Brian Fargo, Chef von inXile Entertainment, hat in einem neuen Interview über die schiere Ambition von Clockwork Revolution gesprochen. Das Steampunk-RPG soll nicht nur das größte Projekt des Studios werden, sondern Spielern so viel Reaktivität bieten, dass ein einzelner Durchgang nur etwa 70 Prozent der Inhalte zeigt.
Microsoft hat sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Rollenspiel-Schmiede entwickelt. Mit Avowed, The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered und The Outer Worlds 2 lieferten die Xbox Game Studios 2025 gleich mehrere hochkarätige RPGs ab. Doch eines der ambitioniertesten Projekte steht noch aus: Clockwork Revolution von inXile Entertainment.
Zehnmal ambitionierter als alles zuvor
In einem ausführlichen Interview mit GamesRadar sprach Studio-Chef Brian Fargo über den aktuellen Stand der Entwicklung. Seine Einschätzung: Clockwork Revolution sei der „ambitionierteste Titel“ des Studios, „wahrscheinlich um den Faktor 10“. Angesichts der Tatsache, dass inXile für komplexe Rollenspiele wie Wasteland 3 und Torment: Tides of Numenera bekannt ist, wiegt diese Aussage schwer.
Fargo betonte, was für ihn echtes Rollenspiel ausmacht: „Für mich bedeutet Rollenspiel, dass ich eine Rolle spielen und tatsächlich die Welt um mich herum beeinflussen kann. Wenn alle Wege zum selben Ergebnis führen, bricht die Immersion zusammen, und man fühlt sich, als würde man nur ein Spiel spielen, statt in einem zu leben. Aber wenn die Welt ständig reagiert und deine Entscheidungen widerspiegelt – in großen Dingen, aber genauso wichtig auch in kleinen – dann setzt echte Immersion ein.“

30 Prozent mehr Inhalt als sichtbar
Um diese Vision zu verwirklichen, geht inXile einen ungewöhnlichen Weg. Das Studio entwickelt bewusst mehr Inhalte, als ein einzelner Spieler je erleben kann. Laut Fargo baut das Team „ungefähr 30 Prozent mehr Content, als irgendein Spieler in einem einzelnen Durchgang sehen könnte“. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer Clockwork Revolution einmal durchspielt, erlebt nur etwa 70 Prozent dessen, was das Spiel zu bieten hat.
Der Grund dafür liegt in der Reaktivität des Systems. Spieler sollen das Spiel als verschiedene Archetypen angehen können – ob gut, böse oder irgendwo dazwischen. Entscheidungen schließen bestimmte Pfade und öffnen andere. Die Zeitreise-Mechanik, bei der Spieler mit dem sogenannten Chronometer in die Vergangenheit reisen und Geschichte verändern können, verstärkt diesen Effekt noch. Jede Manipulation der Vergangenheit verändert die Gegenwart auf sichtbare Weise.
Visuelle Reaktivität als Markenzeichen
Game Director Chad Moore hatte bereits beim PC Gaming Show im Dezember 2025 betont, dass inXile die „visuelle Reaktivität“ auf ein neues Level heben wolle. Änderungen durch Zeitreisen sollen nicht nur erzählt oder gehört, sondern auch gesehen werden. Ganze Stadtviertel können sich verändern, Charaktere leben oder sterben je nach Spielerentscheidung, und die Steampunk-Metropole Avalon reagiert dynamisch auf die Eingriffe in ihre Geschichte.
Diese Ambition macht die Entwicklung entsprechend komplex. Fargo nannte Clockwork Revolution bereits „das komplexeste Spiel, an dem ich je gearbeitet habe“ – eine bemerkenswerte Aussage von jemandem, der als Executive Producer an den ersten beiden Fallout-Spielen beteiligt war und das originale Wasteland als Director verantwortete.
Release 2026 noch unsicher
Wann genau Clockwork Revolution erscheint, bleibt offen. Offiziell heißt es weiterhin „in due time“ – also irgendwann. Ein LinkedIn-Eintrag eines ehemaligen Entwicklers deutete zuletzt auf 2026 hin, doch Microsoft hat dieses Jahr bereits eine volle Pipeline. Mit Fable, Forza Horizon 6, Gears of War: E-Day und Halo: Campaign Evolved stehen gleich vier große Titel an, die zum 25-jährigen Xbox-Jubiläum erscheinen sollen.
Sicher ist: Clockwork Revolution wird zum Launch im Xbox Game Pass verfügbar sein – auf Xbox Series X|S, PC und via Cloud Gaming. Ob und wann eine PlayStation-Version folgt, ist angesichts Microsofts jüngster Multiplattform-Strategie zumindest nicht ausgeschlossen.
Ein Team aus RPG-Veteranen
Hinter Clockwork Revolution steht ein Team mit beeindruckender Expertise. Neben Brian Fargo führen Game Director Chad Moore und Principal Designer Jason Anderson das Projekt. Beide arbeiteten einst an Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie – einem Steampunk-Rollenspiel aus dem Jahr 2001, das bis heute Kultstatus genießt. Die thematische Verbindung ist kein Zufall: Fargo holte Moore und Anderson gezielt ins Team, um ihre Steampunk-Erfahrung einzubringen.
Unterstützung erhält inXile von Shapeshifter Games, einem Studio, das von ehemaligen Volition-Entwicklern nach der Schließung des Saints-Row-Studios gegründet wurde. Die Zusammenarbeit soll helfen, die ambitionierte Vision in ein spielbares Produkt zu verwandeln – und zwar ohne die Qualität zu kompromittieren.
Für RPG-Fans bleibt Clockwork Revolution eines der spannendsten Projekte der kommenden Monate. Die Kombination aus Zeitreise-Mechanik, tiefgreifender Reaktivität und einem Setting, das BioShock-Fans sofort ansprechen dürfte, verspricht ein einzigartiges Erlebnis. Ob inXile die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird sich zeigen – aber die Ambitionen stimmen schon mal.



