John Carpenter's Toxic Commando

John Carpenter’s Toxic Commando im Test: Wenn Schlamm und Synths aufeinandertreffen

John Carpenter ist für mich einer der prägendsten Regisseure meiner Jugend. Auf dem Schulhof stritten wir damals erbittert darüber, was nun krasser sei: Halloween oder Freitag der 13.? Am Ende musste man natürlich beide kennen, um vom entsprechenden Coolness-Faktor zu profitieren. Und auch wenn Halloween mir keine schlaflosen Nächte bereitete, wurde der Soundtrack prägend für Gruselstimmung schlechthin. Das Ding aus einer anderen Welt bleibt bis heute einer der besten Horrorfilme aller Zeiten, und Die Klapperschlange hat Snake Plissken zur Ikone gemacht. Dazu kommen Klassiker wie Big Trouble in Little China, Fürsten der Dunkelheit und Sie leben.

Ich muss aber auch gestehen, dass mir selbst seine bei Kritikern weniger beliebten Werke gefallen. Vampires aus dem Jahr 1998 mit James Woods als raubeinigem Vampirjäger fand ich richtig stark, und auch Ghost of Mars hat für mich seinen ganz eigenen Charme. Carpenter versteht es wie kaum ein anderer, düstere Atmosphäre mit knalliger Action und einer Prise schwarzem Humor zu verbinden. Als ich hörte, dass er nicht nur seinen Namen für ein Videospiel hergibt, sondern aktiv an Story und Soundtrack mitarbeitet, war meine Neugier geweckt. Kann John Carpenter’s Toxic Commando dem Vermächtnis des Meisters gerecht werden?

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Der Schlickgott erwacht

Die Prämisse von Toxic Commando klingt wie aus einem verschollenen Carpenter-Drehbuch der achtziger Jahre. In naher Zukunft bohrt ein Wissenschaftler namens Leon Dorsey nach Energie im Erdkern und weckt dabei versehentlich den Sludge God, eine lovecraftsche Entität aus purem Schlick. Dieses Urwesen beginnt sofort damit, die Erde zu terraformen und Menschen in blutrünstige Zombies zu verwandeln. Die einzige Hoffnung: Eine zusammengewürfelte Truppe von Söldnern, die durch den Kontakt mit dem Schlick selbst mutiert sind und nun als Toxic Commandos gegen die Horden antreten.

Die Geschichte ist bewusst trashig gehalten und nimmt sich selbst nie zu ernst. Vor jeder der neun Missionen gibt es eine kurze Zwischensequenz als Briefing, nach Abschluss folgt eine weitere. Tiefgang sucht man vergebens, aber das ist auch nicht der Anspruch. Toxic Commando will das spielbare Äquivalent eines B-Movies sein, und das gelingt ihm durchaus. Die vier Hauptcharaktere, der bullige Walter, die schlagfertige Ko, die toughe Ruby und die strategische Astrid, liefern sich während der Missionen amüsante Wortgefechte. Der Humor ist derb, die Sprüche klopfen hart, und genau das passt zum Carpenter-Universum.

Was steckt hinter dem Namen?

Bei Spielen mit prominenten Namen im Titel ist Skepsis angebracht. Oft handelt es sich um reines Marketing, bei dem der Namensgeber bestenfalls einmal durchs Studio spaziert ist. Bei Toxic Commando liegt der Fall anders. John Carpenter ist bekennender Gamer und spricht in Interviews regelmäßig über seine Leidenschaft für Videospiele, besonders für Borderlands 2. Als Saber Interactive mit dem Konzept an ihn herantrat, war er sofort interessiert.

Die Idee stammte ursprünglich von Saber-CEO Matt Karch: World War Z trifft auf Mudrunner. Riesige Horden kombiniert mit Offroad-Fahrzeugen im Schlamm. Für die Umsetzung holte man Carpenter ins Boot, und seine Beteiligung ging über das übliche Beratergespräch hinaus. Gemeinsam mit dem Entwicklerteam arbeitete er an der Grundstruktur der Geschichte, gab Feedback zu Charakteren und Dialogen und lieferte Regieanweisungen für den Tonfall der Zwischensequenzen.

Noch wichtiger ist sein musikalischer Beitrag. Carpenter komponierte zusammen mit seinem Sohn Cody und dem Studio Fractal Edge Music den gesamten Soundtrack. Die pulsierenden Synthesizer tragen unverkennbar seine Handschrift und erinnern an seine Filmmusik zu Halloween oder Die Klapperschlange. Wer seine Alben der letzten Jahre kennt, fühlt sich sofort zuhause. Die Entwickler ließen sich zusätzlich von Carpenter-Filmen wie Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China, Fürsten der Dunkelheit und Sie leben inspirieren, dazu kamen Einflüsse aus Dan O’Bannons Rückkehr der lebenden Toten und Stuart Gordons Re-Animator. Das Ergebnis ist ein Spiel, das den Geist der achtziger Jahre atmet, ohne sich in bloßer Nostalgie zu verlieren.

John Carpenter's Toxic Commando

Vier Klassen, ein Ziel

Saber Interactive, bekannt durch World War Z und zuletzt Warhammer 40.000: Space Marine 2, weiß, wie man Hordenkämpfe inszeniert. Die hauseigene Swarm Engine ermöglicht hunderte Zombies gleichzeitig auf dem Bildschirm, und wenn diese Massen auf euch zuströmen, entsteht ein beeindruckendes Bild der Verzweiflung. Das Gunplay fühlt sich dabei erfreulich wuchtig an. Jede Waffe hat ihr eigenes Rückstoßverhalten, Explosionen knallen ordentlich, und das Enthaupten von Untoten macht schlicht Laune.

Das Klassensystem bietet vier Archetypen, die sich sinnvoll ergänzen. Der Striker ist für puren Schaden zuständig und kann Feuerbälle verschießen, die ganze Gruppen in Brand setzen. Der Medic heilt Verbündete und erhält später die äußerst nützliche Fähigkeit zur Selbstwiederbelebung. Der Operator unterstützt das Team mit technischen Gadgets, darunter eine vielseitige Drohne mit Heilungs- und Schadensfunktionen. Der Defender schließlich zieht die Aufmerksamkeit der Horden auf sich und errichtet Barrieren, die Zombies bei Kontakt beschädigen.

Jede Klasse verfügt über einen eigenen Talentbaum, der mit Erfahrungspunkten freigeschaltet wird. Bis Level 40 gibt es aktive und passive Fähigkeiten freizuschalten, was für eine gewisse Langzeitmotivation sorgt. Dazu kommt ein umfangreiches Waffensystem mit Aufsätzen, Skins und Anhängern im Stil von Call of Duty. Wer möchte, kann hier viele Stunden in die Optimierung seiner Ausrüstung investieren.

Fahrzeuge im Schlamm

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal von Toxic Commando sind die Fahrzeuge. Saber Interactive hat hier die DNA ihrer Offroad-Simulationen Snowrunner und Roadcraft einfließen lassen. Die Karten sind weitläufig gestaltet und erfordern den Einsatz gepanzerter Trucks, um von Zielpunkt zu Zielpunkt zu gelangen. Dabei versinken die Räder regelmäßig im verseuchten Matsch, während sich Zombies von allen Seiten ans Fahrzeug klammern.

In diesen Momenten zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite. Während der Fahrer verzweifelt versucht, das Gefährt aus dem Schlamm zu winden, hängen die Mitspieler aus den Fenstern und feuern in die heranstürmenden Massen. Die Winde wird zum ständigen Begleiter, mit der man das Auto an Bäumen oder Felsen verankert und sich Meter für Meter voranzieht. Spezialfahrzeuge wie der Krankenwagen bieten zusätzliche Boni, etwa unbegrenzten Nachschub an Erste-Hilfe-Packs.

Die Fahrzeugpassagen sind eine willkommene Abwechslung zum klassischen Hordenshooter-Gameplay. Sie zwingen das Team zur Koordination und sorgen für einige der denkwürdigsten Momente. Wenn der Truck endlich aus dem Morast bricht und ihr mit Vollgas durch eine Zombiewand prescht, fühlt sich das großartig an.

John Carpenter's Toxic Commando

Neun Missionen durch die Apokalypse

Die Kampagne erstreckt sich über neun Missionen, aufgeteilt in drei Akte. Der mittlere Akt lässt euch fünf Missionen in beliebiger Reihenfolge angehen, was für etwas Wiederspielwert sorgt. Eine komplette Durchquerung dauert etwa sieben bis acht Stunden, wobei die Missionen selbst recht umfangreich ausfallen können. Das nicht-lineare Design innerhalb der Levels erlaubt es dem Team, sich aufzuteilen oder gemeinsam vorzugehen.

Allerdings offenbart sich hier auch die größte Schwäche von Toxic Commando: Die Missionen folgen einem sehr ähnlichen Schema. Fahrzeug finden, zum Zielpunkt fahren, aussteigen, Zombies niedermähen, Beute einsammeln, weiterfahren. Die Biome wechseln zwar von verseuchten Wäldern über industrielle Anlagen bis hin zu unterirdischen Komplexen, doch der grundlegende Ablauf bleibt stets derselbe. Nach der fünften Mission hatte ich das Gefühl, alles gesehen zu haben, was das Spiel zu bieten hat.

Besonders im Finale dreht das Spiel noch einmal auf. Die abschließenden Missionen werfen euch in gigantische Verteidigungsszenarien, in denen ihr Geschütztürme, Elektrozäune und Mörser aufbauen müsst, um die anstürmenden Wellen abzuwehren. Diese Höhepunkte zeigen, was Toxic Commando sein könnte, wenn es durchgehend so viel Abwechslung böte.

Gemeinsam stark, alleine schwach

Wie bei allen Spielen dieser Art gilt: Der Spaßfaktor steigt exponentiell mit der Anzahl menschlicher Mitspieler. Mit einem eingespielten Viererteam entwickelt Toxic Commando einen unwiderstehlichen Sog. Die Kommunikation über Klassenfähigkeiten, die Koordination bei Fahrzeugpassagen und das gemeinsame Überleben von Hordenwellen sorgen für intensive Sessions.

Solo sieht die Sache anders aus. Die KI-Begleiter erledigen ihren Job solide, können aber nicht mit menschlichen Spielern mithalten. Sie folgen euch brav, schießen zuverlässig und reviven bei Bedarf. Doch die spontanen Entscheidungen, das taktische Aufteilen und die chaotischen Rettungsaktionen, die Koop-Shooter so besonders machen, fehlen naturgemäß. Wer Toxic Commando primär alleine spielen möchte, wird deutlich weniger Freude daran haben.

John Carpenter's Toxic Commando

Grafik und Sound

Technisch bewegt sich Toxic Commando im soliden Mittelfeld. Die Swarm Engine beeindruckt mit ihren Zombiemassen, und die Untoten selbst sind erstaunlich detailliert modelliert. Explosionen und Umgebungszerstörung sehen ordentlich aus. Weniger überzeugend fallen hingegen die Feuer- und Brandeffekte aus, die für einen Titel von 2026 etwas unterwältigend wirken. Auch die Charaktermodelle in den Zwischensequenzen hätten mehr Feinschliff vertragen können.

Der wahre Star der Präsentation ist der bereits erwähnte Soundtrack. Wenn die Horden anrollen und die Synths aufdrehen, fühlt man sich tatsächlich wie in einem Carpenter-Film. Die Musik weiß genau, wann sie dezent im Hintergrund bleiben und wann sie die Action unterstreichen muss. Einzig einige schreiende Vocals in manchen Tracks wirken etwas deplatziert und passen nicht ganz zum sonstigen Stil.

Die visuelle Gestaltung des Sludge God und seiner Brut überzeugt ebenfalls. Der schwarze Schlick, der sich durch die Landschaften zieht, gibt dem Spiel eine eigene Identität. Die Mutation der Welt ist überall sichtbar und unterstreicht die kosmische Bedrohung angemessen.

Editionen und Preise

Toxic Commando erscheint in zwei Editionen. Die Standard Edition kostet 39,99 Euro und enthält das Hauptspiel sowie für Vorbesteller das Leon’s Secret Stash DLC mit einem ACW-20 Sturmgewehr-Skin, einem Wakizashi-Katana und einem exklusiven Spielertitel. Die Blood Edition für 49,99 Euro fügt den Bloody Pass hinzu, der die ersten beiden Post-Launch-DLCs sowie ein Gold Cosmetic Pack mit 30 Skins für Charaktere, Fahrzeuge und Waffen umfasst.

Besitzer von World War Z erhalten auf ausgewählten Plattformen einen Treuerabatt von 20 Prozent. Auf Steam gibt es zudem Bundles mit Warhammer 40.000: Space Marine 2, was für Fans von Sabers Hordenshootern eine interessante Option darstellt.

Der angekündigte Post-Launch-Plan verspricht kostenlose Updates mit neuen Missionen, Waffen, Fahrzeugen und Gegnertypen. Ob und wie umfangreich diese Unterstützung ausfällt, bleibt abzuwarten.

John Carpenter's Toxic Commando

Was dem Spiel fehlt

Trotz aller positiven Aspekte kann sich Toxic Commando nicht von der Konkurrenz abheben. Das Problem ist weniger, was das Spiel schlecht macht, sondern was es nicht bietet. Die Story nutzt Carpenters Potenzial kaum aus und bleibt oberflächlich. Die Missionsstruktur wird trotz wechselnder Schauplätze repetitiv. Die Progression motiviert zwar kurzfristig, bietet aber keine echten Überraschungen.

Im direkten Vergleich mit Space Marine 2, das auf derselben Engine läuft und vom selben Studio stammt, wirkt Toxic Commando wie der kleine Bruder. Die visuelle Qualität erreicht nicht ganz dasselbe Niveau, und der Umfang fällt geringer aus. Für Spieler, die bereits World War Z und Space Marine 2 besitzen, stellt sich die Frage, ob ein weiterer Hordenshooter aus demselben Haus wirklich nötig ist.

Positiv hervorzuheben ist hingegen der faire Einstiegspreis. Mit 39,99 Euro liegt Toxic Commando deutlich unter dem Vollpreissegment und rechtfertigt damit seinen Umfang.

Fazit

John Carpenter’s Toxic Commando ist ein solider Koop-Shooter, der im Kreise von Freunden seine Stärken ausspielt. Das wuchtige Gunplay, die beeindruckenden Hordenkämpfe und die gelungene Fahrzeugintegration sorgen für unterhaltsame Abende. Der Carpenter-Soundtrack verleiht dem Ganzen eine eigene Note, und der bewusst trashige Tonfall passt zum B-Movie-Charme.

Gleichzeitig fehlt es dem Spiel an Ambition. Die dünne Story schöpft das Potenzial der Zusammenarbeit mit dem Horrormeister nicht aus, die Missionen werden auf Dauer repetitiv, und alleine macht das Ganze deutlich weniger Spaß. Wer einen neuen Koop-Shooter für die Spielegruppe sucht und den 80er-Jahre-Vibe zu schätzen weiß, findet hier ordentliche Unterhaltung. Ein neuer Genreklassiker ist Toxic Commando jedoch nicht.

Wertung

7/10

Pro und Contra

Pro:

  • Wuchtiges, präzises Gunplay
  • Beeindruckende Hordenkämpfe dank Swarm Engine
  • Fahrzeuge als gelungene Genreergänzung
  • Atmosphärischer Carpenter-Soundtrack
  • Vier gut unterscheidbare Klassen
  • Fairer Einstiegspreis

Contra:

  • Story bleibt oberflächlich trotz Carpenter-Beteiligung
  • Missionen werden repetitiv
  • Solo mit KI-Begleitern deutlich weniger spaßig
  • Technisch hinter Space Marine 2
  • Wenig Innovation im Genre

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann ist John Carpenter’s Toxic Commando erschienen?

Das Spiel ist am 12. März 2026 für PlayStation 5Xbox Series X|S und PC (Steam, Epic Games Store) erschienen.

Wie viel kostet Toxic Commando?

Die Standard Edition kostet 39,99 Euro, die Blood Edition mit Season Pass und Cosmetics 49,99 Euro. Besitzer von World War Z erhalten 20 Prozent Treuerabatt.

Kann man Toxic Commando alleine spielen?

Ja, das Spiel lässt sich komplett solo mit KI-Begleitern spielen. Der volle Spaß entfaltet sich jedoch erst im Koop mit bis zu vier Spielern.

Wie lang ist die Kampagne?

Die neun Missionen der Kampagne dauern etwa sieben bis acht Stunden. Vier Schwierigkeitsgrade und das Klassensystem bieten Wiederspielwert.

Welche Klassen gibt es?

Es gibt vier Klassen: Striker (Schaden), Medic (Heilung), Operator (technischer Support) und Defender (Tank mit Barrieren). Jede Klasse hat einen eigenen Talentbaum bis Level 40.

Hat John Carpenter wirklich am Spiel mitgearbeitet?

Ja, John Carpenter war aktiv an der Entwicklung beteiligt. Er arbeitete an der Grundstruktur der Story, gab Feedback zu Charakteren und Dialogen und lieferte Regieanweisungen für den Tonfall. Zusätzlich komponierte er gemeinsam mit seinem Sohn Cody den kompletten Soundtrack.

Gibt es Crossplay?

Ja, Toxic Commando unterstützt plattformübergreifendes Spielen zwischen PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC.

Wird es weitere Inhalte geben?

Saber Interactive hat einen Post-Launch-Plan mit kostenlosen Updates angekündigt, die neue Missionen, Waffen, Fahrzeuge und Gegnertypen bringen sollen. Die Blood Edition enthält zudem die ersten beiden kostenpflichtigen DLCs.

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