JUDAS

Judas: Ken Levines nächstes Meisterwerk lässt auf sich warten – Release 2026?

Seit über einem Jahrzehnt arbeitet BioShock-Schöpfer Ken Levine an seinem nächsten großen Projekt. Judas sollte ursprünglich im März 2025 erscheinen, doch das ambitionierte Sci-Fi-Abenteuer lässt weiter auf sich warten. Was steckt hinter dem mysteriösen First-Person-Shooter, wie weit ist die Entwicklung wirklich, und wann können Fans endlich mit dem Release rechnen? Wir fassen alles Wissenswerte zu Judas zusammen.

Ken Levines erstes Spiel seit BioShock Infinite

Judas markiert Ken Levines Rückkehr in die Spieleentwicklung nach über einem Jahrzehnt Pause. Sein letztes veröffentlichtes Projekt war 2014 die Burial at Sea-Erweiterung für BioShock Infinite. Seitdem arbeitet der legendäre Game Director an seinem neuen Studio Ghost Story Games – einer Tochterfirma von Take-Two Interactive, die nach der überraschenden Schließung von Irrational Games 2014 gegründet wurde.

„Wir arbeiten jeden Tag daran, und ich bin gleichzeitig erschöpft und voller Aufregung“, erklärte Levine im April 2025 zum Entwicklungsstand. Diese Mischung aus Begeisterung und Erschöpfung charakterisiert ein Projekt, das bereits seit fast zehn Jahren in Arbeit ist – die Hälfte davon allein in der Pre-Production-Phase. Für Fans ist das eine endlos wirkende Warteschleife, für Levine offenbar der Preis für Perfektion.

Die turbulente Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung von Judas gleicht einer Achterbahnfahrt. Laut einem kritischen Bloomberg-Bericht von Jason Schreier aus dem Jahr 2022 sollte das Spiel ursprünglich bereits 2017 erscheinen. Doch häufige Verzögerungen und Levines anspruchsvoller – manche sagen: schwieriger – Management-Stil führten dazu, dass mehrere Mitarbeiter das Studio frustriert verließen. Ein Muster, das sich durch die gesamte Entwicklung zieht und an die Produktionsprobleme von BioShock Infinite erinnert.

Im Februar 2023 gab Take-Two Interactive CEO Strauss Zelnick vollmundig bekannt, dass Judas spätestens bis März 2025 erscheinen würde. Dieser Termin verstrich jedoch sang- und klanglos. Aktuell listet Take-Two das Spiel in seinen Finanzberichten nur noch als „TBA“ – to be announced. Kein gutes Zeichen für ungeduldige Fans.

„Wir wünschen uns, wir könnten euch heute ein genaues Datum nennen, aber wir sind noch nicht ganz bereit, das festzulegen“, gab Levine im August 2025 zu. „Release-Termine haben die Eigenschaft, sich zu verschieben, und wir möchten vermeiden, das Datum nach der Ankündigung ändern zu müssen.“ Eine diplomatische Formulierung für „wir haben keine Ahnung, wann wir fertig sind“.

Take-Two bleibt optimistisch

Trotz der Verzögerungen zeigt sich Publisher Take-Two weiterhin zuversichtlich. In einem aktuellen Statement gegenüber GamesIndustry.biz bestätigte CEO Strauss Zelnick im November 2025: „Wir haben eine Reihe von Releases in den nächsten 12 Monaten. Wir haben CSR 3 von Zynga, Judas von Ghost Story Games und Project Ethos von 2K.“

Diese Aussage deutet auf einen Release vor August 2026 hin – eine deutliche Verschiebung gegenüber den ursprünglichen Plänen, aber immerhin ein konkretes Zeitfenster. Zelnick hatte bereits zuvor betont: „Es wird erscheinen. Das kann ich mit der Hand aufs Herz sagen, ohne Frage.“ Ob man dieser Zusicherung nach den bisherigen Verschiebungen noch Glauben schenken sollte, muss jeder selbst entscheiden.

Die Story: Revolution auf der Mayflower

Judas spielt auf der Mayflower, einem Generationenschiff, das die letzten Überreste der Menschheit nach Proxima Centauri transportiert. Die Erde ist unbewohnbar geworden, und die Hoffnung der Spezies liegt in dieser interstellaren Arche. Das Setting erinnert an klassische Sci-Fi-Werke, wird aber durch Levines typische dystopische Vision gebrochen.

An Bord der Mayflower herrscht eine streng kontrollierte Gesellschaft, überwacht von den „Big 3“ – drei Führungsfiguren mit radikal unterschiedlichen Visionen für die Zukunft der Menschheit:

Sheriff Tom Austin ist ein Roboter, der sich für den Erhalt der Menschheit in ihrer ursprünglichen, biologischen Form einsetzt. Als er entdeckt, dass er selbst eine Maschine ist, verliert er die Kontrolle über das Schiff, seine Familie und seinen gesamten Lebenszweck. Diese existenzielle Krise macht ihn zu einem unberechenbaren Faktor.

Nefertiti ist Toms Nobelpreisträgerin-Ehefrau, die die Menschheit in eine Rasse fehlerfreier Roboter transformieren möchte. Ihre Vision ist radikal: Das Bewusstsein digitalisieren, den fehlbaren biologischen Körper abschaffen, Perfektion durch Technologie erreichen.

Hope ist die adoptierte Tochter des Paares, die sich selbst „löschen“ möchte – ein mysteriöses Ziel, das noch nicht vollständig enthüllt wurde. Was treibt sie zu diesem nihilistischen Wunsch? Das ist eine der zentralen Fragen des Spiels.

Computer kontrollieren die gesamte Gesellschaft an Bord, formen Bewohner zu Musterbürgern und ermutigen sie, abweichendes Verhalten zu melden. Eine Orwell’sche Dystopie im Weltraum. Doch die Protagonistin Judas hat sich von dieser Konditionierung befreit. Ihr tiefes Verständnis für Code-Manipulation machte sie zur Staatsfeinden Nummer eins.

Als die Big 3 versuchten, sie in eine Musterbürgerin zu verwandeln, zündete Judas eine Revolution an, die das Schiff fast zerstörte – und kostete sie dabei ihr Leben. Im Nachgang wird sie von der Schiffs-KI wieder zum Leben „gedruckt“ und mit einer unmöglichen Mission beauftragt: Sie muss mit ihren schlimmsten Feinden zusammenarbeiten, um die Menschheit zu retten. Ein moralisches Dilemma, wie es typischer für Levine nicht sein könnte.

Narrative Legos: Die Revolution des Storytellings

Das Herzstück von Judas ist Ken Levines Konzept der „Narrative Legos“ – ein System, das Storytelling in Games grundlegend verändern soll. Anders als bei traditionellen Spielen mit fixer Handlung baut sich die Story von Judas modular auf, basierend auf den Entscheidungen des Spielers.

„Das ist nicht nur ein Choose-Your-Own-Adventure-Spiel. Die Narration ist viel modularer“, erklärt Geoff Keighley, der das Spiel vorab spielen durfte. Trotz dieser Variabilität bleibt Judas ein handgefertigtes Erlebnis ohne generative KI – eine bewusste Entscheidung für Qualität und Authentizität in einer Zeit, in der viele Studios mit KI-generierten Inhalten experimentieren.

Levine entwickelte dieses Konzept bereits während der Arbeit an BioShock Infinite. Er wollte Elizabeth reaktiver auf die Aktionen des Spielers machen, doch die narrative Struktur des Spiels verhinderte eine vollständige Umsetzung. Elizabeth fühlte sich manchmal wie ein Skript auf Beinen an – beeindruckend animiert, aber letztlich auf Schienen. Mit Judas holt Levine diese Vision nach, inspiriert von ikonischen NPCs wie SHODAN aus System Shock 2 und Andrew Ryan aus BioShock.

„Nicht alles von den Narrative Legos hat es in BioShock Infinite geschafft“, räumte Levine in einem Interview ein. „Aber in Judas werden wir mehr darüber erfahren, wie es funktioniert.“ Die Frage ist: Funktioniert es wirklich, oder ist es ein überambitioniertes Versprechen?

Villainy: Deine Entscheidungen erschaffen den Bösewicht

Ein zentrales Feature, das Ghost Story Games im August 2025 vorstellte, ist „Villainy“ – ein System, bei dem die Spieleraktionen bestimmen, wer zum Hauptantagonisten wird. Das ist mehr als nur Karma-System oder Faction-Reputation. Es ist ein dynamisches Beziehungsgeflecht, das die gesamte Narrative formt.

„Wenn du BioShock oder BioShock Infinite spielst, wird der Schurke immer der Schurke sein“, erklärt Levine. „Andrew Ryan ist Andrew Ryan. Comstock ist Comstock. In Judas werden die Big 3 alle um deine Gunst und Aufmerksamkeit konkurrieren. Sie können dich bestechen, dich im Kampf retten, über die anderen Charaktere lästern und dir ihre dunkelsten Geheimnisse anvertrauen.“

Die Big 3 beobachten jeden Schritt des Spielers – nicht nur im Kampf, beim Hacking oder Crafting, sondern vor allem bei den Interaktionen mit den anderen beiden Charakteren. Eine Gefälligkeit für ein Mitglied erhöht dessen Zuneigung, verärgert aber wahrscheinlich mindestens eines der anderen. Und Ärger hat Konsequenzen, die sich durch die gesamte Kampagne ziehen.

„Wir wollen, dass sich der Verlust eines von ihnen anfühlt, als würde man einen Freund verlieren“, betont Levine. „Wir wollen mit dieser Dynamik spielen, und wir wollen, dass diese Entscheidung superhart wird.“ Ob das tatsächlich emotional funktioniert oder sich wie ein mechanisches System anfühlt, werden wir erst beim Release sehen.

Roguelite-Elemente und Wiederholbarkeit

Anders als die linearen BioShock-Spiele ist Judas ein Roguelite mit prozedural generierten Elementen. Das ist eine massive Abkehr von Levines bisherigen Arbeiten und gleichzeitig ein Versuch, Wiederholbarkeit in ein narratives Erlebnis zu integrieren.

„Wir nennen es pseudo-prozedural, weil es nicht wie Minecraft ist, wo alles aus reinen mathematischen Heuristiken generiert wird“, erklärt Levine. „Man baut all diese kleineren Elemente im Spiel und lehrt das Spiel dann im Wesentlichen, wie man gute Level macht – und eine gute Geschichte.“

Tod ist ein integraler Bestandteil des Spiels. Heilgegenstände sind rar, Feinde allgegenwärtig. Wenn Judas stirbt, wird sie als 3D-gedruckter Klon rekonstruiert, wobei Spieler ihre Stats und Fähigkeiten verbessern können – klassische Roguelite-Progression. Auch die Mayflower selbst wird regelmäßig umstrukturiert, was für konstante Abwechslung sorgen soll.

„Du hast die Möglichkeit, dich zu verändern, wenn du stirbst“, sagt Levine. „Dich zu verbessern, deinen Werkzeugkasten zu ändern – der ziemlich breit und variabel ist – und die Mayflower selbst zu verändern.“ Das klingt nach einem interessanten Hybrid aus Narrative-Driven-Game und Roguelite-Mechaniken.

Levine beschreibt Judas als „unendlich wiederholbar, mit einer Story und sogar Charakteren, die sich lebendig und aktiv anfühlen“. Ein ehrgeiziges Versprechen für einen narrativen Shooter. Die Frage ist, ob sich eine komplexe Story mit prozeduraler Generation und Wiederholbarkeit wirklich vereinbaren lässt, oder ob eines von beiden leiden wird.

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Gameplay: Mehr als nur BioShock im Weltraum

Obwohl Vergleiche zu BioShock unvermeidlich sind – der Stil, die dystopische Setting, Levines Handschrift – unterscheidet sich Judas in wesentlichen Aspekten. Das Spiel kombiniert klassische First-Person-Shooter-Mechaniken mit besonderen Fähigkeiten, die über ein Implantat in Judas‘ linker Hand aktiviert werden. Denkt an Plasmide aus BioShock, aber futuristischer.

Die Gameplay-Previews zeigten ein actionreiches Erlebnis mit dystopischer Atmosphäre. Spieler können Feinde hacken, Umgebungsobjekte manipulieren und verschiedene Fähigkeiten kombinieren. Der Schwierigkeitsgrad soll höher sein als bei BioShock und BioShock Infinite – eine bewusste Designentscheidung Levines, der anscheinend will, dass Spieler mehr kämpfen statt nur die Story zu konsumieren.

„Das ist ein sehr Old-School-Spiel“, betont Levine in einem Interview. „Du kaufst das Spiel und bekommst das Ganze.“ Keine Online-Komponenten, keine Live-Service-Elemente, keine Battle Passes. Nur ein konzentriertes Single-Player-Erlebnis, das auf Storytelling fokussiert ist. In der heutigen Gaming-Landschaft fast schon anachronistisch – und genau deshalb erfrischend.

Die Spielwelt bietet bizarre Gegner wie pferdeähnliche Roboter-Deputies und fliegende Fix-It-Bots, die antiken Autos nachempfunden sind. Spektakuläre Set-Pieces erinnern an BioShock – etwa ein gigantischer Roboterhund, den Judas wie eine Bathysphere besteigt. Der Art-Style ist unverkennbar Levine: Retro-Futurismus meets Horror-Dystopie.

Das Studio: Ghost Story Games

Ghost Story Games entstand 2014 aus den Trümmern von Irrational Games. Nach dem kritischen und kommerziellen Erfolg von BioShock Infinite kündigte Levine überraschend die Schließung des 200-Mitarbeiter-starken Studios an. Die Begründung: Er wolle zu seinen Wurzeln zurück, mit einem kleineren Team an experimentelleren Projekten arbeiten.

Er nahm eine Handvoll Mitarbeiter mit – weniger als 20 – und startete unter dem Dach von Take-Two Interactive neu. Das Team blieb bewusst klein, ein krasser Gegensatz zu den großen Entwicklerteams moderner AAA-Spiele. Diese Entscheidung sollte kreative Freiheit ermöglichen, führte aber auch zu den massiven Entwicklungsverzögerungen.

Im Mai 2024 warb Levine öffentlich um Talente von Arkane Studios, nachdem Microsoft das Prey- und Dishonored-Team nach einer Entlassungswelle auflöste. „Das Judas-Team interessiert sich für die Einstellung von Leuten mit eurem Talent“, schrieb er auf X (ehemals Twitter). Ein PR-move, aber auch ein Zeichen, dass das Team Verstärkung brauchte.

Bis April 2025 hatte Ghost Story Games zehn bis elf ehemalige Arkane-Entwickler eingestellt. Das Studio befindet sich im „Hiring-Modus“, was darauf hindeutet, dass die Fertigstellung des Spiels noch mehr Personal benötigt – nicht unbedingt ein Zeichen, dass der Release kurz bevorsteht.

Der Bloomberg-Bericht: Entwicklungshölle?

Ein kritischer Bloomberg-Bericht von Jason Schreier aus dem Jahr 2022 warf ein unschmeichelhaftes Licht auf die Probleme hinter den Kulissen. Laut Schreiers gut recherchiertem Artikel führte Levines Führungsstil zu Mitarbeiter-Burnout, was das Projekt in die berüchtigte „Development Hell“ trieb.

Mehrere Mitarbeiter verließen das Studio frustriert, nachdem Levine Entscheidungen wiederholt änderte oder monatelange Arbeit verwarf. Features, an denen Teams Monate arbeiteten, wurden plötzlich gecancelt. Richtungen wurden ohne Vorwarnung geändert. Dieser Perfektionismus – oder Unentschlossenheit, je nach Perspektive – verzögerte den Release immer wieder.

Auf der Gaming-Plattform ResetEra diskutieren Fans diese Problematik kontrovers. „Das Gleiche, was bei allen Ken-Levine-Projekten passiert“, kommentiert ein Nutzer sarkastisch. „Er grübelt stundenlang über die Farbe der Fingernägel der Spielfigur, während sein Team ihn um irgendeine Richtung anfleht.“

Andere sind optimistischer: „Es ist noch in der Entwicklung. Ich habe in den letzten Jahren von mehreren neu eingestellten Leuten gehört, die sehr sanfte Bestätigungen über die fortlaufende Entwicklung und den Fortschritt des Spiels gegeben haben.“ Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.

Release-Spekulationen: 2026 oder später?

Die aktuelle Situation ist verwirrend und frustrierend für Fans. Das ursprüngliche Release-Fenster März 2025 ist längst verstrichen. Ghost Story Games hat seit März 2024 kein offizielles Update auf der Website veröffentlicht – bis auf den Developer-Log im August 2025, der das Villainy-System vorstellte. Seitdem: Funkstille.

„Wir wissen, wir wissen… wir waren eine Weile still“, gab Levine im August zu. „Es kostet viel Zeit und Energie, Marketingmaterialien wie Trailer zu erstellen, und wir versuchen, all unsere Bemühungen darauf zu konzentrieren, Judas fertigzustellen.“ Eine nachvollziehbare Erklärung, aber auch ein Zeichen, dass das Spiel noch nicht kurz vor dem Release steht.

Das Team kündigte an, künftig häufiger Low-Fi-Updates zu teilen, anstatt nur polierte Trailer zu produzieren. Diese Ankündigung wurde bisher nicht umgesetzt. Kein gutes Zeichen.

Mögliche Release-Szenarien

Release erste Hälfte 2026: Basierend auf Zelnicks Aussage über „die nächsten 12 Monate“ (Stand: November 2025) könnte Judas zwischen Januar und August 2026 erscheinen. Das wäre das optimistische Szenario.

Stealth Drop: Einige Analysten spekulieren über einen überraschenden Launch ohne große Vorankündigung – eine Strategie, die bei Indie-Titeln manchmal funktioniert. Für ein AAA-Projekt von Take-Two wäre das jedoch ungewöhnlich und riskant.

Weitere Verzögerung auf spätes 2026: Angesichts der Konkurrenz durch Blockbuster wie GTA 6 (Mai 2026), Borderlands 4 und andere könnte Ghost Story Games auf einen weniger überfüllten Zeitraum warten. Herbst 2026 wäre möglich.

Release erst 2027 oder später: Das pessimistische Szenario, dass Levines Perfektionismus zu noch weiteren massiven Verzögerungen führt. Nach zehn Jahren Entwicklung würde das Projekt langsam in Duke-Nukem-Forever-Territorium wandern.

Die Konkurrenz: Ein überfüllter Markt

2025 und 2026 sind vollgepackt mit hochkarätigen Releases. GTA 6 wurde bereits auf Mai 2026 verschoben und wird die Gaming-Welt dominieren. Borderlands 4 soll 2025 erscheinen. Titel wie Ghost of Yotei, Fable, Gears of War E-Day und Metroid Prime 4 Beyond konkurrieren um Aufmerksamkeit und Geld.

Judas‘ größte Stärke ist seine Einzigartigkeit – ein Ken-Levine-Spiel mit bizarrer Prämisse und innovativen Gameplay-Systemen. Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt. Doch selbst mit dieser USP könnte das Timing entscheidend sein. Eine Veröffentlichung nahe an GTA 6 wäre kommerziell riskant für eine neue, ungetestete IP.

Take-Two ist sich dessen bewusst. Sie haben die Ressourcen und die Erfahrung, Releases strategisch zu timen. Ob sie Judas in die GTA-6-Schlachtzone werfen oder einen ruhigeren Zeitraum wählen, wird sich zeigen.

Das Erbe von BioShock

BioShock gilt als Meilenstein im Videospiel-Storytelling. Die dystopische Unterwasserstadt Rapture, die philosophischen Themen von Ayn Rand und Objektivismus, unvergessliche Momente wie der „Would you kindly?“-Plot-Twist – das Spiel prägte eine Generation von Spielern und Entwicklern.

Judas trägt dieses Erbe in sich, versucht aber gleichzeitig, einen eigenen Weg zu gehen. Die narrative Komplexität, das dystopische World-Building und die moralischen Dilemmata sind typisch Levine. Doch die Roguelite-Mechaniken und das Villainy-System sind Neuland. Ob diese Kombination funktioniert, ist die Millionen-Dollar-Frage.

„In BioShock Infinite wurde viel Energie in die Entwicklung deiner Beziehung zu Elizabeth investiert“, erklärt Levine. „Am Ende des Spiels wusstest du alles über sie – ihre Fähigkeiten, ihre Hoffnungen und Träume. Aber die Wahrheit ist, sie wusste fast nichts über dich, den Spieler, der Booker spielt. In Judas beobachten dich die Big 3 beim Spielen, und sie haben Gefühle darüber.“

Das ist eine interessante Evolution. Statt einer Begleiter-KI, die auf Skripten reagiert, haben wir drei voll entwickelte Charaktere, die den Spieler bewerten und entsprechend agieren. Ob das technisch und narrativ funktioniert, ist eine der spannendsten Fragen zu Judas.

Technische Details und Plattformen

Judas wird für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC (Steam und Epic Games Store) erscheinen. Last-Gen-Konsolen (PS4, Xbox One) werden nicht unterstützt – eine vernünftige Entscheidung, die dem kleinen Team erlaubt, sich auf moderne Hardware zu konzentrieren.

Das Spiel nutzt moderne Technologie, um die Vision von Ghost Story Games umzusetzen. Details zur Engine wurden nicht genannt, aber die gezeigten Trailer deuten auf hochwertige Grafik und komplexe KI-Systeme hin. Die modulare Levelgenerierung und das reaktive Storytelling erfordern erhebliche technische Ressourcen – eine Herausforderung für das kleine Team.

Die Systemanforderungen für PC sind noch nicht bekannt. Basierend auf den Trailern sollten sich Spieler auf ein anspruchsvolles Spiel einstellen, das moderne Hardware benötigt.

Fazit: Zwischen Meisterwerk und Vaporware

Judas steht an einem Scheideweg. Das Spiel könnte Ken Levines größter Triumph werden – ein narratives Meisterwerk, das die Grenzen des Storytellings in Videospielen neu definiert und zeigt, dass Singleplayer-Fokus immer noch funktioniert. Oder es bleibt ein überhyptes Projekt, das unter dem Gewicht seiner eigenen Ambitionen zusammenbricht – Duke Nukem Forever 2.0.

Die lange Entwicklungszeit ist besorgniserregend. Zehn Jahre für ein Spiel, auch mit Pre-Production, ist extrem. Doch Take-Twos kontinuierliches Bekenntnis zum Projekt gibt Hoffnung. Mit einem Publisher im Rücken, der bereit ist, auf Qualität zu warten statt auf schnelle Profite zu drängen, hat Ghost Story Games die Ressourcen, etwas Besonderes zu erschaffen.

Levines Track-Record spricht für sich: System Shock 2, BioShock und BioShock Infinite sind allesamt Klassiker, die das Medium vorangebracht haben. Doch die Berichte über seinen schwierigen Führungsstil, die wiederholten Verzögerungen und das Schweigen des Studios werfen berechtigte Fragen auf.

Für Fans bleibt nur Geduld – eine Tugend, die nach zehn Jahren Warten ziemlich strapaziert wird. „Judas ist erst dann wirklich ein Spiel, wenn die Spieler es in die Hände bekommen“, sagte Levine. „Und das ist ein Tag, auf den jeder im Team hinarbeitet.“

Wann dieser Tag kommt, weiß derzeit niemand mit Sicherheit – nicht einmal Ken Levine selbst. Aber wenn das Spiel hält, was es verspricht, könnte das Warten sich lohnen. Wenn nicht, wird Judas als Mahnbeispiel in die Gaming-Geschichte eingehen – ein Spiel, das seine eigenen Ambitionen nicht stemmen konnte.


Die wichtigsten Fakten zu Judas

Entwickler: Ghost Story Games (Ken Levine)
Publisher: Take-Two Interactive
Genre: First-Person-Shooter, Narrative Adventure, Roguelite
Plattformen: PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC (Steam, Epic)
Release: TBA (vermutlich 2026)
Besonderheiten: Narrative Legos-System, Villainy-Mechanik, prozedural generierte Elemente

Setting: Generationenschiff Mayflower auf dem Weg nach Proxima Centauri
Protagonistin: Judas, Hackerin und Revolutionärin
Die Big 3: Sheriff Tom Austin (Roboter), Nefertiti (Wissenschaftlerin), Hope (adoptierte Tochter)
Entwicklungszeit: ~10 Jahre (2015-2026+)
Team-Größe: Klein (ursprünglich ~15, jetzt ~25-30 Mitarbeiter)


Häufige Fragen zu Judas

Wann erscheint Judas?
Offiziell ist der Release-Termin „TBA“ (to be announced). Take-Two CEO Strauss Zelnick deutete im November 2025 an, dass das Spiel „in den nächsten 12 Monaten“ erscheinen könnte, was auf einen Release vor August 2026 hindeutet. Konkrete Bestätigungen gibt es nicht.

Für welche Plattformen erscheint Judas?
Judas wird für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC (Steam und Epic Games Store) erscheinen. Last-Gen-Konsolen (PS4, Xbox One) werden nicht unterstützt.

Was sind „Narrative Legos“?
Narrative Legos ist Ken Levines Konzept für modulares Storytelling. Statt einer fixen, linearen Handlung baut sich die Story basierend auf Spielerentscheidungen dynamisch auf. NPCs reagieren auf Spielerverhalten, und die Handlung passt sich an – ohne generative KI, alles handgefertigt.

Was ist das Villainy-System?
Das Villainy-System bestimmt, welcher der drei Haupt-NPCs (Tom, Nefertiti, Hope) zum Antagonisten wird, basierend auf den Entscheidungen und Interaktionen des Spielers. Jeder beobachtet das Spielerverhalten und entwickelt entsprechende Beziehungen – positiv oder negativ.

Ist Judas ein Roguelite?
Ja, Judas kombiniert narrative Elemente mit Roguelite-Mechaniken. Bei Tod wird Judas als Klon „neu gedruckt“, Spieler können Stats verbessern, und die Mayflower verändert sich prozedural. Es ist kein klassisches Roguelike, aber Wiederholbarkeit ist integraler Bestandteil.

Hat Judas Multiplayer oder Live-Service-Elemente?
Nein. Ken Levine betonte, Judas sei ein „very old-school game“ – Singleplayer-only ohne Online-Komponenten, Live-Service oder Mikrotransaktionen. „Du kaufst das Spiel und bekommst das Ganze.“

Warum dauert die Entwicklung so lange?
Laut Bloomberg-Berichten sind Ken Levines Perfektionismus und häufige Richtungsänderungen hauptverantwortlich. Das kleine Team (ursprünglich ~15 Mitarbeiter), die ambitionierten Systeme und die Pre-Production-Phase verlängerten die Entwicklung auf fast zehn Jahre.

Ist Judas das gleiche wie BioShock?
Nein. Judas teilt thematische und stilistische Elemente mit BioShock (dystopische Gesellschaft, moralische Dilemmata, Ken Levines Handschrift), ist aber ein eigenständiges Franchise mit neuen Mechaniken (Roguelite, Villainy-System) und Setting (Weltraum statt Unterwasser).

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