EA veröffentlicht mit Need for Speed Payback den Nachfolger zum kontroversen Reboot von 2015. Diesmal verspricht man eine spannende Heist-Story, drei spielbare Charaktere und eine lebendige Open World. Nach dutzenden Stunden in Fortune Valley steht fest: NFS Payback liefert spektakuläre Action-Racing-Momente und solides Arcade-Gameplay, scheitert aber an frustrierendem Lootbox-Progression-System und schwacher Erzählung. Das Spiel will Fast & Furious sein, fühlt sich aber wie eine billige Kopie an.
Die Story: Fast & Furious zu Hause
Die Handlung folgt Tyler Morgan, Mac (eigentlich Jessica, aber alle nennen sie Mac) und Jess (eigentlich Sean). Tyler ist der Rennfahrer, Mac die Driverin, Jess der Drift-Profi. Dazu gibt es Rav, den Mechaniker der Crew.
Die Crew wird von Lina Navarro reingelegt und auseinandergerissen. Ein gutes halbes Jahr später leben die Freunde von Gelegenheitsjobs. Tyler arbeitet für Marcus Weir und muss wenig angesehene Fahrdienste erledigen. Diese Einführung dient als Tutorial – man spielt alle drei Charaktere, lernt ihre Spezialisierungen.
Allerdings unterscheiden sich die Charaktere nur durch ihre Fahrzeugtypen. Tyler fährt Race-Events, Mac Flucht-Missionen, Jess Drift-Challenges. Andere Skills oder Fähigkeiten gibt es nicht. Das ist verschenktes Potential.
Tyler will zurück an die Spitze der Street-Racing-Szene. Man beginnt mit einer Schrottkarre, die schnell gegen vernünftige Autos getauscht wird. Die Story entwickelt sich zu einem Rache-Plot gegen The House (ein kriminelles Casino-Syndikat) und Lina Navarro.
Das Problem: Die Story ist schwach. Sie fühlt sich an wie eine Mischung aus Fast & Furious und dem Need for Speed-Film. Die Crew erinnert stark an das F&F-Franchise. Viele Entwicklungen sind vorhersehbar. Man hat versucht, an NFS Most Wanted anzuschließen, scheitert aber.
Der Spieler kann keine Beziehung zu Charakteren aufbauen. Man fühlt sich nicht verbunden. Das ist genau was gute Titel ausmacht. Zum Vergleich: Star Wars Battlefront II bietet packende Story wo man mitfühlt. NFS Payback erreicht das nie.
Die Cutscenes sind cinematisch inszeniert, aber die Charaktere wirken steif. Die Dialoge sind klischeehaft. Die Handlung ist generisch. Es fehlt die emotionale Tiefe.

Gameplay: Arcade-Spaß mit Schwächen
Das Kern-Gameplay ist klassisches NFS-Arcade-Racing. Die Steuerung fühlt sich zunächst schwammig an, man braucht ein paar Minuten Eingewöhnung. Es lohnt sich, Empfindlichkeit der Trigger anzupassen. Man sollte vorher definitiv kein Gran Turismo Sport gespielt haben – der Unterschied ist enorm.
Nach Eingewöhnung macht das Fahren Spaß. Drifts sind spektakulär, Nitro-Boosts sind wuchtig, Crashes sind befriedigend. Es ist zugängliches Arcade-Racing wie man es von Burnout kennt, aber mit NFS-Identität.
Die Open World Fortune Valley bietet allerhand zu tun. Zunächst lohnt es sich, die Hauptstory zu spielen da so viele Features freigeschaltet werden. Auf der Welt gibt es überall Möglichkeiten: Geschwindigkeitsrekorde aufstellen, Sammelobjekte finden, Rennen fahren.
Ein cleveres Feature: Wetten. Bei jedem Event kann man zusätzliche Wetten abschließen. Der Einsatz ist oft so hoch wie das Preisgeld. Beispiel-Wetten: 60 Sekunden auf erstem Platz fahren und gewinnen. Oder: 25 Objekte in einem Rennen zerstören. Das macht richtig Spaß – man darf alles wegrasieren.
Diese Wetten kennt man aus Racing-Filmen. Sie passen gut ins Spiel und sind echte Bereicherung für das Konzept. Aber: Man kann ersten Platz erreichen und trotzdem kein Geld bekommen wenn man die Wette verfehlt. Das ist frustrierend, aber man entscheidet selbst ob man wettet.
Verfolgungsjagden: Spektakulär aber zahnlos
Höhepunkte der Verfolgungen sind Takedowns. Man platziert Gegner geschickt an Wänden oder Hindernissen sodass sie in Bullet-Time crashen. Das sieht spektakulär aus. Allerdings erscheinen im Normalfall immer mehr Fahrzeuge wenn man sich nicht „versteckt“.
Die Polizei ist leider ein Witz. Sie fährt zwar schnell und ballert auch bei 250km/h an einem vorbei, aber mit Geschick verliert man sie immer. Barrikaden kann man locker umfahren. Das ist enttäuschend – NFS Most Wanted und Hot Pursuit hatten viel intensivere Cop-Chases.
Im Vergleich zu NFS Rivals wo die Polizei echte Bedrohung war, ist sie hier Dekoration. Das mindert Spannung erheblich.
Das Lootbox-Problem: Pay-to-Win-Schatten
Das größte Problem: Das Progression-System. Performance-Upgrades funktionieren über Speed Cards – Lootbox-ähnliche Karten die man ziehen muss. Man braucht gute Karten um Fahrzeuge zu verbessern.
Das frustriert enorm. Man kann nicht einfach Teile kaufen und installieren wie in früheren NFS-Teilen. Stattdessen: Karten ziehen, hoffen auf gute Stats. Es fühlt sich an wie Free-to-Play-Mobile-Game-Mechanik in einem 60-Euro-Vollpreis-Titel.
EA verteidigte das System – „es ist wie Pokémon-Booster-Packs öffnen“. Das ist teilweise wahr – man freut sich wenn etwas Gutes kommt. Aber: Es gehört nicht in ein Rennspiel. Es ist frustrierend, grindig, manipulativ.
Zum Launch gab es Mikrotransaktionen für Speed Cards. Nach massiver Community-Kritik entfernte EA sie vor Release. Aber das System ist immer noch darauf designed – man merkt, dass es für Pay-to-Win konzipiert wurde.
Im Vergleich: Forza Horizon 3 hat klare Progression. The Crew auch. NFS Payback hat RNG-Lootboxes. Das ist schlechtes Design.
Tuning und Anpassung: Die Stärke
Die Anpassungsmöglichkeiten sind wie gewohnt ausführlich. Am Anfang stehen nicht viele Optionen zur Verfügung – man muss sich mit Wagenfarbe begnügen. Im Verlauf der Story schaltet man typische NFS-Optionen frei: Decals, Felgen, Bodykits, Spoiler.
Das macht richtig Spaß. Ich verbrachte Stunden damit, meinen fahrbaren Untersatz zu designen. Man kann erstellte Designs speichern und später laden. Dieses Feature ist klasse und erinnert an Diablo 3 wo man Builds speichern und mit einem Klick wiederherstellen kann.
Die Fahrzeug-Auswahl ist solide. Über 70 Autos aus diversen Kategorien: Muscle, Tuner, Exotics, Off-Road-Trucks. Die Vielfalt ist beeindruckend, auch wenn einige ikonische Marken fehlen (keine Porsche, keine Toyota).
Jedes Auto hat fünf Klassen: Race, Drift, Off-Road, Drag, Runner (Flucht). Man kann dasselbe Auto für verschiedene Klassen bauen. Das ist clever und motiviert zum Experimentieren.
Grafik: Schön aber mit Problemen
Grundsätzlich ist die Grafik super. Fahrzeuge sind sehr detailreich, auch Charaktere wurden mit Liebe gestaltet. Lediglich Bewegungen in Cutscenes wirken steif. Da es ein Arcade-Racer ist, liegt der Fokus auf Fahrzeugen. Da kann man beim Rest ein Auge zudrücken.
Das Schadensmodell hat keine echte Auswirkung auf Fahrverhalten, wirkt aber ausgereift und stimmig. Optischer Schaden tritt dort auf wo Kollision war. Das ist befriedigend.
Nicht schick: Fahren in der Wüste. Spuren im Sand verschwinden innerhalb von Sekunden. Das ist immersionsbrechend.
Sehr negativ: Texturen oder ganze Fahrzeuge werden mitten im Rennen nachgeladen. Regelmäßig startete ich bei Duellen quasi alleine mit ein paar Schatten auf dem Boden. Plötzlich waren Autos im Weg oder ein matschiger Pixelhaufen wurde beim Vorbeiflug mit 220km/h zur schönen Landschaft.
Das sollte bei einem AAA-Titel 2017 auf PS4 Pro nicht passieren. Es gab keinen Patch während der Testphase. Das ist inakzeptabel für Vollpreis-Titel. Deswegen werden Punkte in der Wertung abgezogen.
Auf PC mit High-End-Hardware (GTX 1080) lief es besser, aber auch dort gelegentliche Texture-Pop-ins. Das zeigt: Die Engine (Frostbite 3) wurde nicht optimal für Open-World-Racing optimiert.
Sound: Die positive Überraschung
Zum Thema Sound: SUPER! Der Soundtrack ist genial, die Auswahl der Titel sehr groß. Gepaart mit Motorsound, Burnouts und Drifts ergibt das einen „Mach-mal-lauter“-Effekt der Spielspaß enorm anhebt.
Während meiner Spielstunden konnte ich keine Fehler, Lags oder fehlerhafte Synchronisation feststellen. Die Motoren hören sich wuchtig an, Crashes sind befriedigend laut, Nitro zischt perfekt.
Die Musikauswahl ist besser als NFS 2015. Es gibt Rock, Hip-Hop, Electronic – diverse Genres. Man kann Sender wechseln für verschiedene Stimmungen. Das ist durchdacht.
Die Sprachausgabe ist solide. Keine Oscar-reife Performance, aber professionell. Die deutsche Synchro ist akzeptabel, das englische Original besser.
Umfang: Respektabel
Der Umfang ist wirklich ordentlich. Die offene Welt ist zeitgemäß und bietet viel Abwechslung in Form von Events und Rennen. Die Wetten steigern Nervenkitzel da man potentiell viel Geld verlieren kann. Zudem verbringen Leute wie ich Stunden in der Garage beim Anpassen des PKW.
Die Hauptstory dauert etwa 15-20 Stunden. Für 100% mit allen Events: 40-50 Stunden. Das ist respektabel für ein Rennspiel.
Nach Story-Abschluss gibt es Free-Roam, verbleibende Challenges, Online-Multiplayer. Der Multiplayer ist etwas kahl – keine großartigen Modi, keine Turniere. Aber funktional für Casual-Races mit Freunden.
Für wen eignet sich NFS Payback?
Die Zielgruppe: Arcade-Racing-Fans die über Lootbox-Progression hinwegsehen können.
Geeignet für:
- NFS-Fans die Arcade-Action lieben
- Spieler die Tuning und Customization schätzen
- Leute die spektakuläre Action-Momente wollen
- Casual-Racer die keine Simulation wollen
- Fans von Fast & Furious-Style-Racing
Nicht geeignet für:
- Spieler die faire Progression ohne RNG erwarten
- Sim-Racing-Fans (Gran Turismo, Forza Motorsport)
- Story-fokussierte Spieler die Tiefe erwarten
- Leute die intensive Polizei-Chases wollen
- Spieler die saubere Technik ohne Pop-ins erwarten
Das Problem: Die Konkurrenz. Forza Horizon 3 ist in allen Belangen überlegen. The Crew 2 bietet mehr Vielfalt. Warum sollte man NFS Payback spielen?
Die Antwort: Man sollte es wahrscheinlich nicht. Es ist okay, aber nicht exzellent. In einem Genre mit besseren Alternativen reicht „okay“ nicht.
Unser Fazit
Need for Speed Payback macht Spaß. Die Anpassungsmöglichkeiten sind wie gewohnt ausführlich und machen ohne Hauptspiel schon Spaß sobald alles freigeschaltet wurde.
Performance-Anpassungen in Form der Karten können frustrieren da man gute Karte ziehen muss um Fahrzeuge zu verbessern. Generell kann man diese Vorgehensweise nicht verteufeln – man freut sich wie ein Kind beim Öffnen seines Pokémon-Booster-Packs wenn etwas Gutes drin ist. Aber: Es gehört nicht in ein Rennspiel.
Grafikfehler sind verzeihbar, aber es existieren einige Schnitzer die die Wertung nach unten drücken. Texture-Pop-ins und nachladende Fahrzeuge mitten im Rennen sind 2017 auf PS4 Pro inakzeptabel.
Die Story ist schwach. Sie fühlt sich an wie billige Fast & Furious-Kopie. Man kann keine Beziehung zu Charakteren aufbauen. Man fühlt sich nicht verbunden.
Summa summarum ist Need for Speed Payback ein durchschnittlicher Titel der primär von Fans der Serie geliebt werden wird. Für Arcade-Racer-Fans mit niedrigen Erwartungen eine Empfehlung – aber es gibt bessere Alternativen.
Wertung: 7,0/10 – Gut
Solides Arcade-Rennspiel mit starkem Tuning-System und spektakulärer Action, das aber durch frustrierendes Lootbox-Progression-System, schwache Story und technische Probleme hinter der Konkurrenz zurückbleibt.
Pro und Contra
Pro:
- Ausführliche Tuning- und Anpassungsmöglichkeiten
- Über 70 Fahrzeuge aus diversen Kategorien
- Spektakuläre Action-Momente und Takedowns
- Cleveres Wetten-System steigert Nervenkitzel
- Exzellenter Soundtrack mit großer Musikauswahl
- Respektabler Umfang mit 40-50 Stunden Content
- Design-Speicher-Feature ist praktisch
- Zugängliches Arcade-Handling macht Spaß
- Drei spielbare Charaktere mit Spezialisierungen
- Fortune Valley bietet abwechslungsreiche Umgebung
Contra:
- Frustrierendes Lootbox-ähnliches Speed-Card-System
- Schwache, vorhersehbare Story ohne emotionale Tiefe
- Polizei-Verfolgungen sind zahnlos und zu leicht
- Texture-Pop-ins und nachladende Fahrzeuge im Rennen
- Steife Charakter-Animationen in Cutscenes
- Charaktere unterscheiden sich nur durch Fahrzeugtypen
- Keine echte Beziehung zu Protagonisten möglich
- Always-Online für Single-Player (wie NFS 2015)
- Kahler Multiplayer ohne tiefe Features
- Preis-Leistung schwach gegen Forza Horizon 3
Häufige Fragen zu NFS Payback
Was ist das Speed Card-System?
Performance-Upgrades funktionieren über Karten die man zufällig erhält (Lootbox-Mechanik). Man braucht gute Karten um Fahrzeuge zu verbessern. Das frustriert viele Spieler.
Gibt es Mikrotransaktionen?
Nicht mehr. EA entfernte sie vor Launch nach massiver Community-Kritik. Aber das Progression-System ist immer noch darauf designed – es fühlt sich grindig an.
Ist die Story gut?
Nein. Sie ist generisch, vorhersehbar, ohne emotionale Tiefe. Die Charaktere sind flach. Es fühlt sich an wie billige Fast & Furious-Kopie.
Wie sind die Polizei-Verfolgungen?
Enttäuschend. Die Polizei ist leicht zu entkommen. Barrikaden sind Witz. Im Vergleich zu NFS Most Wanted oder Hot Pursuit extrem zahm.
Kann man offline spielen?
Nein. Always-Online ist Pflicht wie bei NFS 2015. Das nervt für Single-Player-fokussierte Spieler.
Lohnt es sich 2024?
Fragwürdig. Es gibt bessere Alternativen (Forza Horizon, NFS Heat). Nur im Sale für Hardcore-NFS-Fans.
Wie ist das Tuning im Vergleich zu NFS 2015?
Ähnlich umfangreich. Decals, Bodykits, Felgen – alles da. Der Editor ist mächtig. Das ist eine Stärke beider Spiele.
Gibt es Cross-Play?
Nein. Jede Plattform hat eigene Server. Das fragmentiert die eh kleine Online-Community.
Technische Daten
Entwickler: Ghost Games
Publisher: EA
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Release: 10. November 2017
Genre: Arcade-Rennspiel
Spieleranzahl: Einzelspieler (Always-Online) + Multiplayer
Spielzeit: 15-50 Stunden
Sprachen: Deutsch, Englisch (Text + Sprache)
Altersfreigabe: USK 12 / PEGI 12
Technische Specs:
- PS4/Xbox One: 1080p, 30fps
- PS4 Pro/Xbox One X: 1080p-4K (dynamisch), 30fps
- PC: Bis 4K, 60fps (unlocked)
- Engine: Frostbite 3
- Always-Online: Ja (erforderlich)
