Wer gebrauchte Videospiele oder Filme mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren verkaufen möchte, hat in Deutschland nur begrenzte Möglichkeiten. Kleinanzeigen.de verbietet den Handel mit FSK- und USK-18-Artikeln vollständig und entfernt entsprechende Angebote konsequent. eBay hingegen erlaubt den Verkauf, verlangt aber eine klare Bedingung: Der Versand muss über DHL mit Alterssichtprüfung erfolgen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Vorgabe weitgehend ignoriert wird. Ein Selbstversuch offenbart das Ausmaß des Problems.
Was das Gesetz verlangt
Das Jugendschutzgesetz ist in diesem Punkt eindeutig: Trägermedien mit der Kennzeichnung „Keine Jugendfreigabe“ dürfen nicht an Minderjährige abgegeben werden. Im Versandhandel bedeutet das, dass der Verkäufer sicherstellen muss, dass die Ware ausschließlich an volljährige Empfänger ausgehändigt wird. Die Obersten Landesjugendbehörden vertreten dabei eine strenge Auslegung: Bei der Bestellung soll eine Altersverifikation stattfinden, bei der Lieferung eine Identitätsprüfung.
Für private Verkäufer auf Plattformen wie eBay ist eine Altersverifikation bei der Bestellung praktisch nicht umsetzbar. eBay löst das Problem, indem die Plattform den Versand mit Alterssichtprüfung vorschreibt. Wer ein USK-18-Spiel einstellt, muss als Versandart „DHL Paket mit Alterssichtprüfung ab 18 Jahre“ auswählen. Das System erzwingt diese Option automatisch, sobald in den Artikelmerkmalen die entsprechende Einstufung angegeben wird.
Die Theorie klingt gut, die Praxis sieht anders aus
Das Problem beginnt bereits bei den Kosten. Ein DHL-Paket bis zwei Kilogramm kostet online frankiert 5,49 Euro, die Zusatzleistung Alterssichtprüfung weitere 1,99 Euro. Insgesamt landet man bei etwa 7,50 Euro Versandkosten (in der Regel wird es bei Ebay derzeit mit 8,18 Euro angezeigt) für einen einzelnen gebrauchten Spieletitel. Bei Verkaufspreisen von oft unter zehn Euro für ältere Titel macht das den Kauf unattraktiv. Viele Verkäufer umgehen die Vorgabe daher schlicht, indem sie zwar die vorgeschriebene Versandart im Angebot auswählen, tatsächlich aber deutlich günstiger versenden.
Der Selbstversuch: Ein Verkäufer, drei Käufe, null Konsequenzen
Um das Ausmaß des Problems zu überprüfen, habe ich einen gezielten Selbstversuch durchgeführt. Als mir bei einem Kauf auffiel, dass ein USK-18-Titel ohne die vorgeschriebene Altersprüfung ankam, konfrontierte ich den Verkäufer. Seine Erklärung: ein Versehen, er habe vergessen, den Haken für die Zusatzleistung zu setzen. Ich wollte wissen, ob das stimmte, und stellte die Behauptung auf die Probe.
Im Abstand mehrerer Wochen kaufte ich bei demselben Verkäufer mit drei verschiedenen eBay-Konten weitere USK-18-Titel. Das Ergebnis war eindeutig: Kein einziges Spiel kam mit der vorgeschriebenen Alterssichtprüfung an.
Der erste Titel erreichte mich als gewöhnliches DHL-Paket ohne Altersprüfung. Der zweite kam als einfacher Maxibrief. Der dritte als Einwurf-Einschreiben. Drei Käufe, drei verschiedene Versandarten, dreimal keine Altersprüfung. Von einem „Versehen“ konnte keine Rede mehr sein. Die gewählte Versandart schien sich eher am Verkaufspreis zu orientieren: Bei günstigeren Titeln der Maxibrief, bei teureren immerhin ein Paket. Die vorgeschriebene Alterssichtprüfung? Fehlanzeige.
Nach jedem Kauf meldete ich den Verstoß bei eBay. Eine substanzielle Rückmeldung erhielt ich nie. Ob der Verkäufer verwarnt wurde, ob es Konsequenzen gab, erfuhr ich nicht. Was ich hingegen feststellen konnte: Der Verkäufer ist bis heute aktiv und bietet weiterhin USK-18-Titel an. Drei dokumentierte Verstöße, drei Meldungen, null Konsequenzen.
Kein Einzelfall
Mein Selbstversuch ist kein Einzelfall. Bei früheren Käufen erlebte ich häufig den Versand per PRIO-Brief, einer Versandart mit minimalem Tracking, die die Deutsche Post mittlerweile eingestellt hat. In einschlägigen Foren berichten andere Käufer von identischen Erfahrungen. Die Regel scheint zu sein, dass sich kaum jemand an die Regeln hält.
Drei Probleme, keine Lösung in Sicht
Das Kernproblem ist offensichtlich der mangelnde Jugendschutz. Wenn USK-18-Spiele per Briefkasten zugestellt werden, kann jedes Kind im Haushalt die Sendung öffnen. Das Jugendschutzgesetz existiert aus gutem Grund, und es wird hier systematisch unterlaufen.
Daneben steht das Problem der Versandkostenabzocke. Käufer zahlen im Angebot die Kosten für den vorgeschriebenen Versand mit Altersprüfung, erhalten aber tatsächlich einen Maxibrief für 1,60 Euro. Die Differenz steckt der Verkäufer ein. Das ist schlicht Betrug am Käufer.
Schließlich entsteht eine Wettbewerbsverzerrung. Seriöse Verkäufer, die sich an die Regeln halten, haben einen erheblichen Kostennachteil gegenüber denen, die es nicht tun. In einschlägigen Foren wird genau dieses Problem seit Jahren diskutiert. Gewerbliche Händler, die ordnungsgemäß mit Altersprüfung versenden, können preislich nicht mithalten mit Privatverkäufern, die einen Maxibrief als DHL-Paket mit Alterssichtprüfung abrechnen.
Macht eBay etwas dagegen?
Nach meinen Erfahrungen: nichts. Ein Verkäufer, drei dokumentierte Verstöße, drei Meldungen an eBay, und der Account ist weiterhin aktiv. Es gibt keine Transparenz über Konsequenzen, keine Rückmeldung, keinen erkennbaren Willen zur Durchsetzung der eigenen Regeln.
eBay hätte technisch alle Möglichkeiten, das Problem einzudämmen. Die Plattform weiß, welche Angebote als USK 18 eingestellt wurden. Sie weiß, welche Versandart gebucht wurde. Und sie könnte überprüfen, ob tatsächlich ein DHL-Paket mit Alterssichtprüfung versendet wurde, etwa durch Abgleich der Sendungsnummer mit dem tatsächlich genutzten Service. Dass dies offenbar nicht geschieht, legt nahe, dass der Wille zur Durchsetzung fehlt. Oder schlimmer: dass es eBay schlicht egal ist.
Solange die Regeln nicht konsequent durchgesetzt werden, bleibt der Jugendschutz im privaten Gebrauchthandel eine Farce. Kleinanzeigen.de hat mit dem kompletten Verbot den radikalen Weg gewählt. eBay versucht einen Mittelweg, der in der Praxis nicht funktioniert. Für Käufer, die Wert auf regelkonformen Handel legen, bleibt oft nur der Kauf beim gewerblichen Händler, der die gesetzlichen Vorgaben ernst nimmt.



