JanduSoft liefert mit Evil Inside einen weiteren P.T.-Klon ab. Das Genre existiert mittlerweile als eigene Kategorie, und Perlen wie Visage oder Infliction haben bewiesen, dass daraus durchaus etwas Gutes entstehen kann. Leider gehört Evil Inside nicht zu den gelungenen Vertretern.
Das Genre „P.T.-Klon“ ist längst etabliert. Spätestens seit Hideo Kojimas legendärer Silent Hills-Demo im Sommer 2014 wissen Entwickler: Ein einziger, gut inszenierter Flur kann mehr Angst erzeugen als jedes noch so aufwendige Zombie-Shooter-Level. Seitdem haben sich Dutzende Studios an dieser Formel versucht, wobei manche echte Meisterwerke wie Visage, Infliction oder Locked Up geschaffen haben, während andere krachend gescheitert sind.
Evil Inside von JanduSoft gehört eindeutig zur zweiten Kategorie und scheitert auf nahezu allen Ebenen.
Das P.T.-Phänomen: Von der Demo zur Bewegung
P.T. (Playable Teaser) erschien im August 2014 als kostenlose PlayStation 4-Demo und wurde über Nacht zur Gaming-Legende. Niemand wusste anfangs, wofür die Abkürzung stand, während Spieler einen sich scheinbar endlos wiederholenden Flur durchliefen, kryptische Rätsel lösten und von einer grauenhaften Frau verfolgt wurden. Die Enthüllung am Ende sorgte weltweit für Begeisterung: Silent Hills sollte entstehen, entwickelt von Hideo Kojima und Guillermo del Toro, mit Norman Reedus in der Hauptrolle.
Als Konami das Projekt 2015 cancelte und P.T. aus dem PlayStation Store entfernte, wurde die Demo endgültig zum Mythos. Seitdem versuchen unzählige Indie-Entwickler, die erfolgreiche Formel nachzubilden: ein enger Flur, sich wiederholende Umgebungen, paranormale Ereignisse, Jumpscares und kryptische Rätsel.
Die besten dieser P.T.-inspirierten Spiele wie Visage oder Infliction verstanden dabei, warum das Original funktionierte – es ging um Atmosphäre, Subtilität und clevere Rätsel. Die schlechten hingegen kopierten lediglich die Oberfläche, ohne die Substanz dahinter zu begreifen. Evil Inside fällt leider in die letztere Kategorie.
Evil Inside: Entwicklung und Release
Evil Inside wurde von JanduSoft entwickelt, einem katalanischen Indie-Studio aus Barcelona. JanduSoft ist sowohl Entwickler als auch Publisher, spezialisiert auf Low-Budget-Horror.
Am 25. März 2021 erschien Evil Inside für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch und PC (Steam). Preis: 12,99 Euro. Eine kostenlose Prologue-Demo wurde am 4. März 2021 auf Steam veröffentlicht.
Das Spiel nutzt die Unity Engine. Die Entwicklungszeit war offenbar kurz, das Budget klein. Das merkt man.

Story: Ouija-Brett und familiäre Tragödie
Die Geschichte dreht sich um Mark, einen Teenager, dessen Mutter kürzlich verstorben ist, während sein Vater wegen ihres Todes im Gefängnis sitzt. Mark lebt nun allein mit seinem kleinen Bruder im Familienhaus und versucht in seiner Verzweiflung, mittels eines Ouija-Bretts Kontakt zu seiner verstorbenen Mutter Rose aufzunehmen. Das Brett explodiert jedoch prompt, woraufhin Mark in eine spirituelle Ebene seines eigenen Hauses „verblasst“.
Von diesem Moment an häufen sich paranormale Ereignisse und verstörende Visionen. Das Spielziel besteht darin, die verstreuten Fragmente des zerbrochenen Ouija-Bretts zu sammeln, um letztendlich die Wahrheit über den Tod der Mutter herauszufinden.
Die Erzählung bleibt dabei erschreckend dünn und bietet weder emotionale Tiefe noch überraschende Wendungen. Nach gerade einmal einer Stunde erreicht man das vorhersehbare Ende, ohne dass die Geschichte jemals wirklich Fahrt aufgenommen hätte.
Gameplay: Ein Flur, der sich endlos wiederholt
Wer P.T. kennt, wird sich in Evil Inside sofort zurechtfinden – allerdings nicht im positiven Sinne. Der Flur von Marks Haus ähnelt seinem berühmten Vorbild zum Verwechseln: ein schmaler Gang mit Türen links und rechts, eine verschlossene Tür am Ende und gedämpfte Beleuchtung, die für düstere Atmosphäre sorgen soll.
Die Spielstruktur folgt einem simplen, sich wiederholenden Muster: Man durchläuft den Flur, löst ein Ereignis oder ein rudimentäres Rätsel aus, woraufhin sich die Tür am Ende öffnet. Dahinter wartet derselbe Flur, nur leicht verändert, und das Ganze beginnt von vorn. Das klingt vertraut, weil es exakt dem P.T.-Konzept entspricht – nur eben deutlich schlechter umgesetzt.
Jumpscares statt Atmosphäre
Die anfängliche Atmosphäre wirkt durchaus düster und beklemmend, mit flackerndem Licht, vorbeihuschenden Schatten und einem Sound Design, das zunächst echtes Unbehagen erzeugt. Doch diese vielversprechenden ersten Minuten werden schnell durch den inflationären Einsatz billiger Jumpscares zunichte gemacht.
Alle paar Sekunden folgt derselbe ermüdende Ablauf: Ein lautes Geräusch, ein plötzlich auftauchendes Gesicht, ein Schrei – und das in einer Häufigkeit, die jeden Schockeffekt komplett verpuffen lässt. Noch schlimmer wird es dadurch, dass viele dieser Jumpscares überhaupt nicht zu sehen sind, weil sie hinter oder über dem Spieler stattfinden und die Kamera sich nicht automatisch zum Geschehen dreht. Man hört einen Schrei, dreht sich hastig um und sieht… nichts. Der Moment ist bereits vorbei, bevor man überhaupt reagieren konnte.
Dieses fundamentale Designproblem zeigt, dass die Entwickler ein entscheidendes Prinzip nicht verstanden haben: P.T. wusste, dass Suggestion weitaus mächtiger ist als plumpe Konfrontation. Evil Inside begreift diese Lektion nicht und erstickt jeden Ansatz von Atmosphäre unter einer Flut wirkungsloser Schockmomente.
Rätsel: Plumpes Beiwerk
Die Rätsel sind rudimentär. „Finde Objekt X, lege es auf Platz Y.“ „Drücke Schalter A, gehe zu Tür B.“ Keine Herausforderung, keine Cleverness.
Aus Gameplay-Sicht sind sie zu vernachlässigen. Sie existieren nur, um die Laufzeit zu strecken.
Steuerung: Problematisch
Die Steuerung auf Xbox ist frustrierend. Der rechte Stick (Kamera) ist zu empfindlich. Man kann die Empfindlichkeit nicht einstellen. Das führt zu unkontrollierten Drehungen, besonders in Panik-Momenten.
In einem Horror-Spiel, wo Präzision wichtig ist, ist das inakzeptabel.
Präsentation: Durchschnitt mit Schwächen
Grafik ist okay. Unity-Standard. Texturen sind matschig, Beleuchtung funktioniert, Charaktermodelle sind steif.
Sound Design ist in Ordnung. Ambiente Geräusche erzeugen Unbehagen. Musik ist sparsam eingesetzt (gut). Jump scare-Sounds sind ohrenbetäubend laut (schlecht).
Deutsche Untertitel sind vorhanden, deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Die englische Synchronisation ist amateurhaft.
Spielzeit: Eine Stunde
Nach nur einer Stunde erreicht man das Ende. Das ist kurz, selbst für ein Budget-Spiel.
Wiederspielwert: Null. Keine alternativen Enden, keine Geheimnisse, keine Sammelgegenstände. Einmal durchgespielt, nie wieder angefasst.
Für 12,99 Euro bekommt man eine Stunde Spielzeit. Das ist schwach.
Was Evil Inside falsch macht
Evil Inside kopiert P.T. oberflächlich, versteht aber nicht, warum P.T. funktionierte.
P.T. nutzte Jumpscares sparsam. Evil Inside wirft sie inflationär.
P.T. hatte clevere, kryptische Rätsel. Evil Inside hat plumpe Fetch-Quests.
P.T. baute Spannung langsam auf. Evil Inside überspringt Atmosphäre für billige Schocks.
P.T. hatte ein Mysterium, das Spieler faszinierte. Evil Inside hat eine vorhersehbare Geschichte ohne Tiefe.
Die guten P.T.-inspirierte Spiele (Visage, Infliction, Locked Up) verstanden: Es geht nicht um den Flur. Es geht um was der Flur repräsentiert. Isolation, Repetition, Hoffnungslosigkeit. Der Flur ist Metapher.
Evil Inside sieht nur: „Oh, P.T. hatte Flur. Wir machen auch Flur.“
Für wen ist Evil Inside geeignet?
Ehrlich? Für fast niemanden.
Vielleicht für:
- Absolute Completionisten des P.T.-Klon-Genres
- Spieler mit 13 Euro zu viel
- Leute, die Horror-Spiele hassen und bestätigt werden wollen
Nicht geeignet für:
- P.T.-Fans (werden enttäuscht)
- Horror-Fans (zu flach)
- Puzzle-Fans (Rätsel zu simpel)
- Spieler, die Wert auf Geld legen (1 Stunde für 13 Euro)
Was macht Evil Inside besonders?
Nichts. Absolut nichts.
Das ist das Problem. Evil Inside bringt keine eigene Idee. Kein Feature, das es differenziert. Keine Vision außer „P.T., aber billiger“.
Selbst das Negative ist nicht bemerkenswert genug für „so schlecht, dass es gut ist“-Status.
Es ist einfach mittelmäßig. Und Mittelmäßigkeit ist im Indie-Horror-Markt der Tod.
Pro und Contra
Pro
- Atmosphäre zu Beginn funktioniert kurz
- Sound Design grundsätzlich okay
- Kurze Spielzeit (man leidet nicht lange)
Contra
- Inflationärer Einsatz von Jumpscares
- Jumpscares oft nicht sichtbar (schlechtes Kamera-Design)
- Rätsel plumpes Beiwerk ohne Herausforderung
- Story vorhersehbar und flach
- Nur eine Stunde Spielzeit für 12,99 Euro
- Kein Wiederspielwert
- Steuerung nicht anpassbar (Empfindlichkeit zu hoch)
- Keine eigene Identität, nur P.T.-Kopie
Fazit
Evil Inside scheitert auf ganzer Linie daran, sich in die Riege der gelungenen P.T.-inspirierten Spiele einzureihen. Das Spiel ist zu uninspiriert, zu vorhersehbar und zu lieblos produziert, um auch nur annähernd an die Qualität von Titeln wie Visage oder Infliction heranzureichen.
Das einzig wirklich Positive an diesem Erlebnis ist die Tatsache, dass es schnell vorbei ist. Nach gerade einmal einer Stunde hat man das vorhersehbare Ende gesehen und kann das Spiel getrost deinstallieren, ohne das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben.
Für den Preis von 12,99 Euro gibt es auf dem Markt Dutzende deutlich besserer Horror-Spiele. Selbst innerhalb des engen P.T.-Klon-Genres findet man überlegene Alternativen: Visage kostet ähnlich viel, bietet aber zehnmal mehr Inhalt und ein hundertmal durchdachteres Design. Infliction ist günstiger und gleichzeitig atmosphärischer. Locked Up ist sogar kostenlos erhältlich und zeigt mehr Kreativität als Evil Inside in seinen gesamten 60 Minuten Spielzeit.
Evil Inside ist schlichtweg überflüssig. Es ist weder schlecht genug für einen gewissen Kult-Status noch gut genug für eine ernsthafte Empfehlung. Es existiert einfach nur in einem Niemandsland der Mittelmäßigkeit und wird vermutlich bald wieder in Vergessenheit geraten – was angesichts der Qualität vielleicht das Beste ist, was diesem Titel passieren kann.
Wer das Original P.T. vermisst, sollte seine Zeit und sein Geld in P.T.-Nachbauten investieren, bei denen die Entwickler wirklich Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben. Evil Inside gehört definitiv nicht in diese Kategorie.
Wertung
3,5/10
FAQ
Brauche ich P.T.-Kenntnisse? Nein, aber P.T.-Kenner werden die Parallelen sofort erkennen. Für Neulinge: P.T. war eine kostenlose PS4-Demo 2014, die zum Kult wurde. Evil Inside kopiert deren Konzept (Flur, Wiederholung, Paranormales).
Wie lange dauert das Spiel? Circa eine Stunde. Keine Übertreibung. Von Start bis Ende etwa 60 Minuten. Für 12,99 Euro ist das extrem kurz.
Gibt es mehrere Enden oder Wiederspielwert? Nein. Ein Ende, linear, keine Geheimnisse, keine Sammelgegenstände. Nach Durchspielen ist alles gesehen.
Ist es wirklich gruselig? Zu Beginn: etwas. Dann: nein. Jumpscares sind so inflationär, dass man abstumpft. Echte Atmosphäre fehlt nach den ersten Minuten.
Sollte ich stattdessen Visage/Infliction spielen? Ja. Beide sind bessere P.T.-inspirierte Spiele. Visage ist länger, atmosphärischer, cleverer. Infliction ist günstiger und kreativ. Beide lohnen sich mehr.
Lohnt sich Evil Inside überhaupt? Nein. Außer man ist absoluter Completionist des Genres oder findet es im Sale für unter 5 Euro. Selbst dann: fragwürdig.
Technische Daten
Titel: Evil Inside
Release: 25. März 2021
Entwickler: JanduSoft
Publisher: JanduSoft
Plattformen: PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, PC (Steam)
Genre: First-Person Psychological Horror
Spieler: 1 (Singleplayer)
Altersfreigabe: PEGI 16 / USK 16
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch u.a. (Untertitel), Englisch (Sprachausgabe)
Preis (UVP): 12,99 Euro
Spielzeit: Ca. 1 Stunde
Engine: Unity


