Bioshock 2

BioShock 2 im Test – Rückkehr nach Rapture als Big Daddy

Mit BioShock 2 kehren wir zurück in die dystopische Unterwasserstadt Rapture – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo die Erwartungen an Fortsetzungen besonders hoch sind.

Ken Levine und sein Team bei Irrational Games haben diesmal die Zügel an 2K Marin übergeben, was im Vorfeld für einige Diskussionen sorgte. Kann eine andere Entwicklerriege dem ersten BioShock das Wasser reichen, oder droht hier das klassische Sequel-Dilemma?

Nach einigen Stunden Spielzeit in den düsteren Korridoren von Rapture kann ich sagen: Die Sorgen waren größtenteils unbegründet, auch wenn nicht alles perfekt gelungen ist.

Acht Jahre später

Acht Jahre sind vergangen seit den Ereignissen des ersten Teils, und Rapture hat sich gewandelt. Wo einst Andrew Ryan seinen vom Objektivismus getriebenen Traum verwirklichte, herrscht nun Dr. Sofia Lamb mit ihrer kollektivistischen Ideologie.

Das ist mehr als nur ein Perspektivenwechsel – es ist ein philosophischer Paradigmenwechsel, der dem Spiel eine völlig neue Grundstimmung verleiht.

Story: Familienbande unter Wasser

Diesmal schlüpfen wir in die schweren Stiefel eines Big Daddys namens Subject Delta – genauer gesagt in die erste Generation dieser ikonischen Beschützer.

Eleanor Lamb

Das ist mehr als nur ein Gimmick, denn Delta hat eine ganz besondere Bindung zu einem kleinen Mädchen namens Eleanor Lamb – der Tochter von Dr. Sofia Lamb. Diese emotionale Komponente zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte und verleiht ihr eine persönlichere Note als der eher philosophisch-abstrakte Konflikt im Vorgänger.

Das Erwachen

Die Handlung setzt ein, als Delta nach achtjähriger „Zwangspause“ wieder erwacht. Eleanor ist inzwischen erwachsen, und ihre Mutter Dr. Lamb verfolgt ihre eigene Vision für Rapture – eine, die keinen Platz für die alten Big Daddy-Little Sister-Bindungen vorsieht.

Was folgt, ist eine Reise durch die verschiedenen Distrikte von Rapture, die alle ihre eigenen Geschichten und Geheimnisse bereithalten.

Würdigung des Vorgängers

Besonders gelungen ist, wie die Geschichte die Ereignisse des ersten Teils würdigt, ohne sich davon erdrücken zu lassen. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird viele Anspielungen entdecken, aber auch Neueinsteiger können der Handlung folgen.

Meine Empfehlung: Spielt zuerst den ersten Teil!

Grafik: Rapture in morbider Pracht

Technisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger einiges getan, auch wenn die Verbesserungen auf den ersten Blick nicht spektakulär erscheinen mögen:

  • Atmosphärischere Beleuchtung
  • Schärfere Texturen
  • Deutlich beeindruckendere Wassereffekte

Besonders die Momente, in denen man durch die großen Panoramafenster auf die Unterwasserwelt blickt, haben eine fast meditative Wirkung.

Die Distrikte

Die verschiedenen Distrikte erzählen auch optisch ihre eigenen Geschichten:

  • Ryan Amusements: Ein grotesker Vergnügungspark
  • Siren Alley: Die Dekadenz der alten Zeit

Jeder Bereich hat seine eigene Farbgebung und Atmosphäre, was der bereits im ersten Teil beeindruckenden Levelgestaltung noch eine weitere Dimension hinzufügt.

Sound: Hoher Standard fortgesetzt

Garry Schyman liefert erneut einen wunderbaren Soundtrack ab – mal melancholisch, mal bedrohlich, aber immer passend.

Sprachausgabe

Die Sprecher leisten durchweg solide Arbeit, besonders:

  • Eleanor Lamb (Amy Gross)
  • Dr. Sofia Lamb (Fennella Woolgar)

Die deutsche Synchronisation ist gelungen.

Gameplay: Mehr als ein Big Daddy-Simulator

Das Gameplay fühlt sich vertraut an, bringt aber genug neue Elemente mit, um frisch zu wirken.

Als Big Daddy spielen

Als Big Daddy spielt sich das Ganze natürlich anders – man ist schwerfälliger, aber auch deutlich robuster.

Die größte Änderung: Man kann gleichzeitig eine Waffe UND ein Plasmid verwenden. Das mag klein klingen, macht aber einen enormen Unterschied im Kampfgefühl.

Waffenarsenal

Die Waffenauswahl wurde überarbeitet und erweitert:

Waffe Besonderheit
Rivet Gun Passend für einen Big Daddy
Launcher Explosiver Fernkampf
Shotgun Klassiker
Maschinenpistole Schnelle Feuerkraft

Jede Waffe kann mit verschiedenen Munitionstypen bestückt werden: Anti-Panzer-Raketen gegen Big Daddys, Fallen-Darts für Hinterhalte oder normale Munition.

Plasmide

Die Plasmide wurden ebenfalls überarbeitet. Besonders interessant: Das neue „Drill Dash“-Plasmid, das perfekt zur Big Daddy-Identität passt und spektakuläre Kampfmomente ermöglicht.

Verbessertes Hacking

Ein großer Fortschritt: Statt der zeitraubenden Rohrleitungs-Puzzle gibt es nun ein reaktionsschnelles Timing-basiertes System. Das geht nicht nur schneller, sondern unterbricht auch den Spielfluss weniger.

Manche mögen das als „Vereinfachung“ kritisieren, aber ich fand die alten Hacking-Puzzle nie besonders interessant – eher lästig.

Verbesserte KI

Die KI der Gegner wurde spürbar verbessert:

  • Splicer agieren koordinierter
  • Sie nutzen die Umgebung geschickter
  • Intelligentere Reaktionen auf Spieleraktionen

Als Subject Delta fühlt man sich Big Daddys nicht mehr so hilflos ausgeliefert wie im Vorgänger.

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Little Sister-Management

Ein zentraler Aspekt: Als Big Daddy hat man eine natürliche Bindung zu den Little Sisters.

Beschützen beim Sammeln

Man kann sie beim „Sammeln“ begleiten und beschützen, während sie ADAM aus Leichen extrahieren. Diese Sequenzen sind taktisch anspruchsvoll – man muss die Position verteidigen, während Waves von Splicern angreifen.

Emotionalere Entscheidungen

Die moralischen Entscheidungen bezüglich der Little Sisters sind nach wie vor präsent, aber sie fühlen sich diesmal emotionaler an. Als ihr Beschützer hat jede Entscheidung mehr Gewicht.

Das Spiel urteilt nicht über die Entscheidungen, aber es macht sie bedeutsamer.

Multiplayer: Überraschend gelungen

Eine der größten Neuerungen ist der Mehrspielermodus. Braucht BioShock wirklich Multiplayer? Nein, braucht es nicht, aber schaden tut es auch nicht.

Splicer-Kämpfe in Rapture

Man schlüpft in die Rolle verschiedener Splicer-Charaktere und kämpft in bekannten Schauplätzen:

  • Team Deathmatch
  • Capture the Sister
  • Weitere Modi

Das Fortschrittssystem mit neuen Waffen und Plasmids motiviert zum Weiterspielen, auch wenn der Multiplayer sicherlich kein langfristiges Phänomen werden wird.

Anmerkung: Ich sollte Recht behalten – der Multiplayer wurde später eingestellt.

Kritikpunkte

So gelungen BioShock 2 auch ist, es gibt durchaus Probleme.

Weniger Verletzlichkeit

Der größte Kritikpunkt ist paradoxerweise einer der Hauptaspekte: Man ist ein Big Daddy. Das bringt interessante Gameplay-Elemente, aber es nimmt etwas von der Verletzlichkeit und dem Horror-Aspekt weg. Als Subject Delta fühlt man sich von Anfang an mächtiger und weniger bedroht.

Träger Mittelteil

Einige Levelabschnitte ziehen sich, besonders in der Mitte des Spiels. Das erste Drittel fesselt durch neue Mechaniken, die zweite Hälfte durch die sich zuspitzende Handlung – aber dazwischen gibt es einen trägen Mittelteil.

Philosophie etwas plakativ

Die philosophischen Themen sind präsent, aber nicht ganz so elegant eingewoben. Dr. Lambs Kollektivismus ist ein interessanter Gegenpol zu Ryans Objektivismus, aber die Ausführung wirkt manchmal etwas plakativ.

Fazit

BioShock 2 ist eine würdige Fortsetzung – nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger.

Es macht vieles richtig: Das Gameplay ist verbessert, die Geschichte ist emotional packend, und Rapture hat nichts von seiner Faszination verloren. Gleichzeitig schafft es das Spiel, eine eigenständige Identität zu entwickeln, statt nur den Vorgänger zu kopieren.

Nicht so revolutionär

Ist es so revolutionär wie der erste Teil? Nein, das konnte es auch gar nicht sein. Der Schock des ersten Rapture-Besuchs lässt sich nicht wiederholen.

Aber als eigenständiges Spiel funktioniert BioShock 2 hervorragend. Die emotionale Geschichte um Subject Delta und Eleanor, die verfeinerten Gameplay-Mechaniken und die nach wie vor beeindruckende Atmosphäre machen es zu einem der besseren Shooter des Jahres.

Wer den ersten Teil geliebt hat, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Die Geschichte von Rapture ist noch lange nicht auserzählt, und dieser zweite Besuch lohnt sich definitiv.


Bewertung: 8.5/10

Stärken:

  • Würdige Fortsetzung
  • Als Big Daddy spielen interessant
  • Subject Delta und Eleanor emotional
  • Gleichzeitig Waffe und Plasmid nutzen
  • Verbessertes Hacking-System
  • Timing-basiert statt Rohrleitungs-Puzzle
  • Verbesserte Gegner-KI
  • Little Sister-Beschützen taktisch
  • Moralische Entscheidungen gewichtiger
  • Rapture immer noch faszinierend
  • Garry Schyman Soundtrack
  • Neue Distrikte mit eigener Atmosphäre
  • Ryan Amusements grotesk
  • Eigenständige Identität
  • Multiplayer überraschend gut

Schwächen:

  • Als Big Daddy weniger verletzlich
  • Horror-Aspekt abgeschwächt
  • Träger Mittelteil
  • Philosophie manchmal plakativ
  • Nicht so revolutionär wie Teil 1
  • Multiplayer später eingestellt

Technische Daten:

  • Entwickler: 2K Marin
  • Publisher: 2K Games
  • Genre: First-Person-Shooter / Action-Adventure
  • Plattformen: PC, Xbox 360, PlayStation 3
  • Release: 9. Februar 2010
  • Protagonist: Subject Delta (Big Daddy)
  • Setting: Rapture (Unterwasserstadt), 1968
  • Zeitsprung: 8 Jahre nach BioShock 1
  • Altersfreigabe: USK 18

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