GamesWirtschaftsWeise 2026: Meine persönlichen Einschätzungen

GamesWirtschaftsWeise 2026: Meine persönlichen Einschätzungen

Über die GamesWirtschaftsWeisen

Die GamesWirtschaftsWeisen sind eine hervorragende Initiative von GamesWirtschaft.de, bei der jährlich über 170 Branchenexperten 20 Thesen über das kommende Gaming-Jahr bewerten. Zum 10. Jubiläum haben die Kollegen von GamesWirtschaft.de diese Thesen erneut zusammengestellt und die Branche befragt.

Als interessierter Gaming-Enthusiast und Betreiber von gamefinity.net habe ich mir die Freiheit genommen, alle 20 Thesen ebenfalls zu bewerten und meine Einschätzungen zu dokumentieren. Dies ist keine professionelle Analyse, sondern die persönliche Perspektive eines engagierten Beobachters der Gaming-Branche.

Quellen:

Ein großes Dankeschön an das Team von GamesWirtschaft.de für die jahrelange Pflege dieses Formats! Die Auflösung erfolgt im Februar 2027.

Meine Prognosen im Überblick

Ergebnis: 9 JA / 11 NEIN

✅ THESE 1: Frau in Führungsposition

„Mindestens eines der 50 größten Games-Unternehmen beruft eine Frau in Vorstand, Aufsichtsrat oder Geschäftsführung.“

Experten-Mehrheit: 77% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Die Kombination aus drei verschiedenen Führungsgremien (Vorstand, Aufsichtsrat, Geschäftsführung) macht dies realistisch. Bei 50 Unternehmen und einem ganzen Jahr Zeit ist die Hürde relativ niedrig. Der gesellschaftliche Druck auf Diversität in Führungspositionen nimmt kontinuierlich zu, insbesondere bei Aufsichtsräten, die oft gezielt divers besetzt werden.

✅ THESE 2: Saturn verschwindet

„MediaMarkt-Saturn macht’s offiziell: Spätestens 2027 verschwindet das Saturn-Logo aus den Innenstädten.“

Experten-Mehrheit: 74% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Saturn bleibt zwar eine starke und präsente Marke, jedoch sind die Kosten- und Verwaltungsaspekte bei der Führung zweier paralleler Retail-Marken erheblich. Für ein gewinnorientiertes Unternehmen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist die Konsolidierung der logische Schritt. Die These bezieht sich auf die Ankündigung bis Ende 2026 für eine Umsetzung bis 2027 – dieser Zeitrahmen erscheint realistisch.

❌ THESE 3: DCP Triple-Gewinner

„Beim Deutschen Computerspielpreis 2026 gewinnt ein Studio mindestens drei Preise.“

Experten-Mehrheit: 71% JA
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Ich erwarte eine positive Entwicklung der deutschen Games-Szene mit mehreren qualitativ hochwertigen Titeln. Die Jury wird voraussichtlich mehrere Studios auszeichnen wollen, um die Breite der Branche zu würdigen und Fördergelder zu rechtfertigen. Eine Konzentration auf einen einzelnen dominanten Titel erscheint mir daher weniger wahrscheinlich.

✅ THESE 4: E-Sport-Gemeinnützigkeit

„Bis Ende 2026 erhalten mindestens 20 E-Sport-Vereine die Gemeinnützigkeit.“

Experten-Mehrheit: 71% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Die rechtliche Grundlage ist seit 1. Januar 2026 geschaffen. Es gibt einen erheblichen aufgestauten Bedarf bei bestehenden E-Sport-Strukturen. Zusätzlich erwarte ich zahlreiche Neugründungen, die diese neue Möglichkeit nutzen werden. Die E-Sport-Szene wächst kontinuierlich, und 20 erfolgreiche Anträge innerhalb eines Jahres sind eine realistische Marke.

✅ THESE 5: Förder-Anträge über 100 Mio. €

„Deutsche Entwickler stellen Förder-Anträge über mind. 100 Mio. € beim Bund (Gesamt-Etat: 125 Mio. €).“

Experten-Mehrheit: 69% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Bei einem verfügbaren Budget von 125 Millionen Euro werden Studios intensiv Anträge stellen. Es gibt ausreichend Projekte in der deutschen Entwicklerszene, und die Erfahrung mit Fördersystemen ist mittlerweile vorhanden. Studios werden die Chance nutzen, selbst wenn die Bewilligungsquote niedrig sein sollte. 80% des verfügbaren Budgets zu beantragen ist eine konservative Schätzung.

✅ THESE 6: GTA 6 Release-Termin

„Grand Theft Auto VI erscheint wie geplant am 19. November 2026.“

Experten-Mehrheit: 67% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Meiner Meinung nach hat Rockstar Games bewusst einen späteren Termin gewählt und sich intern Puffer eingeplant. Das Spiel wird voraussichtlich früher fertiggestellt sein, sodass das Team entspannt polishen und optimieren kann, ohne in Zeitdruck zu geraten. Der November-Termin ermöglicht zudem die optimale Nutzung des Holiday-Geschäfts ohne Last-Minute-Hektik. Eine weitere Verschiebung würde das Reputationsrisiko für Take-Two und Rockstar erheblich erhöhen.

✅ THESE 7: XXL-Übernahme

„Die globale Games-Industrie erlebt eine weitere XXL-Übernahme (mind. 5 Mrd. $/€).“

Experten-Mehrheit: 63% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Die Konsolidierung der Gaming-Industrie setzt sich fort. Neben den bekannten Akteuren aus China (Tencent, NetEase) und Saudi-Arabien sehe ich weitere potenzielle Käufer wie Amazon, Apple oder Netflix. Die Ambitionen in diesen Märkten sind weiterhin hoch, und es gibt attraktive Übernahmeziele im mittleren bis oberen Segment. Eine Mega-Übernahme im fünfstelligen Millionenbereich ist daher wahrscheinlich.

✅ THESE 8: Konsolen-Preise stabil

„PS5, Xbox Series X und Switch 2 kosten am Jahresende nicht mehr als zu Jahresbeginn.“

Experten-Mehrheit: 61% JA
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Hardware-Preise bleiben trotz hoher Produktionskosten stabil oder sinken leicht. Die Hersteller nutzen das klassische „Razorblade-Model“: Die Konsole dient als Einstieg ins Ökosystem, die eigentliche Profitabilität wird durch Software-Verkäufe, Abonnements (PlayStation Plus, Game Pass) und Zubehör erreicht. Alle drei Hersteller haben etablierte Ökosysteme und können es sich leisten, bei der Hardware konservativ zu kalkulieren, um Marktanteile zu sichern.

❌ THESE 9: Super Mario Galaxy Film

„Der Super Mario Galaxy Film übertrifft die 5,3 Mio. Kinobesucher des ersten Films.“

Experten-Mehrheit: 50% JA / 49% NEIN (exakt geteilt!)
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Der erste Super Mario Bros. Film hatte einen einzigartigen „Event-Charakter“ als erster großer Mario-Kinofilm seit Jahrzehnten. Dieser Neuheitseffekt lässt sich nicht wiederholen. Galaxy wird erfolgreich sein, aber die Messlatte von 5,3 Millionen Besuchern in Deutschland ist außergewöhnlich hoch und schwer zu übertreffen. Sequels erreichen selten die Überraschungserfolge ihrer Vorgänger.

❌ THESE 10: Social-Media-Verbot

„Social-Media-Verbot für Kinder/Jugendliche nach australischem Vorbild kommt – gilt auch für Games-Plattformen.“

Experten-Mehrheit: 93% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN (für 2026)

Begründung: Ein solches Verbot wird langfristig kommen, aber nicht innerhalb des Jahres 2026. Politische Prozesse in Deutschland und der EU benötigen erheblich mehr Zeit. Selbst wenn 2026 erste Gesetzentwürfe vorgelegt würden, läge die tatsächliche Umsetzung Jahre in der Zukunft. Die technischen, datenschutzrechtlichen und verfassungsrechtlichen Hürden sind erheblich.

❌ THESE 11: Kanzler eröffnet Gamescom

„Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet die Gamescom 2026.“

Experten-Mehrheit: 90% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Gaming liegt nicht im politischen Fokus von Bundeskanzler Merz. Als klassischer Wirtschaftspolitiker konzentriert er sich auf traditionelle Industrien, Mittelstand und Finanzthemen. Im Gegensatz zu Angela Merkels strategischem Gamescom-Besuch 2017 (Wahljahr, Digitalisierungs-Agenda) fehlen sowohl die persönliche Affinität als auch der strategische Anreiz für einen Auftritt. Falls ein Besuch stattfände, wäre dies eine überraschende spontane Entscheidung.

✅ THESE 12: Top-10-Studios wachsen

„Die zehn größten Games-Unternehmen beschäftigen am Jahresende mehr Mitarbeiter als zu Jahresbeginn.“

Experten-Mehrheit: 84% NEIN
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Trotz des Einsatzes von KI-Tools bleiben die Ambitionen in der Branche hoch. Die steigende Nachfrage nach Gaming-Content, wachsende gesellschaftliche Akzeptanz und verfügbare Fördermittel schaffen Wachstumsimpulse. Größere und ambitioniertere Projekte – auch mit KI-Unterstützung – benötigen weiterhin qualifizierte Teams. Die über 100 Millionen Euro Fördermittel müssen in Personal und Projekte investiert werden, was Arbeitsplätze schafft.

Abweichung: Dies ist eine bewusst optimistische Einschätzung gegen die deutliche Mehrheitsmeinung der Experten.

❌ THESE 13: Über 1.000 Hersteller

„Die Zahl der Spiele-Hersteller in Deutschland steigt erstmals auf über 1.000 (2025: 910).“

Experten-Mehrheit: 82% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Ich erwarte eine leichte Erholung gegenüber 2025 (910 Studios), schätze aber, dass die Zahl bei etwa 930-950 Studios liegen wird. Es wird Neugründungen geben, gleichzeitig jedoch auch Fusionen und Schließungen. Eine Steigerung um über 90 Studios innerhalb eines Jahres – nach einem Rückgang von 38 Studios im Vorjahr – erscheint unrealistisch. Die 1.000er-Marke wird voraussichtlich erst später erreicht.

❌ THESE 14: Steam kippt KI-Kennzeichnung

„Steam beendet die Kennzeichnungs-Pflicht von Spielen mit KI-Inhalten.“

Experten-Mehrheit: 81% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Die KI-Kennzeichnung wird nicht abgeschafft, sondern sich weiterentwickeln und detaillierter werden. Valve wird das System voraussichtlich verfeinern und zwischen verschiedenen KI-Einsatzformen differenzieren (Asset-Erstellung vs. Kern-Gameplay vs. Entwicklungstools). Möglicherweise wird nicht jeder minimale KI-Einsatz offengelegt werden müssen, aber das grundsätzliche Transparenz-Prinzip bleibt 2026 bestehen. Der Trend geht zu mehr, nicht weniger Transparenz.

❌ THESE 15: Saudi-Arabien Gamescom-Partner

„Saudi-Arabien wird offizielles Partnerland der Gamescom 2026.“

Experten-Mehrheit: 80% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Aus Sicht der saudischen Ambitionen wäre eine Partnerschaft durchaus denkbar. Allerdings wiegen die Gegenargumente schwer: Menschenrechtslage, politische Kontroversen und das erhebliche Image-Risiko für die Gamescom. Als eines von mehreren Partnerländern wäre eine Beteiligung Saudi-Arabiens vorstellbar, da dies weniger exponiert wäre. Als alleiniges Partnerland – und damit vollständig im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit – halte ich dies derzeit für unrealistisch.

❌ THESE 16: Games in allen Koalitionsverträgen

„Nach Landtagswahlen in 5 Bundesländern erwähnen ALLE Koalitionsverträge ‚Games‘ oder ‚Computerspiele‘.“

Experten-Mehrheit: 72% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Es benötigt nur ein Bundesland, das Gaming in Koalitionsverhandlungen nicht priorisiert oder es schlichtweg vergisst. Mecklenburg-Vorpommern sehe ich als wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Nicht-Erwähnung: Das Bundesland hat mit Tourismus, Landwirtschaft, Strukturwandel und demografischen Herausforderungen andere Schwerpunktthemen. Gaming ist dort wirtschaftlich weniger relevant als beispielsweise in Baden-Württemberg oder Berlin.

❌ THESE 17: Neue Konsolen-Generation

„Sony und/oder Microsoft kündigen offiziell die nächste Konsolen-Generation an.“

Experten-Mehrheit: 64% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: 2026 ist zu früh für eine solche Ankündigung. Microsoft experimentiert derzeit intensiv mit Cloud Gaming, plattformübergreifendem Game Pass und neuen Vertriebsmodellen – die strategische Ausrichtung muss erst geklärt werden, bevor eine Next-Gen-Konsole angekündigt wird. Sony hat gerade erst die PlayStation 5 Pro auf den Markt gebracht. Eine Ankündigung für 2026 mit Launch 2028 wäre theoretisch möglich, erscheint aber unwahrscheinlich.

❌ THESE 18: Deutscher Award international

„Mind. ein DACH-Spiel gewinnt einen der fünf wichtigsten internationalen Awards (TGA, DICE, BAFTA, Golden Joystick, IGF).“

Experten-Mehrheit: 61% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Deutschland unternimmt Anstrengungen zur Stärkung der Games-Branche, aber die internationale Konkurrenz ist massiv. Polen liefert mittlerweile AAA-Produktionen auf Weltniveau (CD Projekt Red, 11 bit studios), Frankreich hat etablierte Studios (Ubisoft, Arkane, Asobo), und die traditionellen Platzhirsche aus den USA und Japan dominieren weiterhin. Deutschland verfügt über talentierte Entwickler, aber es fehlt an der internationalen Sichtbarkeit und dem Budget für wettbewerbsfähige Produktionen. Für 2026 sehe ich persönlich keinen deutschen Kandidaten, der realistisch einen dieser prestigeträchtigen Awards gewinnen könnte.

❌ THESE 19: Steuerliche Förderung

„Die Bundesregierung legt einen Gesetz-Entwurf für steuerliche Games-Förderung vor.“

Experten-Mehrheit: 58% NEIN
Meine Einschätzung:NEIN

Begründung: Die aktuelle politische Agenda ist mit dringlicheren Themen überladen: Haushaltskrise, Wirtschaftslage, Migration und Verteidigung. Gaming genießt nicht die notwendige politische Priorität oder Dringlichkeit, um 2026 einen Gesetz-Entwurf zu rechtfertigen. Trotz jahrelangem Lobbying des game-Verbands fehlt der politische Wille. Dies ist eine bedauerliche, aber realistische Einschätzung der aktuellen Prioritätensetzung.

✅ THESE 20: Drei neue Betriebsräte

„In mindestens drei weiteren der 50 größten Games-Unternehmen entsteht ein Betriebsrat.“

Experten-Mehrheit: 55% NEIN
Meine Einschätzung:JA

Begründung: Die strukturellen Probleme in der Gaming-Branche – Crunch, Massenentlassungen, Arbeitsplatzunsicherheit – haben einen kritischen Punkt erreicht. Die internationalen Skandale (Activision Blizzard, etc.) sensibilisieren auch deutsche Entwickler für die Notwendigkeit von Arbeitnehmervertretungen. Es kommt Bewegung in das Thema, und drei Neugründungen von Betriebsräten bei 50 Unternehmen innerhalb eines Jahres erscheint realistisch. Die Hürde ist niedrig genug, um erreichbar zu sein.

Abweichung: Dies ist eine bewusst optimistische Einschätzung gegen die knappe Mehrheitsmeinung der Experten.

Fazit

Mit 9 JA-Stimmen und 11 NEIN-Stimmen vertrete ich eine leicht pessimistische, aber ausgewogene Position. Besonders interessant sind meine beiden bewussten Abweichungen von der Experten-Mehrheit:

  • These 12 (Top-10 wachsen): Optimistisch gegen 84% der Experten – Glaube an Wachstum durch Fördermittel und strukturelle Nachfrage
  • These 20 (Betriebsräte): Optimistisch gegen 55% der Experten – Glaube an Kipppunkt bei Arbeitnehmerrechten

Die Auflösung im Februar 2027 wird zeigen, wie präzise diese Einschätzungen waren. Es bleibt spannend, ob die Experten-Mehrheit oder meine persönlichen Einschätzungen näher an der Realität liegen.

Vielen Dank an GamesWirtschaft.de für dieses großartige Format und die Möglichkeit, mitzudiskutieren!

Diese Einschätzungen sind meine persönliche Meinung als interessierter Beobachter der Gaming-Branche. Ich erhebe keinen Anspruch auf professionelle Analyse – dies ist lediglich eine Dokumentation meiner Gedanken zu den 20 Thesen der GamesWirtschaftsWeisen 2026.

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