Early Access

Early Access: Was bedeutet Early Access bei Videospielen?

Immer mehr Spiele erscheinen zunächst im Early Access, bevor sie offiziell veröffentlicht werden. Doch was genau bedeutet das für Käufer? Wir erklären das Modell, seine Geschichte, die größten Erfolge und Misserfolge sowie worauf ihr beim Kauf achten solltet.

Early Access hat die Spielebranche grundlegend verändert. Was einst als Experiment kleiner Indie-Studios begann, ist heute ein etabliertes Geschäftsmodell, das Blockbuster-Hits wie Baldur’s Gate 3 und Hades hervorgebracht hat. Gleichzeitig sorgt der Begriff bei vielen Spielern für Skepsis – zu oft wurden Versprechen nicht eingehalten.

Definition: Was ist Early Access?

Early Access bezeichnet den kostenpflichtigen Zugang zu einem Spiel, das sich noch in aktiver Entwicklung befindet. Käufer erwerben eine unfertige Version und finanzieren damit die weitere Entwicklung, während sie gleichzeitig Feedback geben können, das die finale Version beeinflusst. Im Gegenzug erhalten sie das Spiel meist günstiger als zum späteren Vollpreis und können die Entwicklung über Monate oder Jahre hinweg verfolgen.

Der Begriff grenzt sich von anderen Konzepten ab: Eine Beta ist typischerweise kostenlos und zeitlich begrenzt, während Early Access ein dauerhafter, kostenpflichtiger Zugang ist. Eine Demo zeigt einen fertigen Ausschnitt, Early Access hingegen ein unfertiges Gesamtprodukt. Und während der Gold Master das Ende der Entwicklung markiert, steht Early Access für deren Anfang oder Mitte.

Die Geschichte des Early Access

Die Wurzeln des Modells reichen in die frühen 2010er Jahre zurück. Minecraft gilt als Pionier: Markus „Notch“ Persson verkaufte ab 2009 eine spielbare Alpha-Version seines Sandbox-Spiels direkt über seine Website. Der Erfolg war überwältigend – Millionen Spieler kauften das unfertige Spiel und finanzierten so die weitere Entwicklung bis zum offiziellen Release 2011.

Steam formalisierte das Konzept im März 2013 mit dem Early Access-Programm. Entwickler konnten ihre unfertigen Spiele nun offiziell auf der größten PC-Plattform anbieten, mit klarer Kennzeichnung und speziellen Richtlinien. Arma 3 und Kerbal Space Program gehörten zu den ersten Titeln. In den folgenden Jahren explodierte das Angebot: Survival-Spiele wie DayZ und Rust, Aufbausimulationen wie RimWorld und Prison Architect sowie unzählige Indie-Projekte nutzten das Modell.

Andere Plattformen zogen nach. GOG startete 2014 ein eigenes Programm namens „Games in Development“, Epic Games folgte mit dem Epic Games Store. Selbst Konsolenhersteller öffneten sich: Xbox bietet seit 2015 das „Game Preview“-Programm an, PlayStation folgte deutlich später mit eingeschränkteren Optionen.

Warum nutzen Entwickler Early Access?

Für Entwickler bietet Early Access mehrere entscheidende Vorteile. Die Finanzierung steht an erster Stelle: Statt auf Publisher angewiesen zu sein oder Kredite aufzunehmen, können Studios ihre Entwicklung durch Verkäufe finanzieren. Gerade für Indie-Teams ohne Rücklagen ist das oft die einzige Möglichkeit, ambitionierte Projekte zu realisieren.

Mindestens ebenso wertvoll ist das Community-Feedback. Tausende Spieler testen das Spiel unter realen Bedingungen und melden Bugs, Balancing-Probleme und Feature-Wünsche. Diese Rückmeldungen fließen direkt in die Entwicklung ein. Larian Studios hat Baldur’s Gate 3 während der dreijährigen Early-Access-Phase grundlegend überarbeitet – basierend auf dem Feedback der Spieler.

Early Access reduziert außerdem das finanzielle Risiko. Entwickler erfahren früh, ob ihr Konzept funktioniert und Interesse weckt. Ein Spiel, das im Early Access kaum Käufer findet, kann eingestellt werden, bevor noch mehr Ressourcen investiert werden. Umgekehrt kann überraschender Erfolg zusätzliche Investitionen rechtfertigen.

Vor- und Nachteile für Spieler

Für Käufer ist Early Access ein zweischneidiges Schwert. Auf der positiven Seite steht der günstigere Preis: Viele Spiele kosten im Early Access 20 bis 40 Prozent weniger als zum Release. Spieler erhalten außerdem die Möglichkeit, die Entwicklung aktiv mitzugestalten – wer Feedback gibt, kann sehen, wie die eigenen Vorschläge umgesetzt werden. Und für manche ist es schlicht spannend, ein Spiel über Jahre hinweg wachsen zu sehen.

Die Risiken sind jedoch erheblich. Nicht jedes Early-Access-Spiel erreicht den Release: Manche Projekte werden eingestellt, die Entwickler verschwinden, und Käufer bleiben auf einem unfertigen Produkt sitzen. Selbst erfolgreiche Titel können Jahre in der Entwicklung verharren – DayZ verbrachte fünf Jahre im Early Access, ARK: Survival Evolved über zwei Jahre. Wer ein Spiel im frühen Zustand durchspielt, hat beim Release möglicherweise keine Lust mehr, es erneut zu erleben.

Hinzu kommt die Qualitätsfrage. Early-Access-Spiele sind per Definition unfertig: Bugs, fehlende Features, Performanceprobleme und Balancing-Issues gehören dazu. Wer ein poliertes Erlebnis erwartet, wird oft enttäuscht.

Erfolgsgeschichten

Trotz aller Risiken hat Early Access einige der besten Spiele der letzten Jahre hervorgebracht. Hades von Supergiant Games verbrachte knapp zwei Jahre im Early Access und erschien 2020 als eines der bestbewerteten Spiele des Jahres. Das Roguelike gewann zahlreiche Auszeichnungen und verkaufte sich millionenfach – ein Erfolg, der ohne die Early-Access-Phase und das Community-Feedback kaum möglich gewesen wäre.

Baldur’s Gate 3 setzte neue Maßstäbe. Larian Studios veröffentlichte das Rollenspiel im Oktober 2020 im Early Access und nutzte die folgenden drei Jahre für umfassende Überarbeitungen. Die Community testete intensiv, meldete Bugs und diskutierte Design-Entscheidungen. Als das Spiel im August 2023 offiziell erschien, wurde es zum Phänomen: Game of the Year bei praktisch allen wichtigen Preisverleihungen und über 15 Millionen verkaufte Exemplare.

Weitere Erfolge umfassen Valheim, das 2021 im Early Access startete und innerhalb weniger Wochen zehn Millionen Käufer fand. Subnautica entwickelte sich vom Early-Access-Geheimtipp zum gefeierten Survival-Adventure. Und Slay the Spire definierte das Deckbuilding-Roguelike-Genre, nachdem es zwei Jahre lang im Early Access reifte.

Gescheiterte Projekte

Nicht alle Early-Access-Spiele erreichen ihr Ziel. DayZ ist ein warnendes Beispiel: Das Zombie-Survival-Spiel startete 2013 im Early Access mit enormem Hype, verbrachte dann aber fünf Jahre in der Entwicklung. Als es 2018 offiziell erschien, war der Markt mit Konkurrenten wie PUBG und Fortnite übersättigt, und viele ursprüngliche Fans hatten das Interesse verloren.

Manche Projekte verschwinden komplett. Spiele werden eingestellt, Studios lösen sich auf, und Käufer erhalten weder Rückerstattung noch fertiges Produkt. Andere Titel verharren jahrelang im Early Access, ohne nennenswerte Fortschritte zu machen – technisch verfügbar, aber praktisch aufgegeben.

Cubeworld wurde zum Symbol für enttäuschte Erwartungen. Das Voxel-Rollenspiel von Entwickler Wollay startete 2013 mit großem Interesse, verschwand dann aber für sechs Jahre von der Bildfläche. Als 2019 eine stark veränderte Version erschien, reagierte die Community mit Enttäuschung und Wut.

Worauf sollten Käufer achten?

Wer ein Early-Access-Spiel kaufen möchte, sollte einige Punkte beachten. Die Entwickler-Historie ist entscheidend: Hat das Studio frühere Projekte erfolgreich abgeschlossen? Teams mit Track Record sind vertrauenswürdiger als komplette Neulinge. Die Update-Frequenz zeigt, ob aktiv entwickelt wird – regelmäßige Patches und Changelogs sind gute Zeichen, monatelange Funkstille ein Warnsignal.

Die Community-Kommunikation verrät viel über die Einstellung der Entwickler. Studios, die transparent über Fortschritte und Probleme berichten, verdienen mehr Vertrauen als solche, die Fragen ignorieren. Steam-Reviews, insbesondere die „Recent Reviews“, geben Aufschluss über den aktuellen Zustand des Spiels.

Grundsätzlich gilt: Kauft ein Early-Access-Spiel nur, wenn ihr mit dem aktuellen Zustand zufrieden seid. Betrachtet versprochene Features als Bonus, nicht als Garantie. Und seid euch bewusst, dass ihr in die Entwicklung investiert – mit allen Risiken, die das mit sich bringt.

Die Zukunft des Early Access

Early Access hat sich als fester Bestandteil der Gaming-Landschaft etabliert. Die Grenzen verschwimmen allerdings zunehmend: Manche „fertige“ Spiele fühlen sich unfertiger an als ausgereifte Early-Access-Titel. Day-One-Patches und Live-Service-Modelle sorgen dafür, dass praktisch jedes Spiel nach Release weiterentwickelt wird.

Für Spieler bedeutet das: Die Frage ist nicht mehr, ob ein Spiel fertig ist, sondern ob es in seinem aktuellen Zustand den Preis wert ist. Early Access macht diesen Zustand transparent – was letztlich ehrlicher ist als mancher überstürzte Release eines angeblich fertigen Spiels.

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