Resident Evil Requiem

Resident Evil Requiem im Test: 30 Jahre Horror vereint in einem Meisterwerk

Manche Erinnerungen brennen sich so tief ins Gedächtnis, dass sie selbst Jahrzehnte später noch lebendig sind. Als 1996 das erste Resident Evil erschien, war ich sofort geflasht. Für damalige Verhältnisse war dieser Titel schlicht überragend. Dass ich zwei Jahre später eine Fortsetzung spielen würde, die mich erstmals nach Raccoon City führt und die Geschichte weitererzählt, hätte ich damals kaum zu träumen gewagt. Wir konnten noch gar nicht ahnen, welche Ausmaße dieses Franchise einmal annehmen würde. Im Januar 1998 legte ich auf meiner umgebauten PlayStation die US-Version von Resident Evil 2 ein, um frühestmöglich und natürlich ungeschnitten in den Genuss dieser Fortsetzung zu kommen. Die Straßen von Raccoon City, das ikonische Police Department, die Flucht vor Mr. X. All das prägte sich unauslöschlich ein. Wenn mir nach Abschluss dieses überragenden Titels jemand erzählt hätte, dass ich gute zwanzig Jahre später ein Remake erleben darf, in zeitgemäßer und beeindruckender Grafik, hätte ich das wohl nicht geglaubt. Dass die Reihe in der Zwischenzeit weitere überragende Titel hervorgebracht hat und noch immer zu den absoluten Top-Franchises gehört? Das wiederum hätte ich durchaus geglaubt und mich darauf vorgefreut. Das Remake von Resident Evil 2 brachte mich 2019 zurück nach Raccoon City, und nun, in Resident Evil Requiem, dem neunten Hauptteil der Reihe, darf ich erneut an diesen legendären Schauplatz zurückkehren und tatsächlich neue Erkenntnisse zu den Ereignissen erlangen. Sowohl unglaublich als auch überragend.

30 Jahre Horror: Capcoms Jubiläumsgeschenk

Resident Evil Requiem erschien am 27. Februar 2026 für PlayStation 5Xbox Series X/S, PC und Nintendo Switch 2. Zum 30-jährigen Jubiläum der Serie hat Capcom ein Spiel abgeliefert, das sich wie eine Liebeserklärung an langjährige Fans anfühlt und gleichzeitig neue Spieler willkommen heißt. Mit einer Metacritic-Wertung von 88 bei den Kritikern und beeindruckenden 9,5 Punkten bei den Nutzern zählt Requiem zu den bestbewerteten Spielen der gesamten Reihe. Über fünf Millionen verkaufte Exemplare in nur vier Tagen sprechen eine deutliche Sprache. Doch was macht diesen neunten Hauptteil so besonders?

YouTube player

Zwei Protagonisten, zwei Welten

Das Herzstück von Resident Evil Requiem bildet sein Dual-Protagonist-System. Spieler schlüpfen abwechselnd in die Rollen von FBI-Analystin Grace Ashcroft und dem langjährigen Serienhelden Leon S. Kennedy. Diese Designentscheidung hätte leicht in die Hose gehen können, doch Capcom hat sie meisterhaft umgesetzt.

Grace Ashcroft ist eine der besten neuen Figuren, die das Franchise seit Jahren hervorgebracht hat. Als Tochter der Journalistin Alyssa Ashcroft aus Resident Evil Outbreak trägt sie ein schweres Trauma mit sich. Acht Jahre vor den Ereignissen des Spiels wurde ihre Mutter im Wrenwood Hotel ermordet, direkt vor ihren Augen. Als Grace den Auftrag erhält, genau dieses Hotel zu untersuchen, beginnt ein Albtraum, der sie bis ins Rhodes Hill Chronic Care Center führt, wo der ehemalige Umbrella-Forscher Dr. Victor Gideon seine grausamen Experimente durchführt.

Grace verkörpert einen völlig anderen Spielstil als Leon. Sie ist keine trainierte Kämpferin, sondern eine technische Analystin, die sich in einer alptraumhaften Situation wiederfindet. Wenn sie zum ersten Mal eine Waffe abfeuert, sieht man ihre zitternden Hände. Die Zielgenauigkeit leidet, der Rückstoß ist überwältigend. Diese Verletzlichkeit überträgt sich direkt auf das Gameplay: In Graces Abschnitten dominiert der Survival-Horror. Ressourcen sind knapp, Schleichen ist oft die bessere Option als Kämpfen, und die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht. Die Ego-Perspektive in ihren Segmenten verstärkt das Gefühl der Bedrohung zusätzlich.

Leon Kennedy hingegen ist der erfahrene DSO-Agent, den Fans seit Resident Evil 2 kennen und lieben. Seine Abschnitte spielen sich in der dritten Person und setzen deutlich stärker auf Action. Mit Roundhouse-Kicks, Axtangriffen und einem erweiterten Waffenarsenal mäht er sich durch Zombiehorden. Die Kämpfe fühlen sich wuchtig und befriedigend an, das Parieren gegnerischer Angriffe ist präzise und belohnend. Leon hat sichtlich genug von diesen Einsätzen und kämpft sich mit einer Mischung aus Professionalität und trockenem Humor durch jeden Albtraum.

Das Rhodes Hill Chronic Care Center: Horror vom Feinsten

Der erste große Schauplatz des Spiels ist das Rhodes Hill Chronic Care Center, ein verlassenes Sanatorium im Mittleren Westen der USA. Diese Location gehört zu den atmosphärisch dichtesten, die die Serie je hervorgebracht hat. Das Gebäude hat eine Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, und nach dem Zusammenbruch der Umbrella Corporation im Jahr 2003 übernahm Victor Gideon die Einrichtung für seine eigenen Zwecke.

Die Zombies in Rhodes Hill sind keine gesichtslosen Massen. Jeder einzelne hat eine eigene Persönlichkeit, die aus seinem früheren Leben stammt. Ein ehemaliger Pfleger murmelt noch immer Routineanweisungen vor sich hin. Eine Krankenschwester versucht zwanghaft, Lichter auszuschalten. Diese Details sind nicht nur atmosphärisch wirkungsvoll, sondern auch spielerisch relevant: Die Gewohnheiten der Untoten lassen sich ausnutzen, um Konfrontationen zu vermeiden oder Fallen zu stellen.

Besonders hervorzuheben ist das Blood Collector System, das sich als einer der wichtigsten Gameplay-Faktoren entpuppt. Grace kann das Blut besiegter Zombies mit einem speziellen Injektor sammeln und daraus verschiedene Items herstellen. Das System ist überraschend tiefgründig: Je nach Zombietyp variiert die Blutqualität, und für bestimmte Rezepte benötigt man spezifische Blutproben. Aus gesammelten Proben lassen sich Heilgegenstände, Wurfwaffen, Munition und die bereits erwähnten Hemolytic Injectors herstellen, mit denen Zombies endgültig ausgeschaltet werden können.

Dieses Crafting-System fügt eine strategische Ebene hinzu, die das Gameplay maßgeblich beeinflusst. Lohnt es sich, einen Zombie zu bekämpfen, um seine Ressourcen zu nutzen? Oder ist das Risiko zu groß, dabei wertvolle Munition zu verbrauchen? Spare ich das seltene Blut für einen Hemolytic Injector auf, um einen besonders gefährlichen Gegner permanent auszuschalten? Oder stelle ich lieber dringend benötigte Heilung her? Diese Entscheidungen halten die Spannung konstant hoch und belohnen vorausschauendes Spielen.

Verschärft wird die Ressourcenknappheit durch eine Variation der berüchtigten Crimson Heads aus dem Remake des ersten Teils: Getötete Zombies können nach einiger Zeit mutieren und als deutlich gefährlichere Varianten zurückkehren. Nur der Hemolytic Injector, den ausschließlich Grace herstellen kann, verhindert diese Mutation. Da Leon keinen Zugriff auf das Crafting-System hat, profitiert er direkt von Graces Vorarbeit. Wenn sie einen Bereich bereits gesäubert hat, muss er sich später nicht mit mutierten Gegnern herumschlagen. Diese Verzahnung der beiden Kampagnen ist elegant gelöst und motiviert dazu, als Grace besonders gründlich vorzugehen.

Ein weiteres Highlight ist der neue Stalker-Feind, der Grace durch große Teile des Spiels verfolgt. Dieses groteske Wesen, im Spiel nur als „The Girl“ bekannt, jagt einem wirklich Angst ein. Anders als Mr. X oder Nemesis aus früheren Teilen ist diese Kreatur unberechenbar und extrem schnell. Wenn sie auftaucht, bleibt nur die Flucht. Die Sprecherin Angela Sant’Albano leistet als Grace hervorragende Arbeit und vermittelt authentische Panik in diesen Momenten.

Rückkehr nach Raccoon City: Nostalgie trifft Innovation

Der zweite große Schauplatz ist das zerstörte Raccoon City, 28 Jahre nach der Katastrophe von 1998. Das Spiel erklärt überzeugend, dass der damalige Angriff rein thermisch und nicht nuklear war, weshalb die Ruinen heute wieder begehbar sind. Für Fans der Reihe sind diese Abschnitte ein emotionales Erlebnis. Man wandelt durch die Überreste bekannter Orte und wird ständig an vergangene Abenteuer erinnert.

Das Raccoon City Police Department ist in einem desolaten Zustand, doch noch immer erkennbar. Man kann die Bibliothek besuchen, das S.T.A.R.S.-Büro durchsuchen und sogar Barrys alte Schreibtischschublade öffnen. Die Schreibmaschine auf dem Empfangstresen steht noch dort, wo sie 1998 stand. Leon blickt nachdenklich auf die Löwenstatue und erinnert sich an seinen ersten Tag als Polizist. Diese nostalgischen Momente sind geschickt in das Gameplay eingewoben, ohne aufdringlich zu wirken.

Und dann gibt es die Rückkehr von Mr. X. Ja, der unaufhaltsame Tyrant aus Resident Evil 2 ist zurück und liefert Leon einen epischen Kampf. Ohne zu viel zu verraten: Capcom hat einen würdigen Abschluss für diesen ikonischen Antagonisten geschaffen. Die Stalker-Sequenzen mit Mr. X im verfallenen RPD wecken sofort Erinnerungen an das Remake von 2019 und gehören zu den intensivsten Momenten des gesamten Spiels.

Auch der Gun Shop Kendo darf nicht fehlen. Man kann den Laden besuchen und sich an die tragische Geschichte seines Besitzers erinnern. Diese liebevollen Details zeigen, wie viel Respekt die Entwickler vor der Geschichte des Franchises haben.

Die Geschichte: Altes abschließen, Neues beginnen

Die Handlung von Resident Evil Requiem dreht sich um das sogenannte Raccoon City Syndrome: Eine tödliche Spätfolge des T-Virus, die Jahrzehnte nach der ursprünglichen Infektion auftritt. Leon selbst ist davon betroffen und kämpft gegen die Zeit, um eine Heilung zu finden. Diese persönliche Note verleiht seiner Mission zusätzliches Gewicht.

Victor Gideon ist ein überzeugender Antagonist mit einer klaren Motivation. Als ehemaliger Umbrella-Forscher ist er besessen von Elpis, dem letzten Projekt von Oswell Spencer selbst. Dieses mysteriöse Serum soll in der Lage sein, jede T-Virus-Infektion zu heilen. Gideons Methoden sind brutal, doch seine Obsession ist nachvollziehbar in einer Welt, die noch immer unter den Folgen von Umbrella leidet.

Die Verbindung zwischen Grace und den Ereignissen von 1998 ist geschickt konstruiert. Ohne zu spoilern: Ihre Existenz ist eng mit Spencers Forschung verknüpft, und die Enthüllungen im letzten Drittel des Spiels werden langjährige Fans überraschen. Besonders bemerkenswert ist die Achievement-Beschreibung „Like Mother, Like Daughter“, die erscheint, wenn Grace einen Dietrich benutzt, genau wie ihre Mutter Alyssa in Outbreak.

Neben neuen Gesichtern gibt es zahlreiche Wiedersehen mit bekannten Charakteren. Sherry Birkin arbeitet mittlerweile als Leons Assistentin beim DSO. HUNK, der legendäre Umbrella-Kommandant, taucht als Bossgegner auf. Und die Hound Wolf Squad unter Chris Redfield spielt eine wichtige Rolle im Finale. Requiem fühlt sich wie ein Abschluss vieler Handlungsstränge an, die seit Jahren offen waren, und öffnet gleichzeitig Türen für die Zukunft.

Perspektivenwechsel: Das Beste beider Welten

Eine der innovativsten Neuerungen ist die Möglichkeit, jederzeit zwischen Ego- und Third-Person-Perspektive zu wechseln. Graces Abschnitte sind für die Ego-Perspektive optimiert, die den Horror verstärkt, während Leons Action-Sequenzen in der dritten Person am besten zur Geltung kommen. Doch Spieler haben die volle Freiheit, selbst zu entscheiden. Das Spiel behält seinen Charakter bei, egal welche Ansicht man wählt.

Der nahtlose Wechsel zwischen Grace und Leon ist erzählerisch hervorragend umgesetzt. Jede Szene ist mit einem Zeitstempel versehen, sodass die Chronologie der Ereignisse stets klar ist. Besonders clever: Wenn Grace in bestimmten Bereichen des Rhodes Hill Care Centers Rätsel löst oder Zombies ausschaltet, profitiert Leon später davon, wenn er dieselben Räume durchquert. Was Grace Stunden kostet, erledigt Leon in Minuten, doch ohne ihre Vorarbeit wäre sein Weg versperrt. Diese Verzahnung der beiden Kampagnen ist elegant designt und motiviert zum Erkunden.

Grafik und Technik: RE Engine in Hochform

Die RE Engine zeigt einmal mehr, warum sie zu den besten Game-Engines der Branche gehört. Als das Spiel beginnt und Grace durch die regennassen Straßen von Wrenwood läuft, dachte ich nur: Wow. Die Reflexionen auf dem nassen Asphalt, die flackernden Neonlichter, die detaillierten Fassaden der Gebäude. Capcom hat mit dieser Engine seit Resident Evil 7 kontinuierlich beeindruckt, und Requiem markiert einen weiteren Höhepunkt.

Die Charaktermodelle sind atemberaubend detailliert, von den realistischen Hauttexturen bis hin zu den schweißglänzenden Gesichtern in Stressmomenten. Die Licht- und Schatteneffekte erzeugen eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Das Rhodes Hill Care Center mit seinen flackernden Lichtern und dunklen Korridoren ist ein visueller Albtraum im besten Sinne. Besonders die Zombies beeindrucken: Jeder einzelne wirkt individuell gestaltet, mit einzigartigen Gesichtszügen und Kleidungsdetails, die auf sein früheres Leben hindeuten.

Dennoch stellt sich die Frage, wie weit die aktuelle Version der RE Engine noch gehen kann und wann Capcom den nächsten großen Technologiesprung wagt. Aufmerksamen Spielern fallen auch in Requiem wiederkehrende Texturen auf. Dass in gefühlt jedem Zimmer dieselbe hellgrüne Keksdose auf dem Tisch steht, sind kleine Details, die mir ins Auge springen. Es ist nicht das erste Mal, dass mir solche Wiederholungen in einem RE-Engine-Titel auffallen. Bereits in meinem Test zum Remake von Resident Evil 3 hatte ich ähnliche Beobachtungen gemacht, wobei es dort im Rahmen des hektischeren Spielablaufs weniger störte.

Hier drängt sich eine interessante Frage auf: Könnten solche Details zukünftig anders gelöst werden, etwa durch mehr Varianten bei Dekoobjekten? Ein durchaus akzeptabler Einsatz von KI-generierten Variationen wäre denkbar, um Räume individueller wirken zu lassen. Oder wollen wir als Spieler vielleicht sogar diese wiederkehrenden Details und den damit verbundenen Wiedererkennungswert? Die grüne Keksdose wird fast schon zum Running Gag, zum stillen Begleiter durch den Horror. Eine Frage, die sich nicht nur in Bezug auf diesen Titel stellt, sondern für die gesamte Branche relevant ist. Verzeiht diesen abschweifenden Gedankengang, weiter im Text.

Auf PlayStation 5 und Xbox Series X läuft das Spiel flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde. Der PC bietet zusätzliche Optionen wie Path Tracing für noch realistischere Beleuchtung, wobei dies erwartungsgemäß die Bildrate deutlich beeinflusst. Überraschend gut schlägt sich die Nintendo Switch 2 Version: Trotz einiger Kompromisse bei Texturen und Haaren bietet sie ein vollwertiges Requiem-Erlebnis mit meist stabilen 60 fps im gedockten Modus. Die Downloadgröße beträgt etwa 73 GB auf PC und PS5, während die Switch 2 Version mit rund 28 GB deutlich kompakter ausfällt.

Editionen und Preise: Für jeden Geldbeutel etwas

Capcom bietet Resident Evil Requiem in mehreren Editionen an. Die Standard Edition schlägt mit 69,99 Euro zu Buche und enthält das vollständige Spiel ohne Extras. Für Spieler, die einfach nur den neuesten Teil der Serie erleben möchten, ist dies die unkomplizierteste Wahl.

Die Deluxe Edition kostet 79,99 Euro und packt kosmetische Inhalte obendrauf: alternative Kostüme für Grace und Leon, darunter ein Lady-Dimitrescu-Outfit für Grace, verschiedene Waffenskins, ein alternatives Soundtrack-Paket, Bildschirmfilter im Retro-Stil und digitale Artworks. Diese Extras sind rein kosmetischer Natur und beeinflussen das Gameplay nicht, bieten aber zusätzliche Abwechslung für den zweiten Durchgang.

Sammler greifen zur Deluxe Steelbook Edition für 94,99 Euro, die neben allen Deluxe-Inhalten ein hochwertiges Steelbook und eine limitierte Lenticular-Karte enthält. Auf der Nintendo Switch 2 gibt es zudem das Generation Pack für 99,99 Euro, das Requiem zusammen mit Resident Evil 7 und Village bündelt. Für Fans, die ihre Sammlung auf der neuen Nintendo-Konsole aufbauen möchten, ist dies ein attraktives Angebot. Erwähnenswert ist auch der limitierte Pro Controller im Requiem-Design für 99,99 Euro, der erfahrungsgemäß schnell ausverkauft sein dürfte.

Sound und Atmosphäre

Der Soundtrack unterstreicht die unterschiedlichen Stimmungen perfekt. In Graces Abschnitten dominieren bedrohliche Ambient-Klänge und plötzliche Stiche, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Leons Sequenzen werden von treibenden Rhythmen begleitet, die die Action vorantreiben. Besonders die Geräuschkulisse verdient Lob: Das Knarren der Bodendielen, das ferne Stöhnen der Untoten, das Klirren von Glas. All diese Details erzeugen eine Immersion, die ihresgleichen sucht.

Die deutsche Synchronisation ist solide, doch ich empfehle die englische Originalfassung. Nick Apostolides liefert einmal mehr eine hervorragende Performance als Leon, und Angela Sant’Albano macht Grace zu einer der erinnerungswürdigsten neuen Protagonistinnen der Serie.

Was fehlt? Und was kommt noch?

Kein Spiel ist perfekt, und auch Requiem hat seine Schwächen. Der Mercenaries-Modus, der in den letzten Teilen und Remakes zum Launch verfügbar war, fehlt hier zunächst. Für Fans, die nach dem Abspann gerne ihre Fähigkeiten in Score-basierten Herausforderungen unter Beweis stellen, ist das eine Enttäuschung.

Die gute Nachricht: Ein Story-DLC ist bereits offiziell bestätigt. Capcom hat die Entwicklung kurz nach dem erfolgreichen Launch mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren angekündigt. Besonders spannend sind die Gerüchte, die sich um den Inhalt ranken. In der Community wird spekuliert, dass Alyssa Ashcroft, Graces Mutter und bekannte Figur aus Resident Evil Outbreak, im Mittelpunkt stehen könnte. Ein spielbarer Rückblick auf ihre Ermittlungen gegen Victor Gideon und die Ereignisse im Wrenwood Hotel 2018? Das wäre für Fans der Serie ein absoluter Traum. Offiziell bestätigt ist davon noch nichts, aber die Hoffnung lebt.

Die Hauptkampagne selbst ist mit 12 bis 16 Stunden durchaus umfangreich und bietet mit dem New-Game-Plus-Modus, den freischaltbaren Waffen-Upgrades durch das Sammeln aller Mr.-Raccoon-Figuren und den verschiedenen Schwierigkeitsgraden genügend Wiederspielwert. Der härteste Modus remixed sogar die Item-Platzierungen und macht jeden Durchgang zu einer neuen Herausforderung.

Die Rätsel sind etwas zurückgefahren im Vergleich zu früheren Teilen. Während Grace einige clevere Knobeleien erlebt, darunter die klassischen Quartz-Puzzles und Codes, die sich aus Dokumenten erschließen lassen, sind Leons Abschnitte deutlich linearer. Fans der klassischen Schieberätsel und komplexen Symbolcodes werden sich möglicherweise etwas mehr Gehirnschmalz wünschen.

Zudem spaltet die Raccoon City Sequenz die Meinungen. Während die Nostalgie funktioniert und die Rückkehr ins RPD emotional berührt, wirken manche Bereiche der zerstörten Stadt etwas karg im Vergleich zur detailverliebten Gestaltung des Rhodes Hill Care Centers. Das Fan-Service ist manchmal recht deutlich, doch angesichts des 30-jährigen Jubiläums ist das verzeihlich.

Fazit

Resident Evil Requiem ist ein Triumph. Als jemand, der 1998 auf seiner umgebauten PlayStation erstmals Raccoon City erkundete, erfüllt mich diese erneute Rückkehr mit einer Mischung aus Nostalgie und Ehrfurcht. Capcom hat es geschafft, die besten Elemente der Serie zu vereinen: den klaustrophobischen Horror der frühen Teile, die befriedigende Action von Resident Evil 4 und die emotionale Tiefe der neueren Remakes.

Das Dual-Protagonist-System funktioniert hervorragend und bietet zwei völlig unterschiedliche Spielerfahrungen in einem Paket. Grace Ashcroft etabliert sich als würdiger Neuzugang in der Riege der Resident-Evil-Helden, während Leon Kennedy einen würdigen Abschluss seiner Umbrella-Saga erhält. Die Geschichte schließt jahrzehntealte Handlungsstränge ab und öffnet gleichzeitig Türen für die Zukunft des Franchises.

Wenn mir damals, als ich 1998 auf meiner umgebauten PlayStation erstmals Raccoon City erkundete, jemand erzählt hätte, dass diese Serie 30 Jahre später noch immer auf höchstem Niveau abliefern würde, hätte ich es gehofft, aber kaum geglaubt. Resident Evil Requiem ist der beste Hauptteil seit Resident Evil 4 und ein würdiges Jubiläumsgeschenk an alle Fans. Das ist das Resident Evil, das wir verdienen.

Wertung

9/10

Pro und Contra

Pro:

  • Meisterhaftes Dual-Protagonist-System mit perfekter Balance aus Horror und Action
  • Grace Ashcroft ist eine der besten neuen Figuren der Serie
  • Rhodes Hill Care Center gehört zu den atmosphärisch dichtesten Locations der Reihe
  • Emotionale Rückkehr nach Raccoon City mit zahlreichen Callbacks
  • Brillante Grafik dank RE Engine
  • Flexibler Perspektivenwechsel zwischen Ego- und Third-Person
  • Blood Collector System fügt interessante strategische Tiefe hinzu
  • Würdiger Abschluss vieler langjähriger Handlungsstränge
  • Hervorragende englische Synchronisation

Contra:

  • Kein Mercenaries-Modus zum Launch
  • Weniger Rätsel als in klassischen Teilen
  • Raccoon City Abschnitte wirken stellenweise etwas karg
  • Fan-Service manchmal etwas aufdringlich

Häufig gestellte Fragen zu Resident Evil Requiem

Welche Editionen gibt es und was kosten sie?

Die Standard Edition kostet 69,99 Euro. Die Deluxe Edition für 79,99 Euro enthält kosmetische Extras wie alternative Kostüme und Waffenskins. Die Deluxe Steelbook Edition für 94,99 Euro richtet sich an Sammler. Auf der Nintendo Switch 2 gibt es zudem das Generation Pack für 99,99 Euro, das Requiem mit RE7 und Village bündelt.

Auf welchen Plattformen ist Resident Evil Requiem verfügbar?

Resident Evil Requiem erschien am 27. Februar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC (Steam und Epic Games Store) und Nintendo Switch 2. Alle Versionen wurden zeitgleich veröffentlicht.

Wie lange dauert Resident Evil Requiem?

Die Hauptkampagne dauert bei normalem Spieltempo etwa 12 bis 16 Stunden. Wer alle Sammelobjekte finden und die optionalen Inhalte erkunden möchte, kann deutlich mehr Zeit investieren. Speedrunner schaffen das Spiel in unter vier Stunden.

Muss ich die Vorgänger gespielt haben?

Requiem ist auch für Neueinsteiger zugänglich, doch die volle Wirkung entfaltet sich für Spieler, die zumindest Resident Evil 2 (idealerweise das Remake von 2019) kennen. Die zahlreichen Callbacks und emotionalen Momente haben mehr Gewicht, wenn man die Geschichte der Reihe kennt.

Gibt es einen Mercenaries-Modus?

Zum Launch ist kein Mercenaries-Modus enthalten. Capcom hat jedoch einen Story-DLC bestätigt, dessen Entwicklung nach dem erfolgreichen Launch mit über fünf Millionen Verkäufen angekündigt wurde. In der Community kursieren Gerüchte, dass Alyssa Ashcroft, Graces Mutter aus Resident Evil Outbreak, im Mittelpunkt stehen könnte. Ob ein Mercenaries-Modus nachgereicht wird, ist bisher nicht bekannt.

Kann ich zwischen Ego- und Third-Person-Perspektive wechseln?

Ja, Resident Evil Requiem bietet die Möglichkeit, jederzeit im Menü zwischen beiden Perspektiven zu wechseln. Die Ego-Perspektive wird für Graces Horror-Abschnitte empfohlen, während Leons Action-Sequenzen in Third-Person am besten zur Geltung kommen.

Wie steht Resident Evil Requiem zu den Remakes?

Requiem setzt die Handlung nach den Remakes fort und enthält zahlreiche Verweise auf die überarbeiteten Versionen von Resident Evil 23 und 4. Spieler, die nur die Remakes kennen, werden sich problemlos zurechtfinden.

Kehrt Leon S. Kennedy im nächsten Teil zurück?

Requiem scheint viele Handlungsstränge um Leon abzuschließen, und es gibt Gerüchte, dass dies sein letzter Auftritt in einem Hauptteil sein könnte. Offiziell bestätigt ist dies jedoch nicht.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Teile ihn doch gerne in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Was können wir verbessern?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.