Die Bundesnetzagentur hat 2025 insgesamt 7,7 Millionen mangelhafte elektronische Geräte aus dem Verkehr gezogen – darunter auch Gaming-Hardware wie Spielekonsolen, Gaming-Handhelds und Netzwerk-Equipment. Wie Heise berichtet, fehlten vielen Geräten CE-Kennzeichnungen, deutsche Bedienungsanleitungen oder sie verursachten gefährliche Funkstörungen. Ein besonders krasses Beispiel: Eine tragbare Spielekonsole, die praktisch keine der erforderlichen Kriterien erfüllte und vom Zoll gestoppt wurde. Auch Gaming-Handhelds wie der Retroid Pocket wurden an der Grenze abgefangen. Für Gamer bedeutet das: Vorsicht beim Import aus China – billige Gaming-Hardware ohne Zertifizierung kann am Zoll hängenbleiben oder sogar dein Netzwerk stören.
Spielekonsole komplett mangelhaft: Keine CE, keine Anleitung, nichts
Als markantes Beispiel aus der Zoll-Zusammenarbeit nennt die Bundesnetzagentur eine Spielekonsole, die praktisch keine der erforderlichen Kriterien erfüllt hat. Dem Gerät fehlte nicht nur die CE-Kennzeichnung, sondern auch eine deutsche Bedienungsanleitung, die EU-Konformitätserklärung sowie jegliche Identifikationsmerkmale und die Herstelleradresse. Die Konsole wurde an der Grenze gestoppt und durfte nicht in die EU eingeführt werden.
Dieses Beispiel zeigt ein massives Problem mit billigen Import-Konsolen aus Drittstaaten wie China: Viele erfüllen grundlegende EU-Standards nicht. Laut t3n hatte die Konsole in fast allen Bereichen versagt. Für Käufer bedeutet das nicht nur Ärger am Zoll, sondern auch potenzielle Sicherheitsrisiken – Geräte ohne Zertifizierung könnten Brandgefahren bergen oder andere elektronische Geräte stören.
Gaming-Handhelds am Zoll: Retroid Pocket gestoppt
Gaming-Handhelds sind besonders betroffen. Im Juli 2025 berichtete ein PCGH-User, dass sein bestellter Retroid Pocket Gaming-Handheld vom Zoll und der Bundesnetzagentur nicht durchgelassen wurde. Grund: Fehlende CE-Kennzeichnung, keine deutsche Gebrauchsanleitung und unzureichende Zertifizierung.
Retroid Pocket ist ein chinesischer Hersteller günstiger Gaming-Handhelds, die bei Retro-Gamern beliebt sind. Doch ohne die nötigen EU-Zertifikate bleiben die Geräte am Zoll hängen. Das Problem: Als Privatperson bist du nicht Importeur, aber du musst den Eingriff dulden. Die Ware wird entweder auf Kosten des Verkäufers zurückgeschickt oder im schlechtesten Fall vernichtet. Kaufpreis-Rückerstattung? Musst du auf privatrechtlichem Weg vom ausländischen Unternehmen fordern – viel Glück dabei.
Netzwerk-Switches stören Online-Gaming
Ein weiteres Problem für Gamer: Netzwerk-Equipment mit technischen Mängeln. Die Bundesnetzagentur fand einen Netzwerk-Switch, bei dem massive Überschreitungen der Störaussendungsgrenzwerte gemessen wurden. Die Störspannung auf der Netzleitung lag bis zu 26,48 dB über den zulässigen Werten.
Das ist kein Kavaliersdelikt: Der untersuchte Switch stellte ein „hohes Risiko“ dar, da er vernetzte Produkte und sogar militärische Funkanwendungen stören könne. Für Gamer bedeutet das: Ein mangelhafter Switch in deinem Home-Network kann Lag-Spikes verursachen, Verbindungsabbrüche oder sogar andere Geräte wie Router, Consoles und PCs beeinträchtigen. Solche Geräte sind oft billige No-Name-Produkte aus China ohne ordentliche Zertifizierung.
7,7 Millionen Geräte: Die Zahlen
Die Bundesnetzagentur kontrolliert jährlich elektronische Geräte auf dem deutschen Markt. 2025 wurden insgesamt 7,7 Millionen mangelhafte Geräte identifiziert – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024 (5,3 Millionen). Die Kontrollen laufen in drei Bereichen:
1. Onlinehandel: 1.266 auffällige Angebote mit über 5 Millionen Geräten. Plattformen wie Amazon, eBay, AliExpress löschen die Angebote nach Meldung der Bundesnetzagentur. Besonders betroffen: Smartwatches (4+ Millionen mit gefälschter Blutzuckermessung) und PMR446-Funkgeräte.
2. Einzelhandel: Über 2.100 kontrollierte Gerätetypen, davon 58 Prozent mangelhaft. Das summierte sich auf rund 1,9 Millionen Geräte im klassischen Handel. Die Fehlerquote ist erschreckend hoch – mehr als jedes zweite Gerät hielt den gesetzlichen Vorgaben nicht stand.
3. Zoll (Importe): 8.202 verdächtige Warensendungen gemeldet, davon 89 Prozent gestoppt. Das verhinderte die Einfuhr von fast 360.000 auffälligen Produkten aus Drittstaaten wie China.
Was sind die Mängel?
Die Bundesnetzagentur unterscheidet zwischen formalen und technischen Mängeln:
Formale Mängel:
– Fehlende CE-Kennzeichnung
– Keine deutsche Bedienungsanleitung
– Fehlende Herstellerangaben
– Keine EU-Konformitätserklärung
– Keine Identifikationsmerkmale
Technische Mängel:
– Überschreitung von Störaussendungsgrenzwerten
– Funkstörungen (betrifft WLAN, Bluetooth, andere Funkgeräte)
– Gefälschte/simulierte Funktionen (z.B. Blutzuckermessung bei Smartwatches)
– Sicherheitsrisiken (Brand, Überhitzung, Stromschlag)
Gaming-Hardware besonders betroffen
Warum trifft es Gaming-Hardware so hart? Weil viele Gamer günstige Importe aus China kaufen: Retro-Handhelds, No-Name-Controller, billige Gaming-Headsets, Netzwerk-Switches, RGB-LED-Strips. Diese Geräte kommen oft direkt aus Shenzhen, ohne ordentliche EU-Zertifizierung.
Die Probleme:
✅ Retro-Handhelds: Anbiex, Retroid Pocket, Powkiddy – beliebte Marken, aber oft ohne CE
✅ Controller: Günstige Xbox/PS5-Klone mit Bluetooth-Störungen
✅ Gaming-Headsets: No-Name-Headsets mit mangelhaften Funkmodulen
✅ Netzwerk-Equipment: Billige Switches, Range Extender, Powerline-Adapter
✅ RGB-Peripherie: LED-Strips, RGB-Fans ohne ordentliche EMV-Zertifizierung
Was passiert mit gestoppten Geräten?
Wenn der Zoll ein Gerät stoppt, gibt es mehrere Szenarien:
Best Case: Rücksendung auf Kosten des Verkäufers. Du forderst Kaufpreis-Rückerstattung über PayPal, Kreditkarte oder rechtlich vom ausländischen Unternehmen.
Worst Case: Vernichtung der Ware. Passiert bei Geräten, die als gefährlich eingestuft werden (z.B. Brandrisiko, Funkstörungen).
Mittelweg: Zwischenlagerung beim Zoll, bis fehlende Zertifikate nachgereicht werden. Klingt gut, funktioniert in der Praxis aber selten – chinesische Händler liefern keine Zertifikate nach.
Wichtig: Als Privatperson bist du nicht Importeur, aber du musst den Eingriff dulden. Du haftest nicht, aber du sitzt auf dem Problem. Der Verkäufer ist verantwortlich, aber in China schwer zu belangen.
Wie erkenne ich sichere Gaming-Hardware?
1. CE-Kennzeichnung prüfen: Muss auf dem Gerät vorhanden sein. Achtung: CE-Fälschungen existieren, aber ohne CE geht gar nichts.
2. Deutsche Anleitung: Gesetzlich vorgeschrieben in der EU. Fehlt sie, ist das Gerät nicht konform.
3. EU-Ansprechpartner: Hersteller oder Importeur muss in der EU ansässig sein. Steht nur eine China-Adresse drauf? Red Flag!
4. Bei etablierten Händlern kaufen: Amazon (verkauft von Amazon), MediaMarkt, Saturn übernehmen Haftung. AliExpress? Risiko!
5. Preise vergleichen: Wenn ein Gaming-Handheld 50€ kostet statt 150€ bei offiziellen Händlern, ist was faul.
Zukunft: KI und Webcrawler gegen Schrott-Hardware
Die Bundesnetzagentur plant für die Zukunft den erweiterten Einsatz von KI und Webcrawlern, um mangelhafte Angebote automatisch zu identifizieren. Das könnte bedeuten: Schnellere Löschung illegaler Angebote auf Amazon, eBay, AliExpress.
Zusätzlich soll 2026 geprüft werden, ob Mobiltelefone eine USB-C-Ladeschnittstelle gemäß der neuen EU-Richtlinie bieten. Das betrifft auch Gaming-Handhelds und portable Konsolen wie die Steam Deck, die ab einem bestimmten Zeitpunkt USB-C verwenden müssen.
Fazit: Vorsicht bei China-Importen
Die Zahlen sprechen für sich: 7,7 Millionen mangelhafte Geräte in einem Jahr. Gamer sind besonders betroffen, weil viele günstige Gaming-Hardware aus China importieren. Spielekonsolen, Gaming-Handhelds, Netzwerk-Switches – ohne CE-Kennzeichnung und deutsche Anleitung bleiben sie am Zoll hängen oder verursachen Funkstörungen in deinem Home-Network.
Der Rat: Kauft Gaming-Hardware bei etablierten EU-Händlern. Retro-Handhelds von Anbernic oder Retroid Pocket mögen verlockend günstig sein, aber wenn der Zoll zuschlägt, ist der Ärger groß. Und Netzwerk-Switches ohne ordentliche Zertifizierung können dein Online-Gaming ruinieren.
Die Bundesnetzagentur macht ernst – und das ist gut so. Denn mangelhafte Elektronik ist nicht nur nervig, sondern kann auch gefährlich sein: Brandrisiko, Funkstörungen, Datenschutzprobleme. Besser ein paar Euro mehr zahlen und sicher sein.


