Xbox One S

Xbox One S im Test: Kompakter, weißer und mit 4K-Blu-ray

Die schlanke Revision

Drei Jahre nach dem holprigen Start der Xbox One legt Microsoft eine überarbeitete Version vor. Die Xbox One S ist um 40 Prozent geschrumpft, erstrahlt in elegantem Weiß und bringt ein Feature mit, das selbst die PlayStation 4 nicht bietet: ein UHD-Blu-ray-Laufwerk. Für 299 Euro in der kleinsten Variante ist die S damit der günstigste Weg, die neuen Ultra-HD-Discs abzuspielen. Doch was taugt die Konsole abseits der Filmwiedergabe? Ich habe die 2-TB-Version für 399 Euro ausführlich getestet.

Design: Kompakt und elegant

Der Größenunterschied zur Original-Xbox-One ist beeindruckend. Die S misst nur noch 295 × 230 × 64 mm und wiegt 2,9 Kilogramm. Das klobige externe Netzteil ist Geschichte, die Stromversorgung sitzt jetzt im Gehäuse. Im Regal nimmt die Konsole deutlich weniger Platz ein als ihr Vorgänger, der mit seinem Ziegel-Netzteil zwei Stellflächen beanspruchte. Das weiße Gehäuse mit den dezenten Lüftungsschlitzen wirkt modern und hochwertig. Ein mitgelieferter Standfuß ermöglicht die vertikale Aufstellung, was zusätzlich Platz spart. Die berührungsempfindlichen Tasten sind physischen Druckknöpfen gewichen, die zuverlässiger reagieren. Der USB-Anschluss wanderte von der Seite an die Front, zwei weitere befinden sich auf der Rückseite. Ein Opfer der Verkleinerung ist der dedizierte Kinect-Anschluss. Wer den Bewegungssensor weiter nutzen möchte, benötigt einen separaten Adapter. Microsoft stellt diesen für Besitzer der Original-Xbox-One kostenlos zur Verfügung, Neukunden müssen ihn kaufen. Angesichts der schwindenden Kinect-Unterstützung dürfte das die wenigsten stören.

UHD-Blu-ray: Das Killer-Feature

Das Herzstück der Xbox One S ist das neue optische Laufwerk. Als erste Spielkonsole überhaupt spielt sie Ultra-HD-Blu-rays ab. Die neuen Discs bieten vierfache Full-HD-Auflösung mit 3840 × 2160 Pixeln, erweiterten Farbraum nach BT.2020 und High Dynamic Range für spektakuläre Kontraste. Im Test mit Filmen wie „Der Marsianer“ und „Mad Max: Fury Road“ überzeugt die Wiedergabequalität. Die Schärfe ist beeindruckend, feinste Details wie Hautporen oder Stoffstrukturen werden sichtbar. HDR sorgt für leuchtende Farben und tiefe Schwarzwerte, der erweiterte Kontrastumfang macht sich besonders bei Explosionen und Lichteffekten bemerkbar. Verglichen mit dem deutlich teureren Samsung UBD-K8500 schlägt sich die Xbox One S überraschend gut. Im direkten Vergleich sind kaum Unterschiede erkennbar. Für Filmfans, die den Einstieg in die UHD-Welt suchen, ist die Konsole damit eine attraktive Option. Ein Wermutstropfen: Die Audioausgabe unterstützt derzeit keine HD-Tonformate wie Dolby TrueHD oder DTS-HD Master Audio. Entsprechend bleiben auch die neuen 3D-Sound-Formate Dolby Atmos und DTS:X außen vor. Microsoft hat Updates angekündigt, aber aktuell fehlt dieses Feature. Wer Wert auf bestmöglichen Kinosound legt, sollte das bedenken. Das Laufwerk ist unter Last hörbar lauter als bei dedizierten UHD-Playern. Im normalen Filmgenuss mit entsprechender Lautstärke fällt das aber kaum ins Gewicht.

4K-Streaming und HDR

Neben UHD-Blu-rays unterstützt die Xbox One S auch 4K-Streaming. Netflix und Amazon Video liefern ihre Ultra-HD-Inhalte direkt auf den Bildschirm. Bei Netflix ist dafür das Premium-Abo für 11,99 Euro nötig, Amazon Prime Video bietet 4K ohne Aufpreis. Die Streaming-Qualität ist ausgezeichnet. Serien wie „Marco Polo“ oder „The Grand Tour“ profitieren spürbar von der höheren Auflösung und dem HDR-Farbraum. Der Unterschied zu herkömmlichem HD-Streaming ist selbst auf mittelgroßen Fernsehern sichtbar. HDR funktioniert auch bei Spielen, allerdings erscheinen die ersten Titel mit HDR-Unterstützung erst im Herbst. Forza Horizon 3 und Gears of War 4 sind angekündigt und sollen den erweiterten Kontrastumfang nutzen. Bis dahin bleibt HDR-Gaming ein Versprechen für die Zukunft.

YouTube player

Spieleleistung: Evolution statt Revolution

Unter der Haube werkelt weitgehend dieselbe Hardware wie in der Original-Xbox-One. Der AMD-Jaguar-Prozessor taktet unverändert, die GPU erhielt jedoch einen leichten Boost von 853 auf 914 MHz. Das sind knapp sieben Prozent mehr Taktfrequenz, ermöglicht durch die neue 16-nm-Fertigung von TSMC. In der Praxis macht sich das kaum bemerkbar. Spiele laufen nicht in höherer Auflösung oder mit spürbar besseren Bildraten. Vereinzelt profitieren Titel mit variablen Frameraten von der zusätzlichen GPU-Leistung, aber die Unterschiede sind minimal. Die 4K-Ausgabe bei Spielen ist reines Upscaling. Die Konsole rendert weiterhin maximal 1080p und skaliert das Bild auf 4K hoch. Das funktioniert ordentlich, echte 4K-Schärfe erreicht man damit aber nicht. Für natives 4K-Gaming muss man auf Project Scorpio warten, Microsofts für 2017 angekündigte Highend-Konsole. Alle bestehenden Xbox-One-Spiele laufen ohne Einschränkungen auf der S. Die Spielebibliothek ist mittlerweile stark gewachsen, und die Abwärtskompatibilität zu Xbox-360-Titeln erweitert das Angebot zusätzlich. Mit Halo 5: GuardiansForza Motorsport 6 und Quantum Break stehen exzellente Exklusivtitel zur Verfügung.

Der überarbeitete Controller

Der beiliegende Controller wurde dezent verbessert. Die Rückseite erhielt eine strukturierte Oberfläche für besseren Grip, die Funkreichweite stieg auf etwa 15 Meter. Die wichtigste Neuerung ist die Bluetooth-Unterstützung: Der Controller verbindet sich jetzt direkt mit Windows-10-PCs, ohne dass der separate Wireless-Adapter nötig wäre. Der 3,5-mm-Klinkenanschluss für Headsets bleibt erhalten. Die Impuls-Trigger funktionieren wie gewohnt und liefern haptisches Feedback in unterstützten Spielen. An der grundsätzlichen Ergonomie und Tastenplatzierung ändert sich nichts, was angesichts der hohen Qualität des Xbox-One-Controllers auch nicht nötig war.

Energieverbrauch und Lautstärke

Die neue Fertigungstechnologie macht sich bei Stromverbrauch und Wärmeentwicklung positiv bemerkbar. Im Blu-ray-Betrieb zieht die Konsole etwa 32 Watt, beim Spielen rund 67 Watt. Das liegt deutlich unter den Werten der Original-Xbox-One. Die Lautstärke ist im Normalbetrieb angenehm zurückhaltend. Nur bei intensiver Nutzung des UHD-Laufwerks wird die Konsole hörbar. Das integrierte Netzteil erzeugt keine zusätzlichen Geräusche mehr, was dem Gesamtbild zugutekommt. Die Bootzeit liegt bei etwa 45 Sekunden bis zum vollen Betriebssystem, hinzu kommen rund 20 Sekunden, bis ein Film startbereit ist. Das ist langsamer als bei dedizierten Playern, aber akzeptabel.

HDMI-Passthrough und TV-Integration

Der HDMI-Eingang für die TV-Durchschleifung bleibt erhalten, hat aber eine Einschränkung: Er unterstützt kein 4K. Wer seinen Satellitenreceiver oder eine Set-Top-Box durchschleifen möchte, erhält nur herunterskalierte Qualität. Das Signal wird auf 1080p reduziert und anschließend wieder hochskaliert. Für die TV-Integration ist das ärgerlich, da 4K-Sender zunehmend verfügbar werden. Die Sprachsteuerung über Cortana funktioniert weiterhin, setzt aber entweder ein Headset oder den Kinect-Adapter voraus. Ohne Kinect im Lieferumfang verliert die Konsole eines ihrer ursprünglichen Alleinstellungsmerkmale.

Für wen lohnt sich die Xbox One S?

Die Xbox One S richtet sich an drei Zielgruppen: Neukäufer, die eine Xbox suchen, sollten zur S greifen. Die kompaktere Bauform, das integrierte Netzteil und die Zukunftsfähigkeit mit HDR und 4K-Streaming sprechen klar für das neue Modell. Filmfans, die einen günstigen UHD-Blu-ray-Player suchen, finden in der Xbox One S ein attraktives Komplettpaket. Für 299 Euro erhält man einen vollwertigen Player plus Spielkonsole. Die reine Wiedergabequalität steht den teureren Standalone-Geräten kaum nach. Umsteiger von der Original-Xbox-One sollten abwägen: Die Spieleleistung bleibt praktisch identisch, HDR-Gaming steckt noch in den Kinderschuhen. Wer kein UHD-Blu-ray-Laufwerk braucht und keinen 4K-Fernseher besitzt, kann bedenkenlos bei der alten Konsole bleiben. Wer dagegen bereits in 4K-Equipment investiert hat, profitiert von den Streaming-Möglichkeiten und der Filmwiedergabe. Wichtig zu wissen: Project Scorpio steht für Ende 2017 in den Startlöchern und verspricht echtes 4K-Gaming. Wer primär auf Grafikleistung aus ist, sollte das kommende Flaggschiff im Auge behalten.

Fazit

Die Xbox One S ist eine gelungene Revision mit klarem Fokus. Das kompakte Design, das integrierte Netzteil und das UHD-Blu-ray-Laufwerk machen sie zur attraktivsten Xbox-One-Variante. Als günstigster UHD-Blu-ray-Player auf dem Markt spricht sie auch Filmfans an, die nebenbei gelegentlich spielen möchten. Die Spieleleistung bleibt weitgehend unverändert, was Umsteigern wenig Anreiz bietet. HDR-Gaming ist derzeit noch Zukunftsmusik, und natives 4K erfordert Project Scorpio. Für Neukäufer und Filmliebhaber ist die Xbox One S jedoch eine klare Empfehlung. Microsoft liefert ein durchdachtes Gesamtpaket, das die Schwächen des Originals ausmerzt und zeitgemäße Features hinzufügt.

Wertung

8/10

Pro und Contra

Pro:

  • 40 Prozent kompakteres Gehäuse
  • Integriertes Netzteil statt externem Ziegel
  • UHD-Blu-ray-Laufwerk für 4K-Filme
  • HDR-Unterstützung für Spiele und Videos
  • 4K-Streaming über Netflix und Amazon
  • Controller mit Bluetooth für Windows-PCs
  • Geringerer Stromverbrauch

Contra:

  • Spieleleistung kaum verbessert
  • Kein natives 4K bei Spielen
  • Kein Kinect-Anschluss mehr
  • HDMI-Passthrough ohne 4K-Unterstützung
  • Kein Dolby Atmos oder DTS:X bei UHD-Blu-rays
  • Laufwerk unter Last hörbar

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was kostet die Xbox One S?

Die Xbox One S ist in drei Varianten erhältlich: 500 GB für 299 Euro, 1 TB für 349 Euro und 2 TB für 399 Euro. Zum Start ist zunächst nur die 2-TB-Version verfügbar.

Spielt die Xbox One S 4K-Blu-rays?

Ja, die Xbox One S ist die erste Spielkonsole mit UHD-Blu-ray-Laufwerk. Sie spielt Ultra-HD-Discs mit 4K-Auflösung, HDR und erweitertem Farbraum ab.

Sind Spiele in 4K möglich?

Nein, die Xbox One S skaliert Spiele lediglich auf 4K hoch. Native 4K-Spielgrafik wird erst Project Scorpio bieten, das für Ende 2017 angekündigt ist.

Funktioniert mein Kinect noch?

Ja, aber die Xbox One S hat keinen dedizierten Kinect-Anschluss mehr. Ein separater Adapter ist erforderlich. Microsoft stellt diesen für Besitzer der Original-Xbox-One kostenlos bereit.

Laufen alle alten Xbox-One-Spiele?

Ja, die Xbox One S ist vollständig abwärtskompatibel. Alle Xbox-One-Spiele und die über die Abwärtskompatibilität freigegebenen Xbox-360-Titel funktionieren ohne Einschränkungen.

Wie viel kleiner ist die Xbox One S?

Die Xbox One S ist etwa 40 Prozent kleiner als die Original-Xbox-One. Das Gehäuse misst 295 × 230 × 64 mm bei einem Gewicht von 2,9 Kilogramm.

Verbessert die Xbox One S die Spielegrafik?

Minimal. Die GPU taktet etwas höher, was vereinzelt zu stabileren Bildraten führen kann. Die meisten Spiele laufen jedoch praktisch identisch zur Original-Xbox-One.

Brauche ich einen 4K-Fernseher?

Für UHD-Blu-rays und 4K-Streaming ist ein 4K-HDR-Fernseher erforderlich. Ohne 4K-TV entfallen die Hauptvorteile der Xbox One S gegenüber dem Vorgänger, Spiele laufen aber weiterhin in Full HD.

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