Nach fast zwei Jahren Early Access ist es endlich soweit: Pioneers of Pagonia hat am 11. Dezember 2025 Version 1.0 erreicht und damit auch die lang ersehnte Kampagne mitgebracht. Als Siedler-Erfinder Volker Wertich nach seinem kreativen Bruch mit Ubisoft sein eigenes Studio Envision Entertainment gründete, war klar: Hier entsteht das Aufbauspiel, das viele Fans vermisst haben. Wir haben uns intensiv durch die fertige Version gewuselt und verraten euch, ob Pioneers of Pagonia das Erbe der Siedler-Klassiker würdig fortsetzt.
Die Rückkehr zum klassischen Wuselfaktor
Wer sich noch an die guten alten Zeiten von Die Siedler 1, 2 oder 3 erinnert, wird bei Pioneers of Pagonia sofort ein vertrautes Gefühl bekommen. Das liegt nicht nur daran, dass Volker Wertich am Ruder sitzt, sondern auch an der konsequenten Umsetzung dessen, was diese Spiele damals ausgemacht hat: komplexe Produktionsketten, eine indirekte Steuerung und dieser unvergleichliche Moment, wenn hunderte – oder sogar tausende – kleine Figuren geschäftig über die Karte wuseln und ihrer Arbeit nachgehen.
Die Prämisse ist schnell erklärt: Der mysteriöse Nebel hat den einst vereinten Kontinent Pagonia in zahlreiche Inseln zerspalten. Als Navigator macht ihr euch mit eurem Schiff, der Venturer, auf den Weg, die verstreuten Stämme wieder zu vereinen. Mit einer stattlichen Anzahl von Pionieren und grundlegenden Ressourcen an Bord landet ihr auf eurer ersten Insel und beginnt dort, eine florierende Siedlung aufzubauen.
Wirtschaft, die begeistert
Das Herzstück von Pioneers of Pagonia ist zweifelsohne das Wirtschaftssystem. Über 60 verschiedene Gebäudetypen und mehr als 100 unterschiedliche Waren warten darauf, in komplexen Lieferketten verarbeitet zu werden. Und das Beste: Jeder einzelne Produktionsschritt ist sichtbar. Ihr könnt den Holzfällern beim Fällen der Bäume zusehen, die Träger verfolgen, wie sie die Stämme zum Sägewerk schleppen, und beobachten, wie daraus Bretter werden, die dann wiederum zum Bau neuer Gebäude dienen.
Diese Transparenz ist nicht nur befriedigend anzusehen, sondern auch spielerisch sinnvoll. Das Spiel bietet euch umfangreiche Statistiken und visuelle Hilfen, um den Überblick zu behalten. Ihr seht auf einen Blick, wo Engpässe entstehen, wie ausgelastet eure Träger sind und welche Produktionsketten möglicherweise noch optimiert werden müssen. Bei bis zu 3.000 Pagoniern, die gleichzeitig auf der Karte aktiv sein können, ist das auch dringend notwendig.
Besonders gelungen ist die Flexibilität des Systems: Jedes Produktionsgebäude lässt sich individuell konfigurieren. Der Förster kann zum Beispiel gezielt nur Nadelhölzer pflanzen, wenn genau diese gerade knapp werden. Das Sägewerk kann angewiesen werden, nur bestimmte Arten von Brettern zu produzieren. Diese Feinabstimmung macht den Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer perfekt optimierten Wirtschaft aus.
Straßenbau war nie einfacher
Ein besonderes Lob verdient das Wegbausystem. Anders als in vielen anderen Aufbauspielen setzt Pioneers of Pagonia nicht auf ein starres Raster. Stattdessen könnt ihr Wege frei über die Karte legen, selbst um Hindernisse herum, und das Spiel zeigt euch dabei präzise den geplanten Verlauf an. Ein Klick zur Bestätigung, und schon steht der Pfad. Die Gebäude platziert ihr dann entlang dieser Wege auf automatisch markierten Bauplätzen, was das Stadtbild organisch und natürlich wirken lässt.
Allerdings gibt es hier auch eine kleine Einschränkung: Es gibt keine Weiterentwicklung der Straßen. Keine gepflasterten Wege, keine Karren oder Esel für schnelleren Transport. Alle Waren werden ausschließlich von Trägern transportiert, die zu Fuß über die Insel stapfen. Bei großen Siedlungen kann das durchaus bedeuten, dass über tausend Träger gleichzeitig unterwegs sind – ein beeindruckender Anblick, aber auch ein Punkt, an dem man sich mehr Entwicklungsmöglichkeiten gewünscht hätte.
Die Kampagne: 30 Stunden Geschichte
Mit Version 1.0 hat Pioneers of Pagonia endlich seine Kampagne erhalten, und die kann sich sehen lassen. Über sieben Kapitel hinweg verteilt erzählt sie die Geschichte des Navigators, der die zersplitterten Inseln Pagonias erkundet und die verschiedenen Stämme zusammenführt. Die Kampagne dient dabei geschickt als erweitertes Tutorial, das neue Mechaniken und Gebäude schrittweise einführt.
Mit einer Spielzeit von gut 30 bis 40 Stunden bietet die Kampagne ordentlich Inhalt. Jedes Kapitel bringt neue Herausforderungen: mal müsst ihr bestimmte Ressourcen produzieren, mal Freundschaften mit anderen Stämmen schließen, und später warten sogar Bosskämpfe auf euch. Die Geschichte mag keine Oscar-verdächtigen Wendungen bieten, aber sie erfüllt ihren Zweck und bindet die einzelnen Missionen gut ein.
Besonders interessant ist der Mix aus wirtschaftlichen und militärischen Herausforderungen. Während ihr in frühen Kapiteln noch in Ruhe eure Produktionsketten optimieren könnt, kommen später verstärkt Kampfaufgaben hinzu, die euch zwingen, auch an eine funktionierende Militärproduktion zu denken.
Handel und Diplomatie
Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist das Handelssystem. Auf jeder Insel trefft ihr auf andere Stämme, mit denen ihr Beziehungen aufbauen könnt. Zunächst sind die Handelsmöglichkeiten begrenzt, aber durch das Erfüllen von Aufgaben – meist Lieferung bestimmter Waren – könnt ihr eure Freundschaft vertiefen. Mit steigender Freundschaft schalten sich mehr Handelsoptionen frei, und letztendlich könnt ihr den Stamm sogar in eure eigene Siedlung integrieren.
Das System funktioniert, ist aber etwas steif: Die Handelsmöglichkeiten werden vom jeweiligen Stamm vorgegeben, echte Verhandlungsfreiheit gibt es nicht. Dennoch ist der Handel vor allem für Waren nützlich, die auf eurer eigenen Insel nicht oder nur schwer verfügbar sind.
Kampf: Funktional, aber nicht der Höhepunkt
Während die Wirtschaft das klare Highlight von Pioneers of Pagonia ist, fällt das Kampfsystem etwas ab. Das liegt vor allem an der indirekten Steuerung: Ihr könnt eure Soldaten nicht direkt befehligen, sondern müsst Wachtürme und Garnisonen bauen, denen ihr dann Patrouille- oder Angriffspunkte zuweist.
Das Prinzip ist simpel: Jeder Gegnertyp hat spezifische Kontereinheiten. Banditen werden von Draufgängern besiegt, Schemen von Hexern, Scavs von Klingentänzern und Werwölfe von Draufgängerinnen mit Silberwaffen. In der Kampagne kommen später sogar mythische Kreaturen und Bosskämpfe hinzu, die mit gut ausgerüsteten Armeen bezwungen werden müssen.
Der größte Kritikpunkt: Das Mikromanagement ist mühsam. Wenn ihr auf einen neuen Gegnertyp reagieren müsst, könnt ihr nicht einfach die passenden Einheiten auswählen. Stattdessen müsst ihr erst die „falschen“ Soldaten aus dem Gebäude schicken, die richtigen anfordern, warten bis sie ankommen, und dann erst den Angriffsbefehl erteilen. Das ist umständlich und unterbricht den sonst so entspannten Spielfluss.
Positiv zu erwähnen ist allerdings die Kampfstärke-Mechanik: Einheiten haben nicht klassische Trefferpunkte, sondern eine Kampfstärke, die über Erfolg oder Niederlage entscheidet – mit einer gewissen Glückskomponente. Bessere Ausrüstung (die ihr durch Gold und Schmuck kauft) erhöht diese Kampfstärke deutlich.

Prozedurale Inseln und Sandbox-Freiheit
Abseits der Kampagne bietet Pioneers of Pagonia enormen Wiederspielwert. Im Sandbox-Modus könnt ihr Inseln nach euren Vorstellungen generieren: Größe, Terrain, Schwierigkeitsgrad, Ressourcenverteilung – alles lässt sich anpassen. Ihr könnt sogar Kampf komplett deaktivieren und euch voll auf den wirtschaftlichen Aufbau konzentrieren.
Die prozedural generierten Inseln sorgen dafür, dass keine zwei Spiele gleich ablaufen. Jede Karte bringt ihre eigenen Herausforderungen mit: unterschiedliche Ressourcenvorkommen, verschiedene Stämme mit individuellen Bedürfnissen und wechselnde Geländeformationen.
Zusätzlich gibt es Community-Maps und einen integrierten Editor, mit dem ihr eigene Szenarien erstellen und teilen könnt. Die „Builders of Pagonia“-Community ist bereits aktiv, und es lohnt sich, hier nach kreativen Herausforderungen zu stöbern.
Koop-Modus: Gemeinsam siedeln
Ein echtes Highlight ist der Shared-Coop-Modus für bis zu vier Spieler. Anders als in vielen anderen Strategiespielen teilt ihr euch hier eine Siedlung, könnt gleichzeitig bauen, Ressourcen nutzen und an verschiedenen Ecken der Karte arbeiten. Die komplette Kampagne kann im Koop gespielt werden, was zu unterhaltsamen Situationen führt, wenn verschiedene Spieler gleichzeitig an unterschiedlichen Produktionsketten basteln.
Der Koop-Modus funktioniert reibungslos und ist perfekt für entspannte Siedel-Abende mit Freunden geeignet. Allerdings fehlt ein PvP-Modus, was manche Siedler-Veteranen vermissen dürften. Die Entwickler haben allerdings bereits angedeutet, dass sie auch nach dem Release weiteren Content nachliefern werden.
Grafik und Sound: Charmant, aber ausbaufähig
Visuell setzt Pioneers of Pagonia auf einen freundlichen Comic-Look, der gut zur entspannten Atmosphäre passt. Die einzelnen Gebäude sind detailliert und zeigen kleine Animationen – Schmiede hämmern, Bäcker kneten Teig, und in den Werkstätten wird fleißig gearbeitet. Mit bis zu 3.000 Pagoniern auf der Karte entsteht ein lebendiges Gewusel, dem man stundenlang zusehen kann.
Allerdings ist die Grafik nicht perfekt. Einige Texturen wirken verwaschen, das Meer erinnert manchmal eher an Plastik als an Wasser, und der Comic-Stil könnte für manche Spieler zu simpel wirken. Es ist nicht hässlich, aber auch nicht atemberaubend – funktional und zweckmäßig trifft es wohl am besten.
Der Sound ist angenehm unaufdringlich. Leichte Hintergrundmusik, Vogelgezwitscher und die gedämpften Geräusche eurer Pagonier schaffen eine friedliche Atmosphäre. Es wäre schön gewesen, wenn die Geräusche beim Hineinzoomen lauter würden, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
Zusatzfeatures und Komfortfunktionen
Pioneers of Pagonia bringt zahlreiche Quality-of-Life-Features mit, die den Spielfluss verbessern:
- Wirtschaftsübersichten: Detaillierte Statistiken zu Produktion, Lagerbeständen und Trägern
- Fortschrittsanzeige: Zeigt auf einen Blick, welche wirtschaftlichen Meilensteine ihr erreicht habt
- Dekorationsmöglichkeiten: Eure Siedlung lässt sich mit dekorativen Objekten verschönern
- Tutorialvideos: Ausführliche Videos erklären die komplexen Mechaniken
- Karteneditor: Eigene Karten erstellen und mit der Community teilen
- Flexible Schwierigkeitsgrade: Von entspanntem Sandbox bis zur Hardcore-Herausforderung
Die Entwickler arbeiten bereits an weiteren Updates. Im Januar 2026 soll eine neue Roadmap erscheinen, die weitere Quality-of-Life-Updates und DLCs ankündigt. Es ist also zu erwarten, dass Pioneers of Pagonia auch in Zukunft weiter wachsen wird.
Technische Performance
Positiv hervorzuheben ist die technische Umsetzung. Das Spiel läuft auf einer eigenen Engine und nutzt diese effizient. Selbst bei voll ausgebauten Siedlungen mit tausenden aktiven Einheiten bleibt die Performance stabil. Die Ladezeiten sind kurz, Bugs oder Abstürze waren im Test praktisch nicht vorhanden.
Das Spiel kommt ohne Denuvo, ohne Online-Zwang und ohne nervige Micropayments aus. Nach der Installation geht es direkt los – ein wohltuend altmodischer Ansatz, der zeigt, dass hier der Spielspaß im Vordergrund steht.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Mit 34,99 Euro ist Pioneers of Pagonia fair bepreist. Die 30-stündige Kampagne, der umfangreiche Sandbox-Modus, der Koop für vier Spieler und die Community-Inhalte bieten zusammen hunderte Stunden potenziellen Spielspaß. Zum Launch gibt es zudem 30 Prozent Rabatt, wodurch das Spiel für etwa 24 Euro zu haben ist – ein echtes Schnäppchen für Aufbau-Fans.
Für wen ist Pioneers of Pagonia geeignet?
Das Spiel passt zu euch, wenn ihr:
- Die klassischen Siedler-Spiele geliebt habt
- Spaß an komplexen Wirtschaftssystemen habt
- Gerne stundenlang optimiert und plant
- Entspannte Aufbauspiele bevorzugt
- Gerne im Koop mit Freunden siedelt
- Dem Wuseln kleiner Figuren zusehen könnt
Das Spiel passt nicht zu euch, wenn ihr:
- Actionreiche Kämpfe erwartet
- Schnelle, kompetitive Matches sucht
- PvP-Multiplayer bevorzugt
- Keine Geduld für komplexe Lieferketten habt
- Lieber direkt eure Einheiten steuert
Fazit: Der wahre Siedler-Nachfolger
Pioneers of Pagonia ist das Spiel geworden, das viele Siedler-Fans seit Jahren vermisst haben. Volker Wertich beweist, dass er das Genre besser versteht als jeder andere und liefert ein Aufbauspiel ab, das die Stärken der Klassiker mit modernen Komfortfunktionen verbindet. Die komplexen Produktionsketten, der unvergleichliche Wuselfaktor und die friedliche Atmosphäre schaffen ein süchtig machendes Spielerlebnis, bei dem Stunden nur so verfliegen.
Die Schwächen – vor allem beim Kampfsystem und der Grafik – fallen kaum ins Gewicht, denn das Spiel konzentriert sich auf seine Stärken: den wirtschaftlichen Aufbau und die Optimierung. Die umfangreiche Kampagne, der flexible Sandbox-Modus und der gelungene Koop-Modus runden das Paket ab.
Wer ein modernes Aufbauspiel im Siedler-Stil sucht, kommt an Pioneers of Pagonia nicht vorbei. Es ist nicht nur ein würdiger Nachfolger – in vielen Bereichen übertrifft es die späten Siedler-Teile sogar deutlich. Envision Entertainment hat hier ein Liebhaberstück geschaffen, das zeigt, was passiert, wenn Entwickler ihre Vision ohne Konzernzwänge umsetzen dürfen.
Wertung: 8.5/10
Stärken:
- Komplexe, befriedigende Wirtschaftssysteme
- Bis zu 3.000 Pagonier gleichzeitig auf der Karte
- Umfangreiche 30-Stunden-Kampagne
- Gelungener Koop-Modus für bis zu vier Spieler
- Enormer Wiederspielwert durch prozedurale Karten
- Karteneditor und aktive Community
- Keine Micropayments oder Online-Zwang
- Faire Preisgestaltung
Schwächen:
- Kampfsystem zu umständlich und mikromanagementlastig
- Grafik stellenweise verwaschen
- Kein Straßen-Upgrade-System
- Handel etwas steif
- Kein PvP-Modus (bisher)
Systemanforderungen:
Minimum:
- Betriebssystem: Windows 10 (64-bit)
- Prozessor: Intel Core i5-4590 oder AMD FX-8350
- Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
- Grafik: NVIDIA GTX 970 oder AMD Radeon R9 290
- Speicherplatz: 10 GB verfügbarer Speicherplatz
Empfohlen:
- Betriebssystem: Windows 10/11 (64-bit)
- Prozessor: Intel Core i7-8700K oder AMD Ryzen 5 3600
- Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
- Grafik: NVIDIA RTX 2060 oder AMD Radeon RX 5700
- Speicherplatz: 10 GB verfügbarer Speicherplatz
Plattform: PC (Steam) Release: 11. Dezember 2025 (Version 1.0) Entwickler: Envision Entertainment Publisher: Envision Entertainment Genre: Aufbaustrategie, Wirtschaftssimulation Spieleranzahl: 1-4 (Koop) Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch u.v.m. Preis: 34,99 Euro (Startrabatt: 24,49 Euro)
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Q: Ist Pioneers of Pagonia das neue Siedler? A: Pioneers of Pagonia ist der spirituelle Nachfolger der Siedler-Serie, entwickelt von Siedler-Erfinder Volker Wertich. Es bietet klassisches Siedler-Gameplay mit modernen Features.
Q: Wie lang ist die Pioneers of Pagonia Kampagne? A: Die Kampagne umfasst etwa 30-40 Stunden Spielzeit über sieben Kapitel verteilt.
Q: Kann man Pioneers of Pagonia im Koop spielen? A: Ja, Pioneers of Pagonia bietet einen Shared-Coop-Modus für bis zu 4 Spieler. Die komplette Kampagne kann gemeinsam gespielt werden.
Q: Was kostet Pioneers of Pagonia? A: Der Preis beträgt 34,99 Euro. Zum Launch gibt es 30% Rabatt für etwa 24,49 Euro.
