Zeitgleich mit Assassin’s Creed III erscheint mit Assassin’s Creed III: Liberation ein PS-Vita-exklusiver Ableger, der mehrere Premieren für die Serie markiert: Erstmals spielt man eine weibliche Protagonistin, erstmals kämpft man im kolonialen New Orleans statt in Europa oder der Frontier, und erstmals nutzt man ein innovatives Persona-System, das Tarnung und Infiltration völlig neu denkt.
Aveline de Grandpré – eine franko-afrikanische Assassinin, die im Spannungsfeld zwischen französischer Aristokratie, spanischer Besatzung und afrikanischer Sklaverei agiert – ist eine faszinierende Heldin. Ihr Kampf für die Freiheit unterdrückter Sklaven und gegen die Templer-Verschwörung in Louisiana (1765–1777) bietet einen erfrischend anderen Blick auf die Amerikanische Revolutionsära als Connors Geschichte im Norden.
Nach etwa 10 Stunden Spielzeit mit der PS-Vita-Version steht fest: Liberation ist ein ambitioniertes Handheld-Abenteuer mit innovativen Ideen und einer starken Protagonistin – aber auch ein technisch problematisches Spiel, das unter massiven Framerate-Einbrüchen, Bugs und erzwungenen Touchscreen-Mechaniken leidet. Es ist das bisher beste Assassin’s-Creed-Erlebnis auf einem Handheld, aber gleichzeitig ein frustrierender Beweis dafür, dass die PS Vita mit der AnvilNext-Engine überfordert ist.
Story: Aveline de Grandpré – Zwischen allen Fronten
Die Geschichte von Liberation spielt parallel zu den Ereignissen von Assassin’s Creed III, fokussiert aber auf Louisiana und die Machtkämpfe um die Kontrolle von New Orleans.
Die Protagonistin: Aveline de Grandpré
Aveline wurde 1747 in New Orleans geboren – Tochter des wohlhabenden französischen Händlers Philippe Olivier de Grandpré und seiner afrikanischen Plac
ée Jeanne. Als „freie Farbige“ (gens de couleur libres) gehört Aveline zur gesellschaftlichen Elite New Orleans‘, genießt Bildung und Wohlstand. Doch als Kind erlebt sie, wie ihre Mutter spurlos verschwindet – ein Trauma, das ihr ganzes Leben prägt.
Ihr Mentor Agaté, ein entlaufener Sklave und Anführer der Assassinen in New Orleans, bildet Aveline zur tödlichen Kämpferin aus. Fortan führt sie ein Doppelleben: Tagsüber ist sie die elegante Tochter aus gutem Hause, nachts eine gnadenlose Assassinin, die Sklaven befreit und Templer jagt.
Die Handlung: 12 Jahre Kampf (1765–1777)
Die Story erstreckt sich über 12 Jahre und neun Sequenzen:
1765: New Orleans wechselt von französischer zu spanischer Kontrolle (Folge des Franzosen- und Indianerkriegs). Aveline deckt eine Templer-Verschwörung auf, angeführt von Rafael Joaquín de Ferrer, der Louisiana unter Templer-Kontrolle bringen will. Sie eliminiert seine Verbündeten – darunter den französischen Gouverneur Jean-Jacques Blaise d’Abbadie und den Verräter Baptiste, der sich als der tote Assassinen-Mentor François Mackandal ausgibt.
1768: Agaté befiehlt Aveline, den neuen spanischen Gouverneur Antonio de Ulloa zu töten – ein Templer, der strikte Handelsrestriktionen durchsetzt und heimlich Sklaven verkauft. Aveline infiltriert die spanische Verwaltung und schaltet de Ulloa aus.
1770er: Aveline reist nach Mexiko (Chichén Itzá-Ruinen), um Artefakte der Ersten Zivilisation zu finden. Sie kämpft gegen Sklavenhändler in den Bayous, befreit Plantagen-Arbeiter und deckt ein Netzwerk auf, das bis in ihre eigene Familie reicht.
Der Twist: Avelines Stiefmutter Madeleine de L’Isle entpuppt sich als Templerin. Sie hat Aveline jahrelang manipuliert, um sie als Templerin zu rekrutieren. Madeleine verlangt von Aveline, Agaté zu töten, um ihre Loyalität zu beweisen.
Aveline versucht, Agaté zu warnen – aber der misstrauische Mentor glaubt, sie habe ihn verraten, und greift sie an. Nach einem Duell begeht Agaté Selbstmord, weil er die Demütigung nicht ertragen kann.
Das Finale: Aveline täuscht vor, den Templern beizutreten, trifft Madeleine in der St. Louis Cathedral – und tötet sie. Damit befreit sie New Orleans endlich von Templerherrschaft. Sie verbindet das Herz der Bruderschaft (ein Medaillon ihrer Mutter) mit dem Prophecy Disk und enthüllt eine geheime Botschaft der Ersten Zivilisation.
Meta-Narrative: Abstergo Entertainment
Anders als in AC III wird Avelines Geschichte nicht von Desmond Miles erlebt. Stattdessen ist Liberation ein Videospiel, entwickelt von Abstergo Entertainment (einer Tochtergesellschaft der Templer-Firma Abstergo Industries). Das Spiel basiert auf den genetischen Erinnerungen von „Subject 1“ – dem ersten Probanden des Animus-Projekts.
Diese Meta-Ebene bedeutet: Wir spielen ein In-Universe-Produkt der Templer. Avelines Darstellung ist womöglich verfälscht oder zensiert, um Abstergo-Propaganda zu dienen. Es gibt versteckte „Citizen E“-Missionen, die andeuten, dass Hacker versuchen, die wahre Geschichte freizulegen.
Mein Eindruck: Das Meta-Konzept ist interessant, wird aber zu wenig ausgenutzt. Die Citizen-E-Missionen sind optional und leicht zu übersehen. Im Vergleich zu Desmonds emotionaler Reise fehlt der modernen Ebene die Tiefe.
Gameplay: Persona-System als Kern-Innovation
Das große Alleinstellungsmerkmal von Liberation ist das Persona-System – Avelines Fähigkeit, zwischen drei verschiedenen Identitäten zu wechseln, die jeweils unterschiedliche Gameplay-Optionen freischalten.
Die drei Personas
1. Assassinen-Persona
Die klassische AC-Identität: Aveline trägt ihre Assassinen-Robe (eine elegante weiße Jacke mit Kapuze, angepasst an das heiße Louisiana-Klima), hat Zugriff auf ihr volles Arsenal (Hidden Blade, Machete, Pistolen, Blasrohr, Peitsche) und kann frei klettern, rennen und kämpfen.
Vorteil: Maximale Kampfkraft und Mobilität Nachteil: Ständige Aufmerksamkeit von Wachen. Die Notoriety-Leiste startet bei 25% und kann nicht weiter gesenkt werden – eine Frau mit Waffen auf Dächern fällt einfach zu sehr auf.
2. Damen-Persona (Lady)
Aveline kleidet sich als Aristokratin in einem prächtigen Ballkleid mit Federhut. In dieser Verkleidung kann sie:
- Charme einsetzen: NPCs bestechen oder manipulieren
- Unbemerkt bleiben: Wachen ignorieren eine vornehme Dame
- Schützlinge anheuern: Einen Diener als Leibwächter/Ablenkung nutzen
- Giftschirm nutzen: Ein modifizierter Sonnenschirm, der Giftpfeile verschießt
Vorteil: Perfekte Tarnung in Oberstadt-Vierteln Nachteil: Kann nicht rennen, klettern oder springen. Extrem verwundbar im Kampf (stirbt nach 2–3 Treffern).
3. Sklaven-Persona (Slave)
Aveline verkleidet sich als einfache Arbeiterin/Sklavin in schlichter Kleidung. Dadurch kann sie:
- Mit Arbeitern verschmelzen: Kisten tragen = unsichtbar
- Aufstände anstiften: Arbeiter zu Riots überreden
- Unbemerkt infiltrieren: Plantagen, Lagerhäuser, Baustellen
Vorteil: Extreme Unauffälligkeit in Armenvierteln und auf Plantagen Nachteil: Reduziertes Waffenarsenal (nur Machete, Blasrohr, keine Pistolen), schwächer im Kampf als die Assassinen-Persona.
Persona-Wechsel: Ankleidekammern
Der Wechsel zwischen Personas erfolgt in Ankleidekammern (vergleichbar mit Banken in AC II). Diese sind über New Orleans, die Bayous und Mexiko verteilt. Man muss sie freischalten (wie Shops in früheren AC-Spielen).
Problem: Der Zwang, bestimmte Missionen in vorgeschriebenen Personas zu spielen, ist frustrierend. Beispiel: Eine Mission muss als Dame gespielt werden – auch wenn der Spielstil überhaupt nicht zum Spieler passt. Man rennt langsam durch die halbe Stadt, nur um ein kurzes Gespräch zu führen. Das untergräbt die Sandbox-Philosophie.
Positiv: Wenn man frei wählen kann, entsteht taktische Tiefe. Eine Zielperson in einem Ballsaal eliminieren? Die Damen-Persona schleicht unbemerkt herein, vergiftet den Champagner. Eine Sklavenauktion sabotieren? Die Sklaven-Persona stiftet einen Riot an.
Kampf & Stealth: Vereinfachtes AC-Grundgerüst
Combat
Das Kampfsystem ist nahezu identisch mit AC III, aber vereinfacht für die PS Vita:
- Viereck: Nahkampfangriffe
- Dreieck: Fernkampf (halten = zielen, loslassen = feuern)
- Kreis: Konter
- X: Blockbrecher
Anders als in AC II/Brotherhood liegt der Fokus nicht mehr auf defensivem Counter-Gameplay, sondern auf offensiver Aggression. Das ist eine Verbesserung – Kämpfe fühlen sich dynamischer an.
Chain Kills: Aveline kann mehrere Gegner in einer einzigen Animation töten. Auf der Vita nutzt man dafür den Touchscreen – man tippt nacheinander die Ziele an, dann führt Aveline eine Tötungssequenz aus. Das sieht spektakulär aus, ist aber mechanisch flach (pure Gimmick).
Waffen: Aveline hat ein abwechslungsreiches Arsenal:
- Machete: Hauptwaffe, schnell und tödlich
- Zuckerrohr-Machete: Etwas schwächer, aber stilvoll
- Hidden Blade: Klassiker für lautlose Kills
- Peitsche: Kann Gegner entwaffnen oder aus der Ferne angreifen
- Blasrohr: Verschießt Giftpfeile (auch als Giftschirm in der Damen-Persona)
- Pistolen & Musketen: Fernkampf
Problem: Wie in AC III ist das Kampfsystem viel zu einfach. Selbst große Gegnergruppen sind keine Bedrohung – Counter, Kill, Chain Kill, fertig. Selbst auf hohem Schwierigkeitsgrad stirbt man selten.
Stealth
Die Stealth-Mechaniken sind solide, aber nicht innovativ:
- Büsche: Verstecken wie in AC III
- Social Stealth: In Menschenmengen untertauchen
- Dach-Parkour: Klassisches AC-Klettern
Blasrohr: Die coolste neue Waffe. Leise, präzise, kann Wachen aus der Distanz ausschalten, ohne Alarm auszulösen. Funktioniert sowohl mit normalen Pfeilen als auch mit Giftpfeilen (die Gegner nach wenigen Sekunden töten).
Notoriety: Funktioniert anders je nach Persona:
- Assassinen-Persona: Startet bei 25%, steigt durch Verbrechen. Reduzierung durch Wandposter abreißen oder Zeugen bestechen.
- Damen/Sklaven-Persona: Startet bei 0%, aber wilde Aktionen (Morde, Rennen, Klettern) erhöhen sie massiv.
Welt & Missionen: New Orleans, Bayous und Mexiko
New Orleans: Koloniales Flair
New Orleans ist die Hauptstadt des Spiels und historisch detailliert nachgebildet:
- Französisches Viertel: Elegante Kolonialhäuser, belebte Plätze, Straßencafés
- Hafenviertel: Lager, Schiffe, Handelsposten
- Ärmere Viertel: Sklavenmärkte, Plantagen außerhalb der Stadt
- St. Louis Cathedral: Wahrzeichen der Stadt, Schauplatz des Finales
Die Stadt ist deutlich kleiner als Boston oder New York in AC III, aber auch dichter und atmosphärischer. Die Architektur ist einzigartig – französische Kolonialbauten mit Balkonen, schmalen Gassen und tropischer Vegetation.
Atmosphäre: Fantastisch. Die Musik (kreolische Einflüsse, Trommeln, Jazz-Vorläufer) passt perfekt. NPCs sprechen Französisch, Spanisch und Englisch. Sklaven auf Märkten, französische Adelige in Kutschen, spanische Soldaten auf Patrouille – New Orleans fühlt sich lebendig an.
Problem: Die Welt ist zu klein. Nach 3–4 Stunden kennt man jeden Winkel. Es gibt wenig Abwechslung – die meisten Gebäude sehen identisch aus.
Die Bayous: Sümpfe voller Gefahren
Die Bayous (Sümpfe rund um New Orleans) sind ein komplett neues Setting für die Serie:
- Alligatoren: Lauern im Wasser und greifen Aveline an. Man kann sie jagen (ihre Häute verkaufen) oder mit dem Blasrohr aus der Distanz töten.
- Sumpfpflanzen: Dichte Vegetation, perfekt zum Verstecken
- Baumhütten: Kleine Siedlungen auf Stelzen
- Voodoo-Schreine: Mystische Locations (werden aber nicht narrativ genutzt)
Die Bayous bieten eine willkommene Abwechslung, wirken aber etwas leer. Es gibt zu wenig Inhalte – hauptsächlich Sammelobjekte und ein paar Befreiungsmissionen.
Chichén Itzá (Mexiko): Maya-Ruinen
In zwei Sequenzen reist Aveline nach Mexiko, um Maya-Ruinen zu erkunden. Diese Abschnitte sind pure Platforming-Level – Sprung-Rätsel, bewegliche Plattformen, Fallen.
Positiv: Optisch beeindruckend, gute Abwechslung zum Stadt-Gameplay Negativ: Fühlt sich deplatziert an. Die Ruinen haben keine narrative Relevanz – reine Filler-Level.
Missionsstruktur
Hauptmissionen: 9 Sequenzen, etwa 6–8 Stunden Spielzeit. Linear, oft mit vorgeschriebener Persona.
Nebenmissionen:
- Befreiungsmissionen: Sklaven befreien, Plantagen sabotieren, Sklavenhändler eliminieren (18 Missionen)
- Wirtschaftsmissionen: Avelines Vater Philippe betreibt ein Handelsimperium. Man kann Waren kaufen/verkaufen und Handelsschiffe zu anderen Häfen schicken (ähnlich wie in AC III, aber simpler)
- Citizen E-Missionen: Versteckte Hacker-Missionen, die die „wahre“ Geschichte enthüllen (3 Missionen)
- Sammelgegenstände: 100 Tauben-Eier, 12 Mushroom Samples, Voodoo-Puppen
Problem: Zu viele Missionen sind repetitiv. „Befreie 10 Sklaven hier, 10 dort“ wird schnell langweilig.
Touchscreen & PS-Vita-Features: Erzwungen und störend
Ubisoft nutzt die PS-Vita-Features aggressiv – leider oft zum Nachteil des Gameplays.
Touchscreen-Zwang
- Taschendiebstahl: Man muss mit dem Finger über den Touchscreen wischen, um zu stehlen. Warum nicht einfach ein Knopfdruck?
- Rudern im Kanu: Man muss das Rückseitige Touchpad (!) wiederholt wischen, um zu rudern. Umständlich und nervig.
- Briefe öffnen: Man muss Front- und Rück-Touchscreen gleichzeitig über einen Umschlag wischen. Gimmick ohne Mehrwert.
- Chain Kills: Gegner auf dem Touchscreen antippen. Funktioniert, fühlt sich aber gezwungen an.
Fazit: Diese Features unterbrechen den Flow des Spiels. Sie wirken wie Checkbox-Features („Wir müssen den Touchscreen nutzen!“), nicht wie durchdachtes Design.
Gyro-Sensor
Beim Zielen mit Fernwaffen kann man die PS Vita neigen, um präziser zu zielen. Das funktioniert überraschend gut, ist aber optional (zum Glück).
Multiplayer: Strategisch, aber langweilig
Der Multiplayer ist komplett anders als in Brotherhood/Revelations. Statt PvP-Assassinationen gibt es ein rundenbasiertes Strategiespiel:
- Die Weltkarte ist in Nodes (Knotenpunkte) unterteilt, kontrolliert von Assassinen oder Abstergo.
- Man wählt eine Seite (Assassinen/Templars) und positioniert Charaktere (statische Portraits) auf Nodes.
- Beim Angriff auf einen Node gibt es einen 2-Sekunden-Silhouetten-Kampf – dann gewinnt oder verliert man.
- Verteidigung ist passiv: Man stationiert Charaktere, verlässt den Multiplayer, kehrt später zurück und sieht das Ergebnis.
Problem: Es fühlt sich bedeutungslos an. Gewinne und Verluste haben kaum Auswirkung – Nodes wechseln nur minimal die Farbe. Es fehlt jegliche Spannung.
Fazit: Verschwendete Entwicklungszeit. Hätte man besser in Bugfixes investiert.

Technische Aspekte: Ambition trifft PS-Vita-Limits
Grafik
Positiv:
- New Orleans sieht fantastisch aus: Die Kolonialhäuser, Balkone, tropische Vegetation – visuell ist die Stadt ein Highlight.
- Charaktermodelle: Aveline ist detailliert animiert, Gesichtsanimationen sind gut (für Handheld-Verhältnisse).
- Beleuchtung: Tag/Nacht-Wechsel, Fackelschein in den Bayous – stimmungsvoll.
Negativ:
- Pop-in: Gebäude, NPCs und Objekte tauchen plötzlich auf, besonders in den Bayous.
- Textur-Qualität: Im Vergleich zur PS3-Version von AC III deutlich schlechter – matschige Texturen, wenig Details.
- Draw Distance: Sehr kurz. Gebäude in der Ferne sind oft nur verschwommene Blöcke.
Performance: Katastrophale Framerate
Das größte technische Problem: Die Framerate ist miserabel.
- In leeren Bereichen (Bayous, Dächern) läuft das Spiel mit ~25–28 FPS.
- In belebten Straßen von New Orleans sackt die Framerate auf 18–22 FPS.
- Bei Kämpfen mit vielen Gegnern fällt sie teilweise auf unter 18 FPS.
Das Spiel fühlt sich dadurch zähflüssig an. Aveline bewegt sich in Zeitlupe, besonders in Kampfsituationen. Das ist für ein Action-Spiel inakzeptabel.
Vergleich: AC III auf PS3 hat auch Framerate-Probleme, aber nichts im Vergleich zu Liberation. Hier ist die Engine schlicht überfordert.
Bugs & Glitches
Liberation ist voll von Bugs:
- Alligatoren schweben in der Luft
- Gegner stecken in Wänden oder im Wasser fest
- Missionen brechen plötzlich ab, ohne erkennbaren Grund
- Save-Game-Bug: Der berüchtigtste Bug. Manchmal speichert das Spiel nicht, und man verliert stundenlangen Fortschritt. Ubisoft hat einen Patch angekündigt, aber zum Release-Zeitpunkt ist das Problem präsent.
Empfehlung: Regelmäßig manuell speichern und Backups über den Content Manager auf den PC ziehen.
Sound
Musik: Der Score ist fantastisch – kreolische Rhythmen, Trommeln, frühe Jazz-Einflüsse, afrikanische Gesänge. Komponist Winifred Phillips hat hervorragende Arbeit geleistet. Die Musik ist atmosphärischer als in AC III.
Voice Acting: Amber Goldfarb (Aveline) liefert eine starke Performance – selbstbewusst, aber verletzlich. Die französisch/spanisch-akzentuierten Dialoge klingen authentisch.
Problem: Es fehlen Soundeffekte. Die Peitsche – Avelines neue Signaturwaffe – hat keinen Sound. Sie schwingt lautlos durch die Luft. Das ist lachhaft und zeigt, wie gehetzt die Entwicklung war.
Fazit: Starke Protagonistin, schwache Technik
Assassin’s Creed III: Liberation ist ein Spiel voller Widersprüche. Auf der einen Seite bietet es eine der interessantesten Protagonistinnen der Serie, ein innovatives Persona-System und das atmosphärischste Setting seit AC II. Auf der anderen Seite leidet es unter katastrophaler Performance, nervigen Touchscreen-Zwängen und zahllosen Bugs.
Was Liberation richtig macht:
✅ Aveline de Grandpré: Endlich eine weibliche Assassinin – stark, intelligent, vielschichtig ✅ Persona-System: Taktisch spannend, wenn nicht erzwungen ✅ New Orleans: Einzigartige Atmosphäre, historisch faszinierend ✅ Musik: Bester Soundtrack seit AC II ✅ Sklaverei-Thematik: Mut, ein schwieriges Thema anzusprechen (auch wenn nicht perfekt umgesetzt) ✅ Eigenständige Story: Funktioniert ohne AC-III-Kenntnisse
Was Liberation falsch macht:
❌ Framerate: 18–28 FPS sind inakzeptabel ❌ Bugs: Save-Game-Verluste, schwebende Alligatoren, Missions-Abbrüche ❌ Touchscreen-Zwang: Nervige Gimmicks statt sinnvoller Integration ❌ Zu kurz: 6–8 Stunden Hauptstory, danach wenig zu tun ❌ Repetitive Nebenmissionen: „Befreie Sklaven“ in Endlosschleife ❌ Multiplayer: Langweilig und bedeutungslos ❌ Zu kleine Welt: New Orleans ist nach 4 Stunden komplett erkundet
Für wen ist Liberation geeignet?
- AC-Fans auf PS Vita: Wenn ihr AC unterwegs spielen wollt, ist Liberation die einzige Option – und trotz Problemen ein solides Handheld-AC.
- Geschichtsinteressierte: New Orleans im 18. Jahrhundert wird liebevoll dargestellt.
- Spieler, die eine weibliche Protagonistin erleben wollen: Aveline ist die einzige spielbare weibliche Assassinin (bisher).
Wer sollte vorsichtig sein?
- Perfektionisten: Die technischen Probleme werden euch wahnsinnig machen.
- Spieler ohne PS Vita: Wartet auf eine mögliche PS3/PC-Portierung (falls sie kommt).
Liberation ist ein ambitioniertes Handheld-Experiment, das an den Grenzen der PS-Vita-Hardware scheitert. Die Ideen sind gut, die Umsetzung mangelhaft. Aveline verdient ein besseres Spiel als dieses Bug-verseuchte, ruckelnde Abenteuer.
Dennoch: Für PS-Vita-Besitzer ist Liberation ein Pflichtkauf – nicht weil es perfekt ist, sondern weil es das einzige echte AAA-Action-Adventure auf der Handheld-Konsole ist.
Wertung: 7.0/10
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert die Hauptgeschichte? Die Hauptstory dauert etwa 6–8 Stunden. Mit allen Nebenmissionen und Sammelgegenständen seid ihr etwa 12–15 Stunden beschäftigt. Deutlich kürzer als AC III.
Muss ich AC III gespielt haben, um Liberation zu verstehen? Nein. Avelines Geschichte ist komplett eigenständig. Es gibt ein paar Querverweise (z.B. trifft man Connor in einer optionalen Mission), aber das ist nicht notwendig für das Verständnis.
Ist Aveline eine gute Protagonistin? Ja! Aveline ist eine der stärksten Charaktere der Serie. Sie ist kämpferisch, intelligent und moralisch komplex. Im Vergleich zu Connor (zu stoisch) oder Ezio (zu perfekt) fühlt sie sich menschlicher an.
Funktioniert das Persona-System gut? Ja und nein. Wenn man frei wählen kann, ist es taktisch spannend. Aber zu viele Missionen zwingen dich in eine bestimmte Persona, was frustrierend ist.
Wie schlimm sind die Framerate-Probleme? Sehr schlimm. In belebten Bereichen fällt die Framerate auf 18–22 FPS. Das Spiel fühlt sich zähflüssig an. Wenn ihr empfindlich auf schlechte Performance reagiert, wird euch das massiv stören.
Gibt es einen Save-Game-Bug? Ja. Manche Spieler berichten, dass Speicherstände verloren gehen, besonders spät im Spiel. Ubisoft hat einen Patch angekündigt, aber zum Release ist das Problem präsent. Empfehlung: Speichert regelmäßig manuell und macht Backups über den Content Manager.
Lohnt sich der Multiplayer? Nein. Er ist langweilig, strategisch flach und fühlt sich bedeutungslos an. Ignoriert ihn.
Kann ich die PS-Vita-Touchscreen-Features deaktivieren? Nein. Taschendiebstahl, Rudern und Briefe-Öffnen sind fest an den Touchscreen gebunden. Das ist eine der nervigsten Design-Entscheidungen.
Gibt es eine Verbindung zwischen AC III und Liberation? Ja, aber minimal. Wenn ihr beide Spiele auf PS3/Vita besitzt, gibt es Cross-Save-Boni:
- Spielt eine exklusive Mission als Connor in New York
- Schaltet Connors Tomahawk für Aveline frei
- Bekommt einen Multiplayer-Charakter und Munitions-Upgrades
Wann spielt Liberation im Vergleich zu AC III? Liberation: 1765–1777 (Louisiana) AC III: 1754–1783 (Nordamerikanische Kolonien) Die Geschichten überlappen sich zeitlich, spielen aber an unterschiedlichen Orten.
Wird es eine HD-Version für Konsolen geben? Zum jetzigen Zeitpunkt (November 2012) gibt es keine Ankündigung. Aber es wäre sinnvoll – die PS Vita ist mit der Engine überfordert. Eine PS3/Xbox-360-Version würde die technischen Probleme lösen.
Technische Informationen:
Entwickler: Ubisoft Sofia
Publisher: Ubisoft
Plattform: PlayStation Vita (exklusiv)
Release: 30. Oktober 2012 (Nordamerika), 31. Oktober 2012 (Europa)
Genre: Action-Adventure, Stealth, Open World
Engine: AnvilNext (PS Vita-Anpassung)
USK: Ab 16 Jahren
Spieleranzahl: Einzelspieler, Multiplayer (asynchron, strategisch)
Ungefähre Spieldauer: 6–8 Stunden (Hauptstory), 12–15 Stunden (100%)
Speicherplatz: ~3.2 GB (Vita-Cartridge oder Download)
Getestet auf: PlayStation Vita (Retail-Version)
Weiterführende Links:
- Offizielle Website
- Assassin’s Creed Liberation auf Wikipedia
- Aveline de Grandpré auf Wikipedia
- New Orleans Geschichte
- Sklaverei in Louisiana
- Assassin’s Creed III im Test
- Assassin’s Creed II im Test
- Assassin’s Creed: Brotherhood im Test
Dieser Test basiert auf der PlayStation-Vita-Version von Assassin’s Creed III: Liberation.
