Elfenlicht - Bernhard Hennen

Elfenlicht – Bernhard Hennen | Buchrezension

„Elfenlicht“ von Bernhard Hennen, erschienen Ende 2006, ist der abschließende Band der Trollkrieg-Trilogie und damit Band 3 der Elfensaga. Nach dem winterlichen Auftakt in „Elfenwinter“ führt Hennen die Geschichte um Königin Emerelle, Schwertmeister Ollowain und Alfadas von Firnstayn zu ihrem dramatischen Höhepunkt.

Mit knapp 976 Seiten ist „Elfenlicht“ der umfangreichste Band der ursprünglichen Trilogie und setzt die im zweiten Band etablierten Handlungsstränge fort. Die Trolle bedrohen weiterhin Albenmark, doch wie der Titel andeutet, sind die Invasoren bei weitem nicht die größte Gefahr für das Elfenreich.

Überblick ohne Spoiler

Die Geschichte setzt einige Wochen nach den Ereignissen von „Elfenwinter“ ein. Die Schlacht gegen die Trolle scheint geschlagen, doch der Krieg ist noch lange nicht vorbei. Emerelle, immer noch geschwächt von ihrer schweren Verwundung, ist bereit, alles zu tun, um ihr Volk vor der trollischen Bedrohung zu retten – und begeht genau deshalb einen fatalen Fehler.

Neben den Trollen erheben sich andere dunkle Mächte, die Albenmark bedrohen. Ollowain muss sich nicht nur äußeren Feinden stellen, sondern auch den Konsequenzen von Emerelles verzweifelten Entscheidungen. Alfadas kämpft weiterhin zwischen den Welten – zerrissen zwischen seinem Erbe als Sohn Mandreds und seiner Verantwortung gegenüber Firnstayn.

Die Handlung zieht immer weitere Kreise, führt die Protagonisten an altbekannte und neue Orte, und enthüllt nach und nach, dass die wahre Bedrohung Albenmarks möglicherweise nicht von außen, sondern von innen kommt.

Die Stärken

Hennens größte Leistung ist die Komplexität der moralischen Dilemmata. „Elfenlicht“ ist kein einfacher „Gut gegen Böse“-Roman. Emerelle, die weise Königin, trifft Entscheidungen, die aus Verzweiflung geboren sind und verheerende Konsequenzen haben. Die Frage „Rechtfertigt der Zweck die Mittel?“ durchzieht das gesamte Buch, und Hennen gibt keine einfachen Antworten.

Die Charakterentwicklung ist hervorragend. Ollowain, der im ersten Band noch der stoische Schwertmeister war, zeigt hier emotionale Tiefe und muss sich mit Loyalitätskonflikten auseinandersetzen. Lyndwyn entwickelt sich von der verdächtigten Komplizin zu einer eigenständigen, komplexen Figur. Alfadas findet endlich seinen Platz zwischen Menschenwelt und Albenmark.

Die Balance zwischen epischen Schlachten und ruhigeren, charaktergetriebenen Momenten ist gelungen. Hennen wechselt geschickt zwischen großangelegten Konfrontationen und intimen Szenen, die den Figuren Raum zur Entwicklung geben.

Das Worldbuilding wird noch detaillierter. Albenmark entfaltet sich in all seiner Pracht und seinen dunklen Ecken. Die verschiedenen Elfenvölker, die magischen Albenpfade, die politischen Intrigen – alles fügt sich zu einem lebendigen, atmenden Kosmos.

Die Schlachtszenen sind wieder grandios inszeniert. Hennen zeigt seine ganze Meisterschaft in der Choreografie von Massenkämpfen, ohne dabei die einzelnen Schicksale aus den Augen zu verlieren.

Die Schwächen

Der Umfang kann ermüdend wirken. Mit knapp 1000 Seiten ist „Elfenlicht“ ein Schwergewicht, und stellenweise hätte strafferes Editing dem Buch gutgetan. Einige Handlungsstränge ziehen sich in die Länge, ohne wesentlich zur Gesamthandlung beizutragen.

Die Vielzahl der Perspektiven kann verwirren. Hennen jongliert mit zahlreichen Handlungssträngen und Charakteren, und nicht alle sind gleich interessant. Einige Nebenfiguren bekommen mehr Raum als nötig, während andere zu kurz kommen.

Das Tempo ist ungleichmäßig. Nach einem packenden Start gibt es im Mittelteil längere Passagen, in denen die Handlung kaum vorankommt. Erst im letzten Drittel zieht das Tempo wieder deutlich an.

Der Cliffhanger am Ende ist frustrierend. „Elfenlicht“ schließt die Trollkrieg-Trilogie nicht wirklich ab, sondern öffnet neue Fragen und Konflikte. Wer einen befriedigenden Abschluss erwartet, wird enttäuscht – die Geschichte geht in „Elfenkönigin“ weiter.

Für wen ist das Buch?

„Elfenlicht“ richtet sich ausschließlich an Leser, die „Die Elfen“ und „Elfenwinter“ kennen und lieben. Als Einstieg ist der Band völlig ungeeignet – zu viel Vorwissen wird vorausgesetzt, zu viele Handlungsstränge laufen zusammen.

Fans epischer Fantasy mit Geduld für komplexe Handlungen und moralische Grauzonen werden hier glücklich. Wer Werke wie Das Lied von Eis und Feuer schätzt, findet in „Elfenlicht“ ähnliche Qualitäten: vielschichtige Charaktere, politische Intrigen, und die Einsicht, dass selbst die Besten fatale Fehler begehen können.

Wer schnelle Abschlüsse, eindeutige Helden oder kompakte Geschichten bevorzugt, sollte sich anderweitig umsehen.

Fazit

„Elfenlicht“ ist ein würdiger Abschluss der Trollkrieg-Trilogie, auch wenn „Abschluss“ das falsche Wort ist – vielmehr ist es ein Übergang zu den nachfolgenden Bänden der Elfensaga. Bernhard Hennen beweist erneut seine Meisterschaft im Erschaffen komplexer Fantasy-Welten mit moralisch ambivalenten Charakteren.

Die Stärken – komplexe Charakterentwicklung, moralische Dilemmata, grandiose Schlachten und detailliertes Worldbuilding – überwiegen die Schwächen. Der stellenweise ungleichmäßige Rhythmus und der frustrierende Cliffhanger schmälern den Gesamteindruck nur geringfügig.

Für Fans der Elfensaga ist „Elfenlicht“ Pflichtlektüre. Es zeigt, dass auch Lichtgestalten wie die Elfen dunkle Entscheidungen treffen müssen – und dass manchmal gerade die verzweifelten Versuche, das Richtige zu tun, die größten Katastrophen auslösen.

Bewertung: 8,5/10

Empfehlung: Absolute Pflichtlektüre für Fans der Elfensaga. Eine würdige Fortsetzung, die die etablierte Geschichte vertieft und zu neuen Höhen führt – auch wenn das Ende mehr Fragen aufwirft als es beantwortet.


Technische Details

  • Autor: Bernhard Hennen
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: ca. 976 Seiten (Taschenbuchausgabe)
  • ISBN: 978-3-453-52218-0 (Erstausgabe)
  • ISBN Taschenbuch: 978-3-453-31568-6
  • Reihe: Die Elfen, Band 3 (Trollkrieg-Trilogie, Teil 3)
  • Erschienen: Dezember 2006
  • Fortsetzung: „Elfenkönigin“ (2009)
  • Format: Taschenbuch, Hardcover, eBook, Hörbuch verfügbar

Häufig gestellte Fragen

Muss ich „Die Elfen“ und „Elfenwinter“ vorher gelesen haben?

Ja, unbedingt. „Elfenlicht“ setzt die direkte Kenntnis beider Vorgängerbände voraus. Die Handlung knüpft unmittelbar an „Elfenwinter“ an, und Charaktere sowie politische Konstellationen werden als bekannt vorausgesetzt.

Ist das Buch in sich abgeschlossen?

Nein. „Elfenlicht“ endet mit einem Cliffhanger und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Die Geschichte wird in „Elfenkönigin“ fortgesetzt. Wer befriedigende Abschlüsse bevorzugt, sollte sich auf einen weiteren Band einstellen.

Wie steht „Elfenlicht“ im Vergleich zu den Vorgängern?

„Elfenlicht“ ist eine gelungene Mischung aus den Stärken der Vorgänger. Es kombiniert die epischen Schlachten aus „Elfenwinter“ mit den charaktergetriebenen Momenten aus „Die Elfen“. Allerdings leidet es stellenweise unter seinem Umfang.

Gibt es viel Action?

Ja, aber nicht durchgehend. „Elfenlicht“ wechselt zwischen großangelegten Schlachten und ruhigeren, politischen oder persönlichen Szenen. Die Action-Passagen sind grandios inszeniert, aber wer permanente Action erwartet, wird vom ungleichmäßigen Rhythmus enttäuscht.

Warum der Titel „Elfenlicht“?

Der Titel spielt auf das schwindende Licht der Elfen an – ihre Macht, ihr Einfluss, ihre scheinbare Unsterblichkeit beginnen zu verblassen. Es ist eine Metapher für den Niedergang einer Hochkultur und die verzweifelten Versuche, diesen aufzuhalten.

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