Baldur’s Gate 3

Baldur’s Gate HBO-Serie angekündigt: Last of Us-Showrunner Craig Mazin setzt BG3-Story fort

Die Reise geht weiter – nur eben nicht als Spiel, sondern als HBO-Serie. Am 5. Februar 2026 gab HBO die Entwicklung einer Baldur’s Gate TV-Serie bekannt, die die Geschichte von Baldur’s Gate 3 direkt fortsetzt. Als Showrunner, Writer und Executive Producer wurde niemand Geringeres als Craig Mazin verpflichtet, der bereits mit The Last of Us und Chernobyl bewiesen hat, dass er komplexe Stoffe in hochwertige Fernsehserien verwandeln kann. Die Ankündigung sorgt für gemischte Gefühle in der Community: Einerseits ist Mazin ein bewährter Name mit Leidenschaft für das Material – er hat 1000 Stunden in Baldur’s Gate 3 investiert und den brutalen Honor Mode gemeistert. Andererseits ist Larian Studios, das Entwicklerteam hinter dem Game-of-the-Year-Gewinner, nicht in die Serie involviert. Das wirft Fragen auf: Kann eine TV-Adaption ohne die kreativen Köpfe von Larian die Magie des Spiels einfangen? Und wie löst man das Problem, dass Baldur’s Gate 3 dutzende verschiedene Enden hat? Wir beantworten alle Fragen zur kommenden HBO-Serie.

Breaking News: HBO bestätigt Baldur’s Gate-Serie mit Craig Mazin

Die Nachricht kam überraschend schnell. HBO entwickelt eine Live-Action-Serie basierend auf der Baldur’s Gate-Franchise, genauer gesagt als direkte Fortsetzung von Baldur’s Gate 3. Das teilte der Sender am 5. Februar 2026 mit. Craig Mazin, Co-Creator und Showrunner von HBOs The Last of Us, übernimmt dieselben Rollen für Baldur’s Gate. Mazin wird die Serie erstellen, schreiben, als Executive Producer fungieren und das Showrunning übernehmen – er hat also die kreative Kontrolle über das komplette Projekt.

Mazin ist kein Unbekannter in der Welt hochwertiger TV-Produktionen. Seine HBO-Miniserie Chernobyl aus 2019 gewann zahlreiche Emmys und gilt als Meisterwerk des Genres. The Last of Us setzte neue Maßstäbe für Videospiel-Adaptionen und bewies, dass Gaming-Geschichten im Fernsehen funktionieren können, wenn sie mit Respekt und Können umgesetzt werden. Jetzt nimmt Mazin sich mit Baldur’s Gate eine noch ambitioniertere Herausforderung vor – ein Fantasy-Epos in der Welt von Dungeons & Dragons mit einem riesigen Cast möglicher Charaktere und einer Geschichte, die auf Spielerentscheidungen basiert.

Als Executive Producers unterstützen Mazin Jacqueline Lesko, Cecil O’Connor und Gabriel Marano von Hasbro Entertainment. Chris Perkins, ehemaliger Senior Story Designer für Dungeons & Dragons bei Wizards of the Coast, der 2025 zu Critical Role wechselte, wird als Consultant fungieren. Das Team bringt also sowohl TV-Expertise als auch tiefes D&D-Wissen mit. Produziert wird die Serie in Partnerschaft zwischen HBO, Hasbro Entertainment und Wizards of the Coast, die die Rechte an Dungeons & Dragons und damit auch an Baldur’s Gate halten. Variety berichtet, dass HBO „thrilled“ ist, die Partnerschaft mit Mazin fortzusetzen.

Nach Baldur’s Gate 3: Die Serie als direkte Fortsetzung

Hier wird es spannend. Anders als The Last of Us, das die Geschichte der Spiele neu erzählt, wird Baldur’s Gate die Handlung NACH dem dritten Spiel fortsetzen. Die Serie spielt unmittelbar nach den Ereignissen von Baldur’s Gate 3 und zeigt, wie die Charaktere – alte und neue – mit den Nachwirkungen der Geschehnisse umgehen. Das ist ein mutiger Ansatz, denn Baldur’s Gate 3 endet nicht mit einem festen Ausgang. Je nach Spielerentscheidungen können Charaktere sterben, zu Gedankenschindern werden, göttliche Macht erlangen oder einfach weiterleben.

Gizmodo berichtet, dass die Serie sowohl bekannte Charaktere aus Baldur’s Gate 3 als auch neue Figuren einführen wird. Die neuen Protagonisten werden der klassischen D&D-Tradition folgen: Sie starten als relativ schwache Abenteurer und entwickeln sich im Laufe der Serie zu mächtigen Helden, die am Ende möglicherweise sogar gegen Götter antreten. Das kennen D&D-Spieler aus jahrzehntelanger Tabletop-Erfahrung – Charaktere beginnen auf Level 1 und können theoretisch bis Level 20 aufsteigen, wo sie Realitäten verbiegen und Drachen bezwingen.

Was die alten Charaktere betrifft: Fans fragen sich, wer aus dem Original-Cast zurückkehren wird. Astarion, der charismatische Vampir-Schurke? Karlach, die tieflingische Barbarin mit dem infernalischen Herzen? Shadowheart, die geheimnisvolle Klerikerin? Gale, der ambitionierte Magier? Lae’zel, die kompromisslose Githyanki-Kämpferin? Oder Wyll, der Blade of Frontiers? Alle diese Charaktere haben in Baldur’s Gate 3 verschiedene mögliche Schicksale, abhängig von Spielerentscheidungen. Die Serie muss also festlegen, welche Endings kanonisch werden.

Eine weitere Herausforderung: Der Player Character „Tav“. In Baldur’s Gate 3 erstellst du deinen eigenen Charakter – Rasse, Klasse, Aussehen, Persönlichkeit, alles ist anpassbar. Tav ist die leere Leinwand, auf die Spieler ihre Fantasie projizieren. PC Gamer merkt an, dass die Serie entweder Tav durch einen neuen Hauptcharakter ersetzt, oder eine bestimmte Version von Tav kanonisiert. Beides wird einen Teil der Fanbase enttäuschen, die ihre eigene Version von Tav im Kopf haben.

Craig Mazin: Der richtige Mann für den Job?

Mazins Qualifikationen sind beeindruckend, aber nicht unumstritten. Auf der positiven Seite: Der Mann ist ein echter Baldur’s Gate 3-Hardcore-Fan. Er hat laut eigener Aussage fast 1000 Stunden in das Spiel investiert. Das ist nicht einfach „mal durchgespielt“ – das sind dutzende Playthroughs, vermutlich mit verschiedenen Charakteren, Romances, Endings. Mazin hat das Spiel sogar auf dem Honor Mode geschafft, dem brutalsten Schwierigkeitsgrad, wo ein einziger Kampf-TPK (Total Party Kill) das komplette Savegame löscht. Das zeigt Hingabe.

Aber es kommt noch besser: Mazin ist seit 15 Jahren aktiver Dungeon Master. Er spielt Dungeons & Dragons wöchentlich und kennt die Regeln, die Lore, die Forgotten Realms. In seinem Statement zur Ankündigung sagte Mazin: „After putting nearly 1000 hours into the incredible world of Baldur’s Gate 3, it is a dream come true to be able to continue the story that Larian and Wizards of The Coast created. I am a devoted fan of D&D and the brilliant way that Swen Vincke and his gifted team adapted it.“

Das klingt nach jemandem, der das Material versteht und respektiert. Mazin lobte explizit Swen Vincke, den Creative Director von Larian Studios, und dessen Team. Das ist wichtig, denn es zeigt, dass Mazin nicht versuchen wird, Baldur’s Gate in etwas zu verwandeln, das es nicht ist. Er will die Geschichte von Larian und Wizards of the Coast mit Respekt und Liebe zum Leben erwecken.

Auf der kritischen Seite: The Last of Us Season 2 war umstritten. Viele Fans fanden die Staffel zu langsam, zu düster, zu sehr von der Spielvorlage abweichend. Mazins kreativen Entscheidungen wurden diskutiert. Ob das fair ist, steht auf einem anderen Blatt – TV und Games sind verschiedene Medien, Anpassungen sind nötig. Aber die Kritik existiert, und sie wird Mazin zur neuen Serie begleiten.

Ein weiterer Faktor: Mazin wird erst die dritte und finale Staffel von The Last of Us abschließen, bevor er sich voll auf Baldur’s Gate konzentriert. Das bedeutet: Die Baldur’s Gate-Serie ist noch in sehr früher Entwicklung. Drehbücher müssen geschrieben werden, Cast muss gefunden werden, Sets gebaut, VFX geplant. Ein Release vor 2028 ist unrealistisch. Vielleicht sogar später, abhängig davon wie schnell die Produktion voranschreitet.

Larian Studios nicht beteiligt: Segen oder Fluch?

Hier wird es kontrovers. Geoff Keighley bestätigte auf Twitter: „Larian, the creators of Baldur’s Gate 3, tell me they have no involvement in the series.“ Larian Studios, die Entwickler des Game-of-the-Year-Gewinners, sind nicht in die HBO-Serie involviert. Kein Creative Input, keine Beratung, keine Beteiligung.

Das löste sofort Reaktionen aus. Michael Douse, Publishing Director bei Larian Studios, twitterte: „Imma bout to crash out on main. I’ve spent the last 8-10 years of my life with the writers and creators of Baldur’s Gate 3 and they’re the most incredible storytellers & creators in the space. Only hope is that they get both the credit deserved & the characters are represented at the same level as the game.“

Douses Statement ist diplomatisch, aber die Sorge ist klar: Werden die Charaktere auf demselben Niveau dargestellt wie im Spiel? Bekommen die Original-Autoren die Anerkennung, die sie verdienen? Das sind berechtigte Fragen. Baldur’s Gate 3 wurde nicht nur für Gameplay und Grafik gefeiert, sondern vor allem für sein exzellentes Writing, seine komplexen Charaktere, seine emotionalen Storylines. Das kam von Larians Writers – Menschen wie Adam Smith (Lead Writer), Chrystal Ding, Lawrence Schick, Sarah Baylus und vielen mehr.

Ohne diese Autoren könnte die Serie ihren Ton verfehlen. Baldur’s Gate 3 ist eine einzigartige Mischung aus ernstem Fantasy-Drama, absurdem Humor, sexy Romance-Optionen und düsterer Eldritch-Horror. Es ist schwer, diese Balance zu treffen. Larians Writers haben jahrelang daran gearbeitet, jede Dialogzeile, jede Character-Arc, jede Questreihe perfekt zu tunen. Kann ein TV-Autor-Room das replizieren?

Auf der anderen Seite: Larian ist busy. Das Studio arbeitet an Divinity, ihrem nächsten großen RPG, das laut CEO Swen Vincke ihr „ambitioniertestes Projekt ever“ wird. Vincke hat mehrfach angedeutet, dass sich Larian durch das D&D-Regelwerk bei Baldur’s Gate 3 kreativ eingeschränkt fühlte. Larian wollte nach BG3 zurück zu ihrer eigenen IP, wo sie volle kreative Freiheit haben. Eine TV-Serie zu beraten würde Ressourcen binden, die Larian lieber in ihr neues Spiel steckt.

Außerdem: Die Rechte liegen bei Hasbro/Wizards of the Coast, nicht bei Larian. Hasbro kann mit der Baldur’s Gate-IP machen, was sie wollen. Larian hatte eine Lizenz für BG3, aber die IP gehört ihnen nicht. Hasbro hat bereits versucht, Baldur’s Gate 3-Charaktere in anderen Projekten zu verwerten – etwa im gescheiterten Project Sigil, einem Virtual Tabletop. Die HBO-Serie ist Hasbros Versuch, den Erfolg von BG3 zu kapitalisieren. Ob das funktioniert, wird sich zeigen.

Die Voice Actors: Werden sie zurückkehren?

Eine der spannendsten Fragen: Werden die Original-Voice-Actors aus Baldur’s Gate 3 in der TV-Serie auftreten? Mazin hat laut mehreren Quellen vor, Kontakt zu den Sprechern aufzunehmen und sie für die TV-Adaption zu gewinnen, „if possible“. Das „if possible“ ist wichtig – es gibt keine Garantien.

Bei The Last of Us gelang Mazin ein ähnlicher Coup: Merle Dandridge, die Voice-Actress von Marlene im Spiel, spielte die Rolle auch in der HBO-Serie. Das funktionierte perfekt, weil Dandridge nicht nur die Stimme, sondern auch das Aussehen ihrer Figur mitbrachte. Bei Baldur’s Gate 3 ist die Situation komplizierter. Die Voice-Actors sehen nicht aus wie ihre Charaktere.

Neil Newbon, der Astarion spricht, ist ein charismatischer britischer Schauspieler mit dunklen Haaren. Astarion ist ein blasser, weißhaariger Hochelf-Vampir mit spitzen Ohren. Newbon könnte die Rolle mit Makeup und CGI spielen, aber würde das funktionieren? Fans lieben Newbon – er gewann den Game Award für Best Performance 2023 –, aber sie lieben auch Astarions Aussehen, das von Larians Art Team designed wurde.

Ähnliches gilt für Samantha Béart (Karlach), Jennifer English (Shadowheart), Devora Wilde (Lae’zel), Tim Downie (Gale) und Theo Solomon (Wyll). Alle sind talentierte Performer, aber keine sehen aus wie ihre Charaktere. HBO müsste entscheiden: Voice-Actors casten und heavy Makeup/CGI verwenden? Oder neue Schauspieler casten, die dem Aussehen der Charaktere näherkommen, aber nicht die ikonischen Stimmen haben?

Es gibt Präzedenzfälle für beide Ansätze. The Witcher-Serie castete Henry Cavill als Geralt, der anders aussieht als Game-Geralt und eine andere Stimme hat – und es funktionierte (zumindest in den ersten Staffeln). Halo castete Pablo Schreiber als Master Chief, komplett anders als Steve Downes‘ ikonische Voice-Performance – und es war… umstritten. Fans haben starke Meinungen dazu, und HBO wird es nicht allen recht machen können.

Neil Newbon hat sich in Interviews bereits offen gezeigt, Astarion erneut zu verkörpern. In einem Stream sagte er, er würde die Rolle „in a heartbeat“ wieder spielen. Ob HBO ihn castet, ist eine andere Frage. Die Produktion startet frühestens 2027, und bis dahin kann viel passieren.

Die Herausforderung: Welches Ende ist kanonisch?

Baldur’s Gate 3 ist ein Rollenspiel mit enormer Entscheidungsfreiheit. Jeder Spieler erlebt eine einzigartige Geschichte. Charaktere können leben, sterben, sich verwandeln, fallen oder aufsteigen. Die Haupt-Companions haben jeweils mehrere mögliche Endings. Astarion kann zum Vampir-Ascendant werden oder seine Menschlichkeit bewahren. Karlach kann nach Avernus zurückkehren, in eine Gedankenschinderin verwandelt werden oder sterben. Shadowheart kann Shar oder Selûne folgen. Gale kann die Krone der Karsus ergreifen oder vernichten. Lae’zel kann zu Vlaakith zurückkehren oder Orpheus folgen.

Die HBO-Serie muss sich festlegen. Sie muss ein kanonisches Ending wählen. Und egal welches Ending sie wählt, sie wird einen Teil der Fanbase enttäuschen. Wenn Astarion zum Vampir-Ascendant wird, werden Spieler, die ihn davon abgehalten haben, protestieren. Wenn Karlach stirbt, werden Spieler, die sie gerettet haben, wütend sein. Es gibt keinen Weg, es allen recht zu machen.

Mazin ist sich dieses Problems bewusst. In einem Interview mit Deadline sagte er, die Serie werde „the ramifications of the events in the third game“ zeigen – aber nicht spezifizieren, welche Events genau. Das deutet darauf hin, dass Mazin vorsichtig vorgeht. Vielleicht wählt er Endings, die möglichst viele Optionen offenlassen. Oder er fokussiert sich auf neue Charaktere und hält die alten Companions im Hintergrund, sodass ihr spezifisches Schicksal weniger relevant ist.

Eine interessante Lösung wäre ein Multiverse-Ansatz, wo verschiedene Timelines existieren. Aber das ist wahrscheinlich zu kompliziert für eine TV-Serie. HBO will eine kohärente, zugängliche Story, nicht ein multidimensionales Puzzle. Also wird Mazin wahrscheinlich ein „offizielles“ Ending wählen und damit leben, dass manche Fans unzufrieden sind.

Die Frage ist auch: Welches Ende ist das „beste“ für eine TV-Fortsetzung? Ein Happy End, wo alle Companions überleben und die Welt gerettet ist? Oder ein ambivalentes Ende mit Verlusten und ungelösten Konflikten, die mehr Drama für die Serie bieten? Ich vermute Letzteres. TV-Autoren lieben Konflikte, und ein perfektes Happy End lässt wenig Raum für neue Geschichten.

Die Produktion: Timeline und Budget

Die Serie ist noch in sehr früher Entwicklung. Mazin hat gerade erst den Deal mit HBO abgeschlossen und arbeitet noch an The Last of Us Staffel 3, die voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 gedreht wird. Baldur’s Gate kann erst danach in volle Produktion gehen.

Das bedeutet: Drehbuchphase 2027, Casting 2027/2028, Dreharbeiten 2028, Post-Production 2028/2029. Ein realistisches Release-Datum wäre frühestens Ende 2028 oder 2029. Vielleicht sogar später, wenn die Produktion komplex wird. Baldur’s Gate erfordert massives Production Design – Fantasy-Kostüme, Monster-CGI, magische Effekte, Set-Builds. Das ist aufwendiger als The Last of Us, das in einer post-apokalyptischen Version unserer Welt spielt.

Budget wurde nicht genannt, aber man kann spekulieren. The Last of Us kostete laut Berichten rund 10-15 Millionen Dollar pro Episode. Baldur’s Gate wird wahrscheinlich ähnlich teuer oder teurer. HBO investiert massiv in Fantasy-Serien – House of the Dragon kostet etwa 20 Millionen Dollar pro Episode. Baldur’s Gate muss mit diesem Standard konkurrieren, also wird HBO tief in die Tasche greifen müssen.

Die erste Staffel wird vermutlich 8-10 Episoden haben, wie bei den meisten HBO-Dramas üblich. Ob es eine limitierte Serie wird oder auf mehrere Staffeln angelegt ist, ist unklar. Deadline erwähnt, dass die Serie „designed to be ongoing“ ist und „continue with different kinds of stories within the sprawling world of the game“. Das klingt nach Multi-Season-Plänen. HBO will ein neues Fantasy-Franchise aufbauen, das parallel zu House of the Dragon läuft.

Konkurrenz: Netflix‘ Forgotten Realms-Serie

Baldur’s Gate ist nicht die einzige Dungeons & Dragons-Serie in Entwicklung. Netflix arbeitet an einer Forgotten Realms-Serie mit Shawn Levy (Stranger Things, Deadpool 3) als Producer. Das Projekt wurde bereits vor der Baldur’s Gate-Ankündigung angekündigt und befindet sich ebenfalls in Entwicklung.

Hasbro und Wizards of the Coast versuchen offensichtlich, D&D als TV-Franchise zu etablieren. Die Idee macht Sinn: Dungeons & Dragons ist eine der bekanntesten Marken im Gaming, mit Jahrzehnten an Lore, ikonischen Monstern und einer treuen Fanbase. Der D&D-Film „Honor Among Thieves“ von 2023 war ein solider Erfolg (obwohl nicht der Blockbuster, den Paramount erhoffte), was zeigt, dass Interesse an D&D-Content existiert.

Die Netflix-Serie wird wahrscheinlich anders sein als Baldur’s Gate. Sie spielt in den Forgotten Realms, aber nicht zwingend in der Sword Coast oder mit Baldur’s Gate-Charakteren. Sie könnte in Waterdeep, Neverwinter oder einer komplett anderen Region spielen. Das gibt beiden Serien Raum, nebeneinander zu existieren ohne direkt zu konkurrieren.

Trotzdem: Zwei D&D-Serien gleichzeitig in Entwicklung zu haben, ist riskant. Wenn eine floppt, könnte das die andere mit runterziehen. Oder wenn beide erfolgreich sind, könnten sie den Markt für Fantasy-TV sättigen und Zuschauer überfordern. Hasbro setzt hier auf eine All-In-Strategie – entweder D&D wird das nächste große TV-Franchise, oder die Blase platzt.

Die Chancen: Warum die Serie funktionieren könnte

Trotz aller Herausforderungen und Bedenken gibt es gute Gründe, optimistisch zu sein. Craig Mazin hat bewiesen, dass er komplexe, emotionale Geschichten erzählen kann. Chernobyl war ein Meisterwerk über menschliches Versagen und institutionelle Korruption. The Last of Us Staffel 1 war eine herz zerreißende Geschichte über Liebe, Verlust und moralische Ambiguität. Mazin versteht Character-Driven Drama, und Baldur’s Gate 3 lebt von seinen Charakteren.

Das Source Material ist außergewöhnlich. Baldur’s Gate 3 gewann 2023 praktisch jeden Game of the Year Award – The Game Awards, DICE Awards, BAFTA Games Awards, Golden Joystick Awards, mehr. Es war das erste Spiel, das alle fünf großen GOTY-Auszeichnungen gewann. Die Geschichte, die Charaktere, die Dialoge – alles ist bereits auf höchstem Niveau. Mazin muss das Rad nicht neu erfinden, er muss es nur auf TV übertragen.

HBO hat die Ressourcen. Der Sender hat Game of Thrones zu einem globalen Phänomen gemacht. House of the Dragon läuft erfolgreich. HBO weiß, wie man Fantasy-Serien produziert. Sie haben die besten VFX-Teams, die besten Production Designer, die besten Casting Directors. Wenn irgendein Sender eine Baldur’s Gate-Serie richtig machen kann, dann HBO.

Das Timing stimmt. Fantasy-TV boomt. The Witcher (trotz jüngster Probleme), The Lord of the Rings: Rings of Power, Wheel of Time – alle zeigen, dass Publikum für High-Fantasy existiert. Baldur’s Gate kann in diesen Markt einsteigen mit dem Vorteil, dass es auf einem geliebten, aktuellen Spiel basiert. Die Fanbase existiert bereits, sie muss nur für TV gewonnen werden.

Und schließlich: Chris Perkins als Consultant. Perkins war jahrelang bei Wizards of the Coast und kennt die Forgotten Realms wie seine Westentasche. Er versteht D&D-Storytelling auf einer fundamentalen Ebene. Mit Perkins an Bord hat die Serie jemanden, der Mazin beraten kann, wie man D&D-Lore respektiert ohne sich davon einschränken zu lassen. Das ist ein großer Vorteil.

Die Risiken: Was schiefgehen könnte

Gleichzeitig gibt es massive Risiken. Videospiel-Adaptionen haben eine schlechte Erfolgsquote. Für jedes The Last of Us gibt es ein Halo, ein Resident Evil, ein Borderlands. Selbst gute Adaptionen wie The Witcher haben mit zunehmender Laufzeit an Qualität verloren. Die Hürde ist hoch.

Fantasy-Serien sind teuer und schwer zu produzieren. Die Erwartungen nach Game of Thrones sind enorm. Wenn die CGI schlecht aussieht, wenn die Kostüme cheap wirken, wenn die Drehbücher nicht überzeugen – Fans werden gnadenlos sein. Baldur’s Gate 3-Fans sind besonders passionate und critical. Sie werden jedes Detail überprüfen, jede Abweichung vom Spiel hinterfragen.

Ohne Larian ist die kreative Vision unsicher. Swen Vincke und sein Team hatten eine klare Vision für Baldur’s Gate 3. Sie verstanden die Balance zwischen Humor und Horror, zwischen Romantik und Brutalität. Mazin wird seine eigene Vision haben, und die könnte sich von Larians unterscheiden. Wenn die Serie sich zu weit vom Ton des Spiels entfernt, riskiert sie, die Fanbase zu verlieren.

Das kanonische Ending wird kontrovers sein, egal wie Mazin sich entscheidet. Ein Teil der Fans wird enttäuscht sein. Manche werden die Serie boykottieren, weil „ihr“ Ending nicht respektiert wurde. Das ist unvermeidbar, aber es ist ein reales Risiko für die Zuschauerzahlen.

Und dann ist da noch die Frage: Brauchen wir das überhaupt? Baldur’s Gate 3 erzählt seine Geschichte perfekt als interaktives Medium. Spieler erleben die emotionalen Höhepunkte, treffen die schwierigen Entscheidungen, romancen die Charaktere. Eine passive TV-Adaption kann diese Interaktivität nicht replizieren. Sie wird immer ein schwächerer Ersatz für das Original sein. Warum sollten Fans eine Version schauen, die ihnen die Kontrolle nimmt?

Community-Reaktionen: Geteilte Meinungen

Die Baldur’s Gate 3-Community ist tief gespalten. Auf Reddit, Twitter und in Foren herrscht eine Mischung aus Aufregung und Skepsis. Einige Fans sind begeistert, dass ihre Lieblingscharaktere auf dem Bildschirm weiterleben. Sie träumen davon, Astarions Charm in Live-Action zu sehen, Karlachs emotionale Storyline in cinematischer Qualität zu erleben, Shadowhearts Konflikte in neuen Episoden zu verfolgen.

Andere sind entsetzt, dass Larian nicht beteiligt ist. Sie argumentieren, dass Larians Writers die Seele von Baldur’s Gate 3 sind. Ohne sie wird die Serie seelenlos sein, ein Corporate Cash-Grab von Hasbro ohne künstlerische Integrität. Michael Douses Tweet wird oft zitiert als Beweis, dass selbst Larian-Insider besorgt sind.

Es gibt auch Fans, die pragmatisch sind. Sie sagen: Wartet ab. Mazin hat mit The Last of Us bewiesen, dass er es kann. Gebt ihm eine Chance, bevor ihr urteilt. Diese Stimmen werden oft überschrien von den lauteren, emotionaleren Reaktionen, aber sie existieren.

Interessant ist die Diskussion um Casting. Fans haben bereits Wunschlisten erstellt, wer die Companions spielen sollte. Für Astarion werden Namen wie Tom Hiddleston, Robert Sheehan oder sogar Neil Newbon selbst genannt. Für Karlach Lupita Nyong’o, Tessa Thompson oder Zendaya. Für Shadowheart Eva Green, Anya Taylor-Joy oder Olivia Cooke. Diese Listen sind rein spekulativ, aber sie zeigen, wie sehr Fans sich bereits mit der Serie beschäftigen.

Was bedeutet das für Baldur’s Gate 4?

Eine oft gestellte Frage: Bedeutet die TV-Serie das Ende für ein potentielles Baldur’s Gate 4? Die kurze Antwort: Wahrscheinlich nicht, aber es kompliziert die Situation. Larian Studios hat klar gesagt, sie arbeiten nicht an BG4. Sie fokussieren sich auf Divinity. Aber Wizards of the Coast besitzt die Rechte, und sie könnten ein anderes Studio beauftragen, BG4 zu entwickeln.

Die TV-Serie etabliert nun einen „offiziellen“ Kanon für die Events nach BG3. Falls ein BG4 jemals gemacht wird, müsste es entweder diesen Kanon respektieren oder ihn ignorieren. Das erste würde die kreative Freiheit einschränken, das zweite würde Fans verwirren, die zwischen Game-Kanon und TV-Kanon unterscheiden müssen.

Praktisch gesehen: Ein BG4 ist frühestens in vielen Jahren realistisch. Die Serie wird 2028-2029 rauskommen. Wenn überhaupt ein Studio an BG4 arbeitet (was derzeit nicht bekannt ist), wäre das Spiel frühestens 2030+ fertig. Bis dahin könnte die TV-Serie längst Fakten geschaffen haben, und BG4 müsste damit leben.

Alternativ könnte Wizards of the Coast entscheiden, dass die TV-Serie der „kanonische“ Weg ist, die Baldur’s Gate-Story fortzusetzen, und stattdessen neue Spiele in anderen Teilen der Forgotten Realms anzusiedeln. Neverwinter Nights 3? Icewind Dale 3? Es gibt viele Möglichkeiten, D&D-Games zu machen ohne direkt mit der TV-Serie zu kollidieren.

Fazit: Spannendes Projekt mit hohem Risiko

Die Baldur’s Gate HBO-Serie ist eines der ambitioniertesten TV-Projekte der nächsten Jahre. Craig Mazin hat die Chance, mit The Last of Us und Baldur’s Gate zwei der größten Gaming-Franchises erfolgreich zu adaptieren – ein Legacy-defining Move. HBO investiert massiv in das Projekt und setzt darauf, dass Fantasy-TV weiter boomt.

Gleichzeitig sind die Herausforderungen enorm. Die Serie muss ohne Larian Studios funktionieren, muss ein kanonisches Ending für ein Spiel mit dutzenden Endings wählen, muss geliebte Charaktere in Live-Action übersetzen, muss die Balance zwischen D&D-Lore und TV-Zugänglichkeit finden. Das ist ein Drahtseilakt.

Für Fans bleibt nur abzuwarten. Die Serie ist noch Jahre von der Ausstrahlung entfernt. In der Zwischenzeit können sie weiter Baldur’s Gate 3 spielen, auf Divinity von Larian hoffen und sich fragen: Wer wird Astarion spielen? Welches Ende wird kanonisch? Wird die Serie die Magie des Spiels einfangen?

Eines ist sicher: Die Gaming-Welt schaut zu. Nach The Last of Us ist Baldur’s Gate die nächste große Prüfung, ob Videospiele wirklich im Premium-TV funktionieren können. Mazin hat die Bühne, HBO hat die Ressourcen, die Fans haben die Erwartungen. Jetzt muss die Serie nur noch liefern.

FAQ: Die 10 wichtigsten Fragen zur Baldur’s Gate HBO-Serie

Wann kommt die Baldur’s Gate HBO-Serie raus?

Ein offizielles Release-Datum gibt es nicht. Realistisch ist frühestens Ende 2028 oder 2029, da Craig Mazin erst The Last of Us Staffel 3 abschließen muss, bevor Baldur’s Gate in volle Produktion geht.

Spielt die Serie die Geschichte von Baldur’s Gate 3 nach?

Nein. Die Serie ist eine Fortsetzung, die unmittelbar nach den Ereignissen von Baldur’s Gate 3 spielt. Sie erzählt eine neue Geschichte mit alten und neuen Charakteren.

Ist Larian Studios beteiligt?

Nein. Geoff Keighley bestätigte, dass Larian Studios nicht in die Serie involviert ist. Die Rechte liegen bei Hasbro/Wizards of the Coast.

Werden die Original-Voice-Actors die Charaktere spielen?

Unklar. Craig Mazin will Kontakt zu den Voice-Actors aufnehmen, aber es gibt keine Garantien. Neil Newbon (Astarion) hat Interesse gezeigt.

Welches Ende von Baldur’s Gate 3 wird kanonisch?

Das wurde nicht enthüllt. Die Serie muss sich für ein kanonisches Ending entscheiden, was unweigerlich einen Teil der Fanbase enttäuschen wird.

Wie viele Staffeln sind geplant?

Laut Deadline ist die Serie „designed to be ongoing“, was auf mehrere Staffeln hindeutet. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt.

Wird die Serie den Ton von Baldur’s Gate 3 treffen?

Das ist die große Frage. Craig Mazin ist ein BG3-Fan mit 1000 Spielstunden, aber ohne Larians Writers ist unsicher, ob er die Balance aus Drama, Humor und Horror trifft.

Kostet die Serie genauso viel wie House of the Dragon?

Das Budget wurde nicht genannt. Fantasy-Serien mit CGI sind teuer – vermutlich 10-20 Millionen Dollar pro Episode, ähnlich wie andere HBO-Prestige-Shows.

Gibt es noch andere D&D-Serien in Entwicklung?

Ja. Netflix entwickelt eine Forgotten Realms-Serie mit Shawn Levy (Stranger Things). Details sind begrenzt, aber sie wird wahrscheinlich in einer anderen Region der Forgotten Realms spielen.

Verhindert die TV-Serie ein Baldur’s Gate 4?

Nicht zwingend. Larian arbeitet nicht an BG4, aber Wizards of the Coast könnte ein anderes Studio beauftragen. Die TV-Serie kompliziert die Situation aber, da sie einen offiziellen Kanon etabliert.

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