Ein Neuanfang nach sieben Jahren
Ich erinnere mich noch gut an den November 2006, als ich mir die PlayStation 3 unter den Arm klemmte und voller Erwartungen nach Hause fuhr. Sieben Jahre später stehe ich wieder vor einem solchen Moment: Die PlayStation 4 liegt vor mir, und Sony verspricht nichts weniger als eine Revolution. Nach einer schwierigen PS3-Generation, die mit einem verspäteten Start und einem hohen Preis begann, setzt das japanische Unternehmen bei der neuen Konsole auf einen radikalen Kurswechsel. Weg von der komplexen Cell-Architektur, hin zu entwicklerfreundlicher PC-Hardware. Doch kann die PS4 diese hohen Erwartungen erfüllen?
Design und Verarbeitung
Sony präsentiert mit der PlayStation 4 eine Konsole, die sich optisch deutlich von ihrer Vorgängerin unterscheidet. Das Gehäuse wirkt mit seinen schrägen Linien und der zweifarbigen Oberfläche modern und elegant. Die Kombination aus mattem und glänzendem Kunststoff verleiht der Konsole einen hochwertigen Eindruck, auch wenn Fingerabdrücke auf den Hochglanzflächen unvermeidlich sind. Mit Abmessungen von etwa 275 × 53 × 305 mm fällt die PS4 kompakter aus als die ursprüngliche PS3. Das Gewicht von rund 2,8 Kilogramm ermöglicht eine problemlose Platzierung im Wohnzimmerregal. Die berührungsempfindlichen Tasten für Power und Disc-Auswurf fügen sich nahtlos in das Design ein, erweisen sich im Alltag jedoch als etwas unpraktisch. Eine blaue LED-Leiste an der Oberseite zeigt den Betriebszustand an und taucht den Raum in dezentes Licht.
Hardware der nächsten Generation
Unter der Haube werkelt ein von AMD entwickelter Prozessor, der CPU und GPU auf einem Chip vereint. Die acht Jaguar-Kerne takten mit 1,6 GHz und bieten ausreichend Reserven für kommende Spielegenerationen. Die Grafikeinheit basiert auf AMDs GCN-Architektur und liefert eine Rechenleistung von 1,84 TFLOPS. Im Vergleich zur PlayStation 3 bedeutet das einen gewaltigen Leistungssprung. Der eigentliche Star ist jedoch der Arbeitsspeicher: Satte 8 GB GDDR5-RAM mit einer Bandbreite von 176 GB/s stehen Spielen und System zur Verfügung. Diese Entscheidung überraschte selbst Entwickler, die ursprünglich mit 4 GB gerechnet hatten. Für Spiele steht damit deutlich mehr Speicher zur Verfügung als bei der Konkurrenz, was sich in aufwendigeren Texturen und größeren Spielwelten niederschlagen sollte. Die interne Festplatte fasst 500 GB und lässt sich bei Bedarf durch jede handelsübliche 2,5-Zoll-Festplatte ersetzen. Angesichts der Tatsache, dass jedes Spiel vollständig installiert werden muss, dürfte der Speicherplatz für Vielspieler schnell knapp werden. Das Blu-ray-Laufwerk liest Discs mit sechsfacher Geschwindigkeit, wobei die Installations-Pflicht lange Wartezeiten beim Spielstart verhindert.
DualShock 4: Evolution des Controllers
Mit dem DualShock 4 liefert Sony den bislang besten PlayStation-Controller ab. Die ergonomisch überarbeiteten Griffe liegen besser in der Hand, und die konvexen Analogsticks bieten mehr Präzision als ihre Vorgänger. Die Schultertasten R2 und L2 wurden zu echten Triggern umgestaltet, was besonders bei Rennspielen und Shootern einen spürbaren Unterschied macht. Das zentrale Touchpad eröffnet neue Eingabemöglichkeiten und dient gleichzeitig als große Taste. Ob Entwickler diese Funktion sinnvoll nutzen werden, muss sich erst zeigen. Die Light Bar auf der Rückseite des Controllers leuchtet in verschiedenen Farben und kann von Spielen zur Statusanzeige genutzt werden. In Kombination mit der optional erhältlichen PlayStation Camera ermöglicht sie zudem Bewegungssteuerung. Neu ist auch der integrierte Lautsprecher, der für zusätzliche Audioeffekte sorgt. In Killzone: Shadow Fall erklingen beispielsweise Funksprüche direkt aus dem Controller. Der 3,5-mm-Klinkenanschluss erlaubt den Anschluss beliebiger Kopfhörer, wobei im Lieferumfang ein einfaches Mono-Headset beiliegt. Die Share-Taste verdient besondere Erwähnung: Mit einem Tastendruck lassen sich Screenshots erstellen oder die letzten 15 Minuten Gameplay als Video speichern und in sozialen Netzwerken teilen. Diese Funktion läuft komplett im Hintergrund und belastet die Spielleistung nicht.
Benutzeroberfläche und Systemfunktionen
Sony verabschiedet sich vom XMB der PlayStation 3 und präsentiert eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche. Die Startseite zeigt Spiele und Apps in einer horizontalen Reihe an, wobei das zuletzt genutzte Element ganz links erscheint. Unterhalb jedes Spiels finden sich kontextbezogene Informationen wie Neuigkeiten, Trophäen und Freundesaktivitäten. Die Navigation erfolgt flüssig und reaktionsschnell. Das System wechselt in Sekundenbruchteilen zwischen Menüs, und selbst das Aufrufen des PlayStation Store geht zügig vonstatten. Ein Druck auf die PS-Taste bringt den Spieler jederzeit zurück zum Hauptmenü, wobei das aktuelle Spiel im Hintergrund pausiert. Der Ruhemodus verdient besonderes Lob: Die Konsole verbraucht im Standby nur wenige Watt, lädt dabei aber Controller auf, führt Downloads durch und installiert Updates. Wer morgens zur Arbeit geht und ein Spiel im PlayStation Store kauft, findet es abends fertig installiert vor.
Das Launch-Lineup
Zum Europastart am 29. November 2013 bietet Sony eine solide, wenn auch nicht überragende Spieleauswahl. Killzone: Shadow Fall von Guerrilla Games demonstriert eindrucksvoll die grafischen Möglichkeiten der Hardware. Der Shooter überzeugt mit beeindruckenden Lichteffekten und detaillierten Umgebungen, auch wenn das Gameplay konventionell bleibt. Das charmante Knack richtet sich an ein jüngeres Publikum und zeigt, dass auch familienfreundliche Titel auf der PS4 ihren Platz haben. Der wahre Geheimtipp ist jedoch Resogun: Der Arcade-Shooter von Housemarque ist für PlayStation-Plus-Mitglieder kostenlos erhältlich und begeistert mit spektakulären Partikeleffekten und süchtig machendem Gameplay. Multiplattform-Titel wie Assassin’s Creed IV: Black Flag, Battlefield 4 und Call of Duty: Ghosts profitieren von der zusätzlichen Leistung und laufen in höherer Auflösung als auf der Konkurrenz. FIFA 14 und NBA 2K14 liefern gelungene Sportunterhaltung, während Need for Speed Rivals Rennspiel-Fans abholt.
PlayStation Plus und Online-Funktionen
Für Online-Multiplayer benötigt die PS4 erstmals ein PlayStation-Plus-Abonnement. Was zunächst als Nachteil erscheint, entpuppt sich als faires Angebot: Für etwa 50 Euro im Jahr erhalten Abonnenten monatlich kostenlose Spiele, exklusive Rabatte und Cloud-Speicherplatz für Spielstände. Bereits zum Launch gibt es mit Resogun und Contrast zwei vollwertige Titel gratis. Die sozialen Funktionen wurden deutlich ausgebaut. Die Freundesliste fasst nun bis zu 2000 Einträge, und ein Aktivitätsfeed zeigt, was die eigenen Kontakte gerade spielen. Die Streaming-Funktion ermöglicht Live-Übertragungen auf Twitch und Ustream, während sich andere Spieler zuschauen und bei Bedarf in das Spiel eingreifen können. Remote Play mit der PlayStation Vita funktioniert überraschend gut. Nahezu alle PS4-Spiele lassen sich auf den Handheld streamen, solange sich beide Geräte im selben Netzwerk befinden. Die Verzögerung bleibt in den meisten Fällen kaum spürbar.
Vergleich zur Konkurrenz
Mit einem Preis von 399 Euro unterbietet Sony die Xbox One von Microsoft um satte 100 Euro. Dieser Preisvorteil, kombiniert mit der etwas stärkeren Hardware, verschafft der PS4 einen deutlichen Startvorteil. Während Microsoft mit dem Kinect-Zwang und restriktiven DRM-Plänen für Unmut sorgte, präsentierte sich Sony als spielerfreundliche Alternative. Die technischen Unterschiede zeigen sich bereits bei den Launch-Titeln: Mehrere Multiplattform-Spiele laufen auf der PS4 in höherer Auflösung. Battlefield 4 erreicht beispielsweise 900p statt 720p, Call of Duty: Ghosts sogar volle 1080p. Ob sich dieser Unterschied im Alltag bemerkbar macht, hängt vom jeweiligen Spiel und der Bildschirmgröße ab.
Lautstärke und Stromverbrauch
Im Betrieb bleibt die PlayStation 4 angenehm leise. Der Lüfter macht sich zwar bemerkbar, stört aber selbst bei anspruchsvollen Spielen kaum. Im Vergleich zur teilweise recht lauten PS3 ist das eine deutliche Verbesserung. Der Stromverbrauch liegt bei maximal 250 Watt unter Last und sinkt im Ruhemodus auf wenige Watt. Die Abwärme hält sich in Grenzen, wobei die Konsole bei längeren Spielsitzungen durchaus warm wird. Eine gute Belüftung sollte dennoch gewährleistet sein. Die Kaltgerätebuchse für das Netzkabel ermöglicht den einfachen Austausch, sollte dieses einmal defekt sein.
Fazit
Sony liefert mit der PlayStation 4 eine überzeugende Konsole ab, die in nahezu allen Belangen überzeugt. Die leistungsstarke Hardware, der exzellente DualShock 4 Controller und das durchdachte Benutzerinterface setzen neue Maßstäbe. Der Preis von 399 Euro ist für das Gebotene mehr als fair, und die Zukunft verspricht mit kommenden Exklusivtiteln wie Infamous: Second Son, The Order: 1886 und Uncharted 4 spannende Spielerlebnisse. Kleinere Schwächen wie die begrenzte Abwärtskompatibilität zu PS3-Spielen und das zum Launch noch überschaubare Spieleangebot trüben den positiven Gesamteindruck kaum. Die PlayStation 4 legt einen starken Start hin und dürfte die kommende Konsolengeneration maßgeblich prägen.
Wertung
9/10
Pro und Contra
Pro:
- Leistungsstarke Hardware zum fairen Preis
- Exzellenter DualShock 4 Controller mit innovativen Features
- Schnelle und übersichtliche Benutzeroberfläche
- Praktischer Ruhemodus mit Hintergrund-Downloads
- Gelungene Share-Funktionen für Screenshots und Videos
- Leiser Betrieb
Contra:
- Keine Abwärtskompatibilität zu PS3-Spielen
- 500 GB Festplatte wird schnell knapp
- PlayStation Plus für Online-Multiplayer erforderlich
- Launch-Lineup ohne echten Systemseller
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was kostet die PlayStation 4?
Die PlayStation 4 kostet zum Launch 399 Euro. Im Lieferumfang enthalten sind die Konsole, ein DualShock 4 Controller, ein Mono-Headset, ein HDMI-Kabel und ein USB-Ladekabel.
Kann ich PlayStation 3 Spiele auf der PS4 spielen?
Nein, die PlayStation 4 ist nicht abwärtskompatibel zu PS3-Spielen. Sony plant jedoch einen Streaming-Dienst namens PlayStation Now, der ältere Titel über die Cloud zugänglich machen soll.
Brauche ich PlayStation Plus für Online-Spiele?
Ja, für den Online-Multiplayer ist ein PlayStation-Plus-Abonnement erforderlich. Free-to-Play-Titel wie Warframe bilden eine Ausnahme. Das Abo kostet etwa 50 Euro pro Jahr und bietet zusätzlich monatlich kostenlose Spiele.
Kann ich die Festplatte der PS4 wechseln?
Ja, die interne 2,5-Zoll-Festplatte lässt sich durch jedes kompatible Modell ersetzen. Der Wechsel ist einfach und erfordert nur einen Schraubendreher. Auch der Einbau einer SSD ist möglich.
Wie laut ist die PlayStation 4?
Die PS4 arbeitet im Normalbetrieb angenehm leise. Der Lüfter ist hörbar, aber nicht störend. Unter hoher Last kann die Lautstärke etwas zunehmen, bleibt aber im akzeptablen Bereich.
Funktioniert der DualShock 3 Controller mit der PS4?
Nein, die PlayStation 4 unterstützt nur den DualShock 4 Controller. Der ältere DualShock 3 ist nicht kompatibel.
Welche Anschlüsse hat die PlayStation 4?
Die PS4 verfügt über einen HDMI-Ausgang, einen optischen Digitalausgang, zwei USB-3.0-Anschlüsse, einen AUX-Port für die PlayStation Camera, einen Ethernet-Anschluss sowie WLAN und Bluetooth.
Wie groß und schwer ist die PlayStation 4?
Die Konsole misst etwa 275 × 53 × 305 mm und wiegt rund 2,8 Kilogramm. Sie ist damit kompakter und leichter als die ursprüngliche PlayStation 3.


