne dauert etwa 8-10 Stunden. Das ist länger als typische Battlefield-Kampagnen und besser geschrieben. Für ein 70-Euro-Spiel ist es aber immer noch dünn, besonders da der Wiederspielwert minimal ist (außer für Collectibles-Sammler).


Multiplayer: Neue Modi, alte Probleme

Multiplayer ist das Herzstück jedes Battlefield, und Hardline versucht, die Formel zu reinventieren. Statt 64-Spieler-Battles mit Panzern und Jets bietet es kleinere, schnellere Matches mit thematisch angepassten Modi.

Die neuen Modi

Hotwire ist Hardlines Hauptattraktion. Es ist Conquest, aber die Control Points sind fahrende Autos. Beide Teams müssen Fahrzeuge stehlen und sie über einer bestimmten Geschwindigkeit halten, um Tickets zu generieren. Das führt zu chaotischen Autojagden quer über die Map – Spieler fahren, andere hängen aus Fenstern und schießen, Helikopter verfolgen, RPGs fliegen.

Hotwire ist chaotisch, adrenalintreibend und völlig absurd. Es ist auch das Einzige, was Hardline von anderen Shootern unterscheidet. Die ersten paar Stunden sind brilliant – man rast mit 120 km/h über Highways, während Kugeln fliegen und Autos explodieren. Das Problem: Nach zehn Stunden wird es repetitiv. Die Maps sind nicht für konstante Fahrzeug-Action designed, und Hotwire degeneriert oft zu Spawn-Camping und Pattsituationen.

Heist ist asymmetrisch. Verbrecher müssen Geld aus einer Bank/einem Tresor stehlen und zu einem Extraction-Point bringen. Cops müssen sie stoppen. Es klingt spannend – in der Praxis ist es frustrierend. Die Balance ist schlecht. Wenn die Criminals koordiniert sind, gewinnen sie fast immer. Wenn nicht, ist es ein Massaker. Es gibt wenig Mittelweg.

Blood Money ist symmetrisch. Beide Teams kämpfen um einen zentralen Geldhaufen und müssen das Geld zu ihrer Basis bringen. Gleichzeitig können sie die gegnerische Basis überfallen und deren Geld stehlen. Es ist Capture the Flag mit Variante. In koordinierten Matches macht es Spaß. In öffentlichen Spielen wird es zu einem chaotischen Mosh-Pit in der Mitte der Map.

Rescue und Crosshair sind kleinere, taktischere Modi für 5v5. Rescue ist wie Counter-Strike – Geiselrettung ohne Respawns. Crosshair ist VIP-Schutz. Beide sind interessant, aber die Community spielt sie kaum. Die Mehrheit bleibt bei Conquest und Hotwire.

Conquest kehrt zurück, fühlt sich aber zahnlos an. Es gibt keine Panzer, keine Jets – nur Autos, SUVs und Helikopter. Die Control Points sind statisch wie immer. Es ist Battlefield Conquest, aber ohne die ikonischen Vehikel-Battles. Für Veteranen fühlt es sich wie Battlefield Lite an.

Das Klassen-System

Hardline übernimmt das Vier-Klassen-System von Battlefield, benennt sie aber um:

Operator (ersetzt Assault) hat Sturmgewehre und Heilung. Standard-Frontline-Klasse, am häufigsten gespielt.

Mechanic (ersetzt Engineer) repariert Fahrzeuge, hat SMGs und Granatenwerfer. Essentiell für Hotwire.

Enforcer (ersetzt Support) hat Schrotflinten und Munitionskisten. Stark im Nahkampf, schwach auf Distanz.

Professional (ersetzt Recon) ist Sniper mit Aufklärungs-Tools. Nervt wie immer jeden.

Das Problem: Die Klassen sind weniger differenziert als in BF4. Die Gadgets sind ähnlich (Defibrillatoren, Reparatur-Tools, Ammokisten), nur umbenannt. Es fühlt sich nicht frisch an, sondern recycelt.

Die Maps

Hardline launched mit neun Multiplayer-Maps. Sie sind kleiner als typische Battlefield-Maps, fokussieren auf 32-Spieler statt 64. Das ist eine Design-Entscheidung für schnelleres Gameplay, aber es entfernt auch den „Battlefield-Moment“ – jene epischen 64-Spieler-Schlachten mit Panzern, Jets und totaler Verwüstung.

Die Maps sind thematisch vielfältig. Downtown zeigt eine urbane Bank-Umgebung mit Hochhäusern. Dust Bowl ist eine Wüsten-Meth-Lab-Map (Breaking Bad-Vibes). The Block ist ein Container-Hafen. Bank Job ist eine kleine, enge Map für Heist.

Visuell sind die Maps solide, aber das Leveldesign ist inkonsistent. Manche Maps funktionieren gut für Hotwire (große Straßen, offene Flächen), andere fühlen sich zu eng an. Bank Job ist brilliant für Heist, unerträglich für Conquest. Es fehlt die Vielseitigkeit klassischer Battlefield-Maps wie Caspian Border oder Operation Metro.

Die Zerstörung ist erheblich reduziert. Wo BF4 ganze Gebäude zum Einsturz bringen konnte, bietet Hardline minimale Destruction – ein paar Wände, Fenster, kleine Objekte. Das ist eine technische Limitation (die Maps sind dichter mit Details), aber es fühlt sich wie Rückschritt an.

Das Progression-System

Hardline experimentiert mit einem neuen Unlocking-System. Statt XP durch Kills zu verdienen, bekommt man Geld für Aktionen. Mit Geld kauft man Waffen, Attachments und Gadgets. Es klingt nach mehr Freiheit, ist aber irreführend.

Das Problem: Gute Waffen sind teuer. Man muss dutzende Stunden grinden, um wettbewerbsfähige Loadouts zu haben. Neue Spieler werden von Veteranen mit besserer Ausrüstung dominiert. Das Pay-to-Win-Problem wird noch schlimmer durch Battlepacks – zufällige Lootboxen mit Waffen-Boosts, die man mit echtem Geld kaufen kann.

Ja, Hardline hat aggressive Monetarisierung für ein 70-Euro-Spiel. Premium-Pass kostet weitere 50 Euro für DLC-Maps. Battlepacks können mit echtem Geld gekauft werden. Es ist EAs übliches Geschäftsmodell, aber es fühlt sich besonders zynisch in einem Spiel an, das bereits inhaltlich dünn ist.

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Technik: Besser als BF4, immer noch nicht perfekt

Battlefield 4s Launch 2013 war eine Katastrophe. Server-Crashes, Netcode-Probleme, Game-Breaking-Bugs. DICE brauchte ein Jahr, um es zu fixen. Hardline musste besser sein – und ist es, größtenteils.

Die Frostbite 3 Engine

Hardline nutzt die gleiche Frostbite 3 Engine wie BF4, aber optimiert durch Visceral. Die Grafik ist solid ohne spektakulär zu sein. Die Maps sind detailliert, die Beleuchtung dynamisch, die Texturen hochauflösend. Auf PS4 läuft das Spiel mit 900p und meist stabilem 60 FPS. Die Xbox One kämpft mehr, erreicht aber auch 60 FPS bei niedrigerer Auflösung. Die PC-Version sieht am besten aus, vorausgesetzt die Hardware stimmt.

Die Fahrzeug-Physik ist deutlich verbessert gegenüber BF4. Autos fühlen sich gewichtiger an, die Kollisionen realistischer. Das ist wichtig für Hotwire, wo Fahrzeuge zentral sind. Helikopter sind schwerer zu fliegen als in BF4 – weniger arcade-mäßig, näher an Simulation. Das frustriert Casual-Spieler, befriedigt Veteranen.

Die Audio-Arbeit ist exzellent. Waffen klingen kraftvoll, Explosionen wuchtig, Umgebungsgeräusche immersiv. Das ist klassisches Battlefield-Design, und Visceral hat es gut repliziert.

Die Netcode-Probleme

Hier wird es kompliziert. Hardlines Netcode ist besser als bei Battlefield 4 zum Launch, aber immer noch problematisch. Die berüchtigten „Behind-Cover-Deaths“ – man stirbt, obwohl man bereits hinter Deckung ist – treten weiterhin auf. Die Tickrate (wie oft der Server Positionen aktualisiert) ist niedrig, was zu Inkonsistenzen führt.

EA/Visceral behaupten, der Netcode sei verbessert. Community-Tests zeigen: Es ist besser als Battlefield 4 aus 2013, aber schlechter als Battlefield 4 aus 2015 (nach einem Jahr Fixes). Das ist frustrierend – warum übernimmt Hardline nicht die Verbesserungen, die DICE in BF4 implementierte?

Die Server-Stabilität ist zum Launch solide. Ich erlebte wenige Crashes in 30 Stunden. Das ist eine massive Verbesserung gegenüber BF4. Allerdings gibt es regionale Probleme – europäische Server hatten mehr Issues als US-Server in der Launch-Woche.

Die Matchmaking-Geschwindigkeit ist inkonsistent. Beliebte Modi (Conquest, Hotwire) finden Spiele in Sekunden. Nischen-Modi (Rescue, Crosshair) dauern Minuten oder finden gar keine Matches. Das ist kein technisches Problem, sondern Community-Fragmentierung – ein Symptom dafür, dass Hardline zu viele Modi für zu kleine Spielerbasis hat.


Das Identitätsproblem: Zu viel und zu wenig Battlefield

Hardlines fundamentales Problem ist, dass es nicht weiß, was es sein will. Es ist zu viel Battlefield für ein authentisches Polizei-Spiel, aber zu wenig Battlefield für Serie-Fans.

Was fehlt?

Jets. Keine Jets. Für viele Battlefield-Spieler sind Luftkämpfe essentiell. Hardline bietet Helikopter, aber das ist nicht dasselbe.

Panzer. Keine Panzer. Es gibt gepanzerte Trucks, aber sie sind langsam und schwach. Die epischen Panzer-Duelle aus BF4? Fehlen komplett.

64-Spieler-Chaos. Maps sind für 32 Spieler designt. Das ist intimere Action, aber verliert das „Battlefield-Moment“-Gefühl von hunderten Spielern in massiven Battles.

Destruction. Minimal. Kaum Gebäude-Zerstörung, wenig Umwelt-Veränderung. Das war ein Kernfeature von Battlefield seit Bad Company.

Militär-Setting. Für viele ist Battlefield synonym mit Militär-Shooter. Polizei-Setting fühlt sich wie falsches Genre an.

Was ist neu?

Hotwire-Modus. Tatsächlich innovativ. Nichts in der Shooter-Landschaft ist vergleichbar.

Stealth-Kampagne. Die beste Singleplayer-Erfahrung seit BF Bad Company 2.

Schnelleres Gameplay. Kleinere Maps, schnellere Bewegung. Das appelliert an Call of Duty-Spieler.

Polizei-Thematik. Polarisierend, aber definitiv anders.

Das Problem: Die Neuerungen rechtfertigen kein vollpreisiges Sequel. Hardline fühlt sich an wie ein Expansion Pack für BF4 – neue Maps, neuer Anstrich, paar neue Modi. Es hätte als 30-Euro-Standalone-Expansion verkauft werden sollen, nicht als 70-Euro-Hauptspiel.


Die Community-Reaktion: Gespalten

Die Battlefield-Community ist fundamental gespalten über Hardline. Die einen lieben die frische Herangehensweise, die anderen sehen es als Verrat an der Serie.

Pro-Hardline:

  • Endlich eine spielbare Kampagne
  • Hotwire ist brilliant
  • Technisch besser als BF4-Launch
  • Frischer Anstrich für müde Formel

Anti-Hardline:

  • Kein echtes Battlefield (keine Jets, keine Panzer)
  • Zu teuer für zu wenig Content
  • Timing nach Ferguson geschmacklos
  • Multiplayer-Modi verlieren schnell Reiz
  • Fühlt sich wie glorifiziertes DLC an

Die Verkaufszahlen sprechen Bände. Hardline verkaufte deutlich schlechter als BF4 oder BF3. Die PC-Spielerzahlen auf Steam sind nach wenigen Monaten stark gefallen. EA senkte schnell den Preis – sechs Monate nach Launch war Hardline für 30 Euro erhältlich.

Das ist das Schicksal vieler Multiplayer-Shooter: Ohne starke Community-Basis sterben sie schnell. Hardline ist nicht tot, aber geschwächt. Premium-Pass-Käufer werden sich fragen, ob die DLC-Maps genug Spieler finden werden.


Vergleich: Hardline vs. Battlefield 4

Der direkteste Vergleich ist zu BF4, dem Vorgänger. Wo steht Hardline?

Grafik: Etwa gleich. Beide nutzen Frostbite 3, Hardline hat minimal detailliertere Umgebungen.

Stabilität: Hardline gewinnt. BF4s Launch war katastrophal, Hardline funktioniert größtenteils zum Launch.

Content: BF4 gewinnt. Mehr Maps, mehr Waffen, mehr Fahrzeuge, mehr Modi.

Innovation: Hardline versucht mehr Neues (Hotwire, Heist), BF4 blieb sicherer.

Kampagne: Hardline gewinnt klar. BF4s Kampagne war generisch und buggy.

Multiplayer-Tiefe: BF4 gewinnt. 64-Spieler, Panzer, Jets, mehr strategische Tiefe.

Wert: BF4 gewinnt. Nach einem Jahr Patches und DLC ist BF4 das vollständigere Paket.

Die Wahrheit: Für die meisten Spieler ist BF4 das bessere Spiel, besonders 2015 nach allen Fixes. Hardline ist interessanter für Spieler, die BF4-Burnout haben oder das Polizei-Setting anspricht.


Langzeitmotivation & Probleme

Die Frage für jeden Multiplayer-Shooter: Gibt es Gründe, Monate nach Launch weiterzuspielen?

Bei Hardline ist die Antwort durchwachsen. Das Progression-System ist grind-lastig. Man braucht dutzende Stunden, um alle Waffen freizuschalten. Die Battlepacks bieten zufällige Belohnungen, aber fühlen sich wie Glücksspiel an. Premium-Pass-Käufer bekommen frühen Zugang zu DLC-Waffen, was Pay-to-Win-Ängste verstärkt.

Die Modi haben unterschiedliche Langlebigkeit. Hotwire ist spaßig, wird aber repetitiv. Heist ist frustrierend unbalanciert. Blood Money ist solide. Conquest fühlt sich wie abgeschwächtes BF4 an. Rescue und Crosshair werden kaum gespielt.

Das größte Problem: Community-Fragmentierung. Neun Launch-Maps plus DLC-Maps spalten die Spielerbasis. Premium-Pass-Besitzer können oft keine Matches in DLC-Maps finden, weil zu wenige die Maps haben. Das ist ein klassisches Problem, aber EA lernt nie daraus.

Die technischen Probleme sind lösbar, aber nervig. Netcode-Issues bleiben. Balance-Probleme (manche Waffen zu stark, andere nutzlos) werden langsam gepatcht. Server-Browser hat Bugs, die Matches verschwinden lassen.

Für Hardcore-Fans, die Battlefield lieben und jede Variation spielen wollen, bietet Hardline 50-100+ Stunden Content. Für Casual-Spieler ist die Motivation nach 20-30 Stunden weg.


Fazit

Battlefield Hardline ist ein gut gemachtes Spiel, das unter schlechten Entscheidungen leidet. Visceral Games hat technisch kompetente Arbeit geleistet – die Kampagne ist die beste seit Bad Company 2, Hotwire ist ein innovativer Modus, und das Spiel funktioniert zum Launch besser als BF4. Das verdient Anerkennung.

Doch diese Erfolge werden von fundamentalen Problemen überschattet. Das Polizei-Setting ist kontrovers und wird nach Ferguson als geschmacklos wahrgenommen. Das Spiel fühlt sich wie ein teures Expansion Pack an, nicht wie ein vollwertiges 70-Euro-Sequel. Die neuen Modi sind interessant, verlieren aber schnell ihren Reiz. Das Fehlen von Jets, Panzern und 64-Spieler-Chaos entfernt das, was Battlefield definiert. Die aggressive Monetarisierung mit Premium-Pass und Battlepacks ist zynisch.

Das Identitätsproblem ist nicht lösbar: Hardline ist weder authentisches Polizei-Spiel noch echtes Battlefield. Es sitzt unbequem zwischen beiden, zufriedenstellt keine Seite vollständig. Fans von taktischen Polizei-Shootern (Rainbow Six) finden es zu arcade-mäßig. Battlefield-Veteranen finden es zu klein und featurelos.

Die technische Stabilität ist besser als beim Launch von Battlefield 4, aber das ist eine niedrige Bar. Der Netcode hat immer noch Probleme, die Community fragmentiert schnell, und der Content rechtfertigt den Vollpreis nicht.

Bewertung: 7.2/10

Hardline ist ein gutes Spiel, das wenige Spieler wirklich lieben werden. Es ist für Battlefield-Fans, die absolut alles spielen wollen, oder Spieler mit BF4-Burnout, die etwas Neues (aber Vertrautes) suchen. Für alle anderen gibt es bessere Optionen – BF4 selbst nach Patches, oder kommende Titel wie Rainbow Six Siege für taktische Shooter-Fans.

Hardline wird in die Battlefield-Geschichte eingehen als interessantes Experiment, das nicht funktionierte. Es bewies, dass nicht jedes Setting für Battlefield geeignet ist, und dass die Community klare Erwartungen hat. Visceral verdient Respekt für den Versuch, aber EA verdient Kritik für die Preisstrategie und das Timing.

Für 30-40 Euro ist Hardline ein unterhaltsamer Abstecher. Für 70 Euro ist es schwer zu empfehlen, besonders wenn BF4 deutlich günstiger und umfangreicher ist.

Räuber und Gendarm bleibt Kindern auf dem Spielplatz vorbehalten – nicht 70-Euro-Multiplayer-Shootern.


FAQ – Häufig gestellte Fragen

1. Ist Hardline besser als Battlefield 4?

Nein, für die meisten Spieler nicht. BF4 (nach Patches) bietet mehr Content, mehr strategische Tiefe, ikonische Battlefield-Momente mit Jets und Panzern. Hardline ist technisch stabiler zum Launch und hat die bessere Kampagne, aber als Gesamtpaket ist BF4 überlegen. Hardline ist nur besser, wenn du speziell das Polizei-Setting willst oder BF4-müde bist.

2. Funktioniert das Spiel zum Launch?

Ja, größtenteils. Es ist kein BF4-Desaster mit Server-Crashes und Game-Breaking-Bugs. Die Server laufen stabil, das Spiel ist spielbar. Allerdings gibt es Netcode-Probleme (Behind-Cover-Deaths), Balance-Issues und gelegentliche Disconnects. Es ist deutlich besser als Battlefield 4 aus 2013, aber nicht perfekt.

3. Lohnt sich der Premium-Pass?

Schwierig. Der Premium-Pass kostet 50 Euro zusätzlich und bietet vier DLC-Packs mit neuen Maps, Waffen und Modi. Das Problem: Die Community fragmentiert schnell. Viele Spieler haben keinen Premium, was bedeutet, DLC-Maps finden weniger Spieler. Für Hardcore-Fans, die alles wollen, ja. Für Casual-Spieler, warten bis es billiger wird oder ganz verzichten.

4. Ist die Kampagne gut?

Überraschend ja. Es ist die beste Battlefield-Kampagne seit Bad Company 2. Die TV-Serie-Struktur funktioniert, die Stealth-Optionen sind willkommen, die Story ist solide (wenn auch nicht brillant). Es dauert 8-10 Stunden. Für ein reines Multiplayer-Franchise ist das beeindruckend. Aber rechtfertigt es allein den Kauf? Nein.

5. Was ist Hotwire und macht es Spaß?

Hotwire ist Conquest mit fahrenden Autos als Punkte. Du musst Fahrzeuge stehlen und über einer bestimmten Geschwindigkeit fahren, um Tickets zu generieren. Es führt zu chaotischen Autojagden mit Schießereien. Initial ist es brilliant – adrenalintreibend und einzigartig. Nach 10-15 Stunden wird es repetitiv, besonders wenn Teams unbalanciert sind. Es ist Hardlines beste Innovation.

6. Gibt es Jets oder Panzer?

Nein. Keine Jets, keine Kampfpanzer. Es gibt Helikopter und gepanzerte Trucks, aber das ist nicht dasselbe. Für viele Battlefield-Veteranen ist das ein Ausschlusskriterium. Das Spiel fühlt sich wie „Battlefield Lite“ an ohne diese ikonischen Fahrzeuge.

7. Ist das Polizei-Setting geschmacklos nach Ferguson?

Das ist subjektiv. Manche Spieler sehen es als harmlosen Cops-and-Robbers-Spaß. Andere finden das Timing (Monate nach Ferguson-Unruhen) problematisch, besonders da das Spiel Polizei-Militarisierung als coole Action-Fantasy präsentiert. EA behauptet, keine politische Aussage zu machen, aber das Spiel existiert nicht im Vakuum. Jeder muss selbst entscheiden, ob es für ihn okay ist.

8. Kann ich das Spiel solo genießen, oder brauche ich Freunde?

Solo ist spielbar, aber Hardline ist für Teams optimiert. Modi wie Heist und Blood Money funktionieren besser mit Koordination. Hotwire kann solo Spaß machen (fahre einfach herum und schieße). Conquest ist wie immer solo-freundlich. Die Kampagne ist natürlich solo. Aber generell: Mit Freunden deutlich besser.

9. Wie ist die PC-Version?

Technisch die beste Version – höhere Auflösung, bessere Texturen, höhere Framerates (wenn die Hardware stimmt). Aber die PC-Community ist kleiner als auf Konsolen. Matchmaking dauert länger, besonders für Nischen-Modi. Hacks/Cheats sind ein Problem (wie bei jedem PC-Shooter). Wenn du eine starke PC hast und die Community-Größe egal ist, nimm PC. Sonst PS4/Xbox One.

10. Sollte ich warten oder jetzt kaufen?

Warten. Hardline wird schnell im Preis fallen – EA-Spiele tun das immer. In 3-6 Monaten ist es für 30-40 Euro erhältlich, vielleicht billiger. Zum Launch-Preis (70 Euro) ist es schwer zu rechtfertigen, besonders da BF4 billiger und umfangreicher ist. Außer du bist Hardcore-Battlefield-Fan, der alles zum Launch spielen muss, warte auf Sales.


Technische Informationen

Entwickler: Visceral Games
Publisher: Electronic Arts
Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, PlayStation 3, Xbox 360, PC (Windows)
Release-Datum: 17. März 2015 (USA), 19. März 2015 (Europa)
Engine: Frostbite 3
Genre: First-Person-Shooter, Multiplayer-Shooter
Spieleranzahl: Singleplayer, Multiplayer (bis 64 Spieler, meist 32)
USK/PEGI: USK 18 / PEGI 18 (starke Gewalt, starke Sprache)
Ungefähre Spieldauer:

  • Kampagne: ~8-10 Stunden
  • Multiplayer: Unbegrenzt (Community-abhängig)
    Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, weitere (Vollvertonung + Untertitel)
    Preis zum Launch: 69,99€ (Standard), 119,99€ (mit Premium-Pass)
    Besonderheit: Erstes Battlefield nicht von DICE entwickelt

Getestet auf PlayStation 4 (Retail-Version).

Stand: 19. März 2015

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