Season Pass: Was bedeutet Season Pass bei Videospielen?

Season Pass: Was bedeutet Season Pass bei Videospielen?

Season Pass, Expansion Pass, Battle Pass – die Gaming-Industrie liebt Pässe. Doch was genau ist ein Season Pass, wie unterscheidet er sich von anderen Modellen, und lohnt sich der Kauf? Wir erklären das Konzept und geben Tipps für die Kaufentscheidung.

Der Season Pass gehört zu den kontroversesten Verkaufsmodellen der Gaming-Branche. Für manche Spieler ist er eine bequeme Möglichkeit, alle Inhalte zu einem reduzierten Preis zu sichern. Für andere ist er ein Blindkauf mit ungewissem Ausgang – ein Vertrauensvorschuss an Entwickler, der nicht immer belohnt wird.

Definition: Was ist ein Season Pass?

Ein Season Pass ist ein Vorab-Kauf für zukünftige DLC-Inhalte eines Spiels. Käufer zahlen einen Festpreis und erhalten dafür alle Erweiterungen einer bestimmten Phase – typischerweise des ersten Jahres nach Release oder einer definierten „Season“. Der Gesamtpreis liegt dabei unter dem, was die einzelnen DLCs separat kosten würden.

Das Konzept basiert auf Vertrauen: Zum Kaufzeitpunkt wissen Spieler oft nicht genau, welche Inhalte sie erhalten werden. Publisher kommunizieren meist nur grobe Umrisse – etwa „vier Story-Erweiterungen“ oder „sechs neue Charaktere“ – ohne Details zu Umfang oder Qualität. Der Season Pass ist damit eine Wette darauf, dass die kommenden Inhalte den Preis wert sein werden.

Die Geschichte des Season Pass

Der Begriff tauchte erstmals Anfang der 2010er Jahre auf, als digitale Distribution DLC zum Standard machte. Rockstar Games gilt als einer der Pioniere: Für L.A. Noire erschien 2011 ein „Rockstar Pass“, der Zugang zu allen kommenden DLCs bot. Die Idee verbreitete sich schnell, da sie sowohl Publishern als auch Spielern Vorteile versprach.

In den folgenden Jahren wurde der Season Pass zum Industriestandard für AAA-Spiele. Franchises wie Call of DutyAssassin’s Creed und Battlefield boten Jahr für Jahr Season Passes an, die Map-Packs, Waffen und Story-Inhalte bündelten. Der Preis pendelte sich bei 20 bis 40 Euro ein – oft fast so viel wie das Hauptspiel selbst.

Mit der Zeit entstanden Variationen. Manche Spiele boten mehrere Season Passes nacheinander an, was die Gesamtkosten in die Höhe trieb. Andere unterschieden zwischen „Season Pass“ für Gameplay-Inhalte und „Expansion Pass“ für größere Erweiterungen. Die Begriffe wurden zunehmend uneinheitlich verwendet, was bis heute für Verwirrung sorgt.

Season Pass vs. Battle Pass

Trotz ähnlicher Namen sind Season Pass und Battle Pass grundverschiedene Konzepte. Der klassische Season Pass ist ein Einmalkauf, der Zugang zu allen DLCs einer Periode gewährt – unabhängig davon, wie viel oder wenig man spielt. Der Battle Pass hingegen stammt aus der Free-to-Play-Welt und belohnt aktives Spielen mit freischaltbaren Inhalten.

Bei einem Battle Pass kaufen Spieler Zugang zu einem Belohnungspfad. Durch Spielen sammeln sie Erfahrungspunkte und schalten Stufe für Stufe kosmetische Items, Währungen oder andere Belohnungen frei. Wer nicht genug spielt, erhält nicht alle Inhalte – der Battle Pass erfordert aktive Zeitinvestition. Nach Ablauf der Season verfallen nicht freigespielte Belohnungen meist.

Die Monetarisierungslogik unterscheidet sich ebenfalls: Season Passes finanzieren die Entwicklung konkreter DLC-Inhalte, während Battle Passes einen kontinuierlichen Einnahmestrom für Live-Service-Spiele generieren. Fortnite, Apex Legends und Call of Duty: Warzone setzen auf Battle Passes, während Einzelspieler-Titel wie The Witcher 3 oder Elden Ring klassische Season Passes nutzen.

Vor- und Nachteile für Spieler

Der offensichtlichste Vorteil des Season Pass ist die Ersparnis. Wer alle DLCs eines Spiels kaufen möchte, zahlt mit dem Pass weniger als beim Einzelkauf. Bei einem Spiel mit vier Erweiterungen à 15 Euro spart ein Season Pass für 40 Euro immerhin 20 Euro. Dazu kommt die Bequemlichkeit: Alle Inhalte werden automatisch freigeschaltet, ohne separate Käufe.

Die Risiken liegen auf der Hand. Zum Kaufzeitpunkt existieren die DLCs oft noch nicht einmal als fertige Konzepte. Spieler vertrauen darauf, dass Publisher ihre Versprechen einhalten – was nicht immer geschieht. Manche Season Passes liefern enttäuschende Inhalte, die einzeln niemand gekauft hätte. Andere werden nie vollständig ausgeliefert, weil Entwickler ihre Pläne ändern oder Studios geschlossen werden.

Hinzu kommt das Commitment-Problem: Wer einen Season Pass kauft, bindet sich an ein Spiel, das möglicherweise nach wenigen Wochen im Regal verstaubt. Die Ersparnis relativiert sich, wenn man die späteren DLCs nie spielt. Und wer das Hauptspiel erst Monate nach Release kauft, findet oft günstigere „Complete Editions“, die alles enthalten.

Erfolgreiche Season Passes

Manche Season Passes gelten als vorbildlich. The Witcher 3: Wild Hunt bot für seinen Expansion Pass zwei umfangreiche Erweiterungen: Hearts of Stone und Blood and Wine. Letztere allein bot über 30 Stunden Spielzeit in einem komplett neuen Gebiet – mehr Inhalt als manches Vollpreisspiel. Der Pass kostete 25 Euro und gilt bis heute als Maßstab für faire DLC-Politik.

Elden Ring: Shadow of the Erdtree erschien 2024 als einzige, dafür massive Erweiterung. FromSoftware verzichtete auf das Season-Pass-Modell und lieferte stattdessen einen einzelnen DLC, der kritisch gefeiert wurde. Das Beispiel zeigt, dass nicht jedes Spiel einen Season Pass braucht – manchmal ist weniger mehr.

Die Borderlands-Reihe hat Season Passes zu einem Markenzeichen gemacht. Jeder Teil bot mehrere Story-Kampagnen, die das Hauptspiel substantiell erweiterten. Spieler wussten, was sie erwartete, und Gearbox lieferte zuverlässig. Das aufgebaute Vertrauen rechtfertigte den Vorabkauf.

Enttäuschende Season Passes

Nicht alle Season Passes halten ihre Versprechen. Evolve verkaufte 2015 einen Season Pass für ein Spiel, das kurz nach Release seine Spielerbasis verlor. Die versprochenen DLCs erschienen, aber kaum jemand spielte sie noch. Der Season Pass wurde zum Symbol für aggressive Monetarisierung eines sterbenden Spiels.

Marvel’s Avengers kämpfte mit ähnlichen Problemen. Der Season Pass versprach neue Helden und Inhalte, doch das Spiel fand nie sein Publikum. Square Enix stellte die Entwicklung 2023 ein, Server wurden abgeschaltet. Käufer des Season Pass blieben auf ungenutzten Inhalten sitzen – ein Totalverlust.

Selbst erfolgreiche Spiele können enttäuschen. Manche Season Passes enthalten primär kosmetische Inhalte statt substanzieller Erweiterungen. Andere strecken dünne Inhalte über mehrere „DLCs“, die einzeln kaum der Rede wert wären. Die Qualität variiert stark, und Vorabkäufer haben keine Möglichkeit, dies vorher zu wissen.

Expansion Pass und Year Pass

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber manchmal unterschiedliche Produkte. Ein Expansion Pass fokussiert sich typischerweise auf größere Story-Erweiterungen, während ein Season Pass auch kleinere Inhalte wie Waffen, Skins oder Maps umfassen kann. Die Grenzen sind jedoch fließend, und jeder Publisher definiert die Begriffe anders.

Year One Pass, Year Two Pass und ähnliche Bezeichnungen zeigen an, dass ein Spiel über mehrere Jahre mit Inhalten versorgt wird. Destiny 2 und Rainbow Six Siege nutzen dieses Modell: Jedes Jahr erscheint ein neuer Pass mit neuen Inhalten. Wer alles haben möchte, muss jährlich erneut kaufen – die Gesamtkosten über mehrere Jahre können erheblich werden.

Ultimate Editions und Gold Editions bündeln oft das Hauptspiel mit dem Season Pass. Diese Pakete erscheinen entweder zum Launch für Aufpreis oder Monate später als vergünstigte „Complete Edition“. Geduldige Spieler fahren mit letzterem meist besser.

Tipps für die Kaufentscheidung

Die wichtigste Frage: Wie sicher bist du, dass du das Spiel langfristig spielen wirst? Ein Season Pass lohnt sich nur, wenn du alle oder die meisten DLCs tatsächlich nutzt. Wer ein Spiel nach der Hauptstory weglegt, verschwendet Geld mit dem Pass.

Recherchiere die Track Record des Publishers. Studios wie CD Projekt RED oder FromSoftware haben sich Vertrauen erarbeitet. Andere haben DLC-Versprechen gebrochen oder qualitativ enttäuscht. Vergangene Season Passes desselben Publishers geben Hinweise auf die zu erwartende Qualität.

Warte wenn möglich ab. Nach Release werden Details zu den ersten DLCs bekannt, Reviews erscheinen, und die Qualität wird einschätzbar. Manche Season Passes werden später im Sale reduziert. Die Ersparnis durch Vorabkauf beträgt selten mehr als 20 Prozent – ein überschaubares Risiko, aber dennoch ein Risiko.

Achte auf den Umfang der Versprechen. „Vier Story-Erweiterungen“ klingt nach viel, aber ohne Angaben zur Länge ist es bedeutungslos. Publisher, die konkrete Details nennen – Spielzeit, neue Gebiete, Features – verdienen mehr Vertrauen als solche, die vage bleiben.

Die Zukunft des Season Pass

Das klassische Season-Pass-Modell steht unter Druck. Live-Service-Spiele bevorzugen Battle Passes mit wiederkehrenden Einnahmen. Early Access-Titel entwickeln sich während der Verkaufsphase weiter, ohne DLC-Struktur. Und immer mehr Spieler warten auf Complete Editions, statt zum Launch den vollen Preis plus Season Pass zu zahlen.

Gleichzeitig bleibt der Season Pass für Einzelspieler-Erfahrungen relevant. Spiele wie Elden Ring oder Baldur’s Gate 3 setzen auf substantielle Erweiterungen, die das Hauptspiel sinnvoll ergänzen. Solange Publisher faire Preise verlangen und Versprechen einhalten, wird das Modell seine Berechtigung behalten.

Für Spieler bedeutet das: Der Season Pass ist weder grundsätzlich gut noch schlecht. Er ist ein Werkzeug, das manche Publisher fair einsetzen und andere missbrauchen. Die Verantwortung liegt beim Käufer, informierte Entscheidungen zu treffen – und im Zweifel abzuwarten, bis klar ist, was der Pass tatsächlich liefert.

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