Xbox Series S

Xbox Series S im Test: Next-Gen zum Einstiegspreis

Die kleinste Xbox aller Zeiten

Während die Xbox Series X mit roher Gewalt um den Titel der mächtigsten Konsole kämpft, geht Microsoft mit der Xbox Series S einen völlig anderen Weg. Für 299 Euro bietet die kompakte, reinweiße Konsole denselben Zugang zur neuen Generation, allerdings ohne 4K und ohne Disc-Laufwerk. Ist das Budget-Modell ein kluger Einstieg in Next-Gen-Gaming oder ein fauler Kompromiss?

Design: Elegant und winzig

Die Xbox Series S ist bezaubernd klein. Mit Maßen von 275 × 151 × 65 mm passt sie in praktisch jedes Regal und verschwindet neben einem durchschnittlichen Buch. Das Gewicht von nur 1,93 Kilogramm macht sie zu weniger als der Hälfte ihrer großen Schwester. Wer Platzprobleme hatte, findet hier die Lösung. Das Design ist zurückhaltend elegant: Ein reinweißes Gehäuse mit einem großen, schwarzen, kreisförmigen Lüftungsgitter auf der rechten Seite. Dieses auffällige Element ist funktional notwendig, gibt der Konsole aber auch einen unverwechselbaren Charakter. Anders als die vertikale Series X liegt die Series S von Natur aus horizontal, kann aber auch aufrecht gestellt werden. Die Front zeigt sich spartanisch: Der Xbox-Einschaltknopf oben links, ein USB-Anschluss und die Controller-Kopplungstaste. Ein Disc-Laufwerk fehlt, was die kompakten Abmessungen erst ermöglicht. Die Rückseite bietet HDMI 2.1, zwei weitere USB-Ports, Ethernet und den Erweiterungssteckplatz für die Seagate-Speicherkarte. Das vielleicht beeindruckendste Merkmal offenbart sich im Betrieb: Die Xbox Series S ist praktisch unhörbar. Selbst bei anspruchsvollen Spielen habe ich nie ein Lüftergeräusch wahrgenommen. Die Wärme entweicht gezielt durch das schwarze Gitter, der Rest der Konsole bleibt kühl. Für das Schlafzimmer oder ein offenes Wohnzimmer ist das ein enormer Vorteil.

Hardware: Next-Gen im Kleinformat

Unter der eleganten Hülle steckt echte Next-Gen-Technik, wenn auch in abgespeckter Form. Die CPU basiert wie bei der Series X auf AMDs Zen-2-Architektur mit acht Kernen, taktet aber etwas niedriger bei 3,6 GHz statt 3,8 GHz. Im Alltag spürt man diesen Unterschied kaum. Die GPU ist der entscheidende Unterschied: Statt 52 Compute Units bei der Series X sind es hier nur 20, statt 12 Teraflops nur 4. Das klingt nach einem gewaltigen Rückschritt, aber die moderne RDNA-2-Architektur arbeitet effizienter als die Jaguar-Technik der Vorgängergeneration. Auf dem Papier liegt die Series S unter der Xbox One X mit ihren 6 Teraflops, in der Praxis zielt sie auf eine andere Auflösung ab. Der Arbeitsspeicher beträgt 10 GB GDDR6, aufgeteilt in 8 GB mit 224 GB/s Bandbreite für Grafik und 2 GB mit 56 GB/s für System-Operationen. Das ist weniger als die 16 GB der Series X und könnte bei aufwendigen Spielen zum Engpass werden. Die Zeit wird zeigen, ob Entwickler damit zurechtkommen. Die SSD ist mit 512 GB nur halb so groß wie bei der Series X. Nach Abzug der Systemsoftware bleiben etwa 364 GB für Spiele, was bei modernen Titeln knapp wird. Die Geschwindigkeit entspricht jedoch dem großen Modell: 2,4 GB/s raw, bis zu 4,8 GB/s mit Hardware-Dekompression. Quick Resume und blitzschnelle Ladezeiten funktionieren identisch.

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1440p: Die goldene Mitte

Microsoft positioniert die Series S als 1440p-Konsole: Spiele sollen bei 60 fps in QHD-Auflösung laufen, nicht in 4K wie bei der Series X. In der Praxis variieren die Ergebnisse stark je nach Titel. Forza Horizon 4 erreicht tatsächlich 1440p bei stabilen 60 fps mit der optimierten Series-X|S-Version. Das Spiel sieht fantastisch aus, und auf einem 1080p-Fernseher ist kein Unterschied zur großen Schwester sichtbar. Ori and the Will of the Wisps läuft sogar in 4K bei 120 fps. Andere Titel sind weniger optimistisch: Sea of Thieves und Fortnite erreichen mit ihren Optimierungen nur 1080p bei 60 fps. Das ist für eine Next-Gen-Konsole enttäuschend, auch wenn die Bildrate stimmt. Die Entwickler müssen erst lernen, die Hardware optimal auszureizen. The Falconeer erreicht beeindruckende 1800p bei 60 fps, was zeigt, dass engagierte Entwickler mehr aus der Series S herausholen können. Mit zunehmender Optimierung sollten sich die Ergebnisse verbessern, aber 4K wird die kleine Xbox nie erreichen.

Abwärtskompatibilität: Mit Einschränkungen

Hier liegt eine der größeren Enttäuschungen: Die Xbox Series S spielt ältere Xbox-One-Spiele in der Xbox-One-S-Version, nicht in der Xbox-One-X-Version. Wer also Titel wie Red Dead Redemption 2 oder Assassin’s Creed Origins in 4K genießen wollte, schaut in die Röhre. Das bedeutet: Spiele, die auf der Xbox One X in 4K oder mit erhöhten Grafikeinstellungen liefen, laufen auf der Series S nur in den Standardeinstellungen der Xbox One S. Technisch macht das Sinn, da die Series S keine 4K-Fähigkeit hat, aber für Besitzer einer One X ist das ein echter Rückschritt. Die gute Nachricht: Xbox-360- und Original-Xbox-Klassiker funktionieren wie gewohnt. Und bei Spielen mit spezifischen Series-X|S-Optimierungen profitiert die Series S von den Verbesserungen. Der Game Pass bietet Zugang zu hunderten Titeln, inklusive aller Microsoft-Exklusivtitel am Erscheinungstag.

Digitale Zukunft ohne Disc

Die Series S ist komplett digital. Keine Blu-rays, keine DVDs, keine Spielesammlung auf Disc. Für manche ist das befreiend, für andere ein absolutes Ausschlusskriterium. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kein Disc-Wechsel, keine zerkratzten Scheiben, keine physische Sammlung, die Platz wegnimmt. Spiele werden aus dem Microsoft Store heruntergeladen oder über den Game Pass gestreamt. Für Spieler, die ohnehin alles digital kaufen, ändert sich nichts. Die Nachteile sind ebenso offensichtlich: Keine Möglichkeit, günstige gebrauchte Spiele zu kaufen. Keine Chance, ältere Disc-Sammlungen zu nutzen. Und kein UHD-Blu-ray-Player für Filmliebhaber. Der Microsoft Store ist für seine Vollpreise bekannt, und ohne physische Konkurrenz gibt es wenig Preisdruck. Für Familien mit Disc-Sammlungen oder Spieler, die gerne auf dem Gebrauchtmarkt stöbern, ist die Series S keine Option. Für Game-Pass-Abonnenten und Digitalkäufer ist sie hingegen ideal.

Der Speicher-Engpass

Mit 364 GB nutzbarem Speicher stößt die Series S schnell an ihre Grenzen. Call of Duty: Black Ops Cold War belegt allein über 130 GB, Assassin’s Creed Valhalla etwa 50 GB. Nach zwei bis drei großen Spielen ist Schluss. Microsoft verspricht, dass Series-X|S-optimierte Spiele auf der Series S etwa 30 Prozent weniger Speicherplatz benötigen als auf der Series X, da niedrigere Auflösungen auch kleinere Texturen bedeuten. In der Praxis hilft das, löst aber das grundlegende Problem nicht. Die Seagate-Erweiterungskarte kostet 240 Euro für 1 TB und ist damit teurer als die halbe Konsole. Alternativ können Xbox-One- und ältere Spiele auf günstigeren USB-Festplatten gelagert werden, müssen aber vor dem Spielen auf die interne SSD übertragen werden. Series-X|S-native Titel müssen zwingend auf der internen SSD oder der offiziellen Erweiterung liegen.

Für wen lohnt sich die Series S?

Die Xbox Series S richtet sich an eine spezifische Zielgruppe: Spieler mit 1080p-Fernsehern, die den Einstieg in die neue Generation suchen, ohne 500 Euro auszugeben. Für Gelegenheitsspieler, Zweitkonsolen-Käufer und Game-Pass-Enthusiasten ist sie ideal. Wer bereits einen 4K-HDR-Fernseher besitzt oder in den nächsten Jahren einen kaufen wird, sollte die 200 Euro Aufpreis für die Series X investieren. Die Leistungsunterschiede werden mit zunehmender Lebensdauer der Konsolen nur deutlicher werden, wenn Entwickler die Hardware stärker ausreizen. Für Familien mit Kindern, die ihre erste eigene Konsole bekommen, ist die Series S perfekt: Günstig, kompakt, leise und mit dem Game Pass kombinierbar. Als Zweitkonsole fürs Schlafzimmer oder das Homeoffice macht sie ebenfalls Sinn.

Fazit

Die Xbox Series S ist ein faszinierender Kompromiss. Für 299 Euro bietet sie echte Next-Gen-Technik: dieselbe CPU-Architektur wie die Series X, die gleiche SSD-Geschwindigkeit, Quick Resume und Hardware-Raytracing. Wer keinen 4K-Fernseher besitzt und digital spielt, bekommt ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Einschränkungen sind jedoch spürbar: Nur 1440p statt 4K, oft sogar nur 1080p bei anspruchsvollen Titeln. Kein Disc-Laufwerk, kein UHD-Blu-ray-Player. Magere 364 GB Speicher. Ältere Spiele laufen nur in der Xbox-One-S-Version. Für Spieler, die das Maximum aus ihrer Hardware holen wollen, ist die Series X die bessere Wahl. Als Einstiegsmodell für preisbewusste Spieler, als Zweitkonsole oder kombiniert mit dem Game Pass überzeugt die Series S. Sie ist die cleverste Art, für wenig Geld in die neue Generation einzusteigen, solange man die Limitierungen akzeptiert.

Wertung

8/10

Pro und Contra

Pro:

  • Attraktiver Preis von nur 299 Euro
  • Kompakteste und leichteste Xbox aller Zeiten
  • Praktisch unhörbar im Betrieb
  • Echte Next-Gen-SSD mit Quick Resume
  • Hardware-Raytracing und HDMI 2.1
  • Dieselbe CPU wie die Series X
  • Ideal für Game-Pass-Nutzer
  • 120-fps-Support für kompatible Spiele

Contra:

  • Nur 4 Teraflops GPU-Leistung
  • Ziel 1440p wird oft nicht erreicht (häufig nur 1080p)
  • Magere 364 GB nutzbarer Speicher
  • Kein Disc-Laufwerk
  • Teure proprietäre Speichererweiterung
  • Spielt alte Spiele nur in Xbox-One-S-Version
  • Kein 4K-Gaming möglich

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was kostet die Xbox Series S?

Die Xbox Series S kostet 299 Euro und ist damit 200 Euro günstiger als die Xbox Series X. Sie enthält eine 512-GB-SSD und einen Controller, aber kein Disc-Laufwerk.

Kann die Xbox Series S 4K-Spiele darstellen?

Nein, die Series S zielt auf 1440p als maximale Spielauflösung ab. Sie kann Spiele auf 4K hochskalieren, erreicht aber keine native 4K-Auflösung. Videostreaming in 4K HDR ist jedoch möglich.

Wie viel Speicher hat die Xbox Series S?

Die interne SSD fasst 512 GB, wovon nach Systemsoftware etwa 364 GB für Spiele verfügbar sind. Die Seagate-Erweiterungskarte kostet 240 Euro für 1 TB.

Kann die Xbox Series S Disc-Spiele abspielen?

Nein, die Xbox Series S ist eine rein digitale Konsole ohne Disc-Laufwerk. Alle Spiele müssen aus dem Microsoft Store heruntergeladen werden.

Spielt die Series S Xbox-One-X-Enhanced-Spiele?

Nein, ältere Xbox-One-Spiele laufen auf der Series S in der Xbox-One-S-Version, nicht in der aufgewerteten One-X-Version. Nur Spiele mit spezifischen Series-X|S-Updates profitieren von Verbesserungen.

Wie groß ist die Xbox Series S?

Die Konsole misst 275 × 151 × 65 mm und wiegt nur 1,93 kg. Sie ist damit die kompakteste und leichteste Xbox, die Microsoft je gebaut hat.

Ist die Xbox Series S leise?

Ja, die Xbox Series S ist praktisch unhörbar. Selbst bei anspruchsvollen Spielen ist kein Lüftergeräusch wahrnehmbar. Das macht sie ideal für Schlafzimmer oder ruhige Umgebungen.

Lohnt sich der Aufpreis für die Series X?

Für Spieler mit 4K-Fernseher oder Disc-Sammlung ja. Die Series X bietet dreifache Grafikleistung, 1 TB Speicher und ein UHD-Blu-ray-Laufwerk. Für 1080p-Spieler und Game-Pass-Nutzer ist die Series S ausreichend.

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