Mit Assassin’s Creed Origins wagt Ubisoft einen mutigen Neuanfang für ihre erfolgreichste Spieleserie. Nach dem eher durchwachsenen Assassin’s Creed Syndicate und einer wohlverdienten einjährigen Entwicklungspause kehrt die Reihe der Meuchelmörder nicht nur auf die Bildschirme zurück, sondern erfindet sich dabei grundlegend neu. Das alte Ägypten dient als Schauplatz für eine Geschichte, die uns zu den Wurzeln der Assassinen-Bruderschaft führt – und gleichzeitig als Spielwiese für ein komplett überarbeitetes Gameplay-Konzept.
Die Erwartungen an diesen Titel waren enorm. Konnte Ubisoft Montreal die Serie wirklich wiederbeleben und die Kritikpunkte der Vorgänger ausmerzen? Nach über 60 Stunden im Land der Pharaonen kann ich sagen: Ja, das ist ihnen gelungen – und zwar auf eine Art und Weise, die mich persönlich überrascht hat.

Story: Die Geburt einer Bruderschaft
Die Geschichte von Assassin’s Creed Origins ist gleichzeitig persönlich und episch. Wir schlüpfen in die Rolle von Bayek von Siwa, einem Medjay – einem Beschützer des Volkes im alten Ägypten. Was als Rachefeldzug für den Mord an seinem Sohn Khemu beginnt, entwickelt sich zu einer weitreichenden Verschwörung, die das gesamte Ptolemäische Reich erschüttert und letztendlich zur Gründung der Assassinen-Bruderschaft führt.
Bayek und Aya: Zwei Seiten einer Medaille
Im Zentrum der Erzählung steht nicht nur Bayek, sondern auch seine Frau Aya. Beide verfolgen dasselbe Ziel – die Vernichtung des Ordens der Ältesten, einer geheimen Organisation, die im Schatten die Geschicke Ägyptens lenkt. Doch während Bayek aus persönlicher Trauer und Wut handelt, verfolgt Aya einen größeren, politischeren Plan. Diese unterschiedlichen Motivationen sorgen für interessante Spannungen und geben der Geschichte eine emotionale Tiefe, die in früheren Serienteilen oft fehlte.
Was mich besonders beeindruckt hat: Die Entwickler scheuen sich nicht, schwierige Themen anzusprechen. Der Verlust eines Kindes, die Entfremdung zweier Liebender durch Trauer, die moralischen Grauzonen bei der Jagd nach Gerechtigkeit – all das wird mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die man der Serie vielleicht nicht zugetraut hätte. Bayek ist kein eindimensionaler Rächer, sondern ein gebrochener Mann, der zwischen seiner Pflicht als Medjay und seinem Durst nach Vergeltung zerrissen wird.
Historische Figuren und politische Intrigen
Die Handlung ist eingebettet in einen der faszinierendsten Zeitabschnitte der antiken Geschichte: den Machtkampf zwischen Kleopatra VII. und ihrem Bruder Ptolemaios XIII. um den Thron Ägyptens, während das Römische Reich unter Julius Cäsar seinen Einfluss auf die Region ausdehnt. Diese historischen Figuren sind keine bloßen Statisten, sondern spielen eine zentrale Rolle in der Geschichte. Kleopatra ist mal Verbündete, mal undurchsichtige Intrigantin, und die Begegnungen mit Julius Cäsar gehören zu den Höhepunkten der Kampagne.
Besonders gelungen finde ich, wie die Geschichte das Credo der Assassinen nicht einfach als gegeben hinnimmt, sondern seine Entstehung nachvollziehbar macht. Wir erleben, wie aus zwei Rächern eine Bewegung wird, wie aus persönlichem Leid eine Philosophie entsteht. Die ikonischen Worte „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“ bekommen hier einen Kontext, der sie bedeutsamer macht als in jedem vorherigen Serienteil.
Nebenquests mit Substanz
Ein Aspekt, der Origins von seinen Vorgängern abhebt, sind die Nebenquests. Statt belangloser Sammelaufgaben oder repetitiver Aufträge erzählen viele von ihnen eigene, in sich geschlossene Geschichten. Da ist der Bauer, dessen Frau von Krokodilen verschleppt wurde. Der Priester, der mit seinem Glauben hadert. Die Witwe, die Gerechtigkeit für ihren ermordeten Mann sucht. Diese kleinen Geschichten fügen sich zu einem Mosaik zusammen, das ein lebendiges Bild des ptolemäischen Ägyptens zeichnet.
Natürlich gibt es auch hier Füllmaterial – nicht jede Nebenquest ist ein narratives Meisterwerk. Aber der Anteil an wirklich gut erzählten Geschichten ist höher als in jedem anderen Assassin’s Creed zuvor. Nach etwa 60 Stunden Spielzeit hatte ich das Gefühl, nicht nur Bayek, sondern auch die Menschen Ägyptens kennengelernt zu haben.
Gameplay: Revolution statt Evolution
Assassin’s Creed Origins ist nicht einfach ein weiteres Assassin’s Creed mit neuem Setting – es ist ein fundamentaler Neuanfang. Das Kampfsystem, die Charakterentwicklung, die Art, wie wir die Welt erkunden – fast alles wurde von Grund auf überarbeitet. Und das Ergebnis ist ein Spiel, das sich anfühlt wie eine gelungene Kreuzung aus klassischem Assassin’s Creed und modernen Action-RPGs wie The Witcher 3.
Das neue Kampfsystem
Vergessen sind die Zeiten, in denen man sich durch Gegnerhorden metzeln konnte, indem man einfach den Konterangriff-Knopf zur richtigen Zeit drückte. Origins führt ein Hitbox-basiertes Kampfsystem ein, das tatsächlich Können und Timing erfordert. Leichte und schwere Angriffe, Ausweichmanöver, Schildblöcke und Paraden müssen situationsgerecht eingesetzt werden.
Jeder Waffentyp spielt sich dabei grundlegend anders. Normale Schwerter bieten einen ausgewogenen Mix aus Geschwindigkeit und Schaden. Sichelschwerter ermöglichen weite Schwünge, die mehrere Gegner treffen. Speere halten Feinde auf Distanz. Schwere Keulen und Äxte sind langsam, richten aber verheerenden Schaden an. Und dann gibt es noch die Dual-Blades für aggressiven Nahkampf und die Stäbe für defensive Spieler. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass das Kampfsystem auch nach dutzenden Stunden nicht langweilig wird.
Besonders befriedigend ist der Fernkampf mit dem Bogen. Vier verschiedene Bogentypen stehen zur Verfügung: Der Jägerbogen für präzise Einzelschüsse, der Lichtbogen für schnelle Schussfolgen, der Kriegerbogen für Streuschüsse und der Raubtierbogen für maximale Durchschlagskraft. Headshots fühlen sich wuchtig und belohnend an, und das Zielen im Flug – ja, man kann während eines Sprungs in Zeitlupe zielen – sorgt für kinoreife Momente.
Adler Senu: Bayeks Auge am Himmel
Eine der besten Neuerungen ist Bayeks treuer Begleiter Senu. Der Adler ersetzt das Eagle Vision der Vorgänger und funktioniert wie eine fliegende Drohne. Mit Senu können wir Gebiete aus der Luft erkunden, Gegner markieren, Schätze entdecken und sogar Ablenkungsmanöver starten. Das System ist so gut umgesetzt, dass man Senu fast öfter benutzt als die eigentlichen Waffen.
Vor jedem Angriff auf ein feindliches Lager oder eine Festung empfiehlt es sich, erst einmal mit Senu die Lage zu erkunden. Wo stehen die Wachen? Gibt es Alarmsignale, die deaktiviert werden sollten? Welche Routen bieten sich für einen Stealth-Ansatz an? Diese taktische Komponente verleiht dem Gameplay eine Tiefe, die den älteren Teilen fehlte.
RPG-Elemente und Charakterentwicklung
Origins führt ein vollwertiges Levelsystem ein, das die Serie endgültig in RPG-Gefilde führt. Bayek beginnt auf Level 1 und kann bis Level 40 aufsteigen. Mit jedem Levelaufstieg verbessern sich seine Grundwerte, und er erhält Fertigkeitspunkte, die in einem umfangreichen Skilltree investiert werden können.
Der Skilltree ist in drei Äste unterteilt:
Jäger: Hier finden sich alle Fähigkeiten rund um den Fernkampf. Verbesserte Bogenkontrolle, die Fähigkeit, Pfeile zu lenken, oder der tödliche Raubtierpfeil, der Gegner sofort tötet – wer auf Distanz kämpft, wird hier fündig.
Krieger: Dieser Ast dreht sich um den Nahkampf. Verbesserte Kombo-Angriffe, die Fähigkeit, feindliche Schilde zu zerschmettern, oder Überladungsangriffe mit verheerendem Schaden machen Bayek zum Nahkampfmonster.
Seher: Der vielleicht interessanteste Ast bietet Unterstützungsfähigkeiten. Hier kann man lernen, wilde Tiere zu zähmen, Schlafpfeile herzustellen, die Zeit zu manipulieren (Tag-Nacht-Wechsel) oder Senu mit zusätzlichen Fähigkeiten auszustatten.
Das Schöne am System ist, dass man nicht auf einen Pfad festgelegt ist. Im Laufe des Spiels sammelt man genug Punkte, um Fähigkeiten aus allen drei Ästen freizuschalten und so einen hybriden Spielstil zu entwickeln. Mein persönlicher Favorit: Eine Kombination aus Jäger- und Seher-Fähigkeiten, die es ermöglicht, Lager komplett aus der Distanz auszuschalten, ohne jemals entdeckt zu werden.
Das Equipment-System
Das Loot-System von Origins erinnert stark an Spiele wie Destiny oder Diablo. Waffen und Schilde droppen in verschiedenen Qualitätsstufen – von gewöhnlich (blau) über selten (lila) bis legendär (gold). Je höher die Qualität, desto mehr Bonus-Attribute besitzt ein Gegenstand.
Diese Attribute können spielverändernd sein. Eine Waffe mit „Blutung bei Treffer“ verursacht zusätzlichen Schaden über Zeit. „Gift bei Treffer“ schwächt Gegner kontinuierlich. „Kritische Trefferchance erhöht“ belohnt präzises Spielen. Die richtige Kombination aus Waffe und Attributen kann den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.
Besonders elegant gelöst: Lieblingswaffen können beim Schmied auf das aktuelle Spielerlevel angehoben werden. So muss man sich nicht von einer geliebten Waffe trennen, nur weil sie levelbedingt zu schwach geworden ist. Diese Entscheidung zeigt, dass Ubisoft verstanden hat, was Spieler frustriert – und entsprechend gegengesteuert hat.
Neben Waffen gibt es auch Rüstungskomponenten, die durch Crafting verbessert werden. Die versteckte Klinge, der Köcher, die Armschienen, der Brustpanzer und der Werkzeuggürtel können alle aufgewertet werden, was direkte Auswirkungen auf Bayeks Kampffähigkeiten hat. Eine nicht aufgewertete versteckte Klinge beispielsweise kann höherstufige Gegner nicht mehr mit einem Treffer töten – ein Problem, das man im späteren Spielverlauf unbedingt vermeiden sollte.
Die offene Welt: Ägypten zum Erkunden
Die Spielwelt von Origins ist schlicht atemberaubend. Das ptolemäische Ägypten erstreckt sich von den fruchtbaren Ufern des Nils über die endlosen Wüsten bis hin zu den griechisch geprägten Städten Alexandria und Memphis. Jede Region hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Flora und Fauna, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.
Die Liebe zum Detail ist beeindruckend. In den Dörfern gehen Menschen ihrem Tagwerk nach, Händler preisen ihre Waren an, Kinder spielen in den Gassen. In der Wüste ziehen Karawanen ihre Bahnen, während Sandstürme die Sicht einschränken. Am Nil tummeln sich Krokodile und Nilpferde, die beide äußerst gefährlich werden können. Diese Welt fühlt sich lebendig an, nicht wie eine bloße Kulisse für Missionen.
Für Geschichts- und Archäologie-Enthusiasten bietet Origins einen besonderen Leckerbissen: Den Discovery-Tour-Modus. Dieser verwandelt das Spiel in ein interaktives Museum, in dem man ohne Kämpfe und Missionen die historischen Stätten erkunden und dabei von Experten erstellte Führungen genießen kann. Die Pyramiden von Gizeh, die Bibliothek von Alexandria, die Tempel von Karnak – all das kann man in Ruhe bewundern und dabei etwas über die Geschichte lernen.
Grafik: Ägypten in seiner vollen Pracht
Visuell gehört Assassin’s Creed Origins zu den beeindruckendsten Spielen seiner Generation. Die AnvilNext 2.0-Engine zaubert ein Ägypten auf den Bildschirm, das gleichermaßen historisch fundiert und visuell spektakulär ist.
Landschaften zum Verlieben
Die Landschaftsdarstellung ist schlicht großartig. Sonnenaufgänge über dem Nil, die das Wasser in goldenes Licht tauchen. Sanddünen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Oasen, die wie grüne Juwelen in der Wüste glitzern. Die Pyramiden, die majestätisch in den Himmel ragen. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, einfach nur dazustehen und die Aussicht zu genießen.
Besonders beeindruckend ist die Darstellung des Wassers. Ob der breite Nil, die sumpfigen Gewässer des Fayyum oder das kristallklare Meer vor Alexandria – Wasser sieht in Origins fantastisch aus und reagiert realistisch auf Bayeks Bewegungen. Das Tauchen, eine neue Fähigkeit in diesem Teil, wird dadurch zu einem visuellen Vergnügen.
Charaktermodelle: Licht und Schatten
Bei den Charaktermodellen zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Hauptfiguren – Bayek, Aya, Kleopatra, Cäsar – sind liebevoll gestaltet und überzeugend animiert. Bayeks Gesichtsausdrücke transportieren Emotionen, seine Bewegungen wirken natürlich und flüssig. Die Performance-Capture-Arbeit hat sich hier ausgezahlt.
Die NPCs hingegen fallen deutlich ab. Es scheint, als hätte Ubisoft nur eine Handvoll Grundmodelle erstellt und diese dann mit verschiedenen Frisuren, Bärten und Körpergrößen variiert. In Menschenmengen fällt das besonders auf – da stehen schon mal drei identisch aussehende Männer nebeneinander. Für ein Spiel dieser Größenordnung ist das verständlich, aber es bricht die Immersion durchaus.
Performance auf Konsolen
Auf der PlayStation 4 Pro läuft Origins stabil, kann aber nicht konstant 30 FPS halten. In besonders action-reichen Szenen oder bei Sandstürmen kommt es zu spürbaren Einbrüchen. Nichts, was das Spielerlebnis ruinieren würde, aber eben auch nicht die makellose Performance, die man sich wünschen würde.
Sound: Atmosphärische Untermalung
Die Soundkulisse von Origins trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Von den Umgebungsgeräuschen bis zum orchestralen Soundtrack – akustisch wurde hier ganze Arbeit geleistet.
Soundtrack mit orientalischem Flair
Die Musik, komponiert von Sarah Schachner, verbindet orchestrale Elemente mit orientalischen Instrumenten und Gesängen. Das Ergebnis ist ein Soundtrack, der perfekt zum Setting passt. Ruhige Erkundungspassagen werden von sanften Melodien begleitet, während Kämpfe von treibenden Rhythmen untermalt werden. Besonders die Stücke, die in Tempeln und an heiligen Stätten spielen, haben eine fast meditative Qualität.
Sprachausgabe und Synchronisation
Die englische Originalvertonung ist durchweg exzellent. Abubakar Salim verleiht Bayek eine warme, aber auch verletzliche Stimme, die die emotionale Reise des Charakters perfekt transportiert. Auch die Nebenfiguren sind überzeugend besetzt.
Die deutsche Synchronisation ist solide, erreicht aber nicht ganz das Niveau des Originals. Manche Dialoge wirken etwas steif, und die emotionalen Höhepunkte treffen nicht immer mit voller Wucht. Wer kann, sollte zur englischen Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln greifen.
Umgebungsgeräusche
Die Welt Ägyptens wird durch ihre Geräusche lebendig. Das Plätschern des Nils, das Geschrei der Händler auf den Basaren, das Brüllen der Löwen in der Wüste, das Surren der Pfeile – all das fügt sich zu einer dichten Soundkulisse zusammen. Mit einem guten Kopfhörer wird die Immersion noch verstärkt.
Bugs und technische Probleme
Kein Ubisoft-Launch wäre komplett ohne einige Bugs, und Origins macht hier keine Ausnahme. Während meiner Spielzeit bin ich auf verschiedene Glitches gestoßen, von denen einige amüsant, andere frustrierend waren.
Da wäre der Soldat, der in einer Respawn-Schleife feststeckte und immer wieder am selben Punkt starb. Oder die Früchte auf dem Markt, die aussahen, als hätte jemand vergessen, ihnen Texturen zu geben – eckige Äpfel im Jahr 2017, wirklich? Einmal blieb ich in einem Felsen stecken und musste den Spielstand neu laden. Gelegentlich verschwanden NPCs mitten im Gespräch oder Cutscenes hatten keinen Ton.
Diese Probleme sind ärgerlich, aber nicht spielzerstörend. Ubisoft hat bereits mehrere Patches veröffentlicht, die einige der schlimmsten Bugs behoben haben, und weitere werden folgen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet vielleicht noch ein paar Wochen auf die vollständig gepatchte Version.
Mikrotransaktionen: Der Elefant im Raum
Ein Thema, das angesprochen werden muss: Assassin’s Creed Origins enthält Mikrotransaktionen. Im Ubistore können „Helix Credits“ gegen Echtgeld erworben werden, mit denen sich kosmetische Items, Waffen und sogenannte „Time Saver Packs“ kaufen lassen.
Die Time Saver Packs sind dabei am kontroversesten. Sie enthüllen alle Sammelobjekte auf der Karte oder geben sofort Zugang zu allen Handwerksmaterialien. Im Grunde kann man sich damit das Grinden ersparen – gegen Bezahlung.
Ist das Pay-to-Win? Im strengen Sinne nicht. Alle Inhalte, die für Echtgeld verfügbar sind, können auch im Spiel erarbeitet werden. Die Mikrotransaktionen verkürzen lediglich den Weg. Trotzdem hinterlässt es einen bitteren Beigeschmack, wenn ein Vollpreisspiel zusätzlich die Hand aufhält. Immerhin: Der Kauf ist komplett optional, und das Spiel ist auch ohne einen Cent zusätzlicher Investition vollständig genießbar.
Umfang: Mehr als genug für sein Geld
Der Umfang von Assassin’s Creed Origins ist gewaltig. Die Hauptstory allein beschäftigt etwa 25-30 Stunden, wer alle Nebenquests, Nebentätigkeiten und Sammelobjekte mitnehmen will, kann leicht 80-100 Stunden in diesem Spiel versenken.
Neben den Quests gibt es Gladiatorenkämpfe in den Arenen, Wagenrennen im Hippodrom, Papyrus-Rätsel, die zu versteckten Schätzen führen, Steinkreise, die astronomische Konstellationen darstellen, und die namensgebenden Gräber der Pharaonen, in denen antike Geheimnisse schlummern. Für Komplettisten ist hier monatelange Beschäftigung garantiert.
Dazu kommt der bereits erwähnte Discovery-Tour-Modus und die angekündigten DLCs, die die Spielzeit weiter erhöhen werden. Preis-Leistungs-technisch gibt es hier absolut nichts zu meckern.
Fazit
Assassin’s Creed Origins ist der Neuanfang, den die Serie dringend brauchte. Nach Jahren der Stagnation und einem wohlverdienten Entwicklungsjahr hat Ubisoft Montreal ein Spiel abgeliefert, das sich gleichzeitig wie ein klassisches Assassin’s Creed und wie etwas völlig Neues anfühlt.
Die Geschichte um Bayek und Aya ist emotional packend und gibt dem Ursprung der Assassinen-Bruderschaft einen würdigen Rahmen. Das überarbeitete Kampfsystem macht jeden Kampf zu einer Herausforderung. Die RPG-Elemente fügen Tiefe hinzu, ohne zu überwältigen. Und das alte Ägypten ist schlicht einer der beeindruckendsten Open-World-Schauplätze, die je geschaffen wurden.
Ja, es gibt Bugs. Ja, die NPC-Modelle könnten besser sein. Ja, die Mikrotransaktionen sind unnötig. Aber diese Kritikpunkte verblassen angesichts dessen, was Origins richtig macht. Hier ist ein Spiel, das mit Leidenschaft entwickelt wurde, das seine Welt liebt und diese Liebe auf den Spieler überträgt.
Für Fans der Serie ist Assassin’s Creed Origins ein absolutes Muss – nicht nur wegen der Gameplay-Verbesserungen, sondern auch wegen der Geschichte, die endlich erklärt, wie alles begann. Für Neueinsteiger ist es der perfekte Einstiegspunkt in die Welt der Assassinen. Und für alle, die nach Syndicate vielleicht die Hoffnung aufgegeben hatten: Origins beweist, dass in dieser Reihe noch viel Leben steckt.
Willkommen im alten Ägypten. Willkommen am Ursprung.
Bewertung: 8.5/10
Stärken:
- Emotional packende Ursprungsgeschichte der Assassinen
- Bayek und Aya als vielschichtige Protagonisten
- Historische Figuren (Kleopatra, Julius Cäsar) gut integriert
- Entstehung des Credos nachvollziehbar erzählt
- Nebenquests mit eigenen Geschichten
- Komplett überarbeitetes Hitbox-Kampfsystem
- Vielfältige Waffentypen mit unterschiedlichem Spielgefühl
- Vier verschiedene Bogentypen für Fernkampf
- Adler Senu als geniales Gameplay-Element
- Umfangreicher Skilltree mit drei Ästen (Jäger, Krieger, Seher)
- Hybride Spielstile möglich
- Loot-System mit Qualitätsstufen und Attributen
- Lieblingswaffen können upgegradet werden
- Crafting-System für Rüstungskomponenten
- Atemberaubende Darstellung des alten Ägyptens
- Vielfältige Landschaften (Nil, Wüste, Oasen, Städte)
- Lebendige Spielwelt mit Tag-Nacht-Zyklus
- Discovery-Tour-Modus als interaktives Museum
- Stimmungsvoller Soundtrack von Sarah Schachner
- Exzellente englische Sprachausgabe
- Gewaltiger Spielumfang (80-100 Stunden möglich)
- Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen, Papyrus-Rätsel
- Gräber der Pharaonen zum Erkunden
Schwächen:
- NPC-Charaktermodelle wenig variiert
- Nur Hauptfiguren wirklich detailreich
- Bugs zum Launch (Respawn-Schleifen, fehlende Texturen)
- Gelegentliche Cutscene-Probleme (kein Ton, asynchron)
- Performance-Einbrüche auf Konsolen
- Wiederholende NPC-Dialoge
- Grinden teilweise erforderlich
- Mikrotransaktionen im Vollpreisspiel
- Time Saver Packs fragwürdig
- Deutsche Synchronisation nur solide
Technische Daten:
- Entwickler: Ubisoft Montreal
- Publisher: Ubisoft
- Genre: Action-Adventure / Open-World-RPG
- Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, PC
- Release: 27. Oktober 2017
- Engine: AnvilNext 2.0
- Setting: Altes Ägypten, Ptolemäische Zeit (49-43 v. Chr.)
- Protagonisten: Bayek von Siwa, Aya
- Max. Level: 40
- Skilltrees: 3 (Jäger, Krieger, Seher)
- Spielzeit: 25-30 Stunden (Story), 80-100 Stunden (Komplett)
- Komponistin: Sarah Schachner
- Englische Stimme Bayek: Abubakar Salim
- Altersfreigabe: USK 16


