Stellt euch folgende Situation vor: Du zockst auf der PlayStation 5, dein bester Freund spielt auf dem PC, und eure gemeinsame Freundin besitzt eine Xbox Series X. Früher bedeutete das: Jeder spielt für sich, gemeinsames Online-Gaming war unmöglich. Die Plattform-Grenzen waren unüberwindbar. Doch diese Zeiten sind vorbei. Crossplay – auch als plattformübergreifendes Spielen oder Cross-Platform Play bezeichnet – hat die Gaming-Landschaft revolutioniert und ermöglicht es Spielern unterschiedlicher Plattformen, gemeinsam in denselben virtuellen Welten zu spielen. In diesem umfassenden Guide erklären wir, was Crossplay genau ist, wie es funktioniert, welche Vorteile und Herausforderungen es mit sich bringt, und welche Spiele diese mittlerweile essenzielle Funktion unterstützen.
Was bedeutet Crossplay? Die Definition
Crossplay (englisch für „Cross-Platform Play“ oder „plattformübergreifendes Spielen“) beschreibt die technische Möglichkeit, ein Mehrspieler-Computerspiel mit oder gegen andere Spieler zu spielen, die das gleiche Spiel auf einer völlig anderen Plattform nutzen. Ein Spieler auf der PlayStation kann sich mit Freunden auf der Xbox und dem PC zusammenschließen, um gemeinsam Missionen zu bestreiten oder gegeneinander anzutreten – und das alles auf denselben Spielservern in denselben Matches.
Die Kompatibilität ist dabei nicht zwangsläufig zwischen allen verfügbaren Plattformen eines Spiels gegeben. Manche Titel bieten vollständiges Crossplay über alle Systeme hinweg, während andere nur ausgewählte Plattform-Kombinationen unterstützen. So kann ein Spiel beispielsweise Crossplay zwischen PC, PlayStation und Xbox anbieten, die Nintendo Switch aber außen vor lassen – oder umgekehrt.
Wichtige Unterscheidung: Crossplay bezieht sich ausschließlich auf die Möglichkeit, gemeinsam zu spielen. Es bedeutet nicht automatisch, dass Spielstände, Fortschritte oder gekaufte Inhalte zwischen Plattformen übertragen werden können. Dafür gibt es separate Features wie Cross-Save und Cross-Progression, auf die wir später noch detailliert eingehen werden.
Welche Plattformen können über Crossplay verbunden werden?
Theoretisch können über Crossplay alle gängigen Gaming-Plattformen miteinander verbunden werden:
Konsolen:
- PlayStation 4 und PlayStation 5
- Xbox One und Xbox Series X/S
- Nintendo Switch (und Switch 2)
Computer:
- Microsoft Windows (PC)
- macOS
- Linux (seltener)
Mobile:
- Android-Smartphones und -Tablets
- iOS (iPhone und iPad)
Cloud-Gaming:
- Xbox Cloud Gaming
- GeForce Now
- PlayStation Plus Cloud Gaming
In der Praxis hängt es jedoch vom jeweiligen Spiel und den Vereinbarungen zwischen den Plattform-Betreibern ab, welche Kombinationen tatsächlich möglich sind. Vollständiges Crossplay über alle genannten Plattformen hinweg ist nach wie vor die Ausnahme, wird aber immer häufiger – besonders bei großen Multiplayer-Titeln.
Wie funktioniert Crossplay technisch?
Die technische Umsetzung von Crossplay ist komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Mehrere Komponenten müssen nahtlos zusammenarbeiten:
Einheitliche Server-Infrastruktur
Das Herzstück von Crossplay sind plattformübergreifende Game-Server. Anstatt separate Server für jede Plattform zu betreiben (PlayStation-Server, Xbox-Server, PC-Server), nutzen Crossplay-fähige Spiele eine zentrale Server-Infrastruktur, die Spieler aller Plattformen gleichzeitig bedient. Diese Server sind so konzipiert, dass sie die unterschiedlichen Eingaben, Verbindungstypen und technischen Spezifikationen aller Plattformen verarbeiten können.
Plattformübergreifende Accounts
Fast alle Crossplay-Spiele erfordern ein zentrales Spieler-Konto, das unabhängig von der genutzten Plattform funktioniert. Spieler erstellen beispielsweise ein Epic Games Account (für Fortnite), ein Activision Account (für Call of Duty) oder ein Ubisoft Connect Account. Mit diesem Account melden sie sich auf jeder beliebigen Plattform an, und das Spiel erkennt ihre Identität plattformübergreifend.
Dieses System ermöglicht es den Servern, Freundeslisten zu verwalten, Spieler unterschiedlicher Plattformen zusammenzubringen und Statistiken zentral zu speichern.
Matchmaking-Systeme
Moderne Matchmaking-Algorithmen berücksichtigen bei Crossplay-Spielen mehrere Faktoren:
Input-Based Matchmaking: Viele Spiele unterscheiden zwischen Controller-Spielern und Maus-Tastatur-Spielern, da letztere in bestimmten Genres (besonders Shooter) einen signifikanten Präzisionsvorteil haben. Das System versucht, faire Matches zu erstellen, indem es primär Spieler mit ähnlichen Eingabemethoden zusammenbringt.
Performance-Based Pools: Manche Titel trennen zwischen aktuellen und älteren Konsolengenerationen. So spielen PlayStation 4 und Xbox One Spieler oft nur untereinander, während PS5, Xbox Series und PC-Spieler gemeinsame Lobbys nutzen. Der Grund: Unterschiede in Bildrate (30 vs. 60 FPS), Auflösung und Ladezeiten können kompetitive Nachteile bedeuten.
Optionales Crossplay: Viele Spiele geben Spielern die Wahl, ob sie Crossplay aktivieren möchten oder lieber nur innerhalb ihrer eigenen Plattform spielen wollen. Dies ist besonders bei kompetitiven Spielen verbreitet, wo manche Konsolenspieler nicht gegen PC-Spieler antreten möchten.
Cloud-basierte Speicherung
Plattformübergreifende Spiele benötigen eine konstante Online-Verbindung, weil Spielstände, Profile und Fortschritte in der Cloud des Spieleentwicklers gespeichert werden. Nur so können die Daten zwischen den Plattformen synchronisiert werden. Spieler können auf einem System spielen, sich abmelden, auf einer anderen Plattform anmelden und genau dort weitermachen, wo sie aufgehört haben – vorausgesetzt, das Spiel unterstützt auch Cross-Progression (dazu später mehr).
Die Geschichte von Crossplay: Von der Ausnahme zum Standard
Crossplay ist keine neue Erfindung, wurde aber erst in den letzten Jahren zum Mainstream-Feature. Die Entwicklung lässt sich in mehrere Phasen einteilen:
Die frühen Jahre (2000er Jahre)
Die ersten Ansätze plattformübergreifenden Spielens gab es bereits in den frühen 2000er Jahren, allerdings zwischen PC und Konsolen der gleichen Hersteller-Familie. Microsoft experimentierte mit Cross-Platform Play zwischen Xbox und Windows-PCs für Titel wie „Shadowrun“ (2007), doch das Experiment scheiterte weitgehend an Balance-Problemen – PC-Spieler mit Maus und Tastatur dominierten Controller-Spieler derart, dass die Matches unfair wurden.
Die Sony-Blockade (2010er Jahre)
Während Microsoft relativ offen für Crossplay war, stellte Sony das größte Hindernis dar. Der PlayStation-Hersteller weigerte sich jahrelang, Crossplay mit Xbox-Konsolen zu erlauben, offiziell aus „Sicherheitsgründen“, faktisch aber aus geschäftlichen Überlegungen. Sony führte den Konsolenmarkt an und hatte wenig Interesse daran, Spielern Gründe zu geben, konkurrierende Plattformen zu kaufen.
Der Free-to-Play-Titel „War Thunder“ war eines der ersten Spiele, das 2015 Crossplay zwischen PlayStation 4 und PC ermöglichte – allerdings wurde dem Entwickler eine Verbindung zwischen PlayStation und Xbox explizit untersagt.
Auch „Minecraft“ bot in seiner Bedrock Edition Crossplay zwischen Nintendo Switch, Xbox, PC und Mobile an – aber PlayStation-Spieler mussten unter sich bleiben.
Der Fortnite-Wendepunkt (2018)
Den Durchbruch brachte „Fortnite“. Als das Battle-Royale-Phänomen 2017/2018 die Gaming-Welt eroberte, wuchs der Druck auf Sony massiv. Millionen von Spielern wollten mit ihren Freunden spielen, unabhängig von der Plattform. Die Community war lautstark, die Presse kritisch, und Sony stand zunehmend als Bremser da.
Ende 2018 gab Sony nach und ermöglichte Fortnite erstmals vollständiges Crossplay über alle Plattformen hinweg – zunächst als „Beta-Phase“. Der Erfolg war überwältigend, und am 5. Oktober 2019 beendete Sony die Beta-Phase und öffnete Crossplay offiziell für Entwickler.
Die moderne Ära (2019 bis heute)
Nach dem Fortnite-Präzedenzfall folgten schnell weitere große Titel: „Rocket League“, „Apex Legends“, „Call of Duty: Warzone“, „Destiny 2“, „Fall Guys“ und dutzende mehr implementierten vollständiges Crossplay.
Was einst die Ausnahme war, wird zunehmend zum Industrie-Standard. Spieler erwarten mittlerweile Crossplay, besonders bei Multiplayer-fokussierten Titeln. Entwickler wissen, dass Crossplay ein Verkaufsargument ist und die Langlebigkeit ihrer Spiele erhöht.
2025 hat sich die Landschaft komplett gewandelt: Die meisten großen Multiplayer-Releases bieten Crossplay, und selbst kleinere Indie-Multiplayer-Titel versuchen zunehmend, das Feature zu integrieren.
Die Vorteile von Crossplay
Crossplay bringt zahlreiche Vorteile für alle Beteiligten – Spieler, Entwickler und die Gaming-Community als Ganzes.
Größere Spielerbasis und schnelleres Matchmaking
Durch die Zusammenlegung aller Plattformen wächst die verfügbare Spielerzahl dramatisch. Statt getrennter PC-, PlayStation-, Xbox- und Switch-Communities gibt es eine einheitliche Spielerbasis. Die Konsequenzen:
Kürzere Wartezeiten: Mehr Spieler bedeuten schnelleres Matchmaking. Besonders bei Spielen mit spezielleren Modi oder in Regionen mit kleinerer Spielerbasis ist das ein enormer Vorteil.
Längere Lebensdauer: Spiele bleiben länger bevölkert. Wenn ein Titel auf einer einzelnen Plattform nur noch 1.000 aktive Spieler hat, wird Matchmaking schwierig. Mit Crossplay können diese 1.000 Spieler mit den 2.000 auf einer anderen Plattform kombiniert werden, und das Spiel bleibt spielbar.
Balanced Skill-Levels: Größere Spielerpools ermöglichen präziseres Skill-based Matchmaking. Das System hat mehr Spieler zur Auswahl und kann besser passende Gegner finden.
Soziale Konnektivität
Der vielleicht wichtigste Vorteil: Freunde können zusammen spielen, unabhängig von ihrer Plattform-Wahl. Man muss sich nicht mehr für eine Konsole entscheiden basierend darauf, was die Freunde besitzen. Man muss nicht dieselbe Hardware kaufen wie der Freundeskreis, nur um gemeinsam zocken zu können.
Gaming ist eine soziale Aktivität. Crossplay ermöglicht es, diese sozialen Verbindungen aufrechtzuerhalten, auch wenn man unterschiedliche Systeme besitzt. Das ist besonders wertvoll in Zeiten, in denen viele Menschen gaming nutzen, um mit entfernten Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben.
Plattform-Flexibilität
Mit Crossplay (und idealerweise auch Cross-Progression) können Spieler die Plattform wechseln, ohne ihre Community zu verlieren. Man kann auf dem PC spielen, wenn man zu Hause ist, auf der Konsole wenn man im Wohnzimmer sitzt, und auf dem Smartphone unterwegs – und bleibt immer mit denselben Freunden verbunden.
Diese Flexibilität reduziert auch die „Fear of Missing Out“ bei Plattform-Entscheidungen. Man muss nicht mehr lange überlegen, auf welcher Plattform man ein Spiel kauft, aus Sorge, dass die Spielerbasis dort zu klein sein könnte.
Kosteneinsparungen
Entwickler müssen nicht mehr separate Server-Infrastrukturen für jede Plattform betreiben und warten. Einheitliche Server sind kosteneffizienter zu betreiben. Diese Einsparungen können (theoretisch) an die Spieler weitergegeben werden oder in weitere Spielentwicklung fließen.
Für Spieler bedeutet Crossplay auch, dass sie nicht mehrere Versionen eines Spiels kaufen müssen, nur um mit verschiedenen Freundeskreisen zu spielen.
Die Herausforderungen und Nachteile von Crossplay
Trotz aller Vorteile bringt Crossplay auch signifikante Herausforderungen mit sich. Nicht alle sind vollständig gelöst.
Input-Ungleichheit: Maus & Tastatur vs. Controller
Das größte Balance-Problem bei Crossplay, besonders in Shooter-Spielen, ist die unterschiedliche Präzision der Eingabegeräte:
Maus und Tastatur: Bieten bei Shootern deutlich höhere Präzision und Geschwindigkeit für Zielen und Schwenken. PC-Spieler können schneller reagieren und präziser auf kleine Ziele feuern.
Controller (Gamepad): Das Zielen mit Analog-Sticks ist weniger präzise und langsamer. Dafür sind Controller bei Bewegungen und bestimmten Spielgenres (Racing, Fighting Games) oft überlegen.
Die Lösung – Aim Assist: Viele Crossplay-Shooter implementieren Zielhilfe (Aim Assist) für Controller-Spieler. Das Fadenkreuz „klebt“ leicht an Gegnern oder verlangsamt sich, wenn es über einen Gegner streicht. Dies soll den Präzisionsnachteil ausgleichen.
Das Problem mit der Lösung: Aim Assist ist umstritten. PC-Spieler empfinden starken Aim Assist als unfair („Das Spiel zielt ja für sie!“), während Konsolenspieler argumentieren, dass sie ohne Aim Assist chancenlos wären. Die perfekte Balance zu finden ist extrem schwierig, und viele Spiele werden dafür kritisiert, Aim Assist entweder zu schwach oder zu stark zu kalibrieren.
Input-Based Matchmaking als Kompromiss: Viele Spiele lösen das Problem durch Input-Based Matchmaking – Controller-Spieler werden primär mit anderen Controller-Spielern zusammengebracht, Maus-Tastatur-Spieler primär mit anderen MK-Spielern. Nur wenn man in einer gemischten Gruppe (Party) spielt, werden die Pools kombiniert.
Performance-Unterschiede
Die Hardware-Leistung variiert drastisch zwischen den Plattformen:
Bildrate (FPS): Ältere Konsolen (PS4, Xbox One) laufen oft bei 30 FPS, manchmal 60 FPS. Moderne Konsolen (PS5, Xbox Series) erreichen 60-120 FPS. High-End PCs können 144 FPS oder mehr liefern. Höhere Bildraten bedeuten flüssigere Bewegungen, schnellere Reaktionszeiten und einen kompetitiven Vorteil.
Auflösung und Sichtweite: PC-Spieler können oft weitere Sichtdistanzen einstellen und Details früher erkennen. In manchen Spielen ist das ein taktischer Vorteil.
Ladezeiten: SSDs in modernen Systemen laden deutlich schneller als HDDs in älteren Konsolen. Bei manchen Spielen bedeutet das, dass manche Spieler früher spawnen oder Bereiche früher erreichen können.
Die Lösung: Viele Spiele trennen zwischen Konsolengenerationen. Last-Gen (PS4, Xbox One) und Current-Gen (PS5, Xbox Series, PC) spielen in separaten Pools. Das ist nicht perfekt, aber reduziert die größten Performance-Disparitäten.
Cheating und Modding
PC-Spieler haben deutlich mehr Möglichkeiten für Cheats, Hacks und Mods als Konsolenspieler:
Aimbots und Wallhacks: Auf dem PC sind diese Programme leichter zu installieren und schwerer zu detektieren als auf geschlossenen Konsolen-Systemen.
Makros und Scripts: PC-Spieler können komplexe Makros programmieren, die perfekte Recoil-Control oder unmenschlich schnelle Aktionen ausführen.
Konsolenspieler als Opfer: Wenn Konsolenspieler gegen PC-Spieler antreten, können sie auf Cheater treffen, gegen die sie auf reinen Konsolen-Servern nie spielen würden.
Die Lösung: Verstärkte Anti-Cheat-Systeme wie Easy Anti-Cheat, BattlEye oder Riot Vanguard. Außerdem bieten viele Spiele die Option, Crossplay zu deaktivieren, sodass Konsolenspieler nur unter sich bleiben können, wenn sie Cheater-Begegnungen minimieren wollen.
Kommunikations-Barrieren
Während Spieler derselben Plattform oft die integrierten Voice-Chat-Systeme nutzen, funktioniert das bei Crossplay komplizierter:
Plattform-spezifische Chats: PlayStation Party Chat und Xbox Party Chat funktionieren nicht plattformübergreifend.
In-Game Voice Chat als Notwendigkeit: Crossplay-Spiele benötigen eigene Voice-Chat-Systeme, die alle Plattformen unterstützen. Die Qualität ist oft schlechter als native Plattform-Lösungen.
Die Lösung: Viele Spieler weichen auf externe Tools aus: Discord auf dem PC, Discord-Bots auf Konsolen, oder Smartphone-Apps, die parallel zum Spielen laufen. Das ist nicht elegant, funktioniert aber.
Entwicklungsaufwand und Kosten
Crossplay zu implementieren ist technisch anspruchsvoll und teuer:
Separate Codebasen: Jede Plattform erfordert spezifische Anpassungen. Code, der auf PlayStation funktioniert, funktioniert nicht automatisch auf Xbox oder Nintendo Switch.
Testing-Komplexität: Entwickler müssen nicht nur jede Plattform einzeln testen, sondern auch alle Plattform-Kombinationen. Das potenziert den Testaufwand.
Ongoing Maintenance: Patches müssen für alle Plattformen gleichzeitig funktionieren. Ein Update-Problem auf einer Plattform kann das gesamte Crossplay-Ökosystem beeinträchtigen.
Geschäftliche Verhandlungen: Plattform-Inhaber (Sony, Microsoft, Nintendo) verlangen oft Zugeständnisse oder Gewinnbeteiligungen für Crossplay-Support.
Die Konsequenz: Besonders kleinere Studios und Indie-Entwickler können sich Crossplay oft nicht leisten. Der CEO von Nine Dots Studios warnte, dass Crossplay kleinere Multiplayer-Titel aus dem Markt drängen könnte, weil nur große Studios mit entsprechenden Budgets mithalten können.
Druck auf kleinere Studios
Ein unterschätztes Problem: Wenn Crossplay zum Standard wird, entsteht enormer Druck auf alle Multiplayer-Entwickler, es zu implementieren. Spieler erwarten es mittlerweile, und Spiele ohne Crossplay werden schlechter bewertet oder verkaufen sich schwerer.
Für große Studios (EA, Activision, Epic) ist das machbar. Für kleine Indie-Teams kann es existenzbedrohend sein, die Ressourcen für Crossplay aufzubringen – aber ohne Crossplay haben sie gegen die großen Titel noch weniger Chancen. Es entsteht eine Art Wettrüsten, bei dem kleinere Studios auf der Strecke bleiben.
Crossplay vs. Cross-Save vs. Cross-Progression vs. Cross-Buy
Crossplay wird oft mit verwandten Begriffen verwechselt. Hier die wichtigen Unterscheidungen:
Crossplay
Definition: Die Möglichkeit, mit Spielern anderer Plattformen gemeinsam zu spielen.
Beispiel: Du auf der PS5 kannst mit deinem Freund auf dem PC zusammen ein Match spielen.
Was es NICHT bedeutet: Du kannst NICHT automatisch deinen Spielstand oder Fortschritt zwischen Plattformen übertragen.
Cross-Save
Definition: Die Möglichkeit, einen Spielstand von einer Plattform auf eine andere zu übertragen.
Beispiel: Du spielst auf der PlayStation, speicherst deinen Spielstand in der Cloud, und lädst ihn dann auf deinem PC herunter, um dort weiterzuspielen.
Wichtig: Cross-Save ist oft manuell. Du musst aktiv hochladen/herunterladen. Es ist nicht automatisch synchronisiert.
Cross-Progression
Definition: Automatische Synchronisierung von Spielfortschritt, Freischaltungen, Items und Statistiken über alle Plattformen hinweg in Echtzeit.
Beispiel: Du spielst am Montag auf deiner Xbox und schaltest ein neues Schwert frei. Am Dienstag loggst du dich auf deinem PC ein, und das Schwert ist automatisch da.
Der Unterschied zu Cross-Save: Es passiert automatisch, permanent, in Echtzeit. Du brauchst nichts manuell zu übertragen.
Technische Basis: Erfordert ein zentrales Online-Konto (Epic Account, Activision Account, etc.) und Cloud-Speicherung aller Spieldaten.
Cross-Buy
Definition: Wenn du ein Spiel auf einer Plattform kaufst, bekommst du es automatisch auch auf einer anderen Plattform.
Beispiel: Du kaufst ein Spiel auf der PlayStation, und kannst es dann auch auf dem PC spielen, ohne es nochmal kaufen zu müssen.
Wo es häufig vorkommt:
- Microsoft Play Anywhere: Spiele, die für Xbox und Windows 10/11 gekauft werden, funktionieren auf beiden Plattformen.
- Sony Cross-Buy: Manche Spiele, die für PS4 gekauft wurden, funktionieren auch auf PS5 (allerdings meist innerhalb derselben Plattform-Familie, nicht wirklich „Cross-Platform“).
Seltenheit: Echtes Cross-Buy über Hersteller-Grenzen hinweg (z.B. PlayStation-Kauf gilt auch für Xbox) ist extrem selten. Meist auf PC-Kombinationen beschränkt (Steam + Epic, Steam + GOG).
Zusammenfassung der Unterschiede
| Feature | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Crossplay | Zusammen spielen über Plattformen hinweg | PS5-Spieler spielt mit PC-Spieler |
| Cross-Save | Spielstand manuell übertragen | Speichern auf PS5, laden auf PC |
| Cross-Progression | Fortschritt automatisch synchronisiert | Auf Xbox freigeschaltet, auf PC sofort verfügbar |
| Cross-Buy | Ein Kauf für mehrere Plattformen | Xbox-Kauf gilt auch für PC |
Ideal-Szenario: Ein Spiel bietet alle vier Features. Das ist nach wie vor selten, wird aber häufiger – besonders bei Free-to-Play-Titeln wie Fortnite, Apex Legends oder Genshin Impact.
Beliebte Spiele mit Crossplay-Unterstützung
Mittlerweile gibt es hunderte Spiele mit Crossplay. Hier sind einige der bekanntesten Beispiele, kategorisiert nach Genre:
Battle Royale
Fortnite (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch, Android, iOS): Der Titel, der Crossplay zum Mainstream machte. Vollständiges Crossplay über alle Plattformen, inklusive Mobile. Auch Cross-Progression wird unterstützt.
Apex Legends (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Respawns Battle Royale bietet vollständiges Crossplay. Input-based Matchmaking trennt zwischen Controller und Maus-Tastatur.
Call of Duty: Warzone (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One): Vollständiges Crossplay, inklusive Cross-Progression. Activision Account erforderlich.
Shooter
Destiny 2 (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One): Bungies Looter-Shooter unterstützt vollständiges Crossplay seit 2021. Cross-Save war bereits früher verfügbar.
Halo Infinite (PC, Xbox Series X/S, Xbox One): Als Microsoft-Titel bietet Halo natürlich Crossplay zwischen Xbox und PC. Input-based Matchmaking verfügbar.
Overwatch 2 (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Vollständiges Crossplay über alle Plattformen. Battle.net Account erforderlich.
Survival und Koop
Minecraft Bedrock Edition (PC, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch, Android, iOS): Eine der umfassendsten Crossplay-Implementierungen. PlayStation kam erst später hinzu, ist nun aber auch dabei.
No Man’s Sky (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Hello Games‘ Weltraum-Survival-Spiel bietet vollständiges Crossplay über alle Plattformen.
Phasmophobia (PC, PS5, Xbox Series X/S): Der Geister-Jäger-Horror unterstützt Crossplay zwischen allen Plattformen.
Sportspiele
Rocket League (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Der Auto-Fußball-Hybrid war ein Crossplay-Pionier. Vollständige Plattform-Übergreifung.
FIFA 23/EA Sports FC 24 (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): EAs Fußballsimulation bietet Crossplay, allerdings getrennt nach Konsolengenerationen (Last-Gen spielt mit Last-Gen, Current-Gen mit Current-Gen).
Fighting Games
Street Fighter 6 (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S): Capcoms neuester Fighting-Game-Ableger bietet vollständiges Crossplay.
Mortal Kombat 11 Ultimate (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Crossplay zwischen Xbox und PlayStation (beide Generationen), aber nicht mit PC oder Nintendo Switch.
MMOs und Live-Service
Genshin Impact (PC, PS5, PS4, Android, iOS): Das kostenlose Action-RPG bietet vollständiges Crossplay und Cross-Progression über alle Plattformen. Man kann sogar auf dem Smartphone spielen und nahtlos auf der PlayStation weitermachen.
Final Fantasy XIV (PC, PS5, PS4): Das MMORPG unterstützt Crossplay zwischen PC und PlayStation. Xbox-Support war lange Zeit nicht vorhanden, wurde aber 2024 nachgereicht.
Fall Guys (PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Nintendo Switch): Nach der Übernahme durch Epic Games wurde vollständiges Crossplay und Cross-Progression implementiert.
Diese Liste ist natürlich nicht vollständig – es gibt mittlerweile über 350 Spiele mit Crossplay-Unterstützung in unterschiedlichen Umfängen. Die Tendenz ist stark steigend.
Wie aktiviere ich Crossplay in meinem Spiel?
Die genaue Vorgehensweise variiert von Spiel zu Spiel, aber folgt meist einem ähnlichen Muster:
Schritt 1: Zentrales Konto erstellen
Die meisten Crossplay-Spiele erfordern ein plattformübergreifendes Konto:
- Epic Games Account (für Fortnite, Fall Guys, Rocket League)
- Activision Account (für Call of Duty-Spiele)
- EA Account (für EA-Spiele wie Apex Legends, FIFA)
- Ubisoft Connect (für Ubisoft-Titel)
- Battle.net (für Blizzard-Spiele)
Erstelle diesen Account über die offizielle Website des Anbieters oder direkt im Spiel.
Schritt 2: Konto mit Plattform verknüpfen
Verknüpfe dein Spieler-Konto mit deinen Plattform-Konten (PlayStation Network, Xbox Live, Nintendo Account, Steam, etc.). Dies geschieht meist im Account-Management-Bereich auf der Website des Spiels oder Anbieters.
Schritt 3: Crossplay in den Einstellungen aktivieren
Starte das Spiel und navigiere zu den Einstellungen. Suche nach Optionen wie:
- „Crossplay aktivieren“
- „Plattformübergreifendes Spielen“
- „Cross-Platform Play“
- „Matchmaking-Einstellungen“
Aktiviere die Option. Manche Spiele haben Crossplay standardmäßig aktiviert.
Schritt 4: Freunde hinzufügen
Suche deine Freunde über deren spielinternen Namen (nicht ihre PlayStation- oder Xbox-Namen). Die meisten Spiele haben eine eigene Freundesliste, die plattformunabhängig funktioniert.
Schritt 5: Zusammen spielen
Lade deine Freunde zu deiner Party ein oder trete ihrer bei. Das Spiel kümmert sich um den Rest – ihr werdet automatisch auf Servern zusammengebracht, die alle eure Plattformen unterstützen.
Die Zukunft von Crossplay
Crossplay ist auf dem besten Weg, zum absoluten Standard zu werden. Mehrere Trends zeichnen sich ab:
Erwartungshaltung wird zur Norm
Spieler erwarten mittlerweile Crossplay, besonders bei Multiplayer-Titeln. Spiele ohne Crossplay werden zunehmend kritisiert. In Steam-Reviews taucht „No Crossplay“ regelmäßig als Kritikpunkt auf, selbst wenn das Spiel ansonsten gut ist.
Cross-Progression als nächster Schritt
Während Crossplay jetzt Standard wird, ist Cross-Progression das nächste große Feature, das Spieler fordern. Die Möglichkeit, nahtlos zwischen Plattformen zu wechseln ohne Fortschritt zu verlieren, wird immer wichtiger.
Cloud Gaming verstärkt den Trend
Mit dem Aufstieg von Cloud-Gaming-Diensten (Xbox Cloud Gaming, GeForce Now, PlayStation Plus Cloud) verschwimmen die Plattform-Grenzen weiter. Ein Spieler kann auf dem Smartphone per Cloud Gaming spielen und mit PC- und Konsolen-Spielern zusammen sein – technisch nutzt er ja die gleiche Serverinfrastruktur.
Hardware wird weniger wichtig
Crossplay und Cloud Gaming zusammen führen dazu, dass die Hardware-Entscheidung weniger kritisch wird. Man ist nicht mehr „gefangen“ in einem Ökosystem. Man kann die Plattform wechseln, die einem am besten gefällt, ohne die Community zu verlieren.
Potenzielle Herausforderungen
Nicht alles ist rosig. Je mehr Crossplay zum Standard wird:
- Kleinere Studios könnten Schwierigkeiten haben, mitzuhalten
- Die großen Spiele könnten noch dominanter werden
- Plattform-Vielfalt könnte leiden, wenn alle dieselben großen Crossplay-Titel spielen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Crossplay bei allen Spielen kostenlos?
Ja, Crossplay selbst kostet nichts extra. Allerdings kann es sein, dass du für Online-Multiplayer auf Konsolen ein kostenpflichtiges Abonnement brauchst (PlayStation Plus, Xbox Live Gold/Game Pass Core, Nintendo Switch Online), abhängig vom Spiel. Free-to-Play-Spiele (Fortnite, Apex, Warzone) benötigen meist keine Abo-Gebühren für Online-Play.
Kann ich Crossplay deaktivieren?
Die meisten Spiele bieten eine Option zum Deaktivieren von Crossplay in den Einstellungen. Dann spielst du nur mit Spielern deiner eigenen Plattform. Manche Spiele erzwingen jedoch Crossplay (z.B. Fortnite im Battle Royale Modus).
Funktioniert Crossplay auch bei Singleplayer-Spielen?
Nein, Crossplay betrifft nur Multiplayer-Modi. Bei reinen Singleplayer-Erlebnissen ist Crossplay nicht relevant. Allerdings kann Cross-Save bei Singleplayer-Spielen nützlich sein, um den Spielstand zwischen Plattformen zu übertragen.
Verliere ich meinen Fortschritt, wenn ich die Plattform wechsle?
Das hängt davon ab, ob das Spiel Cross-Save oder Cross-Progression unterstützt:
- Mit Cross-Progression: Nein, dein Fortschritt wird automatisch synchronisiert
- Mit Cross-Save: Du musst deinen Spielstand manuell übertragen
- Ohne beides: Ja, du fängst auf der neuen Plattform von vorne an
Haben PC-Spieler unfaire Vorteile durch Maus und Tastatur?
Bei Shootern: Ja, oft. Deshalb nutzen viele Spiele Input-Based Matchmaking, das primär Controller- mit Controller-Spielern und Maus-Tastatur-Spieler untereinander zusammenbringt. Außerdem gleichen viele Spiele durch Aim Assist für Controller aus.
Bei anderen Genres (Racing, Fighting, Sports) ist der Vorteil minimal oder nicht vorhanden.
Kann ich auf Konsole mit Maus und Tastatur spielen, um den Vorteil zu nutzen?
Viele moderne Konsolen (besonders PlayStation 5 und Xbox Series) unterstützen Maus und Tastatur für bestimmte Spiele. Allerdings erkennen die Spiele oft, dass du Maus-Tastatur nutzt, und ordnen dich entsprechend in Maus-Tastatur-Matchmaking ein.
Manche Spiele blockieren Maus-Tastatur auf Konsolen komplett, um unfaire Vorteile zu verhindern.
Warum bieten nicht alle Spiele Crossplay an?
Mehrere Gründe:
- Technische Komplexität: Implementierung ist aufwändig und teuer
- Balance-Probleme: Schwierig, zwischen verschiedenen Eingabemethoden fair zu balancieren
- Geschäftliche Entscheidungen: Plattform-Inhaber könnten Crossplay blockieren oder erschweren
- Kleinere Studios: Haben oft nicht die Ressourcen für Crossplay-Entwicklung und -Wartung
Ist Crossplay zwischen PC und Mobile fair?
Bei den meisten Spielen eher nicht. Mobile-Spieler haben durch Touchscreen-Steuerung deutliche Nachteile gegenüber Controller oder Maus-Tastatur. Deshalb trennen viele Mobile-Spiele in unterschiedliche Matchmaking-Pools oder geben Mobile-Spielern spezielle Assists.
Brauche ich für Crossplay eine bessere Internetverbindung?
Nein, die Anforderungen an die Internetverbindung sind dieselben wie bei normalem Online-Multiplayer. Crossplay selbst erfordert keine schnellere Verbindung.
Kann ich auf allen Plattformen mit denselben Freunden spielen?
Ja, solange das Spiel vollständiges Crossplay unterstützt. Du musst deine Freunde über die spielinterne Freundesliste hinzufügen (nicht über PlayStation Network, Xbox Live etc.), aber dann könnt ihr unabhängig von euren Plattformen zusammenspielen.
Fazit: Crossplay hat Gaming demokratisiert
Crossplay ist eine der wichtigsten Entwicklungen im modernen Gaming. Es hat die künstlichen Barrieren zwischen Plattformen niedergerissen und Gaming zugänglicher, sozialer und langlebiger gemacht. Spieler müssen sich nicht mehr für eine Plattform entscheiden basierend auf dem System ihrer Freunde. Entwickler profitieren von größeren, gesünderen Spielerbasen und länger aktiven Communities.
Natürlich bringt Crossplay auch Herausforderungen mit sich – Balance-Probleme zwischen Eingabemethoden, Cheating-Sorgen, und der Druck auf kleinere Studios sind reale Probleme, die nicht ignoriert werden dürfen. Aber die Vorteile überwiegen bei weitem. Crossplay macht Gaming inklusiver und verbindet Communities, die vorher getrennt waren.
Die Zukunft ist klar: Crossplay wird zum absoluten Standard. Spiele ohne plattformübergreifendes Spielen werden zunehmend die Ausnahme sein. In Kombination mit Cross-Progression und Cloud Gaming verschwimmen die Plattform-Grenzen immer mehr, bis sie irgendwann vielleicht ganz irrelevant werden.
Für Spieler ist die Botschaft eindeutig: Die Plattform-Wahl ist wichtiger denn je – aber nicht weil sie euch von Freunden trennt, sondern weil ihr frei wählen könnt, auf was ihr am liebsten spielt, ohne eure Community zu verlieren. Und das ist genau so, wie es sein sollte.





