Die Hoffnung auf einen echten PS-Vita-Nachfolger stirbt zuletzt. Als Sony im Mai 2023 das Project Q enthüllte, war die Enttäuschung in der Community spürbar: Kein nativer Handheld, sondern ein reines Streaming-Gerät für die PS5. Nun ist die PlayStation Portal für 220 Euro im Handel, und die Skepsis bleibt. In Zeiten von Steam Deck und ROG Ally, die vollwertige PC-Spiele mobil ermöglichen, wirkt Sonys Ansatz wie ein Schritt zurück. Doch für wen ergibt dieses ungewöhnliche Gerät tatsächlich Sinn?
Design und Verarbeitung
Die PlayStation Portal sieht aus wie ein DualSense-Controller, der in der Mitte aufgeschnitten und um ein 8-Zoll-Display erweitert wurde. Genau das ist sie auch. Mit 30 Zentimetern Breite ist das Gerät erheblich größer als eine Nintendo Switch und wirkt auf den ersten Blick fast unhandlich. In der Praxis überrascht dann aber die Gewichtsverteilung: Trotz 529 Gramm liegt die Portal angenehm in den Händen, ausgewogener sogar als die leichtere Switch. Die identische Ergonomie zum DualSense zahlt sich aus.
Die Verarbeitung entspricht dem gewohnten Sony-Standard. Mattes Plastik mit strukturierten Griffflächen vermittelt Wertigkeit, ohne edel wirken zu wollen. Alle DualSense-Funktionen wurden übernommen: Die adaptiven Trigger bieten denselben Widerstand wie am originalen Controller, das haptische Feedback überträgt Nuancen wie Regentropfen oder Motorenvibrationen. Lediglich das Touchpad wurde durch zwei Touchbereiche links und rechts des Displays ersetzt, was funktional gleichwertig, aber weniger intuitiv ist. Die Analogsticks sind etwas kleiner als beim DualSense und entsprechen denen der PSVR2-Controller.
Display und Darstellung
Das 8-Zoll-LC-Display löst mit 1920×1080 Pixeln auf und erreicht eine Bildwiederholrate von 60 Hz. Die Bildqualität ist solide: Farben wirken kräftig, die Helligkeit reicht für Innenräume problemlos aus, und die Schärfe überzeugt bei angemessenem Betrachtungsabstand. Im direkten Vergleich mit dem Steam Deck OLED oder der Nintendo Switch OLED offenbart sich allerdings der größte Kritikpunkt: Sony setzt 2023 auf LCD-Technologie, während selbst die ursprüngliche PS Vita bereits 2012 ein OLED-Panel bot.
Die fehlenden tiefen Schwarzwerte und der geringere Kontrast fallen besonders bei düsteren Spielen auf. Alan Wake 2 oder Resident Evil Village verlieren einen Teil ihrer Atmosphäre, wenn das Schwarz ins Gräuliche abdriftet. Bei helleren Titeln wie Ratchet & Clank: Rift Apart fällt das weniger ins Gewicht. Das Display erfüllt seinen Zweck, hätte aber für den Preis mehr bieten können.

Remote Play: Abhängig vom Heimnetzwerk
Die Kernfunktion der PlayStation Portal ist das Streamen von PS5-Spielen über das heimische WLAN. Wenn die Bedingungen stimmen, funktioniert das erstaunlich gut. Die Eingabeverzögerung liegt im kaum wahrnehmbaren Bereich, die Bildqualität erreicht nahezu das Niveau des direkten Anschlusses an den Fernseher. In Marvel’s Spider-Man 2 oder Lords of the Fallen konnte ich ohne spürbare Einschränkungen spielen.
Das große Aber: Die Qualität hängt vollständig von der Netzwerkinfrastruktur ab. In meinem Heimnetzwerk mit WiFi 6 und per Ethernet angebundener PS5 lief alles einwandfrei. Bei Freunden mit älteren Routern oder in Wohnungen mit vielen WLAN-Störquellen traten hingegen Bildaussetzer und Eingabeverzögerungen auf. Spiele, die im 30-FPS-Modus laufen, fühlen sich beim Streaming träger an als direkt an der Konsole. Und wenn jemand im Haushalt große Downloads startet oder 4K-Videos streamt, leidet die Spielqualität merklich.
Ein weiteres Problem: Die PS5 muss im Ruhemodus sein, damit die Portal sie aufwecken kann. Das funktionierte in meinen Tests nicht immer zuverlässig. Manchmal verweigerte die Konsole schlicht die Verbindung, ohne erkennbaren Grund. Hier muss Sony mit zukünftigen Updates nachbessern.
Was fehlt
Die Liste der fehlenden Funktionen ist lang und schmerzlich. Die PlayStation Portal kann genau eine Sache: PS5-Spiele via Remote Play streamen. Kein Cloud-Gaming, obwohl PlayStation Plus Premium diese Funktion auf anderen Geräten bietet. Keine YouTube-App, kein Netflix, kein Spotify, kein Webbrowser. Wer hofft, das Gerät als Multimedia-Tablet nutzen zu können, wird enttäuscht.
Besonders ärgerlich: Die Portal unterstützt kein Bluetooth für Kopfhörer. Wer kabellos hören möchte, benötigt PlayStation-Link-kompatible Geräte wie die Pulse Explore Earbuds, die weitere 220 Euro kosten. Das wirkt wie ein absichtlicher Zwang zu Sony-Zubehör und ist bei einem Gerät dieser Preisklasse schwer zu akzeptieren. Immerhin: Ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für kabelgebundene Kopfhörer ist vorhanden.
Native Spiele wird es niemals geben. Die verbaute Hardware, ein Qualcomm Snapdragon 662, ist für Streaming optimiert, nicht für lokale Spielberechnung. Wer einen echten Handheld für PlayStation-Exklusivtitel sucht, wird hier nicht fündig.
Akku und Konnektivität
Sony gibt eine Akkulaufzeit von vier bis neun Stunden an, was einen bemerkenswert großen Spielraum darstellt. In der Praxis erreichte ich bei mittlerer Helligkeit und aktiviertem haptischen Feedback etwa fünf bis sechs Stunden. Das liegt im Rahmen dessen, was man von einem Streaming-Gerät erwarten kann, da der Prozessor keine aufwendigen Berechnungen durchführen muss. Die Ladezeit über USB-C beträgt rund zwei Stunden für eine vollständige Ladung.
Die Konnektivität beschränkt sich auf WiFi 5 (802.11ac) und PlayStation Link für kompatibles Audio-Zubehör. WiFi 6 wäre angesichts der Streaming-Abhängigkeit wünschenswert gewesen. Im Alltag reichte WiFi 5 für meine Tests aus, doch zukünftige Router-Generationen werden diesen Standard zunehmend in den Schatten stellen.
Für wen lohnt sich die Portal?
Die PlayStation Portal richtet sich an eine sehr spezifische Zielgruppe: PS5-Besitzer mit stabilem Heimnetzwerk, die regelmäßig nicht an den Fernseher kommen. Der klassische Anwendungsfall ist der Kampf um die Fernbedienung im Wohnzimmer. Wenn der Partner den TV für eine Serie beansprucht, kann man auf dem Sofa oder im Bett weiterspielen. Für dieses Szenario ist die Portal tatsächlich die beste verfügbare Lösung, komfortabler als das Streaming auf ein Smartphone mit angestecktem Controller.
Für alle anderen Anwendungsfälle gibt es bessere Alternativen. Wer unterwegs spielen will, ist mit dem Steam Deck besser beraten. Wer Cloud-Gaming nutzen möchte, greift zu einem Tablet oder dem Backbone One Controller. Wer Multimedia-Funktionen erwartet, sollte ohnehin woanders suchen.
Fazit
Die PlayStation Portal ist ein Gerät, das seine eine Aufgabe gut erledigt, aber eben auch nur diese eine Aufgabe. Als Remote-Play-Lösung für das heimische WLAN überzeugt sie mit DualSense-Komfort, solidem Display und zuverlässigem Streaming bei guter Netzwerkverbindung. Für 220 Euro bekommt man ein durchdachtes Zubehör, das seinen Platz im PlayStation-Ökosystem findet.
Gleichzeitig bleibt das Gerät frustrierend limitiert. Kein Cloud-Gaming, kein Bluetooth für Kopfhörer, keine Apps, keine nativen Spiele. Das LCD-Display hätte OLED sein sollen. Die Portal ist kein Nachfolger der PS Vita und will es auch nicht sein. Für treue PlayStation-Fans mit den richtigen Voraussetzungen kann sie eine sinnvolle Ergänzung sein. Für alle anderen ist sie ein Luxus-Accessoire, das schwer zu rechtfertigen ist.
Wertung
7/10
Pro und Contra
Pro
- Volle DualSense-Funktionen inklusive Haptic Feedback und Adaptive Triggers
- Ergonomisches, komfortables Design
- Gute Streaming-Qualität bei stabilem Netzwerk
- Solide Akkulaufzeit von bis zu sechs Stunden
- Großes, scharfes 8-Zoll-Display
Contra
- LCD statt OLED-Display
- Kein Bluetooth für Kopfhörer
- Stark abhängig von Netzwerkqualität
- Kein Cloud-Gaming trotz PS Plus Premium
- Keine nativen Spiele möglich
- Keine Multimedia-Apps
- PS5-Aufweckfunktion nicht immer zuverlässig
Technische Daten
| Display | 8 Zoll LCD, 1920×1080, 60 Hz, Touchscreen |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 662 (SG4150P) |
| Akku | 4300 mAh (16,6 Wh), ca. 4-7 Stunden Laufzeit |
| Konnektivität | WiFi 5 (802.11ac), PlayStation Link |
| Anschlüsse | USB-C (Laden), 3,5 mm Klinke (Audio) |
| Gewicht | 529 g |
| Abmessungen | 30 cm x 11 cm x 4 cm |
| Controller-Features | Adaptive Triggers, Haptic Feedback, Mikrofon |
| Hersteller | Sony Interactive Entertainment |
| Release | 15. November 2023 |
| Preis (UVP) | 219,99 Euro |
Update November 2025: Cloud-Gaming macht die Portal nützlicher
Nachtrag vom 20. November 2025
Zwei Jahre nach dem Launch hat Sony die PlayStation Portal erheblich aufgewertet. Seit November 2024 können PlayStation-Plus-Premium-Mitglieder über 200 Spiele direkt aus der Cloud streamen, ohne dass die heimische PS5 eingeschaltet sein muss. Mit dem Update im November 2025 wurde diese Funktion nochmals erweitert: Nun lassen sich auch digital gekaufte Spiele aus der eigenen Bibliothek über die Cloud streamen, sofern sie auf der unterstützten Liste stehen.
In der Praxis bedeutet das: Die Portal funktioniert nun auch unterwegs im Hotelzimmer oder bei Freunden, solange eine stabile Internetverbindung vorhanden ist. Bei etwa 50 Mbit/s aufwärts läuft das Cloud-Streaming flüssig genug für die meisten Spiele. Für schnelle Action-Titel wie Elden Ring bemerkt man die leichte zusätzliche Latenz, aber für gemächlichere Abenteuer oder rundenbasierte Spiele ist das absolut spielbar.
Damit adressiert Sony einen der größten Kritikpunkte des ursprünglichen Tests. Die Portal bleibt ein Nischenprodukt, aber eines, das seinen Zweck nun deutlich besser erfüllt. Für Premium-Abonnenten, die ohnehin 150 Euro pro Jahr zahlen, ist die Portal vom reinen Wohnzimmer-Accessoire zum echten Handheld für unterwegs geworden. Die Wertung bleibt bei 7/10, da die anderen Schwächen (LCD-Display, kein Bluetooth) weiterhin bestehen.





