Nach über einem Jahrzehnt des Wartens ist er endlich da – der vierte Teil der legendären Diablo-Serie. Blizzard Entertainment hat sich viel Zeit gelassen, und das aus gutem Grund. Diablo III, obwohl kommerziell erfolgreich, polarisierte die Fangemeinde: der farbenfrohe Look, das kontroverse Auktionshaus und die actionlastige Ausrichtung stießen vielen Veteranen sauer auf. Mit Diablo IV verspricht Blizzard eine Rückkehr zu den düsteren Ursprüngen – und löst dieses Versprechen ein.
Die Story: Lilith, Tochter des Hasses
Das Spiel spielt 50 Jahre nach den Ereignissen von Diablo III: Reaper of Souls. Die Menschheit wurde durch Malthaels Vernichtungsfeldzug stark dezimiert – etwa 90% sind tot. Sanktuario ist eine zerrüttete, hoffnungslose Welt.
Diesmal steht nicht der namensgebende Diablo im Mittelpunkt, sondern seine „Schwester“ Lilith – die Tochter von Mephisto, dem Herrn des Hasses. Als Mitschöpferin Sanktuarios (zusammen mit dem Erzengel Inarius) und Mutter der Nephalem kehrt sie nach langer Verbannung zurück.
Die sechs Akte führen durch ganz Sanktuario:
Die Handlung beginnt düster: Kultisten beschwören Lilith zurück in die Welt. Als namenloser Wanderer geraten wir mitten in apokalyptische Geschehnisse. Die wenigen verbliebenen Horadrim – darunter der alte Bekannte Lorath Nahr – unterstützen uns im Kampf gegen die Dämonenkönigin.
Besonders gelungen: Lilith ist eine vielschichtige Antagonistin. Sie will Sanktuario vor der ewigen Bedrohung durch Himmel und Hölle schützen – wenn auch mit drastischen Mitteln. Diese moralische Ambiguität verleiht der Story eine Tiefe, die Diablo III oft fehlte. Die Zwischensequenzen sind technisch beeindruckend und emotional packend.
Die fünf Charakterklassen
Zur Veröffentlichung stehen fünf Klassen zur Verfügung – erstmals mit vollem Charakter-Editor:
Barbar:
- Der ewige Klassiker, zurück aus allen Vorgängern
- Brutaler Nahkämpfer mit Arsenal-System (4 Waffen gleichzeitig)
- Shouts und Wut-basierte Skills
- Perfekt für Spieler, die mitten ins Getümmel wollen
Zauberin (Sorceress):
- Elementar-Magierin (Feuer, Blitz, Eis)
- Mana als Ressource
- Verheerender Flächenschaden aus der Distanz
- Glaskanone mit Crowd-Control
Druide:
- Gestaltenwandler und Naturmagier
- Wechselt zwischen Mensch, Werwolf und Werbär
- Begleiter: Wölfe, Raben, Erdgeister
- Vielseitigste Klasse mit Hybrid-Builds
Totenbeschwörer (Necromancer):
- Meister über Leben und Tod
- Essenz als Ressource
- Skelett-Armee, Golems, Knochen- und Blutmagie
- Endlich wieder als Hauptklasse dabei!
Jägerin (Rogue):
- Schnelle Attentäterin mit Dolchen und Bögen
- Combo-Punkte wie der Schurke aus WoW
- Fallen, Gift, Schatten-Skills
- Für Spieler, die Mobilität und Präzision lieben
Das Fertigkeitensystem erinnert wieder an Diablo II: Echte Talentbäume statt der Runen aus Teil 3! Jede Klasse hat mehrere Spezialisierungswege. Dazu kommen Paragon-Tafeln für das Endgame und ein Glyphensystem für weitere Anpassung. Die Build-Vielfalt ist enorm.
Die offene Welt: Fünf Regionen
Die größte Neuerung: Diablo IV hat eine echte Open World statt linearer Akte!
Die fünf Regionen:
- Zersplitterte Gipfel (Fractured Peaks): Verschneite Berge, Startgebiet
- Scosglen: Düstere Wälder, Heimat der Druiden
- Trockene Steppen (Dry Steppes): Öde Wüste, Barbaren und Kannibalen
- Kehjistan: Ruinen einer untergegangenen Zivilisation, Lilith-Kultisten
- Hawezar: Giftige Sümpfe, Hexen und Seuchen
Die Welt ist riesig – größer als alle vorherigen Diablo-Spiele zusammen. Deshalb gibt es erstmals Reittiere: Pferde, die man anpassen und aufleveln kann. Die Fortbewegung fühlt sich dadurch epischer an.
Weltbosse spawnen zu bestimmten Zeiten und erfordern bis zu 12 Spieler gleichzeitig. Diese massiven Kreaturen bieten einzigartige Belohnungen und echtes MMO-Feeling.
Strongholds sind größere Herausforderungen, die ganze Gebiete freischalten und permanent verändern – etwa verlassene Städte, die nach der Befreiung wieder bewohnt werden.
Altäre von Lilith sind überall versteckt und gewähren permanente Stat-Boni für alle Charaktere auf dem Account.
Das Endgame
Ein kritischer Punkt vieler ARPGs – und hier liefert Diablo IV:
Nightmare Dungeons:
- Über 120 Dungeons mit modifizierten Bedingungen
- Steigende Schwierigkeitsgrade (Albtraum-Siegel)
- Glyphen-Erfahrung als Belohnung
Helltide-Events:
- Zeitlimitierte Zonen mit verstärkten Gegnern
- Spezielle Währung für exklusive Truhen
- Herausfordernder als normales Gameplay
Tree of Whispers (Baum der Flüstern):
- Täglich wechselnde Aufgaben
- Belohnungen nach Wahl (Waffen, Rüstungen, etc.)
- Hält das Spiel frisch
PvP-Zonen (Fields of Hatred):
- Optionale Gebiete für Spieler-gegen-Spieler
- Extrahiere „Seeds of Hatred“ für exklusive Belohnungen
- Klar gekennzeichnet – PvE-Fans bleiben ungestört

Grafik: Düstere Pracht
Visuell kehrt Diablo IV zu den düsteren Wurzeln zurück:
Atmosphäre:
- Gedeckte Farbpalette (Grau, Braun, gedämpftes Rot)
- Bewölkter Himmel, trostlose Landschaften
- Echtes Gothic-Horror-Feeling wie in Diablo und Diablo II
Technik:
- Detailreiche Charaktermodelle
- Liebevoll gestaltete Umgebungen
- Beeindruckende Lichteffekte
- Spektakuläre Zaubereffekte (ohne zu bunt zu wirken)
- Läuft stabil auf verschiedenen Systemen
Die Dungeons sind das Highlight: verwinkelte Gänge, tropfende Gewölbe, makabre Details. Jede Region hat ihren eigenen Charakter.
Sound: Orchestrale Meisterklasse
Der Soundtrack von Tyler Bates ist ein weiteres Highlight:
- Melancholische Melodien bei Erkundung
- Dramatische Rhythmen in Kämpfen
- Dynamische Anpassung an Spielsituationen
Die deutsche Synchronisation überzeugt, besonders Liliths Darstellerin. Die Soundeffekte sind erstklassig: brechende Knochen, zischende Magie, bedrohliches Grollen.
Always-Online und Mikrotransaktionen
Kontroverser Punkt: Permanente Internetverbindung erforderlich, auch solo. Das ermöglicht nahtlose Multiplayer-Integration und verhindert Cheating, frustriert aber bei Verbindungsproblemen. Zum Launch gab es vereinzelt Server-Überlastungen.
Battle Pass und Shop:
- Nur kosmetische Inhalte (Skins, Mounts)
- Kein Pay-to-Win
- Season Pass fair gestaltet
- Preis: 69,99€ (Standard), 89,99€ (Deluxe), 99,99€ (Ultimate)
Crossplay und Koop
Diablo IV unterstützt:
- Crossplay zwischen PC, PlayStation und Xbox
- Cross-Progression (Fortschritt auf allen Plattformen)
- Bis zu 4 Spieler Koop (online)
- 2 Spieler Couch-Koop auf Konsolen
Bereits in den ersten vier Tagen des Early Access: 93 Millionen Spielstunden – Blizzards am schnellsten verkauftes Spiel aller Zeiten!
Umfang
Spielzeit:
- Kampagne: ~35 Stunden
- Alle Regionen erkunden: 50-60 Stunden
- Endgame (Nightmare Dungeons, Weltbosse): 100+ Stunden
- Alle fünf Klassen: 200+ Stunden
Die Kampagne kann nach dem ersten Durchgang auf neuen Charakteren übersprungen werden.
Fazit
Diablo IV ist die Rückkehr, auf die Fans so lange gewartet haben. Blizzard hat aus den Fehlern von Diablo III gelernt und ein Spiel geschaffen, das sowohl Veteranen als auch Neueinsteiger begeistert. Die düstere Atmosphäre erinnert an Diablo und Diablo II, das Gameplay ist süchtig machend, die Open World lädt zum Erkunden ein.
Lilith ist eine der besten Antagonistinnen der Spielegeschichte. Die fünf Klassen spielen sich alle unterschiedlich und bieten enorme Build-Vielfalt. Das Endgame hält langfristig bei der Stange.
Kleine Kritikpunkte wie die Always-Online-Pflicht oder gelegentliche Server-Probleme können den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Diablo IV ist ein würdiger Nachfolger, der die Stärken der Serie bewahrt und moderne Elemente geschickt integriert.
Die Rückkehr nach Sanktuario ist geglückt. Willkommen zurück in der Dunkelheit!
Bewertung: 9.0/10 ⭐
Stärken:
- Düstere Atmosphäre wie in Diablo I & II
- Fünf unterschiedliche, tiefgründige Klassen
- Echte Talentbäume statt Runen
- Riesige Open World mit fünf Regionen
- Lilith als vielschichtige Antagonistin
- Beeindruckende Grafik und Zwischensequenzen
- Hervorragender Soundtrack von Tyler Bates
- Weltbosse und Strongholds
- Umfangreiches Endgame
- Crossplay und Cross-Progression
- Kein Pay-to-Win
Schwächen:
- Always-Online-Zwang auch solo
- Server-Probleme zum Launch
- Hoher Einstiegspreis (69,99€)
- Inventar-Management könnte komfortabler sein
Technische Daten:
- Entwickler: Blizzard Entertainment
- Publisher: Blizzard Entertainment
- Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S
- Release: 6. Juni 2023 (Early Access: 2. Juni)
- Genre: Action-RPG / Open World
- Engine: Eigene Engine
- Setting: Sanktuario (Dark Fantasy)
- Multiplayer: Bis zu 4 Spieler Koop, Crossplay
- Spielzeit: 35 Stunden (Kampagne), 200+ Stunden (Komplett)
- Preis: 69,99€ (Standard)
- Altersfreigabe: USK 16


