Die Switch 2 ist da, und mit ihr ein Gorilla, der alles kurz und klein schlägt. Donkey Kong Bananza ist der erste große Exklusivtitel für Nintendos neue Konsole und zeigt eindrucksvoll, was die Hardware leisten kann. Zwei Wochen nach Release und über 30 Stunden Spielzeit später kann ich sagen: Das Team hinter Super Mario Odyssey hat wieder zugeschlagen, diesmal mit Fäusten statt Mütze. Und es fühlt sich fantastisch an.
Ab in den Untergrund
Die Geschichte beginnt auf Ingot Isle, wo Donkey Kong friedlich nach goldenen Bananen gräbt. Doch die finstere Void Company macht dem Idyll ein Ende: Sie stiehlt sämtliche Banandium-Diamanten und drückt die gesamte Insel mithilfe eines gigantischen Planeten in den Untergrund. DK wird in die Tiefe geschleudert und trifft dort auf Pauline, ein junges Mädchen mit einer besonderen Gabe: Ihre Stimme kann zerstörte Bereiche reparieren und verborgene Pfade öffnen.
Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zum Planetenkern, wo der Legende nach ein Wunsch erfüllt werden kann. Die Geschichte ist klassisches Nintendo: charmant, unbeschwert und mit genau der richtigen Portion Absurdität. Die Void Company mit ihren drei Kong-Schurken, Void Kong, Poppy Kong und Grumpy Kong, liefert unterhaltsame Bosskämpfe, und selbst King K. Rool hat einen Auftritt, der Fans der Reihe zufriedenstellen wird.
Was mich überrascht hat, ist die emotionale Tiefe der Beziehung zwischen DK und Pauline. Die junge Begleiterin sitzt auf Donkey Kongs Schulter und kommentiert das Geschehen, teilt in Ruhepausen kleine Geschichten aus ihrer Vergangenheit und wächst einem schnell ans Herz. Nintendo versteht es wie kein anderes Studio, solche Dynamiken mit minimalen Mitteln zum Leben zu erwecken.
Alles kann zerstört werden
Das Herzstück von Donkey Kong Bananza ist die Zerstörung. Fast jedes Element der Spielwelt besteht aus Voxeln und kann von DKs gewaltigen Fäusten pulverisiert werden. Wände? Einschlagen. Böden? Durchbrechen. Ganze Berge? Abtragen. Was zunächst wie eine Spielerei klingt, entpuppt sich als geniale Spielmechanik, die das gesamte Level-Design durchdringt.
Die Freiheit ist berauschend. Statt vorgegebenen Pfaden zu folgen, grabe ich mir meinen eigenen Weg durch die Welt. Hinter jeder Wand könnte ein Geheimnis lauern, unter jedem Boden ein versteckter Raum. Diese Neugier, dieses ständige „Was ist wohl dahinter?“, treibt mich voran wie kaum ein Spiel der letzten Jahre. Es erinnert an das Gefühl, das ich zuletzt bei Red Faction: Guerrilla oder Just Cause hatte, nur in einem Nintendo-Gewand.
Die Switch 2 stemmt diese Zerstörungsorgie mit beeindruckender Leistung. Die Voxel-Technologie ermöglicht eine Detaildichte und Materialvielfalt, die auf der originalen Switch schlicht unmöglich gewesen wäre. In ruhigeren Momenten läuft das Spiel stabil mit 60 Bildern pro Sekunde. Bei besonders chaotischen Bosskämpfen im späteren Spielverlauf gibt es gelegentliche Einbrüche, die aber nie störend wirken.
16 Schichten voller Überraschungen
Die Spielwelt ist in 16 sogenannte Schichten unterteilt, die thematisch völlig unterschiedliche Umgebungen bieten. Von tropischen Dschungeln über industrielle Minenanlagen bis hin zu schneebedeckten Tundren und üppigen Wäldern ist alles vertreten. Jede Schicht bringt neue Spielmechaniken und Herausforderungen mit sich, sodass das Spielgefühl konstant frisch bleibt.
Die Pacing-Probleme, die einige Kritiker bemängeln, kann ich teilweise nachvollziehen. Manche Schichten sind riesig und bieten stundenlangen Content, andere sind in zehn Minuten abgehandelt. Diese Ungleichmäßigkeit stört den Fluss gelegentlich, aber sie sorgt auch für Überraschungen. Nie weiß ich, was mich in der nächsten Schicht erwartet.
Besonders gelungen sind die versteckten Herausforderungsräume. In alten Ruinen verborgen, bieten sie klassische Plattforming-Sequenzen, die an die Donkey Kong Country-Spiele erinnern. Fässer, Ballons, präzise Sprünge: Hier zeigt Nintendo, dass es das traditionelle Handwerk nicht verlernt hat. Diese Abschnitte gehören zu den Highlights des Spiels und belohnen Erkundung mit nostalgischen Glücksmomenten.
Bananza-Transformationen
Im Laufe des Abenteuers schaltet DK verschiedene Bananza-Transformationen frei, die sein Repertoire erweitern. Die erste und wichtigste ist die Gorilla-Form: Ein aufgepumpter DK mit noch mächtigeren Fäusten, der selbst die härtesten Materialien durchschlagen kann. Später kommen Formen hinzu, die Gleiten ermöglichen oder die Bewegungsgeschwindigkeit erhöhen.
Die Transformationen werden durch das Sammeln von Gold aufgeladen, das überall in der Spielwelt verstreut liegt. Gold ist so reichlich vorhanden, dass ich praktisch permanent eine Transformation bereit hatte. Das System funktioniert gut und fügt den Kämpfen und der Erkundung eine weitere Ebene hinzu, ohne übermäßig komplex zu werden.
Allerdings gibt es hier auch den größten Kritikpunkt des Spiels: Die Steuerung einiger Transformationen ist nicht immer zuverlässig. Der Ladenangriff der Gorilla-Form aktiviert sich manchmal erst beim zweiten oder dritten Versuch. Die Schlangen-Transformation mit ihrem permanenten Hüpfen erinnert an ähnliche Mechaniken in Super Mario Bros. Wonder und teilt deren Schwächen. Diese Unzuverlässigkeit frustriert besonders in Bosskämpfen, wo Präzision gefragt ist.

Pauline als Partnerin
Pauline ist weit mehr als eine passive Begleiterin. Ihre Gesangsfähigkeit ermöglicht es, zerstörte Bereiche zu reparieren und geheime Passagen zu öffnen. Im Koop-Modus kann ein zweiter Spieler sie direkt steuern, was das Zusammenspiel noch dynamischer macht. Alleine übernimmt die KI ihre Aktionen, und das funktioniert überraschend gut.
Die Entscheidung, Pauline als junges Mädchen darzustellen, hat bei Fans Fragen zur Zeitlinie aufgeworfen. Nintendo hat sich dazu nicht geäußert, aber im Kontext des Spiels funktioniert die Dynamik zwischen dem großen, tollpatschigen Gorilla und dem cleveren kleinen Mädchen wunderbar. Ihre Dialoge in den sogenannten Getaways, den Ruhepunkten der Spielwelt, gehören zu den charmantesten Momenten des Spiels.
Die deutschen Synchronsprecher leisten solide Arbeit, wobei Julia Fölster als Pauline besonders hervorsticht. DK selbst kommuniziert wie gewohnt durch Grunzen und Brüllen, was seinem Charakter treu bleibt und dennoch überraschend viel Persönlichkeit transportiert.
Alte Bekannte und neue Feinde
Fans der Reihe werden sich über zahlreiche Wiedersehen freuen. Cranky Kong taucht als mürrischer Berater auf, Rambi das Nashorn lässt sich in bestimmten Abschnitten reiten, und selbst Diddy und Dixie Kong haben Gastauftritte. Diese Fan-Service-Momente sind liebevoll inszeniert und fühlen sich nie erzwungen an.
Die Void Company als neue Antagonisten funktioniert überraschend gut. Void Kong, Poppy Kong und Grumpy Kong haben jeweils eigene Persönlichkeiten und Kampfstile, die sich in ihren Bosskämpfen widerspiegeln. Der finale Kampf gegen King K. Rool ist ein Highlight: Ein klassischer „schlag den Angriff zurück“-Kampf, der die Fähigkeiten fordert, die man im Laufe des Spiels erlernt hat.
Technik und Präsentation
Optisch ist Donkey Kong Bananza ein Fest für die Augen. Die Voxel-Grafik mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, aber sie ermöglicht eine Farbenpracht und Detaildichte, die beeindruckt. DKs Fell sieht fantastisch aus, die Umgebungen strotzen vor Leben, und die Partikeleffekte bei Zerstörungen sind spektakulär.
Der Soundtrack verdient besondere Erwähnung. Die Kompositionen fangen den Geist der Donkey Kong Country-Reihe ein und mischen ihn mit frischen Elementen. Besonders in den ruhigeren Momenten, wenn DK durch biolumineszente Höhlen wandert, entfaltet die Musik eine fast meditative Wirkung.
Die bereits erwähnten Performance-Einbrüche bei intensiven Sequenzen sind der einzige technische Makel. Ein 120-Hz-Modus mit 40 fps oder ein niedrigerer Auflösungsmodus wären willkommene Ergänzungen, die Nintendo hoffentlich per Update nachliefert.
Umfang und Wiederspielwert
Die Hauptgeschichte ist in etwa 20 Stunden abgeschlossen, aber wer alle Geheimnisse finden will, kann locker das Doppelte investieren. Jede Schicht steckt voller versteckter Banandium-Diamanten, optionaler Herausforderungen und freischaltbarer Kosmetika. Ja, richtig gelesen: DK kann endlich Hosen tragen. Nintendo hat den Elefanten im Raum, warum ein Gorilla mit Krawatte aber ohne Hose herumläuft, mit viel Selbstironie adressiert.
Die Getaways lassen sich individuell dekorieren, was Sammlern zusätzliche Motivation gibt. Und selbst nach dem Abspann gibt es Gründe zurückzukehren: Härtere Versionen der Bosskämpfe und versteckte Endgame-Inhalte warten auf jene, die nicht genug bekommen.
Fazit
Donkey Kong Bananza ist der System-Seller, den die Switch 2 brauchte. Das Team hinter Super Mario Odyssey hat bewiesen, dass es nicht nur Klempner, sondern auch Gorillas zum Leben erwecken kann. Die Kombination aus zerstörbaren Voxel-Welten, klassischem Plattforming und Nintendos unnachahmlichem Charme ergibt eines der besten Spiele des Jahres.
Ja, es gibt Steuerungsprobleme bei manchen Transformationen. Ja, das Pacing ist nicht immer perfekt. Aber diese Makel verblassen angesichts des puren Spielspaßes, den Bananza bietet. Jede Wand, die ich einschlage, jedes Geheimnis, das ich entdecke, jede Interaktion zwischen DK und Pauline erinnert mich daran, warum ich Videospiele liebe. Wer eine Switch 2 besitzt oder darüber nachdenkt, sich eine zuzulegen: Donkey Kong Bananza ist der Grund.
Wertung
9 / 10
Pro und Contra
Pro
- Revolutionäres Zerstörungs-Gameplay mit Voxel-Technologie
- Kreatives Level-Design voller Geheimnisse
- Charmante Beziehung zwischen DK und Pauline
- Fantastische Präsentation und Soundtrack
- Hoher Wiederspielwert mit vielen Sammelobjekten
- Gelungene Bosskämpfe, besonders King K. Rool
Contra
- Steuerung einiger Transformationen unzuverlässig
- Ungleichmäßiges Pacing zwischen den Schichten
- Gelegentliche Performance-Einbrüche bei Chaos-Sequenzen
- Schlangen-Transformation ist frustrierend
Häufig gestellte Fragen zu Donkey Kong Bananza
Wie lange dauert Donkey Kong Bananza?
Die Hauptgeschichte ist in etwa 20 Stunden abgeschlossen. Wer alle Geheimnisse, Sammelobjekte und Herausforderungen finden möchte, kann 40 Stunden und mehr investieren. Das Spiel bietet zudem Endgame-Inhalte für Completionists.
Gibt es einen Koop-Modus?
Ja, Donkey Kong Bananza unterstützt lokalen Koop für zwei Spieler. Der zweite Spieler übernimmt Pauline und kann ihre Gesangsfähigkeiten aktiv einsetzen. Online-Koop ist nicht verfügbar.
Brauche ich Vorkenntnisse der Donkey Kong-Reihe?
Nein, das Spiel ist ein eigenständiges Abenteuer und für Neulinge zugänglich. Fans der Reihe werden zahlreiche Anspielungen und Gastauftritte bekannter Charaktere erkennen, aber dieses Wissen ist nicht notwendig, um die Geschichte zu verstehen oder das Spiel zu genießen.
Ist Donkey Kong Bananza schwer?
Das Spiel bietet einen ausgewogenen Schwierigkeitsgrad, der fordert, aber selten frustriert. Die optionalen Herausforderungsräume und Endgame-Bosskämpfe sind deutlich anspruchsvoller und richten sich an erfahrene Spieler.

