Magic-Überproduktion

Hasbro-Klage: Aktionäre fordern 55,9 Millionen Dollar wegen Magic-Überproduktion

Hasbro steht vor einer massiven Aktionärsklage. Zwei Shareholder werfen dem Spielzeugkonzern und seiner Tochter Wizards of the Coast vor, bewusst zu viele Magic: The Gathering Karten gedruckt zu haben – und damit die Marke langfristig zu beschädigen. Die 76-seitige Klageschrift wurde am 21. Januar 2026 beim US-Bundesgericht in Rhode Island eingereicht und enthält brisante Vorwürfe.

Die Kläger: Aktionäre fordern 55,9 Millionen Dollar Schadenersatz

Joseph Crocono und Ultan McGlone, beide seit mehreren Jahren Hasbro-Aktionäre, reichten die Klage ein. Sie richten sich gegen Hasbro-CEO Chris Cocks, die ehemalige Wizards of the Coast-Präsidentin Cynthia Williams und mehrere aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder. Die Klage wurde erstmals von GoLocalProv berichtet, der lokalen Nachrichtenquelle aus Rhode Island.

Der Vorwurf: Die Beklagten hätten ihre Treuepflicht als Führungskräfte verletzt, Unternehmensvermögen verschwendet, sich ungerechtfertigt bereichert und grobe Misswirtschaft betrieben. Zudem wird ein Verstoß gegen den Securities Exchange Act geltend gemacht. Law360, eine der führenden Rechtsmedien-Plattformen, bestätigte die Einreichung der Klage.

Der Hauptvorwurf: Bewusstes Überdrucken

Laut Klageschrift hat Hasbro zwischen 2021 und 2023 die Anzahl der veröffentlichten Magic-Produkte massiv erhöht. Die Strategie: Kurzfristige Umsatzsteigerungen durch Überproduktion, um schwache Performance in anderen Geschäftsbereichen zu kaschieren.

Die Kläger bezeichnen dies als „Project Parachute“ – eine interne Strategie, bei der Magic: The Gathering als Rettungsschirm für den angeschlagenen Konzern dienen sollte. Die Folgen: Marktwert der Karten sank, Sammler verloren Vertrauen, lokale Spielegeschäfte wurden mit Produkten überschwemmt.

Besonders pikant: Bereits 2022 warnte die Bank of America in einem Analysebericht, dass Hasbro „den langfristigen Wert der Marke zerstört“. Trotz dieser Warnung und kritischer Nachfragen von Aktionären soll das Management die Überproduktion wiederholt geleugnet haben.

30th Anniversary Set: Künstliche Verknappung und Mülldeponien

Ein besonders explosiver Teil der Klage dreht sich um das Magic: The Gathering 30th Anniversary Set von 2022. Hasbro verkaufte das Produkt für 999 Dollar – vier Booster-Packs mit nicht-turnierlegalem Nachdrucken klassischer Karten.

Nach nur einer Stunde erschien auf X (ehemals Twitter) die Meldung, das Set sei ausverkauft. Die Klage behauptet: Das war eine Lüge. Laut Aussagen ehemaliger Mitarbeiter bei IGN sei nur ein Teil der gedruckten Sets verkauft worden. Das Management habe den Verkauf bewusst gestoppt, um künstliche Verknappung vorzutäuschen und die Aktienkurse zu stützen.

Was mit den unverkauften Sets geschah? Laut Klage landeten einige auf einer Mülldeponie in Texas. Hasbro soll die Sets heimlich entsorgt haben, um das Scheitern des Produkts zu verschleiern.

Aktienrückkäufe zu überhöhten Preisen

Zwischen April und Juli 2022 kaufte Hasbro eigene Aktien im Wert von 125 Millionen Dollar zurück. Die Kläger argumentieren: Die Aktienkurse waren zu diesem Zeitpunkt durch irreführende Umsatzzahlen aus dem Magic-Geschäft künstlich aufgebläht.

Hätte Hasbro die Wahrheit über die Überproduktion offengelegt, wären die Aktienkurse niedriger gewesen. Die Kläger schätzen, dass Hasbro dadurch 55,9 Millionen Dollar zu viel für die eigenen Aktien bezahlte – ein direkter finanzieller Schaden für das Unternehmen und seine Aktionäre.

Secret Lair, Universes Beyond und die Release-Flut

Die Klage kritisiert auch Produkte wie „Secret Lair“ (limitierte Drop-Verkäufe) und „Universes Beyond“ (Crossover-Sets mit Franchises wie Herr der Ringe, Final Fantasy, Warhammer). Diese seien keine kreativen Erweiterungen, sondern Werkzeuge zur Marktsättigung.

Zwischen 2021 und 2023 verdoppelte Hasbro die Anzahl der veröffentlichten Magic-Produkte. Das Problem: Karten verloren an Wert, Sammlungen wurden entwertet, und das Vertrauen der Community sank dramatisch.

Beispiel Final Fantasy-Set: Im Juni 2025 wurde Magic: The Gathering x Final Fantasy zum meistverkauften Set in der Geschichte – noch vor dem eigentlichen Release. Designer Mark Rosewater betonte, man habe mehr gedruckt als je zuvor. Die Kläger sehen darin Bestätigung ihrer These: Hasbro flutet den Markt ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

Reaktion der Community: Jahrelanger Frust

In der Magic-Community brodelt es seit Jahren. Viele Spieler und Sammler fühlen sich von Wizards of the Coast und Hasbro verraten. Die Reserve List – eine Liste von Karten, die nie nachgedruckt werden sollten – wurde zwar nicht offiziell gebrochen, aber das Vertrauen in Hasbros Versprechungen ist erschüttert.

Kommentare in Foren und sozialen Medien sprechen Bände: „Wizards hat in den letzten zehn Jahren so viele Versprechen gebrochen, dass man sich als Kunde nur noch wie ein Opfer höherer Unternehmensgewinne fühlt.“ Die Klage gibt diesem Frust nun eine juristische Plattform.

Nicht die einzige Klage gegen Hasbro

Die aktuelle Aktionärsklage ist nicht die einzige rechtliche Auseinandersetzung, mit der sich Hasbro konfrontiert sieht. Im November 2024 reichte die renommierte Anwaltskanzlei Bernstein Litowitz Berger & Grossmann LLP eine separate Securities Class Action beim US District Court für den Southern District of New York ein.

Diese Klage betrifft den Zeitraum von September 2021 bis Oktober 2023 und wirft Hasbro vor, Investoren über Lagerbestände und Nachfrage getäuscht zu haben. Im August 2025 wurden Lead Plaintiffs ernannt, im November 2025 eine erweiterte Klageschrift eingereicht.

Die Existenz mehrerer paralleler Klagen zeigt: Hasbros Probleme sind nicht neu, und die Frustration der Investoren ist tief verwurzelt. Die aktuelle Magic-Klage ist nur die jüngste – und möglicherweise konkreteste – juristische Attacke auf das Geschäftsmodell des Konzerns.

Was sagt Hasbro?

Hasbro hat sich bislang nicht öffentlich zur aktuellen Klage geäußert. Das ist üblich bei laufenden Gerichtsverfahren. Allerdings hatte das Unternehmen in der Vergangenheit wiederholt betont, dass neue Magic-Sets gedruckt würden, um die Nachfrage neuer Zielgruppen zu bedienen.

Die Kläger behaupten, diese Aussagen seien „falsch und irreführend“ gewesen. Die Strategie sei nicht sorgfältig durchdacht gewesen, wie von Hasbro dargestellt, sondern eine verzweifelte Maßnahme zur Rettung des Konzerns.

Hasbro wird nun Stellung nehmen müssen – und zwar vor Gericht, wo vage Marketingaussagen nicht mehr ausreichen.

Bank of America Report 2022: Die Warnung, die ignoriert wurde

Der kritischste Teil der Klage bezieht sich auf einen Analystenreport der Bank of America vom 14. November 2022. Der Report sorgte damals für Schlagzeilen – und wurde von Hasbro komplett ignoriert.

Analyst Jason Haas stufte die Hasbro-Aktie in einer Doppel-Herabstufung von „Buy“ (Kaufen) auf „Underperform“ (Unterdurchschnittlich) herab. Das Kursziel wurde drastisch von 73 Dollar auf 42 Dollar gesenkt – ein prognostizierter Rückgang von 33,8 Prozent. Die Begründung laut CNBC: „Hasbro tötet seine goldene Gans.“

Haas schrieb wörtlich: „Die primäre Sorge ist, dass Hasbro Magic-Karten überproduziert, was Hasbros jüngste Ergebnisse gestützt hat, aber den langfristigen Wert der Marke zerstört.“

Die Hasbro-Aktie brach am selben Tag um 9,2 Prozent ein – der größte Tagesverlust seit Oktober 2020. Hasbro war an diesem Tag der schlechteste Performer im S&P 500 Index.

Was Bank of America herausfand

Haas und sein Team sprachen mit Magic-Spielern, Sammlern, Besitzern lokaler Spielegeschäfte und Distributoren. Das Ergebnis war eindeutig: Überall herrschte Frustration über die explodierende Anzahl neuer Releases und die Entwertung hochpreisiger Karten durch Nachdrucke.

Die Zahlen waren erschreckend: 2019 erschienen etwa 15 Magic-Produkte. 2020 – zu Beginn der Pandemie – waren es bereits über 30 Sets. 2021 und 2022 blieben auf diesem Niveau. Die Anzahl der Releases hatte sich verdoppelt. Haas warnte, dass wenn Hasbro so weitermache, selbst langjährige treue Spieler aufgeben würden.

Besonders kritisch bewertete der Report das 30th Anniversary Set für 999 Dollar. Haas nannte den Preis „exzessiv hoch“ und warnte, dass die Nachdrucke von Reserve List-Karten das Vertrauen der Sammler zerstören würden. Tatsächlich fiel der aggregierte Preis von Reserve List-Karten von einem Höchststand von über 250.000 Dollar Mitte 2021 auf etwa 150.000 Dollar Ende 2022.

Hasbros Reaktion: Leugnung

Trotz dieser vernichtenden Analyse leugnete Hasbro die Überproduktion öffentlich. In einem Fireside-Chat mit UBS erklärte Cynthia Williams, damals Präsidentin von Wizards of the Coast:

„Insgesamt gibt es keine Beweise dafür, dass Magic überproduziert wird. Die Ansicht, Magic müsse Druckauflagen kürzen, um Preise zu stützen, ist ein Missverständnis unseres Geschäfts und unserer Kunden.“

Mark Rosewater, Lead Designer von Magic, verteidigte die Strategie mit einer Buffet-Metapher: Wizards wolle so viele „Gäste“ (Spieler) wie möglich anziehen, daher sei es sinnvoll, so viele Produkte wie möglich anzubieten. Jeder Spieler habe unterschiedliche Vorlieben.

Die Kläger sehen in diesen Aussagen bewusste Falschdarstellungen gegenüber Investoren – genau das, was die aktuelle Klage nun juristisch angreift.

Mögliche Konsequenzen der Klage

Sollten die Kläger Erfolg haben, könnte das weitreichende Folgen für Hasbro und Wizards of the Coast haben. Neben finanziellen Entschädigungen könnte ein Urteil das Unternehmen zwingen, seine Release-Strategie radikal zu ändern.

Eine Rückkehr zu einem langsameren, nachhaltigeren Veröffentlichungstempo wäre möglich. Das würde bedeuten: Weniger Sets pro Jahr, mehr Fokus auf Qualität statt Quantität, Respekt vor der Knappheit als Kernwert des Sammelkartenspiels.

Für Sammler und Spieler könnte das eine positive Entwicklung sein. Karten würden wieder an Wert gewinnen, die Flut an Releases würde abnehmen, und das Vertrauen in die Marke könnte sich erholen.

Haftung der Führungskräfte

Die Klage zielt nicht nur auf Hasbro als Unternehmen, sondern auch auf einzelne Führungskräfte. Der Vorwurf der Verletzung der Treuepflicht könnte zu persönlicher Haftung führen.

Chris Cocks, der erst 2022 CEO wurde, und Cynthia Williams, die ehemalige Wizards-Präsidentin, stehen besonders im Fokus. Sollte das Gericht zu ihren Ungunsten entscheiden, könnten sie persönlich für Schäden haftbar gemacht werden.

Der Kontext: Hasbros finanzielle Probleme

Hasbro kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen in traditionellen Geschäftsbereichen. Die Spielzeugbranche leidet unter Konkurrenz durch Videospiele und veränderten Konsumgewohnheiten.

Magic: The Gathering wurde zum Rettungsanker. Das Kartenspiel generiert konstant hohe Umsätze – aber offenbar auf Kosten der langfristigen Markenstabilität. Die Kläger argumentieren, dass diese Strategie kurzfristig Zahlen schönt, langfristig aber katastrophal ist.

Was passiert jetzt?

Die Klage wurde eingereicht, das Verfahren beginnt. Hasbro wird Stellung nehmen müssen, Beweise werden ausgetauscht, und möglicherweise kommt es zu einem Vergleich oder Prozess.

Solche Aktionärsklagen ziehen sich oft über Jahre. Ein schnelles Urteil ist unwahrscheinlich. Aber allein die Tatsache, dass die Klage eingereicht wurde, setzt Hasbro unter Druck – sowohl juristisch als auch in der öffentlichen Wahrnehmung.

FAQ

Wer verklagt Hasbro?

Zwei Hasbro-Aktionäre, Joseph Crocono und Ultan McGlone, haben die Klage am 21. Januar 2026 beim US-Bundesgericht in Rhode Island eingereicht.

Was ist der Hauptvorwurf?

Hasbro soll bewusst zu viele Magic: The Gathering Karten gedruckt haben, um kurzfristig Umsätze zu steigern und schwache Performance in anderen Bereichen zu kaschieren. Dies habe die Marke langfristig beschädigt.

Wie hoch ist der Schaden?

Die Kläger beziffern den direkten Schaden auf 55,9 Millionen Dollar – durch Aktienrückkäufe zu künstlich überhöhten Preisen.

Was ist mit dem 30th Anniversary Set passiert?

Laut Klage täuschte Hasbro vor, das 999-Dollar-Set sei ausverkauft. Tatsächlich soll nur ein Teil verkauft worden sein. Unverkaufte Sets landeten angeblich auf einer Mülldeponie in Texas.

Was bedeutet das für Magic-Spieler?

Sollte die Klage erfolgreich sein, könnte Hasbro gezwungen werden, die Release-Strategie zu ändern – weniger Sets, mehr Fokus auf Qualität und Werterhalt.

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