EA und Codemasters vereinen ihre Kräfte für GRID Legends – auf dem Papier eine vielversprechende Zusammenarbeit. Das Rennspiel verspricht packende Story, präzises Fahrgefühl und umfangreichen Content. Nach dutzenden Stunden auf diversen Rennstrecken steht fest: GRID Legends liefert solide Arcade-Racing-Unterhaltung, kann aber weder mit Forza Horizon 5 noch Gran Turismo 7 mithalten. Die ambitionierte Story-Kampagne scheitert an schwacher Inszenierung, während das Gameplay zwischen Spaß und Frustration schwankt.
Die „dramatische“ Story: Viel Lärm um nichts
GRID Legends versucht sich an einer Underdog-Geschichte im Motorsport. Man verfolgt das fiktive Seneca Racing Team durch eine Saison voller Dramen, Rivalitäten und Rückschläge. Die Inszenierung nutzt Live-Action-Sequenzen mit echten Schauspielern – ein mutiger Ansatz für ein Rennspiel.
Leider scheitert die Umsetzung auf ganzer Linie. Die Schauspieler wirken lustlos, die Dialoge sind hölzern abgelesen, die Synchronisation klingt mittelmäßig bis schlecht. Anfangs dachte ich, das sei nur im Tutorial so – aber es zieht sich durch das ganze Spiel. Die Tonqualität ist im Default zu leise, die Sprecher transportieren keine Emotionen.
Die Story selbst ist uninspiriert. Protagonist sind da… Punkt. Mehr kann man den Charakteren nicht abgewinnen. Man wird an keiner Stelle mitgerissen oder denkt über die Figuren nach. Die Dialoge und Zwischensequenzen sind nur Wartezeiten bis zum nächsten Rennen.
Das Gesamtpaket ist nicht nur schlecht umgesetzt, sondern auch geschrieben. Obschon eine Story bei Rennspielen für die meisten Spieler kaum relevant ist, hat Codemasters eine solche versucht zu verpacken. Allerdings bleibt es beim Versuch. Schade, denn das Konzept hatte Potential – echte Schauspieler, cinematische Inszenierung, Motorsport-Drama. Die Ausführung ist aber katastrophal.
Zum Vergleich: F1 2021 von Codemasters hatte zwar keine Story-Kampagne, aber die Karriere-Präsentation war professioneller. Need for Speed Heat hatte eine generische aber wenigstens unterhaltsame Story. GRID Legends verfehlt beides.
Gameplay: Arcade-Racing mit Ecken und Kanten
Das Fahrgefühl ist klassisches Arcade-Racing. Keine Simulation wie Gran Turismo, sondern zugängliche Action wie Need for Speed. Fahrhilfen sind standardmäßig aktiviert, die Steuerung ist responsiv, Drifts sind spektakulär.
Die ersten Events fühlen sich frisch und aufregend an. Man wird sanft mit aktivierten Fahrhilfen an die Steuerung herangeführt. Die Erzähler versuchen, einen in den Bann zu ziehen. Das funktioniert… für etwa zwei Stunden.
Dann wird es langweilig. Die Events bestehen größtenteils aus kurzen Rennen mit drei oder vier Runden. Das ist einerseits gut für kurze Sessions – man kann schnell eine Runde fahren. Andererseits fehlt die Tiefe für längere Spielsitzungen.
Das größte Problem: Die Balance fehlt. Einen Großteil der Strecken kann man „gefühlt“ ohne Bremse absolvieren, indem man ein wenig vom Gas geht und über Bande oder Gegner durch Kurven fliegt. Das ist typisch Arcade-Racer, aber hier ist es zu extrem.
Die KI macht zu viele Fehler. „Menschliche Fehler“ sind eingebaut – Fahrfehler und Unfälle der KI sind an der Tagesordnung. Das geschieht viel zu oft. Ein Rennfahrer auf diesem Niveau sollte ein paar Kurven auf der Ideallinie absolvieren können. Zu oft schießen sich Top-Fahrer durch dumme Fehler aus dem Rennen.
In Kombination mit dem zu simplen Fahrverhalten bleiben echte Herausforderungen oder spannende Rennen aus. Ich hatte zumindest keine.

Schwierigkeitsgrad: Inkonsistent und frustrierend
Die Schwierigkeitsstufen helfen bei der Problematik nicht. Im Standard ist GRID Legends viel zu leicht. Selbst auf höheren Stufen sind die Rennen durchwachsen – plötzlich mal unschaffbar schwer, dann wieder super-duper einfach.
Das ist frustrierend. Man klickt konstant durchs Optionsmenü, um die richtige Balance zu finden. Eine konstante Einstellung scheint es nicht zu geben. Das ist schlechtes Game-Design.
Zum Vergleich: Forza Horizon 5 hat adaptive Schwierigkeit die funktioniert. F1 2021 bietet granulare Einstellungen für KI-Geschwindigkeit. GRID Legends hat weder das eine noch das andere.
Fahrzeuge und Strecken: Umfang vs. Qualität
Der Umfang ist respektabel. Über 100 Fahrzeuge aus diversen Kategorien: GT-Cars, Tourenwagen, Prototypen, Trucks, Open-Wheeler. Die Vielfalt ist beeindruckend, die Fahrzeuge unterscheiden sich spürbar.
22 Strecken mit verschiedenen Layouts sorgen für Abwechslung. Von Straßenkursen über klassische Rennstrecken bis zu Off-Road-Pisten ist alles dabei. Die Streckenauswahl ist solide, wenn auch nicht spektakulär.
Das Problem: Der Umfang wird künstlich vergrößert. Man muss Events wiederholen, um spezielle Upgrades freizuschalten. Das ist Padding statt echtem Content. Nach 10 Stunden wiederholen sich die Events spürbar.
Die Fahrzeug-Kategorien sind interessant: Drift-Events, Elimination-Rennen, Endurance-Races. Aber die Variation reicht nicht, um 30+ Stunden zu rechtfertigen.
Grafik: Schöne Strecken, plastische Autos
Grafisch ist GRID Legends gespalten. Die Strecken wissen zu begeistern. Codemasters zeigt viel Abwechslung und schicke Orte. Die Belichtung ist gelungen. Auf Xbox Series X sieht fast alles richtig gut aus.
Die Witterungseffekte sind durchwachsen. Besonders Schnee wirkt auffallend unrealistisch, altbacken – selbst wenn man mit einem Rennauto über die Strecke rast.
Das größte Problem: Die Fahrzeuge. Sie sehen gar nicht so schick und dynamisch aus wie die Szenerie. Sie wirken deplatziert plastisch, fast wie Spielzeugautos aus Hot Wheels Unleashed. Das zerstört die Immersion.
Auf Current-Gen (PS5/Xbox Series X) läuft das Spiel mit 60fps stabil. Das ist essentiell für Rennspiele. Aber die Asset-Qualität der Fahrzeuge ist schwach für 2022.
Zum Vergleich: Gran Turismo 7 hat fotorealistische Autos. Forza Horizon 5 hat brilliant modellierte Fahrzeuge. GRID Legends sieht aus wie ein Last-Gen-Spiel mit Current-Gen-Framerate.

Sound: Enttäuschend auf ganzer Linie
Die Vertonung ist langweilig, zu leise und wenig unterhaltsam. Die Motorensounds reißen nichts raus. Das ist besonders enttäuschend für ein Rennspiel.
Motoren klingen generisch, fast schon wie Stock-Sounds aus einer Audio-Bibliothek. Es fehlt die Wucht, die Präsenz. Zum Vergleich: Forza Motorsport hat brillante Engine-Sounds. Gran Turismo 7 ebenfalls. GRID Legends klingt flach.
Die Musik ist forgettable. Generische Rock-Tracks im Menü, die man nach 10 Minuten ausschaltet. Der Soundtrack trägt nichts zur Atmosphäre bei.
Die bereits erwähnte Story-Vertonung ist katastrophal. Lustlose Sprecher, schlechte Aufnahmequalität, zu leiser Mix. Das zerstört jede Immersion.
Multiplayer: Endlich Spaß
Der Multiplayer bietet endlich Abwechslung und Spaß. Man kann Fahrzeuge, Strecken und Spielmodi zusammenwürfeln wie man will. Was Hot Wheels Unleashed zum Release gefehlt hat, findet man bei GRID Legends direkt.
Mit Freunden geht richtig die Post ab. Custom-Lobbys, diverse Modi (Race, Elimination, Drift), volle Kontrolle über Settings. Das ist der stärkste Teil des Spiels.
Online-Matchmaking funktioniert solide. Die Spielerbasis ist (zum Launch) aktiv, man findet schnell Rennen. Netcode ist stabil, Lag selten.
Das Problem: Ohne Freunde ist es okay, aber nicht brilliant. Die KI-Probleme existieren im Multiplayer nicht, aber es fehlt der X-Faktor der GRID Legends von iRacing oder Assetto Corsa Competizione unterscheidet.
Umfang und Langzeitmotivation
Der Umfang ist respektabel auf dem Papier:
- Story-Kampagne: 8-12 Stunden
- 36 Career-Events
- 100+ Fahrzeuge
- 22 Strecken
- Multiplayer
Das klingt viel. Die Realität: Nach 15-20 Stunden hat man alles Wesentliche gesehen. Die Events wiederholen sich, die Story ist durch, der Multiplayer ist nett aber nicht süchtig machend.
Es fehlt die Langzeitmotivation von Forza Horizon 5 (Seasonal Content, Challenges, Exploration) oder Gran Turismo 7 (Sammeln, Tuning, Foto-Mode).
Positiv: Kurze Rennen mit kurzen Ladezeiten. Das ist optimal für Remote-Sessions oder kurze Pausen. Man kann schnell eine Runde fahren, das Spiel weglegen. Für zeitlich begrenzte Sessions funktioniert es.
Aber: Dafür reicht auch ein Mobile-Rennspiel. Man muss keinen AAA-Titel für 60 Euro kaufen für 5-Minuten-Sessions.
Für wen eignet sich GRID Legends?
Die Zielgruppe ist unklar. Es ist zu arcade-lastig für Sim-Racer, zu simpel für Forza-Fans, zu schwach inszeniert für Story-Liebhaber.
Geeignet für:
- Spieler die schnelle Arcade-Action ohne Komplexität wollen
- Multiplayer-Fans die Custom-Lobbys schätzen
- Leute die kurze Gaming-Sessions bevorzugen
- Budget-bewusste Käufer im Sale
Nicht geeignet für:
- Sim-Racing-Enthusiasten (Assetto Corsa, iRacing)
- Open-World-Racer-Fans (Forza Horizon, The Crew)
- Story-fokussierte Spieler
- Perfektionisten die Balance schätzen
Das größte Problem: Die Konkurrenz. Forza Horizon 5 ist im Game Pass verfügbar. Warum sollte man 60 Euro für GRID Legends ausgeben, wenn man FH5 „gratis“ bekommt? Die Antwort: Sollte man nicht.

Technische Leistung
PS5/Xbox Series X: 1080p-4K (dynamisch), 60fps stabil. Ladezeiten kurz (5-10 Sekunden). Performance ist solid, aber grafisch enttäuschend für Current-Gen.
PS4/Xbox One: 1080p (dynamisch), 60fps target (nicht immer erreicht). Spielbar, aber merkliche Downgrades. Für Last-Gen okay, aber es zeigt das Alter der Engine.
PC: Skaliert gut, läuft auf schwacher Hardware bei 60fps. Mit High-End-Karte sind 144fps+ möglich. Aber die Asset-Qualität bleibt schwach unabhängig von Settings.
Bugs sind selten. Gelegentliche Clipping-Fehler, seltene Crashes. Nichts Gamebreaking.
Unser Fazit
GRID Legends hat Momente. Es kann für kurze Sessions begeistern. Aber es fesselt nie richtig. In Summe ist es spielbar und macht zeitlich begrenzt Spaß – aber zu Zeiten wo Forza Horizon 5 im Game Pass verfügbar ist, gibt es keinen Grund, Geld für GRID Legends auszugeben.
Das Rennspiel bietet nicht genug, das Gezeigte wirkt überholt. Die Story ist katastrophal inszeniert. Das Gameplay ist inkonsistent balanciert. Die Grafik ist gespalten – schöne Strecken, plastische Autos. Der Sound ist enttäuschend.
Der Multiplayer ist der einzige Lichtblick. Mit Freunden macht es Spaß. Custom-Lobbys funktionieren. Aber das rechtfertigt keine 60 Euro.
Über 100 Fahrzeuge, 22 Strecken und Multiplayer sind durchaus einen Blick wert. Aber erwartet nicht zu viel – vor allem die „dramatische Geschichte“ ist alles andere als das.
GRID Legends ist kein schlechtes Spiel. Es ist mittelmäßig. Und in einem Genre mit Forza Horizon 5, Gran Turismo 7 und F1 2021 reicht mittelmäßig nicht.
Wertung: 6,5/10 – Befriedigend
Solide Arcade-Racing-Unterhaltung mit respektablem Umfang, die aber durch inkonsistente Balance, schwache Story-Inszenierung und veraltete Präsentation hinter der Konkurrenz zurückbleibt.
Pro und Contra
Pro:
- Respektabler Umfang mit 100+ Fahrzeugen und 22 Strecken
- Multiplayer mit Custom-Lobbys funktioniert gut
- Zugängliches Arcade-Handling für Casual-Racer
- Kurze Rennen ideal für Quick-Sessions
- Stabile 60fps-Performance auf Current-Gen
- Kurze Ladezeiten ermöglichen schnelles Spielen
- Fahrzeug-Vielfalt aus diversen Kategorien
- Strecken-Designs sind visuell ansprechend
- Verschiedene Race-Modi (Drift, Elimination, Endurance)
- Funktionierendes Online-Matchmaking
Contra:
- Katastrophale Story-Inszenierung mit lustlosen Schauspielern
- Inkonsistente Schwierigkeitsbalance frustriert
- KI macht viel zu viele dumme Fehler
- Fahrzeuge sehen plastisch und unrealistisch aus
- Enttäuschende Motorensounds ohne Wucht
- Gameplay wird schnell repetitiv und langweilig
- Künstlich aufgeblähter Umfang durch Event-Wiederholungen
- Veraltete Grafik-Assets für 2022-Standards
- Fehlendes Feature-Set im Vergleich zur Konkurrenz
- Preis-Leistungs-Verhältnis schwach gegen Game Pass-Konkurrenz
Häufige Fragen zu GRID Legends
Lohnt sich GRID Legends wenn ich Forza Horizon 5 habe?
Nein. Forza Horizon 5 ist in fast allen Belangen überlegen und im Game Pass verfügbar. GRID Legends bietet keinen Mehrwert.
Ist es ein Simulator oder Arcade-Racer?
Eindeutig Arcade. Das Handling ist zugänglich, Physik ist simplifiziert, Crashs sind spektakulär. Keine Simulation wie Gran Turismo oder Assetto Corsa.
Wie wichtig ist die Story?
Überhaupt nicht. Sie ist schlecht inszeniert und langweilig. Man kann sie ignorieren ohne Verlust. Fokus auf Career-Events statt Story.
Funktioniert der Multiplayer gut?
Ja, das ist der beste Teil. Custom-Lobbys, diverse Modi, stabiler Netcode. Mit Freunden macht es Spaß.
Wie lange dauert die Kampagne?
Story: 8-12 Stunden. Für 100% mit allen Events: 20-30 Stunden. Danach wird es repetitiv.
Gibt es Cross-Play?
Ja, zwischen allen Plattformen. Man kann mit PC, PlayStation und Xbox zusammen spielen.
Brauche ich Online-Verbindung für Single-Player?
Nein. Single-Player funktioniert komplett offline. Online ist nur für Multiplayer erforderlich.
Gibt es Post-Launch-Content?
Codemasters plant Season Passes mit neuen Fahrzeugen und Strecken. Aber die Community ist skeptisch nach dem Launch-Zustand.
Technische Daten
Entwickler: Codemasters
Publisher: EA
Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S
Release: 25. Februar 2022
Genre: Arcade-Rennspiel
Spieleranzahl: Einzelspieler + Online-Multiplayer
Spielzeit: 15-30 Stunden
Sprachen: Deutsch, Englisch (Text + Sprache)
Altersfreigabe: USK 0 / PEGI 3
Technische Specs:
- PS5/Xbox Series X: 1080p-4K (dynamisch), 60fps
- PS4/Xbox One: 1080p (dynamisch), 60fps (target)
- PC: Skalierbar, 60-144fps+
- Cross-Play: Ja


