Diablo III

Diablo III im Test – Der Herr des Schreckens kehrt nach zwölf Jahren zurück

Nach zwölf Jahren ist es endlich soweit – Diablo III ist da! Fans der legendären Action-RPG-Serie haben über ein Jahrzehnt darauf gewartet, wieder in die düsteren Gewölbe von Sanktuario hinabzusteigen. Das Original Diablo von 1996 revolutionierte das Genre, der Nachfolger Diablo II aus dem Jahr 2000 gilt bis heute als Referenz für Action-Rollenspiele. Mit Diablo III steht Blizzard Entertainment vor der monumentalen Aufgabe, diesem Erbe gerecht zu werden. Kann der Entwickler die astronomisch hohen Erwartungen erfüllen?

Die Story: Zwanzig Jahre später

Zwanzig Jahre sind seit den Ereignissen von Diablo II vergangen. Die Welt von Sanktuario hat sich von den verheerenden Kriegen erholt, doch der Frieden ist trügerisch. In der kleinen Stadt Neu-Tristram stürzt ein brennender Stern vom Himmel und durchschlägt die Kathedrale, in der einst der erste Diablo sein Unwesen trieb.

Deckard Cain, der letzte der Horadrim, ist während der Untersuchung spurlos verschwunden. Seine Nichte Leah bittet uns um Hilfe. Was als Rettungsmission beginnt, entpuppt sich als der Beginn eines neuen, apokalyptischen Krieges zwischen Himmel und Hölle.

Die vier Akte:

Akt I – Neu-Tristram:

  • Rückkehr zu den Wurzeln
  • Die Kathedrale erkunden
  • Boss: Der Skelett-König (Leoric) und die Hexenkönigin

Akt II – Caldeum:

  • Orientalische Wüstenstadt
  • Intrigen um Kaiser Hakan II.
  • Boss: Belial, der Herr der Lügen

Akt III – Die Bastion:

  • Verteidigung der Festung
  • Angriff auf Azmodan
  • Boss: Azmodan, der Herr der Sünde

Akt IV – Der Himmel:

  • Die Silberne Spitze unter Belagerung
  • Finaler Kampf gegen alle Übel
  • Boss: Diablo selbst, erstmals mit allen Prime Evils vereint

Blizzard erzählt die Geschichte direkter als in den Vorgängern. Ausführliche Zwischensequenzen, vollständig vertonte Dialoge und eine lineare Handlungsführung ersetzen die mysteriöse Erzählweise früherer Teile. Das mag Veteranen befremden, macht es aber Neulingen leichter, in die komplexe Mythologie einzutauchen.

Die fünf Charakterklassen

Fünf völlig unterschiedliche Helden stehen zur Auswahl – und erstmals kann man das Geschlecht wählen:

Barbar (Rückkehr aus Diablo II):

  • Brutaler Nahkämpfer
  • Fury als Ressource (baut sich im Kampf auf)
  • Skills: Wirbelwind, Erdbeben, Schlachtruf
  • Für Fans brachialer Action

Mönch (Neu):

  • Schneller Martial-Arts-Kämpfer
  • Spirit als Ressource
  • Skills: Sieben Fäuste, Welle des Lichts, Mantras
  • Kombination aus Schaden und Support

Dämonenjäger (Neu):

  • Fernkämpfer mit Bögen und Armbrüsten
  • Doppelte Ressource: Hass (offensiv) und Disziplin (defensiv)
  • Skills: Cluster-Pfeil, Salve, Fallen
  • Für präzise Distanzkämpfer

Zauberer (Neu):

  • Elementar-Magier (Arkane Kraft als Ressource)
  • Skills: Desintegration, Meteor, Frostnova
  • Glaskanone mit verheerendem Schaden
  • Nachfolger der Zauberin aus Diablo II

Hexendoktor (Neu):

  • Beschwörer und Fluchspezialist
  • Mana als Ressource
  • Skills: Zombie-Hunde, Gargantua, Säurebombe
  • Spiritueller Nachfolger des Nekromanten

Das neue Skill-System

Das traditionelle Talentbaum-System wurde komplett überarbeitet – und das ist kontrovers:

Wie es funktioniert:

  • Skills werden automatisch beim Levelaufstieg freigeschaltet
  • Sechs aktive Skill-Slots (vier Skills + zwei Maustasten)
  • Drei passive Skills
  • Runen modifizieren Skills dramatisch (ab Level 6)

Beispiel: Magischer Pfeil des Dämonenjägers:

  • Basis: Einzelner Schuss
  • Rune 1: Feuert in drei Richtungen
  • Rune 2: Verlangsamt Gegner
  • Rune 3: Durchschlägt Feinde
  • Rune 4: Heilt bei Treffer
  • Rune 5: Zusätzlicher Elementarschaden

Das System bietet enormen Spielraum für Experimente – man kann jederzeit Skills wechseln, ohne Strafe. Aber: Das Gefühl, einen Charakter permanent zu entwickeln, geht verloren. In Diablo II war jeder Skill-Punkt eine wichtige Entscheidung. Hier ist alles austauschbar.

Loot und Ausrüstung

Das Sammeln von Beute ist und bleibt das wichtigste Element:

Gegenstandsqualitäten:

  • Weiß: Normal
  • Blau: Magisch
  • Gelb: Selten
  • Orange: Legendär (ersetzt Uniques/Sets teilweise)
  • Grün: Set-Gegenstände

Das befriedigende „Klonk“ beim Aufheben wertvoller Items ist süchtig machend wie eh und je. Das neue Vergleichssystem zeigt sofort an, ob ein gefundener Gegenstand besser ist als der aktuell ausgerüstete – praktisch, aber es nimmt etwas von der manuellen Analyse.

Der Schmied und der Juwelier:

  • Handwerker können aufgewertet werden
  • Gegenstände crafting statt nur finden
  • Edelsteine kombinieren für bessere Boni

Das kontroverse Auktionshaus

Die größte Neuerung – und gleichzeitig der größte Kritikpunkt:

Gold-Auktionshaus:

  • Gegenstände gegen Spielwährung handeln
  • Funktioniert problemlos

Echtgeld-Auktionshaus (geplant):

  • Gegenstände gegen echtes Geld kaufen/verkaufen
  • PayPal-Integration
  • Blizzard verdient an jeder Transaktion
  • Zum Release noch nicht verfügbar (verschoben)

Das Auktionshaus untergräbt das Grundprinzip: bessere Ausrüstung durch eigene Anstrengung finden. Warum stundenlang farmen, wenn man das beste Gear einfach kaufen kann? Für Puristen ist das ein Dorn im Auge.

Der Online-Zwang: Error 37

Das größte Problem von Diablo III: Permanenter Online-Zwang, auch im Einzelspieler-Modus.

Die Realität zum Launch:

  • „Error 37“ wurde zum Meme – Server überlastet
  • Stundenlange Warteschlangen
  • Verbindungsabbrüche mitten im Spiel
  • Charaktere tot, weil Server laggte

Besonders ärgerlich: Diablo und Diablo II konnten problemlos offline gespielt werden. Warum braucht ein Einzelspieler-Erlebnis eine permanente Internetverbindung? Blizzard argumentiert mit Cheat-Prävention und dem Auktionshaus – aber die Spieler leiden darunter.

User-Reviews auf Metacritic: 3,7 von 10 Punkten direkt nach Launch – hauptsächlich wegen Serverproblemen. Die professionellen Reviews liegen bei ~88/100. Die Diskrepanz zeigt, wie frustriert die Community ist.

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Grafik und Präsentation

Diablo III präsentiert sich in einer völlig neuen Optik:

Stärken:

  • Stilisierter Ansatz zwischen Realismus und Comic-Ästhetik
  • Scharfe Charaktermodelle, flüssige Animationen
  • Spektakuläre Zaubereffekte und Partikelexplosionen
  • Dynamische Beleuchtung (Fackeln, Tag-Nacht-Wechsel)
  • Läuft butterweich auch auf älteren Systemen

Kontroverse: Die hellere, farbenprächtigere Optik unterscheidet sich deutlich von der Gothic-Horror-Atmosphäre der Vorgänger. Wo früher düstere Grautöne dominierten, erstrahlt Diablo III in leuchtenden Farben. Das verbessert die Lesbarkeit, aber manche Veteranen vermissen die düstere Stimmung.

Sound

Akustisch bewegt sich Diablo III auf gewohnt hohem Blizzard-Niveau:

Soundtrack:

  • Orchestral von Russell Brower, Derek Duke und Glenn Stafford
  • Greift klassische Melodien auf und entwickelt sie weiter
  • Düstere Klänge bei Erkundung, epische Stücke bei Bosskämpfen

Sprachausgabe:

  • Vollständig vertont (auch auf Deutsch)
  • Atmosphärische Dämonenstimmen
  • Kritik: Teilweise übertriebene Dramaturgie in Dialogen

Schwierigkeitsgrade

Normal → Nightmare → Hell → Inferno

Nach dem Durchspielen auf Normal werden höhere Schwierigkeitsgrade freigeschaltet. Inferno (neu!) ist nur für Max-Level-Charaktere gedacht und soll echte Veteranen fordern.

Der Einstieg wurde zugänglicher gestaltet: Stirbt der Charakter, respawnt er am nahegelegenen Checkpoint ohne größere Verluste. Hardcore-Modus mit Permadeath ist optional verfügbar.

Koop und Multiplayer

Bis zu vier Spieler können gemeinsam durch die Akte kämpfen:

  • Nahtloses Beitreten und Verlassen
  • Schwierigkeit skaliert mit Spielerzahl
  • Individueller Loot (jeder sieht seine eigenen Drops)
  • Über Battle.net (kein LAN-Support)

Der Koop funktioniert hervorragend – wenn die Server mitspielen.

Umfang

Spielzeit:

  • Ein Durchgang (Normal): 15-20 Stunden
  • Alle vier Schwierigkeitsgrade: 60-80 Stunden
  • Alle fünf Klassen: 100+ Stunden
  • Loot-Endgame: Potentiell endlos

Der Wiederspielwert hängt davon ab, wie süchtig das Loot-Sammeln macht. Das Runen-System ermöglicht viele Builds pro Klasse.

Fazit

Diablo III ist ein technisch beeindruckendes und spielenswertes Action-RPG, das allerdings nicht ganz an die Magie seiner Vorgänger heranreicht. Blizzard hat ein zugänglicheres, moderneres Spiel geschaffen, dabei aber einige Eigenschaften aufgegeben, die die Serie besonders machten.

Die Stärken liegen in der exzellenten Präsentation, dem variantenreichen Runen-System und dem nach wie vor süchtig machenden Loot-Sammeln. Das Kampfsystem fühlt sich fantastisch an, die fünf Klassen bieten genug Abwechslung.

Die Schwächen sind nicht von der Hand zu weisen: Der Online-Zwang ist ein Ärgernis, das vereinfachte Skill-System nimmt dem Spiel Tiefe, das Auktionshaus ist eine fragwürdige Designentscheidung. Die Serverprobleme zum Launch waren inakzeptabel.

Dennoch ist Diablo III empfehlenswert. Es ist vielleicht nicht das Diablo, das sich langjährige Fans gewünscht haben, aber ein verdammt gutes Spiel für sich genommen. Die Zeit wird zeigen, ob Patches und Erweiterungen die Kritikpunkte ausräumen können.


Bewertung: 8.6/10

Stärken:

  • Süchtig machendes Loot-System
  • Fünf unterschiedliche Klassen
  • Flexibles Runen-System
  • Exzellente Präsentation und Technik
  • Spektakuläre Zaubereffekte
  • Flüssiges Kampfsystem
  • Handwerker-System
  • Nahtloser Koop-Modus

Schwächen:

  • Permanenter Online-Zwang (Error 37)
  • Auktionshaus untergräbt Spielprinzip
  • Skill-System weniger tiefgründig als Diablo II
  • Hellere Optik nicht jedermanns Sache
  • Story-Dialoge teilweise übertrieben
  • Kein LAN-Support
  • Kein Offline-Modus

Technische Daten:

  • Entwickler: Blizzard Entertainment
  • Publisher: Blizzard Entertainment
  • Plattformen: PC (Windows), Mac OS
  • Release: 15. Mai 2012
  • Genre: Action-RPG / Dungeon Crawler
  • Engine: Eigene 3D-Engine
  • Setting: Sanktuario (Dark Fantasy)
  • Multiplayer: Bis zu 4 Spieler (Battle.net)
  • Spielzeit: 15-20 Stunden (Normal), 100+ Stunden (Komplett)
  • Preis: 59,99€
  • Altersfreigabe: USK 16

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