PlayStation 4 Pro

PlayStation 4 Pro im Test: 4K-Gaming mit Einschränkungen

Die erste Mid-Gen-Konsole: Ein Experiment

Als Sony im September 2016 die PlayStation 4 Pro ankündigte, war das ein Novum in der Konsolengeschichte. Erstmals brachte ein Hersteller mitten im Lebenszyklus eine leistungsstärkere Version seiner aktuellen Konsole auf den Markt. Keine neue Generation, keine komplett neue Plattform, sondern ein optionales Upgrade für Spieler mit 4K-Fernsehern. Zwei Monate nach der PS4 Slim steht nun die Pro in meinem Wohnzimmer und verspricht echtes 4K-Gaming. Kann die 399 Euro teure Konsole dieses Versprechen halten?

Design und Verarbeitung

Die PS4 Pro orientiert sich optisch an der Slim, fällt jedoch deutlich wuchtiger aus. Das dreistöckige Design mit zwei horizontalen Rillen wirkt, als hätte man zwei Konsolen übereinandergestapelt. Mit Abmessungen von 295 × 55 × 327 mm und einem Gewicht von 3,3 Kilogramm ist die Pro die größte und schwerste PlayStation 4. Im Vergleich zur Original-PS4 nimmt sie deutlich mehr Platz im Regal ein. Die matte schwarze Oberfläche entspricht der Slim und vermeidet lästige Fingerabdrücke. Das silberne PlayStation-Logo auf der Oberseite verleiht der Konsole einen Hauch von Eleganz. Die berührungsempfindlichen Tasten wurden durch mechanische Druckknöpfe ersetzt. Anders als bei der Slim verwendet die Pro ein Kaltgerätekabel für die Stromversorgung, was angesichts des höheren Strombedarfs sinnvoll ist. Die Anschlussvielfalt fällt üppiger aus als bei der Slim: Zwei USB-3.1-Anschlüsse an der Front werden durch einen dritten an der Rückseite ergänzt, was besonders für PlayStation-VR-Nutzer praktisch ist. Der optische Digitalausgang ist zurück und ermöglicht den Anschluss hochwertiger Soundsysteme. HDMI 2.0 sorgt für die Übertragung von 4K-HDR-Signalen.

Hardware: Mehr als doppelte Grafikpower

Das Herzstück der Pro ist die deutlich aufgebohrte Grafikeinheit. Die GPU liefert 4,2 TFLOPS Rechenleistung, mehr als das Doppelte der Standard-PS4 mit 1,84 TFLOPS. Die Taktfrequenz stieg von 800 MHz auf 911 MHz, und die Anzahl der Recheneinheiten verdoppelte sich von 18 auf 36. Die CPU behält ihre acht Jaguar-Kerne, taktet aber nun mit 2,1 GHz statt 1,6 GHz. Der Arbeitsspeicher bleibt bei 8 GB GDDR5, wird aber durch zusätzliche 1 GB DDR3-RAM für Hintergrundanwendungen ergänzt. Dadurch steht Spielen mehr des schnellen GDDR5-Speichers zur Verfügung. Die interne Festplatte bietet 1 TB Speicherplatz, was angesichts der Größe moderner Spiele eine willkommene Verbesserung darstellt. WLAN nach 802.11ac-Standard sorgt für schnellere Downloads und stabileres Remote Play. Bluetooth 4.0 und Gigabit-Ethernet vervollständigen die Konnektivität.

YouTube player

4K-Gaming: Die Wahrheit hinter dem Marketing

Sony bewirbt die Pro als 4K-Konsole, doch die Realität ist differenzierter. Echtes natives 4K mit 3840 × 2160 Pixeln erreichen nur wenige Titel. Die meisten Spiele nutzen Techniken wie Checkerboard Rendering, um aus niedrigeren Auflösungen ein 4K-Bild zu erzeugen. Uncharted 4: A Thief’s End beispielsweise rendert intern mit 1440p und skaliert auf 4K hoch. Das Ergebnis ist dennoch beeindruckend. Auf einem 4K-Fernseher sehen Pro-optimierte Spiele spürbar schärfer aus als auf der Standard-PS4. Texturen wirken detaillierter, Kanten erscheinen glatter, und die höhere Auflösung offenbart Details, die auf 1080p verloren gehen. Ratchet & Clank sieht auf der Pro wie ein Pixar-Film aus, The Last of Us Remastered zeigt selbst feinste Lederstrukturen. Für Besitzer von 1080p-Fernsehern bietet die Pro einen Supersampling-Modus: Spiele werden in höherer Auflösung gerendert und auf 1080p heruntergerechnet, was für ein schärferes Bild sorgt. Alternativ können Entwickler die zusätzliche Leistung für stabilere Bildraten nutzen.

HDR: Lebendige Farben und Kontraste

High Dynamic Range ist das zweite große Feature der Pro. HDR erweitert den Kontrastumfang und die Farbpalette drastisch. Helle Bereiche strahlen förmlich, während dunkle Szenen mehr Details zeigen. In Infamous: Second Son sorgen die Neonkräfte für spektakuläre Lichteffekte, und Call of Duty: Infinite Warfare beeindruckt mit realistischer Beleuchtung. Wichtig zu wissen: HDR ist nicht Pro-exklusiv. Auch die Standard-PS4 und die Slim unterstützen HDR per Firmware-Update. Der Vorteil der Pro liegt in der Kombination aus 4K-Auflösung und HDR, die gemeinsam das bestmögliche Bild liefern.

Pro-Support: Ein fragmentiertes Bild

Zum Launch unterstützen über 30 Titel die Pro-Verbesserungen, bis Jahresende sollen es 45 sein. Die Umsetzung variiert stark: Manche Spiele bieten 4K und HDR, andere nur eines von beidem. Rise of the Tomb Raider erreicht bis zu 4K, verzichtet aber auf HDR. Battlefield 1 und Call of Duty: Infinite Warfare nutzen beides. Ein Ärgernis: Es gibt keine einheitliche Kennzeichnung, welche Verbesserungen ein Spiel konkret bietet. Im PlayStation Store fehlen entsprechende Hinweise, und selbst auf den Spieleverpackungen sucht man oft vergeblich nach Details. Spieler müssen selbst recherchieren, was die Pro bei ihren Lieblingstiteln verbessert. Für ältere Spiele ohne Pro-Patch hat Sony den Boost-Modus angekündigt, der mit einem späteren Firmware-Update kommt. Dieser soll auch nicht optimierten Titeln zu stabileren Bildraten verhelfen.

Das fehlende UHD-Blu-ray-Laufwerk

Die größte Enttäuschung der Pro ist das fehlende UHD-Blu-ray-Laufwerk. Ausgerechnet Sony, der Miterfinder des Blu-ray-Formats, verzichtet bei seiner 4K-Konsole auf die Wiedergabe von 4K-Filmen auf Disc. Die günstigere Xbox One S von Microsoft bietet dieses Feature, die Pro nicht. Sony argumentiert mit dem Fokus auf Gaming und der Zukunft des Streamings. Netflix und YouTube liefern 4K-HDR-Inhalte direkt auf die Konsole. Doch für Heimkino-Enthusiasten, die ihre Filmsammlung in bestmöglicher Qualität genießen wollen, ist das ein echter Kritikpunkt. Wer 4K-Blu-rays abspielen möchte, braucht einen separaten Player.

PlayStation VR und die Pro

Die Pro verbessert das PlayStation-VR-Erlebnis spürbar. Die zusätzliche Grafikleistung ermöglicht höhere Auflösungen und stabilere Bildraten in VR-Spielen. Weniger Fliegengittereffekt, schärfere Texturen und weniger Ruckler machen VR auf der Pro deutlich angenehmer. Allerdings gibt es einen Haken: Die VR-Prozessoreinheit unterstützt nur HDMI 1.4 und blockiert dadurch HDR. Wer zwischen VR und HDR-Gaming wechseln möchte, muss HDMI-Kabel umstecken. Ein ärgerliches Versäumnis, das zeigt, dass die verschiedenen Entwicklungsteams bei Sony nicht optimal kommuniziert haben.

Lautstärke und Stromverbrauch

Die Pro verbraucht mit bis zu 310 Watt deutlich mehr Strom als die Slim mit 165 Watt. Die zusätzliche Leistung fordert ihren Tribut. Der Lüfter macht sich bei anspruchsvollen Titeln wie The Last Guardian oder Final Fantasy XV hörbar bemerkbar. Die Pro ist nicht so leise wie die Slim, bleibt aber im akzeptablen Bereich. Die Wärmeentwicklung ist spürbar. Eine gute Belüftung im Aufstellungsort ist Pflicht. Sony empfiehlt, die Konsole horizontal aufzustellen, da sie liegend besser kühlt als stehend.

Für wen lohnt sich die PS4 Pro?

Die Pro richtet sich an zwei Zielgruppen: Besitzer von 4K-HDR-Fernsehern, die das Maximum aus ihren Spielen herausholen wollen, und VR-Enthusiasten, die ein verbessertes PlayStation-VR-Erlebnis suchen. Für diese Spieler sind die 399 Euro gut investiert. Wer einen 1080p-Fernseher besitzt und keinen Wechsel plant, sollte bei der PS4 Slim bleiben. Die Verbesserungen durch Supersampling sind vorhanden, rechtfertigen aber nicht den Aufpreis von 100 Euro. Auch Gelegenheitsspieler, denen grafische Feinheiten weniger wichtig sind, können getrost zur günstigeren Variante greifen. Neueinsteiger ohne bestehende PS4 sollten ihre Fernsehsituation berücksichtigen. Mit einem 4K-Fernseher ist die Pro die zukunftssichere Wahl. Mit einem 1080p-Gerät bietet die Slim das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit

Die PlayStation 4 Pro ist ein gelungenes Experiment mit Einschränkungen. Die deutlich gesteigerte Grafikleistung ermöglicht beeindruckende visuelle Verbesserungen auf 4K-Fernsehern. HDR-Unterstützung, verbesserte VR-Performance und eine üppige Spielebibliothek mit Titeln wie Uncharted 4Bloodborne und The Witcher 3 machen die Pro zu einer attraktiven Option. Das fehlende UHD-Blu-ray-Laufwerk, die fragmentierte Pro-Unterstützung und die HDR-Inkompatibilität mit PlayStation VR trüben jedoch das Bild. Für 399 Euro erhält man keine revolutionär neue Konsole, sondern ein Premium-Upgrade für anspruchsvolle Spieler mit entsprechender Fernseherausstattung. Wer diese mitbringt, wird belohnt. Alle anderen können bedenkenlos bei der Standard-PS4 bleiben.

Wertung

8/10

Pro und Contra

Pro:

  • Mehr als doppelte Grafikleistung für 4K-Gaming
  • HDR-Unterstützung für lebendige Farben
  • Spürbare Verbesserungen bei PlayStation VR
  • 1 TB Festplatte im Lieferumfang
  • Optischer Audioausgang vorhanden
  • Dritter USB-Anschluss an der Rückseite

Contra:

  • Kein UHD-Blu-ray-Laufwerk
  • Nur für 4K-TV-Besitzer wirklich sinnvoll
  • Fragmentierte und uneinheitliche Pro-Unterstützung
  • HDR nicht mit PlayStation VR kompatibel
  • Höherer Stromverbrauch und Lautstärke

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Spielt die PS4 Pro Spiele in echtem 4K?

Nicht alle. Viele Spiele nutzen Techniken wie Checkerboard Rendering, um aus niedrigeren Auflösungen ein 4K-Bild zu erzeugen. Das Ergebnis ist dennoch deutlich schärfer als auf der Standard-PS4.

Was kostet die PlayStation 4 Pro?

Die PS4 Pro kostet 399 Euro und enthält eine 1-TB-Festplatte. Damit liegt sie 100 Euro über der PS4 Slim mit 1 TB.

Kann die PS4 Pro 4K-Blu-rays abspielen?

Nein, die PS4 Pro unterstützt keine UHD-Blu-rays. 4K-Inhalte lassen sich nur über Streaming-Dienste wie Netflix oder YouTube wiedergeben.

Lohnt sich die Pro für 1080p-Fernseher?

Eingeschränkt. Der Supersampling-Modus verbessert die Bildqualität, und manche Spiele bieten stabilere Bildraten. Der volle Nutzen zeigt sich jedoch erst auf 4K-Fernsehern.

Funktionieren alle PS4-Spiele auf der Pro?

Ja, alle PS4-Spiele sind vollständig kompatibel. Nicht alle profitieren jedoch von Pro-Verbesserungen. Nur Titel mit entsprechenden Patches nutzen die zusätzliche Leistung.

Ist die PS4 Pro leiser als die Standard-PS4?

Nein, die Pro verbraucht mehr Strom und erzeugt mehr Wärme, weshalb der Lüfter lauter arbeitet. Die PS4 Slim ist die leiseste Variante.

Verbessert die Pro PlayStation VR?

Ja, die zusätzliche Grafikleistung ermöglicht höhere Auflösungen und stabilere Bildraten in VR-Spielen. Allerdings ist HDR nicht mit der VR-Prozessoreinheit kompatibel.

Wie groß und schwer ist die PS4 Pro?

Die Konsole misst 295 × 55 × 327 mm und wiegt 3,3 Kilogramm. Sie ist damit deutlich größer und schwerer als die PS4 Slim.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Teile ihn doch gerne in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Was können wir verbessern?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.