Es gibt Spiele, die einen nie loslassen. The Legend of Zelda: Link’s Awakening gehört für mich dazu. Das Original erschien 1993 für den Gameboy, und ich habe damals unzählige Stunden mit dem kleinen grünstichigen Bildschirm verbracht. Die piepsige Musik, die kniffligen Dungeons, die seltsame Geschichte auf einer noch seltsameren Insel – all das hat sich in mein Gedächtnis gebrannt.
Als Nintendo dann 2019 das Remake für die Switch ankündigte, war ich skeptisch. Kann man diese Erinnerungen überhaupt in ein modernes Gewand stecken, ohne den Zauber zu zerstören? Nach dem Durchspielen kann ich sagen: Ja, man kann. Aber es läuft nicht alles rund.
Die Geschichte: Schiffbruch auf Cocolint
Nach dem Start begrüßt uns das bekannte Intro, das natürlich entsprechend angepasst wurde. Die Pixelgrafik ist einem wunderschönen Diorama-Stil gewichen, die Geschichte bleibt dieselbe.
Links Strandung
Link erleidet Schiffbruch und wird bewusstlos am Strand der mysteriösen Insel Cocolint angespült. Das junge Mädchen Marin findet ihn und bringt ihn in das Haus ihres Vaters Tarin. Von hier aus beginnt das Abenteuer.
Das Ziel ist schnell klar: Wir müssen den Windfisch wecken, der auf dem höchsten Berg der Insel in einem riesigen Ei schläft. Nur er kann uns von der Insel befreien. Dazu benötigen wir acht Instrumente, die – Überraschung – in verschiedenen Dungeons versteckt sind.
Eine besondere Zelda-Geschichte
Was Link’s Awakening von anderen Zelda-Spielen unterscheidet: Es gibt kein Triforce, keine Prinzessin Zelda, kein Ganon. Die Insel Cocolint ist eine eigenständige Welt mit eigenständigen Charakteren und einer Geschichte, die melancholischer ist, als man von einem Gameboy-Spiel erwarten würde.
Die Bewohner der Insel sind liebenswert, die Dialoge charmant, und das Ende… nun, das Ende hat mich damals überrascht und tut es auch heute noch. Wer Link’s Awakening noch nicht kennt, dem verrate ich nichts – aber es ist nicht das typische Happy End.

Grafik: Der Diorama-Stil
Direkt nach dem Erwachen am Strand bemerkt man die liebevoll und detailliert gestaltete Welt. Nintendo hat sich für einen einzigartigen Diorama-Stil entschieden, bei dem alles aussieht wie handgefertigte Miniaturen in einem Schaukasten.
Erste Eindrücke
Der Stil ist gewöhnungsbedürftig. Im ersten Moment wirkt alles wie Plastikspielzeug – glänzend, rund, fast schon zu niedlich. Ich war zunächst skeptisch. Passt das zu Zelda? Ist das nicht zu kindlich?
Nach einer halben Stunde hatte ich mich daran gewöhnt. Nach zwei Stunden fand ich es wunderschön. Der Stil funktioniert, weil er konsequent durchgezogen wird:
- Link sieht aus wie eine kleine Figur, hat aber ausdrucksstarke Animationen
- Die Umgebungen wirken wie Dioramen, stecken aber voller Details
- Selbst das eigentlich banale Gras schaut schick aus
- Lichteffekte und Tiefenunschärfe verstärken den Miniatur-Effekt
Liebe zum Detail
Jedes Detail weiß zu begeistern. Als alter Hase kennt man zwar noch die meisten Verstecke, aber es lohnt sich trotzdem, aufmerksam durch Cocolint zu reisen. Nintendo hat überall kleine Verbesserungen eingebaut:
- Neue Animationen für Gegner
- Detailliertere Gebäude
- Atmosphärische Beleuchtung
- Liebevolle Zwischensequenzen
Die Entwickler haben das Spiel nicht einfach nur in 3D übersetzt – sie haben es mit Liebe neu erschaffen.
Sound: Ein epischer Soundtrack
Gepaart wird die schicke Optik mit einem Soundtrack, der mich umgehauen hat. Die Musik des Originals war bereits ikonisch – hier wurde sie orchestral neu aufgenommen und klingt fantastisch.
Gänsehaut garantiert
Ob unterwegs beim Erkunden, bei wichtigen Sequenzen oder im Dungeon – die Musik überzeugt und sorgt an gewissen Stellen für Gänsehaut:
- Das Hauptthema beim Betreten der Oberwelt
- Marins Gesang am Strand
- Die mysteriöse Musik in den Dungeons
- Das melancholische Thema gegen Ende
Spätestens beim ersten Gesang von Marin sind die Flashbacks für Veteranen vorprogrammiert. Ich saß da und hatte feuchte Augen – die Melodie hat mich direkt zurück in meine Kindheit katapultiert.
Soundeffekte
Auch die Soundeffekte wurden modernisiert, behalten aber ihren Charme. Links Schwerthiebe, das Sammeln von Rubinen, das Öffnen von Truhen – alles klingt vertraut und doch frisch.

Gameplay: Zeitlos gut
Mit Link’s Awakening wurde damals ein zeitloser Titel geschaffen, dessen Spielprinzip auch heute noch zu 100% funktioniert. Das ist beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das Grundgerüst über 25 Jahre alt ist.
Intuitive Steuerung
Die Steuerung lässt sich am besten als „intuitiv“ beschreiben. Selbst die jüngsten Spieler bekommen da keine Probleme. Was mich als Gameboy-Veteranen besonders freut: Schwert und Schild sind nun fest an zwei Tasten gebunden.
Im Original musste man ständig ins Menü, um Items zu wechseln. Schild ausrüsten, dann wieder Federn, dann Bomben – das war umständlich. Jetzt:
- B: Schwert (immer)
- A: Schild (immer)
- X und Y: Frei belegbar aus dem Menü
Das klingt nach einer Kleinigkeit, verbessert den Spielfluss aber enorm. Man verbringt viel weniger Zeit in Menüs und mehr Zeit mit dem eigentlichen Spielen.
Moderne Verbesserungen
Man hat in diesem Remake wirklich an jeder Ecke Verbesserungen eingebaut:
| Feature | Original (1993) | Remake (2019) |
|---|---|---|
| Steuerung | 2 frei belegbare Tasten | Schwert/Schild fest + 2 freie |
| Karte | Minimalistisch | Detailliert mit Pins |
| Speichern | Nur an bestimmten Punkten | Jederzeit möglich |
| Schnellreise | Begrenzt | Zu allen freigeschalteten Warp-Punkten |
| Grafik | Gameboy-Pixel | Diorama 3D |
Die Karte profitiert besonders von den Neuerungen. Man kann Pins setzen, um später zu einer bestimmten Lokation zurückzukehren. Das ist extrem hilfreich, wenn man einen Ort entdeckt, den man noch nicht erkunden kann.
Die Dungeons
Die acht Dungeons sind das Herzstück des Spiels. Jeder hat sein eigenes Thema, seine eigenen Rätsel und seinen eigenen Boss:
- Verschiedene Mechaniken, die aufeinander aufbauen
- Faire aber fordernde Rätsel
- Einprägsame Bosskämpfe
- Belohnende Progression
Die Dungeons sind nicht zu leicht, aber auch nicht unfair. Sie treffen einen guten Schwierigkeitsgrad, der Einsteiger nicht frustriert und Veteranen nicht langweilt. Das Erleben und Aufdecken der wunderschönen Spielwelt ist schon den Kauf wert.
Nintendo-Cameos
Ein besonderes Highlight: Link’s Awakening ist voller Nintendo-Cameos. Da das Spiel auf einer Trauminsel spielt, hat sich Nintendo damals erlaubt, Charaktere aus anderen Franchises einzubauen:
- Goombas und Piranha-Pflanzen aus Super Mario
- Kirby als Gegner (ja, wirklich)
- Ein Bild von Prinzessin Peach in einem Haus
- Chain Chomps, die man sogar als Begleiter nutzen kann
Diese Cameos wurden alle beibehalten und sehen im neuen Stil noch charmanter aus. In manchen Passagen hüpft man tatsächlich im Mario-Stil über Goombas – surreal, aber passend zum Traumcharakter der Insel.

Neuerungen: Dungeon-Editor und Amiibo
Neben den grafischen und spielerischen Verbesserungen gibt es auch komplett neue Features.
Der Dungeon-Editor
Eine der größten Neuerungen ist der Dungeon-Editor. Bei Boris – einem Charakter, der eigentlich erst in späteren Zelda-Spielen seinen ersten Auftritt hatte – kann man eigene Dungeons erstellen.
Das funktioniert so:
- Man sammelt im Spiel Dungeon-Räume als Belohnung
- Bei Boris setzt man diese Räume wie Puzzleteile zusammen
- Der fertige Dungeon kann gespielt und bewertet werden
Die Funktion wirkt im ersten Moment wie eine Spielerei, macht aber tatsächlich Spaß. Komplexe Dungeons zu erstellen ist durchaus herausfordernd – es ist nicht so einfach, eine sinnvolle Komposition auf den Bildschirm zu bringen.
Allerdings: Ohne Amiibos kommt man nicht so leicht an umfangreiche Dungeon-Teile. Das schränkt die Möglichkeiten für manche Spieler ein.
Amiibo-Support
Das Spiel unterstützt verschiedene Amiibo-Figuren:
- Zelda-Amiibos: Schalten neue Dungeon-Teile frei
- Link’s Awakening Link-Amiibo: Schaltet eine Schatten-Version frei, die gegen euch in euren Tempeln antritt
Die Schatten-Link-Funktion ist cool – als Belohnung für einen Sieg winken sinnvolle Items. Aber wie immer bei Nintendo: Amiibos sind optional, und man verpasst nichts Essenzielles ohne sie.
In Erinnerungen schwelgen
Mit jeder Minute im Spiel kommen die Erinnerungen zurück. Für mich war es wie eine Zeitreise:
- Der erste Dungeon, dessen Layout ich noch auswendig kannte
- Das Geheimnis im Wald, das ich vor 25 Jahren entdeckt hatte
- Die Melodien, die sich ins Gedächtnis gebrannt haben
- Die Charaktere, die ich nie vergessen hatte
Auch wenn ihr das Original nie gespielt habt oder einfach zu jung dafür seid – Link’s Awakening wird euch in seinen Bann ziehen. Ob jung oder alt, mit oder ohne Bezug zum Franchise: Das Spiel funktioniert für jeden.

Kritik: Technische Probleme
So sehr mich das Remake begeistert hat – es gibt ein Problem, das ich nicht verschweigen kann: Die Performance.
Framedrops
Die Nintendo Switch hat mit Link’s Awakening zu kämpfen. Bewegt man sich auf den Ebenen, wo viel Gras und auch ein paar Gegner zu finden sind, spürt man die Last in Form von Framedrops:
- Beim Betreten neuer Bildschirmabschnitte stockt es kurz
- In grasreichen Gebieten sinkt die Framerate spürbar
- Bei vielen Gegnern auf dem Bildschirm ruckelt es
Das ist ärgerlich, weil es den ansonsten makellosen Eindruck trübt. Ein Zelda-Spiel in diesem Grafikstil sollte auf der Switch flüssig laufen – tut es aber nicht immer.
Kein Spielbrecher, aber störend
Die Framedrops sind kein Spielbrecher. Man gewöhnt sich daran, und sie beeinflussen das Gameplay nicht wirklich. Aber sie sind auffällig genug, um erwähnt zu werden. Schade, dass Nintendo hier nicht mehr optimiert hat.
Umfang und Spielzeit
Link’s Awakening ist kein 100-Stunden-Epos. Es ist ein kompaktes, fokussiertes Abenteuer:
| Inhalt | Umfang |
|---|---|
| Hauptstory | 10-15 Stunden |
| 100% (alle Herzteile, Muscheln etc.) | 15-20 Stunden |
| Dungeons | 8 |
| Dungeon-Editor | Unbegrenzt (je nach Interesse) |
Für manche mag das kurz klingen – besonders im Vergleich zu Breath of the Wild oder Tears of the Kingdom. Aber Link’s Awakening ist ein anderes Erlebnis. Es ist ein klassisches, lineares Zelda-Abenteuer, das keine Zeit verschwendet.

Fazit
The Legend of Zelda: Link’s Awakening ist ein zeitloser Klassiker, der ein würdiges Remake erhalten hat. Nintendo hat genau an den richtigen Stellen angesetzt: Der Diorama-Stil ist nach kurzer Eingewöhnung wunderschön, der Soundtrack ist grandios, und die Steuerung wurde sinnvoll modernisiert.
Was das Remake richtig macht
- Der Diorama-Stil ist einzigartig und liebevoll
- Der orchestrale Soundtrack ist hervorragend
- Die Steuerung wurde deutlich verbessert
- Moderne Quality-of-Life-Features (Karte, Pins, Speichern)
- Alle Inhalte des Originals wurden beibehalten
- Nintendo-Cameos sind charmant wie eh und je
- Dungeon-Editor als nette Ergänzung
Was nicht so gut läuft
- Framedrops in bestimmten Gebieten
- Dungeon-Editor ohne Amiibos eingeschränkt
- Preis von 60€ für ein Remake eines Gameboy-Spiels (Diskussionspunkt)
Mein persönliches Urteil
Für mich war es eine Reise in die Vergangenheit. Die Erinnerungen, die Melodien, die Charaktere – alles kam zurück. Aber auch ohne Nostalgie-Brille ist Link’s Awakening ein hervorragendes Spiel.
Es ist nicht das größte oder ambitionierteste Zelda, aber es ist eines der charmantesten. Die Geschichte ist berührend, die Dungeons sind clever, und die Welt von Cocolint verdient es, entdeckt zu werden.
Die Framedrops sind ärgerlich, aber nicht gravierend genug, um das Erlebnis zu ruinieren. Wer klassische Zelda-Spiele mag oder nostalgische Gefühle für das Original hat, sollte zugreifen.
Cocolint ist eine Insel, die man nicht so schnell vergisst – damals nicht, und heute erst recht nicht.
Bewertung: 8.5/10
Stärken:
- Einzigartiger, liebevoller Diorama-Stil
- Orchestraler Soundtrack mit Gänsehaut-Momenten
- Verbesserte Steuerung (Schwert/Schild fest)
- Moderne Quality-of-Life-Features
- Karte mit Pin-Funktion
- Jederzeit speichern möglich
- Alle Originalinhalte erhalten
- Charmante Nintendo-Cameos
- Acht clever designte Dungeons
- Dungeon-Editor als Bonus
- Amiibo-Support optional
- Zeitloses Spielprinzip
- Berührende Geschichte
- Kompaktes, fokussiertes Erlebnis
Schwächen:
- Spürbare Framedrops in manchen Gebieten
- Performance-Probleme beim Bildschirmwechsel
- Dungeon-Editor ohne Amiibos eingeschränkt
- 60€ Vollpreis für Gameboy-Remake diskutabel
- Relativ kurze Spielzeit (10-15 Stunden)
Technische Daten:
- Entwickler: Grezzo / Nintendo EPD
- Publisher: Nintendo
- Genre: Action-Adventure
- Plattform: Nintendo Switch (Exklusiv)
- Release: 20. September 2019
- Original: 1993 (Gameboy)
- Protagonist: Link
- Setting: Insel Cocolint
- Dungeons: 8
- Grafikstil: Diorama / Tilt-Shift
- Spielzeit: 10-15 Stunden (Story), 15-20 Stunden (100%)
- Altersfreigabe: USK 6




