Kampagne – Überraschend unterhaltsam
Die Story-Kampagne von Splatoon-Spielen galt nie als Hauptattraktion. Sie war Tutorial, Bonus-Content für Offline-Momente, Mittel zum Zweck. Splatoon 3 bricht mit dieser Tradition nicht komplett, bietet aber die bislang beste Einzelspieler-Erfahrung der Reihe.
Als „Agent 3“ kämpfen wir gegen eine mysteriöse Bedrohung namens „Flausch“ – mehr sei zur Story nicht verraten, um Neulingen die Überraschungen nicht zu nehmen. Die Handlung bleibt Nebensache, aber die Level-Gestaltung überzeugt durch Abwechslung.
Level-Vielfalt:
- Klassische Platforming-Stages
- Sniper-fokussierte Herausforderungen
- Geschicklichkeitsparcours
- Reaktionstest-Level
- Boss-Kämpfe (mehr dazu später)
Jedes Level kann mit drei verschiedenen Waffen absolviert werden, was Wiederspielwert schafft. Die Waffen verändern die Herangehensweise fundamental: Mit Roller spielt sich ein Level völlig anders als mit Charger oder Dual Blaster.
Salmini – Der neue Begleiter: Der kleine Fisch-Freund namens Salmini begleitet uns durch die Kampagne und schaltet nach und nach neue Fähigkeiten frei. Ein rudimentärer Skill-Tree erlaubt Upgrades – Sprungkraft, Tintentank-Größe, Schadenswiderstand. Diese Verbesserungen sind nice-to-have, aber nicht notwendig. Die Kampagne ist auch ohne Upgrades gut machbar.
Sammelbare Gegenstände verstreut in der Spielwelt finanzieren diese Upgrades. Wer gründlich erkundet, findet genug Ressourcen. Wer durchrusht, verpasst nichts Essentielles.

Schwierigkeitsgrad – Zu einfach für Veteranen
Hier zeigt sich die größte Schwäche der Kampagne: Der Schwierigkeitsgrad. Für Einsteiger mag er passend sein, für Serien-Veteranen ist er enttäuschend niedrig. Man fliegt förmlich durch die Level, kaum eine Herausforderung bietet echten Widerstand.
Boss-Kämpfe – Die große Enttäuschung: Die Boss-Encounters sind erschreckend einfach. Wo Splatoon 2 noch forderte und mehrfache Versuche erforderte, besiegt man die Bosse hier oft im ersten Anlauf. Selbst das Finale ist überraschend harmlos. Muster sind offensichtlich, Schwachstellen leicht zu treffen, und die Mechaniken verlangen wenig Präzision.
Das ist schade, denn die Boss-Designs sind kreativ und visuell beeindruckend. Die Kämpfe hätten Höhepunkte sein können, verkommen aber zu Pflichtübungen ohne Biss.
Multiplayer – Das Herzstück mit Schwächen
Der Online-Multiplayer ist und bleibt der Hauptgrund, Splatoon zu spielen. Hier entfaltet das Spiel seine Stärken – aber auch seine gravierendsten Probleme.
Spielmodi:
- Revierkampf (Turf War): Der Klassiker – Team mit mehr gefärbter Fläche gewinnt
- Ranked Battles: Kompetitive Modi mit Ranglistensystem
- Salmon Run: Koop-Horde-Mode gegen KI-Gegner
- League Battles: Für organisierte Teams
Die Mechaniken sind verfeinert, aber im Kern unverändert. Wer Splatoon 2 spielte, findet sich sofort zurecht. Neue Waffen und Spezialattacken erweitern das Arsenal, ohne das Balance-Fundament zu zerstören.
Gyro vs. Stick-Steuerung: Beide Optionen funktionieren gut. Gyro-Steuerung bietet Präzisionsvorteile, erfordert aber Eingewöhnung. Traditionelle Stick-Steuerung ist zugänglicher, aber im kompetitiven Bereich benachteiligt. Nintendo lässt Spielern die Wahl – löblich.

Verbindungsprobleme – Der Elefant im Raum
„Ein Fehler ist bei der Datenübertragung aufgetreten.“ Diese Meldung kennt jeder Nintendo-Online-Spieler, und sie verfolgt Splatoon 3 seit Launch gnadenlos.
Die Server sind instabil. Matches brechen ab. Verbindungen reißen. Fehler-Codes häufen sich. Das ist 2022 inakzeptabel für einen Vollpreis-Multiplayer-Titel eines First-Party-Studios.
Die Probleme:
- Häufige Disconnects mitten im Match
- Lange Wartezeiten beim Matchmaking
- „Unable to connect“-Fehler
- Komplette Lobby-Crashes
Nintendo hat diese Probleme weder bei Splatoon 1 noch bei Splatoon 2 oder Mario Kart 8 Deluxe gelöst. Dass sie bei einem Launch 2022 immer noch auftreten, ist frustrierend. Die Community reagiert mit Geduld – man startet die Konsole neu, versucht es erneut – aber das sollte nicht nötig sein.
Wenn es funktioniert, macht Splatoon 3 enormen Spaß. Das Färben von Territorium, das taktische Teamplay, die Spannung knapper Matches – alles stimmt. Aber die technische Basis wackelt bedenklich.
Revierdecks – Das neue Kartenspiel
Splatoon 3 integriert ein vollwertiges Kartenspiel namens „Revierdecks“ (Tableturf Battle). Konzeptionell interessant, praktisch eine Nische.
Wie es funktioniert: Zwei Spieler legen abwechselnd Karten auf ein Spielfeld, um Territorium zu beanspruchen. Wer mehr Fläche färbt, gewinnt. Karten haben unterschiedliche Formen und blockieren gegnerische Züge strategisch.
Mit vorgefertigten Starter-Decks ist es simpel. Mit selbst zusammengestellten Decks wird es taktisch anspruchsvoll. Höhere Schwierigkeitsstufen fordern echtes strategisches Denken.
Das Problem: Es fühlt sich wie Bonus-Content an, nicht wie gleichwertige Spielsäule. Wer Splatoon für Shooter-Action kauft, wird Revierdecks wahrscheinlich ignorieren. Für Sammelkarten-Fans ist es ein nettes Extra.

Anpassungsoptionen – Spind und Katalog
Zwischen Matches können Spieler ihren „Spind“ (Locker) dekorieren – einen personalisierbaren Schrank in der Lobby. Mit Aufklebern, Bildern und Items lässt sich dieser nach Belieben gestalten.
Progression:
- Aufkleber durch Story-Missionen freischalten
- Katalog-Items durch Multiplayer-Level-Ups
- Spind erweitert sich ab Spieler-Stufe 15
Das ist nette Kosmetik für Spieler, die sich gerne ausdrücken. Gameplay-relevant ist es nicht. Wer sich nicht für Customization interessiert, verpasst nichts Wichtiges.
Die Lobby selbst ist funktional gut gestaltet. Training-Areale überbrücken Wartezeiten, der Kiosk verkauft Boosts, und Freunde können Räume erstellen. Wichtig: Freunde, die sich einfach der Queue anschließen, können im gegnerischen Team landen – wer zusammen spielen will, muss explizit einen privaten Raum öffnen.
Amiibo-Support – Alte Figuren, neue Funktion
Splatoon 3 unterstützt Amiibo, sowohl alte als auch neue Figuren. Wer bereits Splatoon 2-Amiibo besitzt, kann diese einlesen und erhält sofort Zugang zu entsprechenden Ausrüstungssets.
Das klingt nach Pay-to-Win, ist aber vernachlässigbar. Nach etwa zehn Stunden Spielzeit sind die meisten Items ohnehin freigeschaltet. Der Vorteil ist minimal und temporär.
Neue Splatoon 3-Amiibo wurden für Ende 2022 angekündigt. Sammler freuen sich, für Gameplay-Zwecke sind sie unnötig.
SplatNet 3 – Die notwendige App
Die Nintendo Switch Online-App bietet mit SplatNet 3 wichtige Zusatzfunktionen:
- Statistiken und Match-Historie
- Ausrüstung bestellen (Abholung bei Sid in der Lobby)
- Sprach-Chat (kaum genutzt, Discord dominiert)
- Rotation-Übersicht für Modi und Maps
SplatNet 3 ist keine Pflicht, aber praktisch. Wer seine Stats tracken oder unterwegs Ausrüstung shoppen will, sollte die App nutzen. Der Sprach-Chat ist 2022 obsolet – die meisten Spieler verwenden Discord.
Splatfest-Änderungen – Drei Teams statt zwei
Splatfests – zeitlich begrenzte Community-Events mit speziellen Themen – wurden überarbeitet. Statt zwei kämpfen nun manchmal drei Teams gegeneinander.
Das Problem: Diese Dreier-Kämpfe sind selten. Sehr selten. Im Pre-Release-Splatfest erlebte man in sechs Stunden vielleicht drei solcher Matches. Patch 1.1.1 reduzierte die Häufigkeit sogar noch weiter.
Warum diese Neuerung einführen, wenn sie kaum auftritt? Die meisten Matches bleiben klassische 4v4-Duelle. Die beworbene Innovation verpufft zur Randnotiz.
Für wen lohnt sich Splatoon 3?
Klare Kaufempfehlung für:
- Splatoon 2-Fans (mehr vom Gleichen, verfeinert)
- Nintendo-Exklusiv-Spieler ohne Alternative
- Multiplayer-Enthusiasten mit Geduld für Server-Probleme
- Familien (jugendfreier Shooter)
Bedingt empfehlenswert für:
- Komplett-Neulinge (Einstieg ist machbar, aber steil)
- Spieler mit unstabiler Internetverbindung (Frust garantiert)
- Single-Player-Fokus (Kampagne zu kurz)
Nicht empfehlenswert für:
- Wer Splatoon 2 noch aktiv spielt (wenig Neues)
- Erwartung an stabile Online-Infrastruktur (aktuell nicht gegeben)
Eckdaten zum Spiel
Titel: Splatoon 3
Plattform: Nintendo Switch (exklusiv)
Entwickler: Nintendo EPD
Publisher: Nintendo
Release: September 2022
Genre: Third-Person-Shooter, Multiplayer
Spieler: 1 (Kampagne), 2-8 (Multiplayer)
Online: Nintendo Switch Online erforderlich
Preis: 60 Euro (Launch-Angebote teils 42,99 Euro)
Gamefinity-Wertung: 8,0/10
Fazit: Splatoon in Bestform – mit Sternchen
Splatoon 3 ist das beste Splatoon bisher. Die Kampagne bietet mehr Abwechslung als je zuvor, der Multiplayer verfeinert bewährte Mechaniken, und die Präsentation ist typisch Nintendo-poliert. Für Switch-Besitzer ohne Splatoon 2 ist es ein Pflichtkauf, für Genre-Fans ein AAA-Titel, der sein Geld wert ist.
Aber: Die Verbindungsprobleme sind katastrophal. Nintendo hat aus früheren Launches nichts gelernt. Dass ein First-Party-Multiplayer-Titel 2022 mit derartigen Server-Instabilitäten kämpft, ist inakzeptabel. Die Community zeigt Geduld, aber diese Probleme hätten vermieden werden müssen.
Stärken:
✓ Beste Splatoon-Kampagne bisher
✓ Verfeinertes Multiplayer-Gameplay
✓ Hoher Wiederspielwert durch Modi-Vielfalt
✓ Zugänglich für Einsteiger, tiefgründig für Profis
✓ Kreatives Level-Design mit Abwechslung
✓ Revierdecks als nette Zusatzoption
Schwächen:
✗ Massive Verbindungsprobleme zum Launch
✗ Zu einfache Kampagne und Boss-Kämpfe
✗ Wenig Innovation gegenüber Splatoon 2
✗ Splatfest-Dreier-Kämpfe quasi nicht existent
✗ Nintendo Switch Online weiterhin unterdurchschnittlich
✗ Amiibo-Support wirkt wie Monetarisierung (wenn auch harmlos)
Abschließende Empfehlung: Trotz frustrierender technischer Probleme macht Splatoon 3 so viel Spaß, dass man sich nur kurz ärgert, die Konsole neu startet und sich sofort wieder anmeldet. Das Gameplay ist süchtig machend, die Progression motivierend, und die Community lebendig.
Für Switch-Besitzer ist es ein Must-Have – sofern Nintendo die Server stabilisiert. Wer Splatoon 2 noch aktiv spielt, kann warten, bis die Probleme behoben sind und vielleicht ein Preisnachlass lockt. Wer neu einsteigt, bekommt jetzt den besten Zeitpunkt: Die Spielerbasis ist riesig, Content kommt regelmäßig, und trotz Server-Hick-Ups überwiegt der Spaßfaktor.
Splatoon 3 ist kein Revolution, sondern polierte Evolution. Für Fans der Serie ist das mehr als genug. Nintendo liefert, was erwartet wurde – nur die technische Basis hätte besser sein müssen. Hoffen wir auf schnelle Patches und stabilere Infrastruktur. Das Spiel verdient es.




