Xbox One

Xbox One im Test: Microsofts All-in-One-Vision auf dem Prüfstand

Die All-in-One-Vision

Eine Woche vor der PlayStation 4 steht Microsofts neuer Konsolenkrieger in deutschen Wohnzimmern. Die Xbox One will mehr sein als nur eine Spielkonsole: Ein Entertainment-Hub, der Fernsehen, Streaming und Gaming vereint. Doch der Weg zum Launch war steinig. Kontroverse Ankündigungen zu Online-Zwang und Gebrauchtspielsperren sorgten für einen handfesten Shitstorm, den Microsoft nur mit einer kompletten Kehrtwende entschärfen konnte. Jetzt liegt die 499 Euro teure Konsole vor mir, und ich prüfe, ob die Xbox One ihre ambitionierten Versprechen einlösen kann.

Design: Groß, kantig und ehrlich

Die Xbox One macht keinen Hehl aus ihrer Größe. Mit Abmessungen von 333 × 82 × 275 mm ist sie ein massiver schwarzer Quader, der alle Vorgänger in den Schatten stellt. Dazu gesellt sich ein externes Netzteil von beachtlichen 17 × 4,8 × 7,5 cm. Die Konsole ist deutlich größer als die schlankere PlayStation 4 und benötigt entsprechend Platz im Regal. Das Design folgt einer klaren Linie: matt schwarze Oberflächen mit minimalistischen Linien. Die Konsole wirkt wie ein hochwertiger Receiver und fügt sich unauffällig in die Heimkino-Umgebung ein. An der Front befinden sich ein Slot-In-Blu-ray-Laufwerk und ein USB-3.0-Anschluss. Die Rückseite bietet HDMI-Ausgang und einen HDMI-Eingang für die TV-Durchschleifung, zwei weitere USB-Ports, Gigabit-Ethernet und einen optischen Audioausgang. Die berührungsempfindliche Ein-/Ausschalttaste reagiert zuverlässig, der kapazitive Auswurfknopf für Discs gelegentlich etwas träge. Insgesamt macht die Verarbeitung einen soliden Eindruck, auch wenn die schiere Größe von Konsole und Netzteil gewöhnungsbedürftig ist.

Kinect 2.0: Revolution oder Risiko?

Im Karton liegt nicht nur die Konsole, sondern auch der neue Kinect-Sensor. Microsoft liefert ihn standardmäßig mit und rechtfertigt damit den Aufpreis von 100 Euro gegenüber der PlayStation 4. Die zweite Generation des Bewegungssensors ist ein gewaltiger Sprung: Die Kamera löst mit 1080p auf, der Infrarotsensor erkennt selbst in völliger Dunkelheit Bewegungen. Das System kann bis zu sechs Personen gleichzeitig tracken und erfasst sogar Gesichtsausdrücke und Herzfrequenz. Die Gesichtserkennung funktioniert beeindruckend gut. Sobald ich mich vor die Konsole setze, werde ich erkannt und automatisch angemeldet. Meine Einstellungen, mein Profil, meine zuletzt gespielten Titel, alles ist sofort verfügbar. Bei Killer Instinct konfiguriert das System sogar automatisch meine bevorzugten Steuerungsoptionen, wenn ich den Controller in die Hand nehme. Die Sprachsteuerung ist das zweite große Feature. Mit dem Befehl „Xbox ein“ erwacht die Konsole aus dem Standby. „Xbox, gehe zu Forza“ startet Forza Motorsport 5, „Xbox, aufnehmen“ speichert die letzten 30 Sekunden als Clip. Wenn die Erkennung funktioniert, ist das Ganze fast magisch. Leider klappt es nicht immer: Hintergrundgeräusche, Akzente oder undeutliche Aussprache führen regelmäßig zu Fehlinterpretationen. Manchmal muss ich Befehle mehrfach wiederholen. Datenschutzbedenken sind verständlich. Der Bundesdatenschutzbeauftragte bezeichnete die Konsole als potentielles „Überwachungsgerät“. Microsoft hat reagiert: Kinect lässt sich vollständig deaktivieren, und die Konsole funktioniert auch ohne den Sensor. Wer den Aufpreis zahlt, sollte aber die Features nutzen, denn die Sprachsteuerung ist trotz Macken ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

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Hardware: Solide, aber nicht überlegen

Im Inneren arbeitet ein AMD-Achtkern-Prozessor auf Jaguar-Basis mit 1,75 GHz Taktfrequenz. Die GPU basiert auf der GCN-Architektur und liefert 1,31 TFLOPS Rechenleistung aus 12 Compute Units mit 768 Shadern. Dem System stehen 8 GB DDR3-Arbeitsspeicher zur Seite, ergänzt durch 32 MB schnellen eSRAM. Auf dem Papier liegt die Xbox One hinter der PlayStation 4: Sonys Konsole bietet mit 1,84 TFLOPS deutlich mehr GPU-Leistung und nutzt schnelleren GDDR5-Speicher mit 176 GB/s Bandbreite. Der DDR3-RAM der Xbox erreicht nur 68,3 GB/s, der eSRAM soll das kompensieren. In der Praxis zeigt sich: Das klappt nicht immer. Mehrere Launch-Titel laufen auf der Xbox One nur in 720p oder 900p, während die PlayStation 4 native 1080p darstellt. Call of Duty: Ghosts rendert beispielsweise auf der PlayStation 4 in 1080p, auf der Xbox One nur in 720p. Bei Battlefield 4 erreicht die Xbox 720p, die Konkurrenz 900p. Das sind keine dramatischen Unterschiede, doch für eine 100 Euro teurere Konsole ist das ernüchternd. Microsoft arbeitet bereits an verbesserten Entwicklertools, die den eSRAM-Zugriff optimieren sollen. Die 500-GB-Festplatte bietet ausreichend Platz für den Start, wird aber angesichts der Installationspflicht für alle Spiele schnell knapp. Anders als bei der PlayStation 4 lässt sie sich nicht ohne Weiteres tauschen. Externe Festplatten werden erst mit einem späteren Update unterstützt.

Der neue Controller

Der Xbox One Controller ist eine Evolution des bewährten Xbox-360-Gamepads. Microsoft investierte nach eigenen Angaben über 100 Millionen Dollar in die Entwicklung und nahm über 40 Verbesserungen vor. Das Ergebnis fühlt sich vertraut an, mit spürbaren Optimierungen im Detail. Die Schultertasten sind präziser, das berüchtigte Steuerkreuz wurde komplett überarbeitet und reagiert nun zuverlässig auf diagonale Eingaben. Die Analogsticks bieten einen kürzeren Hubweg und griffigere Oberflächen. Die neu gestalteten Bumper-Tasten erfordern etwas Umgewöhnung, funktionieren aber tadellos. Das eigentliche Highlight sind die Impuls-Trigger: Neben den beiden Vibrationsmotoren im Gehäuse stecken nun auch in den Triggern selbst kleine Motoren. In Forza Motorsport 5 spüre ich Reifenblockieren, Untergrund und Traktion direkt in den Fingerspitzen. Das ist ein echtes Novum und erweitert das haptische Feedback enorm. Der Controller verbindet sich über ein proprietäres Funkprotokoll mit der Konsole, Bluetooth fehlt. Die Reichweite ist ausgezeichnet, die Batterielaufzeit mit zwei AA-Batterien ordentlich. Ein Akku-Pack ist optional erhältlich, liegt aber nicht bei.

Das Betriebssystem: Snap und Multitasking

Die Xbox One läuft auf einem Windows-Kern und ermöglicht echtes Multitasking. Die Snap-Funktion erlaubt es, zwei Anwendungen gleichzeitig zu nutzen: Während des Spielens kann ich einen Twitch-Stream, den TV-Tuner oder den Internet Explorer am Bildschirmrand einblenden. Das funktioniert erstaunlich gut und unterscheidet die Xbox One grundlegend von der PlayStation 4. Der HDMI-Eingang ermöglicht die Integration des Kabel- oder Satellitenreceivers. Das Fernsehsignal wird durchgeschleift und lässt sich über Sprachbefehle und das Xbox-Overlay steuern. In der Theorie klingt das fantastisch, in der Praxis zeigen sich Kinderkrankheiten. Die Infrarot-Steuerung funktioniert nicht mit allen Receivern zuverlässig, und die Sprachbefehle sind auf englische Sendernamen optimiert. Die Benutzeroberfläche basiert auf Kacheln im Modern-UI-Stil und reagiert flüssig. Die Store-Integration ist gelungen, Downloads laufen im Hintergrund. Allerdings nervt die aggressive Werbung: Selbst auf der Startseite prangen Werbekacheln, die sich nicht entfernen lassen. Updates sind ein Schwachpunkt: Bereits am ersten Tag musste ich zwei Gigabyte herunterladen, bevor ich spielen konnte. Das wird sich hoffentlich mit der Zeit bessern.

Die Launch-Spiele

Zum Start bietet Microsoft eine solide Auswahl an Exklusivtiteln. Forza Motorsport 5 ist das technische Aushängeschild und zeigt, was die Hardware kann: Atemberaubende Fahrzeugmodelle, flüssige 60 Bilder pro Sekunde und der innovative Drivatar-Modus, der das Fahrverhalten von Freunden imitiert. Das einzige Manko ist der reduzierte Streckenumfang gegenüber dem Vorgänger. Ryse: Son of Rome von Crytek beeindruckt visuell, schwächelt aber spielerisch. Das Römer-Actionspiel ist ein kurzweiliger Spektakel-Trip mit repetitivem Gameplay. Sehenswert, aber kein System-Seller. Dead Rising 3 nutzt die Hardware für riesige Zombie-Horden und offene Spielwelt. Das Open-World-Gemetzel macht Laune, kämpft aber mit Bildratenproblemen. Killer Instinct überrascht als Free-to-Play-Kampfspiel mit solidem Gameplay. Das Basisspiel mit einem Kämpfer ist kostenlos, weitere Charaktere kosten extra. Ein ungewöhnliches, aber faires Modell. Auf der Multiplatform-Seite sind Assassin’s Creed IV: Black FlagBattlefield 4 und Call of Duty: Ghosts die wichtigsten Titel. Sie laufen allesamt gut, zeigen aber die erwähnten Auflösungsnachteile gegenüber der PlayStation 4.

Xbox Live und Online-Dienste

Xbox Live Gold bleibt Pflicht für Online-Multiplayer und kostet etwa 60 Euro im Jahr. Im Gegenzug erhalten Abonnenten monatlich zwei kostenlose Spiele über Games with Gold. Der Online-Service ist ausgereift und zuverlässig, das Partysystem funktioniert tadellos, und die Integration von Twitch ermöglicht direktes Streaming von Spielsitzungen. Die Cloud-Anbindung ist ein Zukunftsversprechen: Microsoft verspricht, dass Xbox-One-Spiele Serverrechenleistung für komplexe Berechnungen nutzen können. Forza Motorsport 5 nutzt die Cloud für die Drivatars, Titanfall soll sie für KI-Gegner einsetzen. Ob das die Spielewelt revolutioniert, wird sich zeigen. Die Abwärtskompatibilität zur Xbox 360 fehlt komplett. Ältere Spiele und digitale Käufe bleiben auf der alten Konsole. Das ist ärgerlich, angesichts der grundlegend unterschiedlichen Architektur aber nachvollziehbar.

Lautstärke und Stromverbrauch

Im Betrieb bleibt die Xbox One angenehm leise. Das große Gehäuse ermöglicht eine effektive Kühlung ohne aggressive Lüftergeräusche. Selbst bei anspruchsvollen Spielen wie Ryse bleibt der Geräuschpegel dezent. Das Blu-ray-Laufwerk macht sich bei Disc-Spielen bemerkbar, stört aber nicht übermäßig. Der Stromverbrauch liegt bei etwa 112 Watt unter Last, im Standby mit Instant-On-Funktion bei knapp 16 Watt. Wer Strom sparen möchte, kann den Energiesparmodus aktivieren, verliert dann aber die praktische Sprachaktivierung.

Für wen lohnt sich die Xbox One?

Die Xbox One richtet sich an Spieler, die mehr als nur eine Spielkonsole wollen. Die Integration von TV-Funktionen, Snap-Multitasking und Kinect-Sprachsteuerung machen sie zum Multimedia-Zentrum. Wer sein Wohnzimmer um diese Features erweitern möchte und bereit ist, 100 Euro mehr als für die PlayStation 4 auszugeben, findet hier ein durchdachtes Gesamtpaket. Für reine Spieler ist die Rechnung schwieriger. Die PlayStation 4 bietet mehr Grafikleistung zum günstigeren Preis. Die Exklusivtitel zum Launch sind solide, aber kein Halo ist dabei. Microsoft hat angekündigt, mit Titanfall und Halo 5 nachzulegen, doch diese Spiele liegen noch in der Zukunft. Die Kinect-Pflicht und die DRM-Kontroverse haben das Image angekratzt. Microsoft hat zwar zurückgerudert, doch das Vertrauen muss erst wieder aufgebaut werden.

Fazit

Die Xbox One ist ein ambitioniertes Gerät mit Stärken und Schwächen. Die Vision eines All-in-One-Entertainment-Systems ist innovativ, die Umsetzung noch nicht perfekt. Kinect 2.0 beeindruckt technisch, die Sprachsteuerung braucht Feinschliff. Der Controller ist exzellent, die Hardware solide, aber nicht überlegen. Die 499 Euro sind happig, vor allem wenn die Konkurrenz für 399 Euro mehr Grafikleistung bietet. Doch wer die Multimedia-Features zu schätzen weiß und auf kommende Exklusivtitel wie Titanfall hofft, bekommt eine vielseitige Konsole mit Potential. Die Xbox One ist kein eindeutiger Sieger im Konsolenkrieg, aber ein würdiger Mitstreiter mit eigenem Charakter.

Wertung

8/10

Pro und Contra

Pro:

  • Kinect 2.0 mit beeindruckender Gesichts- und Spracherkennung
  • Exzellenter Controller mit innovativen Impuls-Triggern
  • Echtes Multitasking und Snap-Funktion
  • TV-Integration über HDMI-Eingang
  • Leiser Betrieb trotz hoher Leistung
  • Solide Exklusivtitel zum Launch

Contra:

  • 100 Euro teurer als die PlayStation 4
  • Weniger Grafikleistung als die Konkurrenz
  • Viele Spiele nur 720p oder 900p statt 1080p
  • Riesiges Gehäuse mit externem Netzteil
  • Sprachsteuerung noch nicht ausgereift
  • Keine Abwärtskompatibilität zur Xbox 360

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was kostet die Xbox One?

Die Xbox One kostet 499 Euro inklusive Kinect-Sensor. Ein Bundle ohne Kinect ist derzeit nicht erhältlich, Microsoft plant aber eine günstigere Version für 2014.

Ist die Xbox One leistungsstärker als die PlayStation 4?

Nein, die PlayStation 4 bietet mit 1,84 TFLOPS mehr GPU-Leistung als die Xbox One mit 1,31 TFLOPS. In der Praxis zeigt sich das bei Multiplatform-Titeln, die auf der PlayStation 4 oft höhere Auflösungen erreichen.

Brauche ich Kinect für die Xbox One?

Kinect liegt der Konsole bei und ist Teil des Konzepts, die Konsole funktioniert aber auch ohne den Sensor. Die Sprachsteuerung und Gesichtserkennung erfordern jedoch Kinect.

Kann ich Xbox-360-Spiele auf der Xbox One spielen?

Nein, die Xbox One ist nicht abwärtskompatibel. Xbox-360-Spiele und digitale Käufe funktionieren nicht auf der neuen Konsole.

Wie groß ist die Festplatte?

Die Xbox One hat eine 500-GB-Festplatte. Alle Spiele müssen installiert werden, externe Festplatten werden erst mit einem späteren Update unterstützt.

Ist Xbox Live Gold weiterhin nötig?

Ja, für Online-Multiplayer ist ein Xbox-Live-Gold-Abonnement erforderlich. Es kostet etwa 60 Euro pro Jahr und beinhaltet monatlich zwei kostenlose Spiele.

Wie laut ist die Xbox One?

Die Xbox One ist im Betrieb angenehm leise. Das große Gehäuse ermöglicht eine effektive Kühlung ohne störende Lüftergeräusche.

Welche exklusiven Launch-Spiele gibt es?

Zu den Exklusivtiteln gehören Forza Motorsport 5, Ryse: Son of Rome, Dead Rising 3 und das Free-to-Play-Kampfspiel Killer Instinct.

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