Mit Battlefield 2042 liefern DICE und Electronic Arts den neuesten Ableger der traditionsreichen Shooter-Reihe. Nach dem Zweiten Weltkrieg in Battlefield V führt uns das Spiel ins Jahr 2042 – eine Welt am Rande des Kollaps.
Der Klimawandel hat ganze Regionen unbewohnbar gemacht, Nationalstaaten sind geschwächt und sogenannte Staatenlose kämpfen als Söldner in einem neuen globalen Konflikt. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage für epische Schlachten.
Die Welt von 2042
In Battlefield 2042 herrscht Chaos. Naturkatastrophen haben Millionen zu Flüchtlingen gemacht, die Weltwirtschaft liegt am Boden und USA und Russland stehen kurz vor einem offenen Krieg.
Keine Kampagne
Leider bleibt das Potential weitgehend ungenutzt, denn eine klassische Singleplayer-Kampagne sucht man vergeblich. DICE hat sich komplett auf den Mehrspieler konzentriert.
Die Hintergrundgeschichte wird lediglich über einen Kurzfilm und Texteinblendungen vermittelt. Im Vergleich zu Battlefield 1 oder Battlefield V, die mit atmosphärischen Kampagnen aufwarteten, fühlt sich das dürftig an.
Das Spezialisten-System
Statt der traditionellen vier Klassen setzt DICE nun auf zehn individuelle Spezialisten mit einzigartigen Fähigkeiten:
| Spezialist | Fähigkeit |
|---|---|
| Webster Mackay | Enterhaken für vertikale Mobilität |
| Maria Falck | Heilpistole für Distanz-Heilung |
| Und weitere… | Individuelle Gadgets |
Fluch oder Segen?
In der Praxis erweist sich diese Änderung als zweischneidiges Schwert.
Vorteile:
- Mehr Flexibilität beim Loadout
- Jede Waffe mit jedem Charakter kombinierbar
Nachteile:
- Das klassische Teamplay-Gefühl geht verloren
- Keine klare Rollenteilung mehr
- Unkoordiniertes Durcheinander in hektischen Gefechten
In früheren Battlefield-Teilen wie Battlefield 3 oder Battlefield 4 wusste man sofort, welche Rolle ein Mitspieler innehatte.
Die Karten – Größe ist nicht alles
Battlefield 2042 bringt zum Launch sieben Maps von der Antarktis bis Singapur. Erstmals bis zu 128 Spieler auf PC, PS5 und Xbox Series X/S.
Das Problem
Die Karten fühlen sich oft leer und lieblos an:
- Weite, eintönige Flächen zwischen den Sektoren
- Deckung ist Mangelware
- Fahrzeuge zu dominant
- Fehlende Detailverliebtheit
Die Maps wirken wie generische Sandbox-Umgebungen – weit entfernt von Klassikern wie Caspian Border oder Operation Metro.
Dynamisches Wetter
Tornados und Sandstürme sorgen für dramatische Situationen, können aber über die grundlegenden Designschwächen nicht hinwegtäuschen.
Die Spielmodi
Conquest (128 Spieler)
Der Klassiker wird zum Chaos-Fest. Ohne vernünftige Kommunikationsmöglichkeiten – Voice-Chat wurde erst nachträglich implementiert – bleibt taktische Koordination auf der Strecke.
Breakthrough
Fokussiertere Gefechte, kommt dem klassischen Battlefield-Gefühl am nächsten.
Hazard Zone
DICEs Antwort auf Extraction-Shooter wie Escape from Tarkov:
- 8 Squads à 4 Spieler
- Datenfestplatten von Satelliten bergen
- Stirbt man, ist man raus
- Ambitioniert, aber unausgegoren

Battlefield Portal – Das Highlight
Ein Modus als Liebeserklärung an die Serie. Klassische Maps aus Battlefield 1942, Bad Company 2 und Battlefield 3 kehren zurück:
- El Alamein
- Arica Harbor
- Caspian Border
Portal zeigt, wie viel Potential in Battlefield 2042 steckt. Die nostalgischen Maps spielen sich teilweise besser als die neuen!
Problem: Portal wird von DICE stiefmütterlich behandelt – geringere Progression und Belohnungen.
Technik: Katastrophaler Zustand
Grafik (wenn’s läuft)
Auf Current-Gen und leistungsstarken PCs stellenweise atemberaubend. Explosionen, Wettereffekte und die schiere Anzahl an Objekten beeindrucken.
Der Bug-Albtraum
Battlefield 2042 ist zum Launch in einem katastrophalen Zustand erschienen:
- Spieler können nicht spawnen
- Wiederbelebungen funktionieren nicht
- Man fällt durch den Boden
- Das legendäre Hovercraft erklimmt Hochhäuser
- Inkonsistente Performance auf allen Plattformen
- Komplette Konsolen-Abstürze auf Xbox Series X
Weapon Bloom
Das gravierendste Gameplay-Problem: Zufällige Streuung der Geschosse, selbst bei perfektem Zielen. Sturmgewehre sind auf mittlere bis lange Distanz nahezu unbrauchbar. Frustration pur!
Fehlende Features
Was in früheren Teilen Standard war, fehlt hier komplett:
- Kein richtiges Scoreboard
- Kein Server-Browser
- Keine persistenten Lobbys
- Kein Map-Voting
- Kein Ducken im Laufen
- Vereinfachtes Commo Rose-System
- Keine Kampagne
- Kein Koop-Modus
Community-Reaktion: Desaster
Die Reaktion fiel verheerend aus:
- Steam-Bewertung: „Sehr negativ“
- Spielerzahlen von 100.000+ auf unter 20.000 gefallen
- Farming Simulator 22 überholte BF2042 in den Charts
- 94-Punkte-Kritikliste im Subreddit
- Massenhafte Rückerstattungen
Fazit
Battlefield 2042 ist eine Enttäuschung. Es schmerzt, das zu schreiben, denn die Reihe hat uns über die Jahre so viele grandiose Momente beschert.
Ja, wenn alles funktioniert und man in einem gut eingespielten Squad unterwegs ist, gibt es Momente, in denen das Potential aufblitzt: Ein Tornado, der über die Map fegt. Eine hektische Fahrt zu einem umkämpften Sektor. Ein knapper Sieg in Hazard Zone.
Doch diese Momente werden von technischen Problemen, fragwürdigen Design-Entscheidungen und fehlenden Features erdrückt.
Battlefield 2042 fühlt sich an wie ein Spiel, das noch mindestens ein halbes Jahr Entwicklungszeit gebraucht hätte. Die COVID-19-Pandemie hat sicherlich ihren Tribut gefordert, doch das kann nicht alle Probleme erklären.
Empfehlung: Wartet ab. Gebt DICE die Zeit, das Spiel zu reparieren. Vielleicht wird Battlefield 2042 in einem Jahr das Spiel, das es jetzt schon hätte sein sollen. Aktuell ist es leider nur ein Schatten dessen, was Battlefield einmal war.
Bewertung: 5/10
Stärken:
- Battlefield Portal mit Klassiker-Maps
- 128 Spieler können spektakulär sein
- Dynamische Wettereffekte beeindruckend
- Grafik stellenweise atemberaubend
- Hazard Zone bietet spannende Momente
- Plus-System für Aufsätze clever
- Solide Soundkulisse
Schwächen:
- Katastrophaler technischer Zustand
- Unzählige Bugs und Crashes
- Spezialisten-System schadet Teamplay
- Maps zu groß und lieblos
- Weapon Bloom ruiniert Gunplay
- Keine Singleplayer-Kampagne
- Zahlreiche fehlende Standard-Features
- Kein Scoreboard, Server-Browser etc.
- Magere Content-Auswahl zum Start
- Voice-Chat erst nachgepatcht
- Portal wird vernachlässigt
- Spielerzahlen im freien Fall
- Fühlt sich wie Early Access an
- 70€ für unfertig
Technische Daten:
- Entwickler: DICE
- Publisher: Electronic Arts
- Genre: Multiplayer-Shooter
- Plattformen: PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S, PlayStation 4, Xbox One
- Release: 19. November 2021
- Engine: Frostbite
- Setting: Nahe Zukunft (2042)
- Spieler: Bis zu 128 (Next-Gen/PC), 64 (Last-Gen)
- Kampagne: Keine
- Altersfreigabe: USK 16





