Für alle, die in den 2000ern Xbox-Live-Lobbys unsicher gemacht oder nächtelang auf der PlayStation 3 gezockt haben, gibt es Neuigkeiten. GameStop hat offiziell verkündet, dass die PlayStation 3, die Xbox 360 und die Nintendo Wii U ab sofort als Retro-Konsolen gelten. Die Systeme reihen sich damit in eine illustre Runde ein, zu der bereits der Sega Saturn und der Nintendo DS gehören.
Die Kriterien für den Retro-Status
GameStop begründete die Entscheidung mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Die Einstufung sei nach sorgfältiger Analyse verschiedener Faktoren erfolgt, darunter das Vorhandensein von Komponentenkabeln, das Fehlen von Fortnite und die Erkenntnis, dass die Konsolen erschienen, als George W. Bush noch Präsident war. Bei der Wii U stimmt das zwar nicht ganz, denn die kam erst 2012 unter Barack Obama auf den Markt, aber der Punkt ist gemacht.
Die Xbox 360 erschien im November 2005, die PlayStation 3 folgte ein Jahr später. Beide Konsolen sind damit fast 20 Jahre alt. Die Wii U von 2012 ist zwar jünger, wurde aber bereits 2017 eingestellt und hat ihren festen Platz in der Geschichte der gescheiterten Nintendo-Experimente. Für viele Spieler fühlt sich das alles noch gar nicht so lange her an. Die Reaktionen in den sozialen Medien sprachen Bände: Ein Nutzer schrieb, er sei erst 37 und fühle sich plötzlich wie 60.
Was die siebte Generation geprägt hat
Die nun als Retro eingestuften Konsolen haben das moderne Gaming maßgeblich geformt. Die Xbox 360 brachte Online-Multiplayer in den Mainstream und lieferte Klassiker wie Halo 3 und Gears of War. Die PlayStation 3 etablierte Blu-ray als Heimkino-Standard und bot mit Titeln wie The Last of Us und Uncharted einige der besten Einzelspieler-Erlebnisse ihrer Zeit. Die Wii U wiederum scheiterte zwar kommerziell, legte aber den Grundstein für den späteren Erfolg der Nintendo Switch.
Es war eine Ära, in der HD-Grafik zum Standard wurde, Achievements und Trophäen das Spielerlebnis veränderten und digitale Downloads langsam Fuß fassten. Wer heute auf diese Zeit zurückblickt, erinnert sich an Red Dead Redemption, Call of Duty 4: Modern Warfare und die frühen Jahre von Minecraft. Spiele, die bis heute gespielt werden und teilweise Fortsetzungen oder Remaster erhalten haben.
Keine Sorge, ihr seid nicht alt
GameStop beendete seine Mitteilung mit einem Trost für alle Betroffenen: Die Konsolen seien zwar jetzt offiziell Retro, aber immer noch sehr cool. Und wer eine davon zum Launch besessen habe, sei definitiv nicht alt. Ob das die Spieler beruhigt, die sich noch lebhaft an den Kauf ihrer Xbox 360 erinnern, sei dahingestellt.
Mit der Neueinstufung geht auch eine praktische Änderung einher. GameStop akzeptiert in seinen Filialen nun auch defekte Retro-Konsolen zum Eintausch, solange sie noch eingeschaltet werden können. Selbst Geräte mit fehlenden Kabeln oder optischen Mängeln sind willkommen. Wer seine alte Hardware abgeben möchte, erhält bis zum 21. März einen Bonus von zehn Prozent auf den Eintauschwert.
Für Sammler könnte die Klassifizierung allerdings auch eine Chance sein. Mit dem offiziellen Retro-Status steigt erfahrungsgemäß das Interesse an seltenen Editionen und besonderen Versionen. Die Zeit, in der man eine Xbox 360 Elite oder eine PlayStation 3 Fat für wenig Geld bekam, dürfte bald vorbei sein.

