Manchmal reicht ein einziger Satz, um mich für ein Spiel zu interessieren: Du spielst einen Revolverhelden im Fegefeuer, der im Auftrag des Todes eine Unterwelt-Mafia zerschlägt. Das hat mich sofort. Soulslinger: Envoy of Death startete im Dezember 2023 in den Early Access und erschien im April 2025 als vollständige PC-Version. Jetzt, fast ein Jahr später, landet das Roguelite-FPS von Elder Games und Headup Games auf PS5 und Xbox Series – und damit auch auf meiner Couch. Die Frage ist: Hat das Spiel den langen Weg auf die Konsole verdient?
Sherif im Fegefeuer
Die Ausgangslage ist so schräg wie erfrischend. Unser Protagonist – namenlos, aber stimmlich überzeugend von D.C. Douglas gesprochen – stirbt bei einem Autounfall. Statt sauber ins Jenseits weiterzuziehen, wird er vom Tod persönlich als Vollstrecker rekrutiert. Das Fegefeuer, genannt Limbo, sieht aus wie der Wilde Westen – weil die Erinnerungen der mächtigsten Seele dort die Umgebung formen. Das erklärt die staubigen Geisterstädte, die knarzenden Saloons und die Sanddünen, und es ist eine clevere Begründung für ein Setting, das auf dem Papier eigentlich nicht zusammenpassen sollte.
Die Antagonisten sind das Kartell, eine skrupellose Unterweltorganisation, die Seelen erntet, um sich aus den Fesseln des Jenseits zu befreien. Klingt nach Pulp Fiction meets Dante, und das ist durchaus gemeint als Kompliment. Die Geschichte wird sparsam, aber mit echtem Gespür für Timing dosiert – kurze Dialoge zwischen den Runs, gut gespielte Charaktere, ein paar Wendungen, die sich nicht dumm anfühlen. Das ist für ein Roguelite schon bemerkenswert. Wer zwischen den Arenen in Haven, dem Zwischen-Hub, mit den NPCs redet, bekommt ein farbiges Bild dieser merkwürdigen Zwischenwelt – und die Gespräche mit dem Tod selbst sind regelmäßig das Highlight.
Roguelite trifft Arena-Shooter
Im Kern ist Soulslinger ein Arena-FPS: Raum betreten, Wellen von Gegnern bekämpfen, Belohnung einsammeln, nächsten Raum betreten. Das ist zunächst verdammt befriedigend. Die Waffen fühlen sich wuchtig an, der Rhythmus stimmt, und das System mit dem perfekten Nachladen – wer im richtigen Moment drückt, lädt schneller nach – gibt dem Kampf eine Präzisionsnote, die ich nicht erwartet hatte. Kleine Details wie diese zeigen, dass Elder Games weiß, wie man einen guten Shooter baut.
Zwischen den Arenen wählt man aus Belohnungen: Upgrades, neue Fähigkeiten, Waffen, passive Boni. Das alles ist in Elemente unterteilt – Feuer, Blitz, Gift, Blut, Spektralenergie – und das Basteln an einem laufspezifischen Build hat echten Charme. Wer das Spiel beherrscht, kann sich zu einem übernatürlichen Wirbelwind hochrüsten, der explosive Projektile abfeuert, während Geisterkopien durch den Raum toben. Diese Momente existieren, und sie sind großartig.
Das Problem ist die Brücke dahin. Die Kurve vom ersten Run bis zu diesem Machtgefühl ist steinig, uneben und an manchen Stellen schlicht unfair. Die frühen Gegner sterben mit einem Schuss, Bosse schlucken Magazine wie Bonbons. Diese Diskrepanz ist keine Designentscheidung, die sich nach einem Plan anfühlt – sie fühlt sich an wie unfertige Kalibrierung. Die Bosskämpfe speziell sind weniger taktische Herausforderungen als Zahlenchecks: Hast du genug dauerhaftes Upgrade freigeschaltet? Nein? Dann stirbst du wieder, nicht weil du einen Fehler gemacht hast, sondern weil der Damage schlicht nicht reicht.

Stil über Substanz – aber was für ein Stil
Optisch ist Soulslinger ein echtes Ausrufezeichen. Die Mischung aus Wild-West-Staub, übernatürlichem Leuchten und düsteren Geisterwelten trägt eine eigene Identität, die man sofort wiedererkennen würde. Die Hub-Welt Haven ist atmosphärisch dicht, die Cutscenes sind gut produziert, und die Soundgestaltung macht Laune – westlich angehauchte Tracks, die zwischen den ruhigen Momenten in Haven und dem Chaos der Arenen nahtlos wechseln. Das ist kein Zufall, das ist Handwerk.
Die Performance auf PS5 ist größtenteils solide. Elder Games hat kurz vor der Konsolenversion noch Update 1.031 veröffentlicht, das Shader-Kompilierung und Rendering-Optimierungen beinhaltet – und man merkt es. Trotzdem: In intensiveren Arealen mit vielen Gegnern und Effekten bricht die Framerate noch gelegentlich ein. Nicht oft genug, um das Spiel unspielbar zu machen, aber oft genug, um zu erinnern, dass hier ein Indie-Team mit begrenzten Ressourcen am Werk ist.
Was die Level-Layouts betrifft: Wer viel spielt, wird feststellen, dass die Arenen sich wiederholen. Das ist beim Roguelite-Genre eine bekannte Schwäche, aber Soulslinger hat hier weniger Abwechslung als die Konkurrenz. Nach einigen Stunden kennt man die zehn oder fünfzehn Raumtypen auswendig, und das nimmt dem eigentlich überzeugenden Western-Setting ein Stück weit die Wirkung.
Ein Konzept, das mehr verdient hätte
Das Frustrierende an Soulslinger: Envoy of Death ist nicht, dass es ein schlechtes Spiel ist. Es ist ein Spiel, das an entscheidenden Stellen nicht fertig gedacht wirkt. Die Grundidee ist stark, die Atmosphäre ist stärker, und die besten Momente – ein perfekt gebauter Build, ein enger Kampf gegen eine Gegnerwelle, ein trockener Witz zwischen Held und Tod – zeigen, was möglich gewesen wäre. Aber das Balancing bremst, die Level-Vielfalt zieht nicht mit, und der Funke, der aus einem soliden Roguelite ein großartiges macht, bleibt am Ende aus.
Wer mit dem Genre vertraut ist und ein ungewöhnlich gut aussehendes, stimmungsvoll erzähltes Indie-FPS sucht, wird trotzdem auf seine Kosten kommen – vor allem für den aktuellen Preis. Wer von Gunfire Reborn oder Roboquest verwöhnt ist, wird sich dagegen fragen, warum das alles etwas holpriger anfühlt als es sollte.
Fazit
Soulslinger: Envoy of Death hat eine der interessantesten Prämissen im Roguelite-FPS-Genre: Revolverheld, Fegefeuer, Unterwelt-Mafia, charmante Charaktere. Dass das Spiel auf PS5 knapp zehn Monate nach dem PC-Release erscheint, hätte Zeit für eine runde Konsolen-Fassung sein können. Sie ist es – teilweise. Die Atmosphäre sitzt, die Grundmechaniken funktionieren, und wer sich in einen Build einarbeitet, wird echte Befriedigungsmomente erleben. Aber fehlendes Balancing, wiederholende Arenen und gelegentliche Performance-Ausreißer halten das Spiel davon ab, das zu sein, was es sein könnte. Ein Fall für Fans des Genres, kein Fall für Jedermann.
Wertung: 6/10
Getestet auf: PS5
Auch erhältlich für: Xbox Series X|S, PC (Steam)
Entwickler: Elder Games
Publisher: Headup Games
Preis: ca. 19,99 €






