PlayStation bluepoint

Sony schließt Bluepoint Games: Remake-Meister vor dem Aus

Sony Interactive Entertainment schließt Bluepoint Games. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber Bloomberg. Das Studio aus Austin, Texas, das als Goldstandard für Videospiel-Remakes galt, wird im März 2026 seine Pforten schließen. Rund 70 der etwa 80 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Entscheidung sei „nach einer kürzlich durchgeführten Geschäftsprüfung“ gefallen, so Sony.

Die Nachricht trifft die Branche hart. Bluepoint hatte sich über fast zwei Jahrzehnte einen Ruf erarbeitet, den kein anderes Studio im Bereich der Neuauflagen erreichte. Ihre Arbeit an Shadow of the Colossus (2018) und dem PS5-Launchtitel Demon’s Souls (2020) setzte Maßstäbe, die bis heute unübertroffen sind.

Fünf Jahre unter Sony, dann das Aus

Sony übernahm Bluepoint im September 2021, auf dem Höhepunkt einer Akquisitionswelle, die auch Housemarque, Firesprite und Nixxes umfasste. Die Übernahme schien folgerichtig: Bluepoint hatte über Jahre hinweg Remakes und Remaster für PlayStation entwickelt, darunter die God of War Collection, die Metal Gear Solid HD Collection, die Ico & Shadow of the Colossus Collection, Uncharted: The Nathan Drake Collection und Gravity Rush Remastered.

Nach der Übernahme unterstützte das Team die Entwicklung von God of War Ragnarök. Doch statt weiterer Remakes wurde Bluepoint auf ein Live-Service-Projekt angesetzt: ein Multiplayer-Spiel im God-of-War-Universum. Dieses Projekt wurde Anfang 2025 eingestellt, gemeinsam mit einem ähnlichen Vorhaben von Bend Studio, den Machern von Days Gone.

Damals erklärte Sony noch ausdrücklich, dass weder Bluepoint noch Bend aufgrund der Projektstreichungen geschlossen würden. Beide seien „hochqualifizierte Teams“ und „geschätzte Mitglieder der PlayStation-Studios-Familie“. Ein Jahr später ist Bluepoint Geschichte.

Hermen Hulst: „Schwieriges Branchenumfeld“

PlayStation-Studios-Chef Hermen Hulst meldete sich nach der Ankündigung mit einem Statement zu Wort. Die Entscheidung sei aufgrund eines „zunehmend schwierigen Branchenumfelds“ gefallen. Wörtlich schrieb er: „Steigende Entwicklungskosten, verlangsamtes Branchenwachstum, verändertes Spielerverhalten und allgemeine wirtschaftliche Gegenwinde erschweren die nachhaltige Entwicklung von Spielen.“

Sony bedankte sich bei Bluepoint für „Leidenschaft, Kreativität und Handwerkskunst“. Das technische Know-how des Teams habe „der PlayStation-Community außergewöhnliche Spielerlebnisse beschert“.

Das vierte Studio in zwei Jahren

Bluepoint ist nicht das erste Studio, das Sony in jüngster Zeit schließt. Im Jahr 2024 traf es bereits London Studio (SingStar, Blood & Truth), Neon Koi (ehemals Savage Game Studios) und Firewalk Studios, das mit dem Live-Service-Shooter Concord einen der größten Flops der PlayStation-Geschichte zu verantworten hatte. Concord wurde nur zwei Wochen nach dem Release vom Markt genommen.

Die Schließungen stehen im direkten Zusammenhang mit Sonys gescheiterter Live-Service-Strategie. 2022 hatte das Unternehmen angekündigt, bis 2025 zwölf Live-Service-Spiele zu veröffentlichen. Acht dieser Projekte wurden inzwischen eingestellt, darunter auch das God-of-War-Spiel von Bluepoint. Die verbleibenden Projekte wie Marathon von Bungie stehen unter verschärfter Beobachtung. Besonders bitter: Mit London Studio verlor PlayStation auch die Macher von Blood & Truth, einem der besten VR-Spiele der ersten PSVR-Generation.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Bluepoint wurde 2006 in Austin, Texas, gegründet. Das erste große Projekt war 2009 die God of War Collection für PlayStation 3, die beide PS2-Klassiker in HD aufbereitete. Es folgten zahlreiche weitere Sammlungen und Remaster, die regelmäßig als die technisch besten ihrer Art gelobt wurden.

Der Durchbruch zum Branchenstandard gelang 2018 mit dem Remake von Shadow of the Colossus für PS4. Anders als bei früheren Projekten wurde hier nicht nur die Technik verbessert, sondern das gesamte Spiel visuell neu erschaffen, während das Original-Gameplay unangetastet blieb. Der Ansatz wurde 2020 mit Demon’s Souls für die PlayStation 5 perfektioniert: ein vollständiges Remake, das dem FromSoftware-Klassiker neues Leben einhauchte und als einer der stärksten Launchtitel der Konsolengeschichte gilt.

Fans hatten seit Jahren auf weitere Projekte gehofft, insbesondere auf ein Remake von Bloodborne. Stattdessen wurde das Studio auf ein Live-Service-Spiel angesetzt, das nie das Licht der Welt erblickte.

Einordnung

Die Schließung von Bluepoint Games ist mehr als nur eine weitere Studioschließung in einer Branche, die seit zwei Jahren von Entlassungswellen erschüttert wird. Sie ist ein Symbol für die strategischen Fehlentscheidungen bei PlayStation während der PS5-Generation.

Sony kaufte ein Studio, das für exzellente Einzelspieler-Remakes bekannt war, und setzte es auf ein Multiplayer-Projekt an, für das es weder Erfahrung noch erkennbare Eignung besaß. Als dieses Projekt scheiterte, blieb nichts übrig. Keine neuen Remakes, keine Unterstützung für andere Projekte, keine Zukunft.

Die Frage, warum Bluepoint nicht einfach zu dem zurückkehren durfte, was es am besten konnte, bleibt unbeantwortet. Ein Bloodborne-Remake, ein Metal-Gear-Solid-Remake, eine Neuauflage der ersten Uncharted-Trilogie: Die Liste der Möglichkeiten war lang. Jetzt wird sie von niemandem mehr abgearbeitet.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Teile ihn doch gerne in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Was können wir verbessern?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.