Pen-&-Paper als „Missing Link": Forscher erklärt, wie Rollenspiele Literatur und Videospiele verbanden

Pen-&-Paper als „Missing Link“: Forscher erklärt, wie Rollenspiele Literatur und Videospiele verbanden

Warum haben Pen-&-Paper-Rollenspiele in der Kulturforschung so lange ein Schattendasein geführt – obwohl sie nachweislich ganze Franchises mitgeprägt haben? Dieser Frage geht der Medienkulturwissenschaftler Tobias Unterhuber in einem neuen Sammelband nach, der jetzt im Verlag Werner Hülsbusch erschienen ist. Das Titel-Kulturmagazin hat Unterhuber dazu interviewt – und die Antworten sind für jeden interessant, der sich je gefragt hat, wo das westliche Rollenspielgenre eigentlich herkommt.

Pen-&-Paper als „Missing Link"

Rollenspiele als Scharnier zwischen den Medien

Unterhubers zentrale These: Pen-&-Paper-Rollenspiele waren das Bindeglied, das fantastische Stoffe zwischen Buch, Film und Videospiel vermittelt hat – und wurden dabei systematisch übersehen. Als Beispiel nennt er Star Wars: Als Autor Timothy Zahn in den frühen Neunzigern die Admiral-Thrawn-Trilogie schreiben sollte und bei Lucasfilm nach Hintergrundinformationen fragte, schickte man ihm ein Paket mit Rollenspielbüchern von Westend Games. Das erweiterte Star-Wars-Universum, das jahrzehntelang als Kanon galt, wurde also maßgeblich durch ein Rollenspiel mitgeschrieben.

Ähnliches gilt für den Cthulhu-Mythos. Chaosiums „Call of Cthulhu“ von 1981 fasste Lovecrafts lose Textsammlung erstmals zu einem kohärenten Universum zusammen – und legte damit die Grundlage für alles, was seitdem als Cosmic Horror in Literatur, Film und Videospielen entstanden ist. Ohne dieses Rollenspiel wäre die Genealogie von Bloodborne bis Amnesia eine andere.

Moral Panics und die verspätete Forschung

Warum die Wissenschaft das Medium so lange ignorierte, erklärt Unterhuber mit den Moral Panics der Achtziger und Neunziger: Rollenspiele galten als Okkultismus-Einfallstor, ihr öffentliches Image war über Jahrzehnte negativ besetzt. Paradoxerweise war es die wachsende akademische Beschäftigung mit Computerspielen, die den Weg für die Rollenspieleforschung erst ebnete – obwohl die historische Entwicklung eigentlich in die andere Richtung verlief.

Für Gamefinity-Leser ist das keine abstrakte Wissenschaftsdebatte. Wer mit Das Schwarze Auge aufgewachsen ist und heute Baldur’s Gate 3 spielt, erlebt diesen Zusammenhang direkt – auch wenn man ihn selten so beim Namen nennt. Unterhubers Buch liefert den wissenschaftlichen Rahmen dazu. Es umfasst 62 Seiten und ist im Verlag Werner Hülsbusch für 13,80 Euro erhältlich.

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