Publisher PQube und Entwicklerstudio Twin Hearts veröffentlichten 2021 ein besonders niedliches Action-Adventure-RPG mit Farm- und Handwerkselementen. Kitaria Fables kombiniert Stardew Valley-Farming mit Zelda-Action. Nach über 20 Stunden in der bezaubernden Welt von Canoidera steht fest: Das Spiel ist charmant und zugänglich, scheitert aber an unbalanciertem Design. Die Farm ist irrelevant, das Kampfsystem zu simpel, die Welt zu leer. Für jüngere Spieler oder RPG-Einsteiger funktioniert es – für Genre-Veteranen fehlt Tiefe.
Die Geschichte: Kalamität bedroht Pfotendorf
Die Geschichte beginnt vor langer Zeit. Eine böse Macht – die Kalamität – plagte das Land Canoidera mit feindlichen Monstern. Eine Gruppe Helden brachte Frieden indem sie das Böse vorerst besiegte.
Nyanza von Schnurr – auch bekannt als Nyan – ist eine Katzensoldatin die vom Imperium aus der Hauptstadt nach Pfotendorf entsandt wurde. Ihr treuer Begleiter Macaron begleitet sie um das idyllische Dorf vor einer Reihe von Monstersichtungen zu schützen.
Hier beginnt die Reise und der erste Kampf. Man lernt die Grundmechaniken und muss ein kleines Mädchen vor Schleimmonstern beschützen.
Kurz nach Ankunft im malerischen Pfotendorf trifft man den Dorfvorsteher. Er teilt verzweifelt mit dass die Angriffe durch Monster dramatisch zugenommen haben. Nyan beschließt sich im alten Bauernhaus der Familie in der Nähe einzuquartieren und von dort aus dem Geheimnis auf den Grund zu gehen.
Bald stellt man fest: Die Störung betrifft nicht nur Pfotendorf sondern ganz Canoidera. Hier kommt man als bewaffnete Katze genau richtig.
Die Story ist simpel, generisch, kindgerecht. Keine tiefgründige Erzählung, keine komplexen Charaktere, keine moralischen Dilemmata. Das ist okay für die Zielgruppe – aber Genre-Veteranen werden gelangweilt sein.
Die Farm: Irrelevant und unbalanciert
Zuerst sucht man die kleine Farm auf die einst dem Großvater gehörte. Hier kann man Felder bestellen, im Bauernhaus das Aussehen ändern, speichern und sich nach anstrengendem Tag ins Bett legen um mit neuer Energie in den neuen Tag zu starten.
Neben dem Bauernhaus findet man alle benötigten Werkzeuge in einer Kiste:
- Harke: Felder für Samen bearbeiten
- Gießkanne: Samen gießen
- Axt: Bäume fällen
- Spitzhacke: Steine entfernen, Erz abbauen
- Sense: Reife Früchte ernten
Man kauft Samen bei einem Händler, bearbeitet den Boden, pflanzt Samen ein, gießt diese jeden Tag. Farming eben.
Allerdings ist zu empfehlen die Gießkanne so schnell wie möglich beim Schmied verbessern zu lassen. So kann man mehrere Felder gleichzeitig bewässern. Sonst muss man jedes Feld einzeln bewässern was auf Dauer anstrengend wird.
Man kann Güter selbstverständlich verkaufen um sich neue Bekleidung oder Waffen zu finanzieren.
Das große Problem: Das Farming rückt in den Hintergrund. Man kann Nahrung zu sich nehmen um sich in Kämpfen zu heilen. Aber warum Nahrung anbauen wenn man einen Zauber verwenden kann der denselben Effekt hat? Oder warum Ernte gegen Bargeld verkaufen wenn man hochwertige Ausrüstung oder Gegenstände von Monstern erhält und für mehr Geld verkaufen kann?
Für mich gab es keinen Anreiz die Farm zu erweitern. Tatsächlich habe ich einen großen Teil des Spiels durchgespielt ohne meine Farm zu bewirtschaften.
Das ist ein fundamentales Design-Problem. Die beiden Hauptmechaniken – Farming und Combat – sind nicht gut integriert. Im Vergleich zu Rune Factory (wo Farming essentiell ist) oder Stardew Valley (wo es der Hauptfokus ist) fehlt die Balance.
Nyan und Macaron: Stiller Protagonist
Nyan ist größtenteils stumm. Ihre Äußerungen zu Situationen und Gesprächen sind oft mit Emoticons über ihrem Kopf oder gelegentlicher Dialogoption verbunden.
Macaron hingegen übernimmt die Führung in Gesprächen. Sie teilt oft mit gemeinsam zu kämpfen, jedoch nimmt sie nur an Dialogen teil. In Kämpfen unterstützt sie uns leider nicht.
Das ist verschenktes Potential. Warum einen Begleiter einführen der mechanisch nichts beiträgt? Im Vergleich zu Zelda: Tears of the Kingdom (wo Gefährten kämpfen) oder Pokémon (wo Partner essentiell sind) ist Macaron Dekoration.
Man kann Nyan ein wenig Persönlichkeit verleihen indem man die Fellfarbe im Bauernhaus vor dem Spiegel ändert oder später verschiedene Rüstungen kauft die Aussehen und Werte verändern. Das ist nett aber oberflächlich.
Die Welt: Niedlich aber leblos
Die Welt von Canoidera ist unglaublich niedlich und liebevoll gestaltet. Auch die Monster sind eher süß als furchterregend. Man muss Fledermäuse namens „Flauschi“ bekämpfen. Die größere stärkere Version wird zum „Großflauschi“.
Ein absolut kindgerechtes Abenteuer und für Einsteiger geeignet.
Es gibt über 20 Zonen auf der Karte zu entdecken. Jedoch sind diese Bereiche nicht riesig. Will man von einer Zone in die andere laufen wird man recht häufig von Ladebildschirmen begleitet. Das hat mich persönlich gestört.
Das Problem: Die Orte wirken leblos und verlassen. Scheinbar werden Dörfer nur von Händlern und Soldaten bewohnt. Oder die anderen Bewohner verbringen den ganzen Tag in ihren gemütlichen Häusern.
Die NPCs die man zu Gesicht bekommt, Häuser und Gegenstände sind sehr liebevoll und harmonisch gestaltet. Aber es fehlt Lebendigkeit. Im Vergleich zu Animal Crossing (wo Dörfer leben) oder Stardew Valley (wo NPCs Routinen haben) ist Canoidera statisch.
Die Musik ändert sich von Gebiet zu Gebiet und ist wirklich passend sowie atmosphärisch. Das ein oder andere Gebiet habe ich fröhlich summend durchquert. Der Soundtrack ist eine Stärke.
Quests: Boten-Aufgaben und Sammelarbeit
Man erwartet einige Quests von den niedlichen Dorfbewohnern. Oftmals gehört das Übermitteln wichtiger Nachrichten und Informationen an andere tierische Bewohner von Canoidera die sich irgendwo auf der Karte befinden.
So wird man vom gut ausgebildeten kaiserlichen Soldaten zum Boten. Oder man muss bestimmte Gegenstände wie Rohstoffe und Lebensmittel sammeln.
Um Rohstoffe zu erhalten bekämpft man Monster für Monster bis man die benötigte Anzahl erbeutet hat. Für Lebensmittel kommt die Farm ins Spiel und man beginnt Obst und Gemüse anzubauen.
So erfüllt man die Wünsche der Bewohner und kann Quests abschließen.
Das Quest-Design ist repetitiv und uninspiriert. „Gehe zu Person X“, „Sammle 10 Items“, „Töte 5 Monster“. Das ist MMO-Filler-Content in einem Single-Player-Spiel.
Im Vergleich zu Zelda (mit kreativen Shrines und Sidequests) oder The Witcher (mit Story-fokussierten Quests) ist Kitaria Fables generisch. Der Vergleich ist allerdings etwas unfair.
Kampfsystem: Simpel aber funktional
Gegen Monster tritt man in Echtzeit-Kämpfen an welche den Großteil der Spielzeit bestimmen. Wählen kann man zwischen verschiedenen Waffen und Zaubersprüchen.
Nyan kann Gegner mit Schwert, Bogen oder Magie bekämpfen. Genau – Magie! In Canoidera ist das Wirken von Magie eigentlich verboten. Aber dieses Verbot gilt nicht für den Spieler. Man lernt schnell einige Zaubersprüche. Mit Hilfe erbeuteter Gegenstände kann man später neue Zauber freischalten die es in sich haben.
Ich habe mich für das Schwert entschieden. Hiermit kommt man besonders nah an Feinde heran, kann ihnen hohen Schaden zufügen und gleichzeitig durch Rollen den Angriffen ausweichen. Bei stärkeren Gegnern habe ich Magie angewandt – entweder um mich selbst zu heilen oder Gegnern weiteren Schaden aus der Ferne zuzufügen.
Im Kampf gegen Monster sollte man taktisch vorgehen. Sobald man Magie oder Waffenfähigkeiten einsetzt kostet es Magiepunkte. Diese können regeneriert werden indem man Gegner mit der Waffe trifft. Im richtigen Zeitpunkt ausweichen ist wichtig!
Ansonsten kann es passieren dass man betäubt, vergiftet oder eingefroren wird. Ist man zu langsam wird der Bildschirm schwarz und man wacht im Farmhaus wieder auf.
Der Vorteil: Man verliert weder Gegenstände noch Geld. Das habe ich das ein oder andere Mal ausgenutzt da ich keine Lust hatte einen längeren Weg zu laufen um eine Quest abzugeben. Das ist schlechtes Design – Death-Warping sollte nicht optimal sein.
Progression: Keine Levels, nur Upgrades
In Kitaria Fables gibt es kein Levelsystem. Aber man kann bei Händlern einige Upgrades für Waffen, Zauber und Kleidung kaufen oder beim Schmied verbessern lassen.
Für Waffenupgrades muss man Gegenstände sammeln und von Monstern erbeuten sowie einen gewissen Geldbetrag zahlen. Das teilweise mühselige Sammeln lohnt sich. Denn je nach Upgrade wird die Angriffskraft verdoppelt was sich in Kämpfen sofort bemerkbar macht.
Das System ist okay aber uninspiriert. Es gibt keine Build-Vielfalt, keine Spezialisierungen, keine Skill-Trees. Man upgraded linear – Schwert Level 2, dann Level 3, dann Level 4.
Im Vergleich zu Titeln wie Dark Souls (mit komplexen Builds) oder Monster Hunter (mit diversen Waffen-Styles) ist Kitaria Fables flach. Auch dieser Vergleich ist aber sicher etwas unfair.
Koop-Modus: Nette Ergänzung
Etwas Abwechslung bietet der Koop-Modus. Hier kann man sich zu zweit bei der Erledigung von Quests und Farmarbeit unterstützen. Die Monster werden nicht stärker sodass man diese im Team schneller besiegen kann.
Allerdings liegt der Fokus auf dem ersten Spieler welcher Quests annehmen muss damit man im Abenteuer weiter voranschreitet. Das ist asymmetrisch und frustriert Spieler 2.
Der Koop ist lokal nur – kein Online-Multiplayer. Das ist Einschränkung für Spieler deren Freunde nicht lokal sind.
Im Vergleich zu It Takes Two (brilliant designed Koop) oder Stardew Valley (Online-Koop) ist Kitaria Fables basic.
Umfang und Langzeitmotivation
Beim Spielen habe ich mir Zeit gelassen und viele Details begutachtet. Ich habe etwas über 20 Stunden in Canoidera verbracht. Aber das kommt darauf an wie man spielt.
Nach Beenden des Spiels hat man die Möglichkeit noch ein paar Nebenquests zu erledigen. Allerdings konnte ich mich nicht motivieren da der zusätzliche Anreiz fehlte.
20 Stunden für Story + Nebenquests ist okay für Budget-Titel. Aber nach Credits gibt es keinen Grund weiterzuspielen. Keine Endgame-Aktivitäten, keine New Game+, keine Secrets.
Für wen eignet sich Kitaria Fables?
Die Zielgruppe: Jüngere Spieler und RPG-Einsteiger.
Geeignet für:
- Kinder (6-12 Jahre) die ihr erstes Action-RPG spielen
- RPG-Einsteiger die einfaches Gameplay wollen
- Fans niedlicher Ästhetik
- Lokale Koop-Spieler
- Casual-Gamer die ein entspanntes Erlebnis suchen
Nicht geeignet für:
- Genre-Veteranen die Tiefe erwarten
- Stardew Valley-Fans die Farming-Fokus wollen
- Zelda-Fans die komplexe Dungeons erwarten
- Spieler die Balance zwischen Mechaniken schätzen
- Leute die lebendige Open-Worlds wollen
Im Vergleich zur Konkurrenz: Rune Factory 5 macht alles besser. Stardew Valley hat besseres Farming. Zelda hat die besseren Kämpfe. Kitaria Fables ist für keine dieser Mechaniken die beste Wahl.
Unser Fazit
Kitaria Fables ist ein kleines niedliches Abenteuer für ein paar entspannte Abende auf dem Sofa. Jedoch mit mehr Action als Farming. Die Welt ist charmant gestaltet, die Musik ist atmosphärisch, das Kampfsystem ist zugänglich.
Aber das Spiel scheitert an fundamentalen Design-Problemen. Die Farm ist irrelevant weil Monster-Drops profitabler sind. Die Welt ist leer weil NPCs statisch sind. Die Quests sind repetitiv weil es nur Fetch-Aufgaben gibt. Die Progression ist flach weil es keine Build-Vielfalt gibt.
Für jüngere Familienmitglieder oder als RPG-Einstieg funktioniert es. Die niedliche Ästhetik, simple Mechaniken und kindgerechte Story machen es zugänglich. Der lokale Koop ist nett für Eltern-Kind-Sessions.
Aber für Genre-Veteranen fehlt Tiefe. Wer Stardew Valley, Rune Factory oder Zelda kennt wird enttäuscht sein. Diese Spiele machen alles was Kitaria Fables versucht besser.
Wenn ihr ein leichtes süßes Abenteuer sucht kann ich Kitaria Fables empfehlen. Vor allem für die jüngeren Familienmitglieder oder als RPG-Einstieg. Aber erwartet keine Genre-Innovation.
Wertung: 6,5/10 – Befriedigend
Ein charmantes aber oberflächliches Action-RPG mit Farm-Elementen das durch niedliche Ästhetik überzeugt aber an unbalanciertem Design und fehlendem Tiefgang scheitert – primär für jüngere Spieler geeignet.
Pro und Contra
Pro:
- Niedliche, charmante Ästhetik mit liebevollen Details
- Atmosphärischer Soundtrack der sich pro Gebiet ändert
- Zugängliches Kampfsystem für Einsteiger
- Lokaler Koop-Modus für zwei Spieler
- Kindgerechte Story ohne verstörende Inhalte
- Magie-System trotz Verbots ist interessante Prämisse
- Tod ohne Strafen (kein Item/Geld-Verlust)
- Über 20 Zonen zu entdecken
- Waffen- und Rüstungs-Upgrades motivieren
- Fröhliche, entspannte Atmosphäre
Contra:
- Farm-Mechanik ist irrelevant und unbalanciert
- Welt wirkt leer und leblos trotz niedlichem Design
- Repetitive Fetch-Quest und Boten-Aufgaben
- Kein Levelsystem, nur lineare Upgrades
- Häufige Ladebildschirme zwischen Zonen
- Begleiter Macaron ist mechanisch nutzlos
- Simpel gehaltenes Kampfsystem ohne Tiefe
- Keine Langzeitmotivation nach Story-Ende
- Koop-Modus ist asymmetrisch (Spieler 2 benachteiligt)
- Kein Online-Multiplayer, nur lokal
Häufige Fragen zu Kitaria Fables
Ist die Farm wichtig?
Nein. Das ist das Hauptproblem. Monster-Drops sind profitabler als Farming. Die Landwirtschaft ist optional und irrelevant für Progression.
Für welches Alter ist es geeignet?
Ab 6 Jahren. Kindgerechte Ästhetik, simple Mechaniken, keine verstörenden Inhalte. Ideal als erstes Action-RPG für Kinder.
Gibt es Online-Multiplayer?
Nein, nur lokaler Koop. Zwei Spieler können am selben Bildschirm spielen. Kein Online-Mode.
Wie lange dauert ein Durchlauf?
Story + Nebenquests: 15-25 Stunden. Hängt von Spielstil ab. Es gibt kein Endgame-Content.
Ist es wie Stardew Valley?
Nur oberflächlich. Es hat Farming aber das ist nicht der Fokus. Kampf dominiert. Stardew Valley ist deutlich tiefgründiger.
Lohnt es sich für Erwachsene?
Für Genre-Veteranen eher nicht. Es ist zu simpel, zu oberflächlich. Für Casual-Gamer die entspanntes Erlebnis suchen: Ja.
Gibt es ein Levelsystem?
Nein. Progression funktioniert nur über Equipment-Upgrades. Keine Character-Levels, keine Skill-Points.
Kann man die Farm ignorieren?
Ja, komplett. Man kann das gesamte Spiel durchspielen ohne zu farmen. Das ist Design-Problem.
Technische Daten
Entwickler: Twin Hearts
Publisher: PQube
Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch
Release: 2. September 2021
Genre: Action-RPG, Farming-Sim
Spieleranzahl: 1-2 (lokaler Koop)
Spielzeit: 15-25 Stunden
Sprachen: Englisch (Text), Deutsch (Text)
Altersfreigabe: USK 6 / PEGI 7
Technische Specs:
- PS5/Xbox Series X: 1080p-4K, 60fps
- PS4/Xbox One: 1080p, 30-60fps
- Switch: 720p/1080p, 30fps
- PC: Skalierbar













