Mario Golf: Super Rush

Mario Golf: Super Rush im Test – Speed Golf statt Entspannung

Nach acht Jahren kehrt Mario aufs Grün zurück. Mit Mario Golf: Super Rush verbindet Nintendo Golfsimulation und Arcade-Chaos, wobei Speed Golf für hektisches Rumgerenne zwischen den Schlägen sorgt. Ob diese Mischung funktioniert, klären wir im Test auf der Nintendo Switch.

Die Liste von Marios sportlichen Talenten ist schier endlos. Von rasanten Kartrennen über ambitionierte Fußballspiele bis hin zu entspannten Golfrunden hat der Klempner aus dem Pilzkönigreich alles ausprobiert, was sich in ein Videospiel packen lässt. Acht lange Jahre mussten Fans auf ein neues Golf-Abenteuer warten, seit Mario Golf: World Tour 2014 für den Nintendo 3DS erschien. Jetzt kehrt die Serie mit Mario Golf: Super Rush zurück und bringt einige interessante Neuerungen mit sich, die das traditionelle Golfspiel gehörig durcheinanderwirbeln.

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Camelot und die Mario Golf-Tradition

Mario Golf: Super Rush wurde von Camelot Software Planning entwickelt, dem Studio, das seit dem Nintendo 64 für die Mario Golf-Serie verantwortlich zeichnet. Am 17. Februar 2021 während eines Nintendo Direct angekündigt, erschien das Spiel weltweit am 25. Juni 2021 exklusiv für Nintendo Switch.

Die Serie hatte ursprünglich „Mario Golf Aces“ heißen sollen, analog zu Mario Tennis Aces, doch Nintendo entschied sich für „Super Rush“, weil dieser Name besser den Geist und die Geschwindigkeit der neuen Speed Golf- und Battle-Modi einfängt. Eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

In Japan verkaufte sich das Spiel in der ersten Woche 80.430 Mal im Einzelhandel und debütierte auf Platz 1 der Charts. Die kritische Rezeption fiel gemischt aus: Metacritic vergab 73 Punkte, wobei besonders der anfangs dürftige Content-Umfang kritisiert wurde. Nintendo versprach kostenlose Updates mit neuen Charakteren und Kursen, die tatsächlich über mehrere Monate hinweg nachgereicht wurden.

Mario Golf: Super Rush
Bei den Tunieren müsst ihr euer Können unter Beweis stellen

Abenteuer-Modus: Mit dem Mii zum Golf-Champion

Der Abenteuer-Modus bildet das Herzstück von Mario Golf: Super Rush und ist gleichzeitig die größte Enttäuschung des Spiels. Hier erstellt man sich einen Mii-Charakter, der in ein Ferienresort gebracht wird, um vom Rookie zum weltbesten Golfspieler aufzusteigen. Die Präsentation dieser Welt ist allerdings bestenfalls mittelmäßig gelungen, mit Bäumen und Sträuchern, die in der Ferne einfach aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden.

Als Anfänger startet man ganz unten und lernt zunächst alle wichtigen Grundregeln des Golfspiels. Dabei wird schnell klar, dass Nintendo hier deutlich mehr Wert auf Simulation legt als in früheren Mario Sports-Titeln. Die Vielfalt an verfügbaren Schlägern kann anfangs sogar überfordern: Vom einfachen Putter für kurze Distanzen über verschiedene Eisen bis hin zum Driver für weite Schläge stehen Dutzende Optionen zur Verfügung. Hinzu kommen Holz- und Hybridschläger, die jeweils ihre eigenen Einsatzgebiete haben. Anders als in Mario Kart, wo man einfach drauflosfährt, macht bei Mario Golf die Wahl des richtigen Schlägers einen entscheidenden Unterschied.

Um im Rang aufzusteigen, müssen Turniere gewonnen werden, die aus einer wechselnden Anzahl an Kursen bestehen. Dabei tritt man gegen KI-Gegner an, die durchaus kompetent spielen und einem das Leben schwer machen können. Das größte Problem des Abenteuer-Modus ist jedoch die eingeschränkte Charakterauswahl: Man ist auf den eigenen Mii festgelegt, während all die bunten Mario-Charaktere nur als Gegner auftauchen. Wer lieber mit Waluigi oder König Bob-omb durch die Story gehen möchte, schaut in die Röhre.

Mario Golf: Super Rush
Es können aus Spezialfähigkeiten eingesetzt werden

Gameplay: Simulation trifft Arcade-Wahnsinn

Das Schlagsystem in Mario Golf: Super Rush unterscheidet sich von früheren Serienteilen. Statt des traditionellen Drei-Tasten-Systems gibt es nun nur zwei Tastendrücke pro Schlag, wobei Schlägertyp und Untergrund die Genauigkeit bestimmen. Bevor der Ball geschlagen wird, wählt das Spiel automatisch den passenden Schläger aus, was in den meisten Fällen auch die richtige Entscheidung ist. Natürlich kann man jederzeit manuell zu einem anderen Schläger wechseln, falls man eine andere Strategie verfolgen möchte.

Der eigentliche Schlag funktioniert über eine Kraftleiste, bei der man durch geschicktes Timing die optimale Power wählt. Danach lässt sich dem Ball noch ein Spin mitgeben, der essentiell ist, um die Tücken der Strecke zu meistern. Hat man alle Einstellungen vorgenommen, fliegt der Ball und… jetzt kommt der große Unterschied zu herkömmlichen Golfspielen.

Speed Golf: Rennen statt Entspannung

Während einen klassische Golfsimulationen automatisch zum Ball teleportieren, muss man in Mario Golf: Super Rush selbst dorthin laufen – und zwar im Sprint. Auf dem Weg dorthin können sowohl der eigene Mii als auch die Gegner mit gekonnten Bodychecks aufeinander losgehen, sich gegenseitig wegstoßen und für kurze Zeit außer Gefecht setzen. Wer jetzt noch glaubt, Golf sei ein ruhiger und entspannender Sport, wird eines Besseren belehrt.

Während des gesamten Laufs tickt ein gnadenloser Timer herunter. Trödelt man zu lange, kann es passieren, dass der Ball gar nicht mehr ins Loch befördert werden kann, was zu Strafpunkten führt. Diese Mischung aus Golfsimulation und Rennspiel ist das definierende Merkmal von Super Rush und spaltet die Gemüter: Manche lieben den hektischen Ablauf, andere vermissen die entspannte Atmosphäre traditioneller Golfspiele.

Zusätzlich verfügt jeder Charakter über Spezialschläge mit unterschiedlichen Fähigkeiten. König Bob-omb beispielsweise lässt bei seinem Spezialschlag alle gegnerischen Bälle wegfliegen, während Yoshi in einem riesigen Ei über den Platz rollt. Diese typisch Nintendo’sche Arcade-Elemente sorgen für chaotische, aber unterhaltsame Momente.

Nach Abschluss eines Kurses erhält der Mii Erfahrungspunkte. Bei Levelaufstieg können Attributspunkte verteilt werden, die entweder Schlagkraft, Spin oder Ausdauer erhöhen. Dieses Progression-System motiviert zumindest in den ersten Stunden, auch wenn es sich später in repetitivem Grinding verliert.

Mario Golf: Super Rush
Unterschiedliche Gefahren werden euch erwarten

Abwechslungsreiche Umgebungen mit eigenen Tücken

Neben dem Anfängerresort warten verschiedene Umgebungen auf den Spieler, darunter wilde Steppen und brandheiße Wüstenabschnitte. Jede Welt bringt ihre eigenen Herausforderungen mit: In der Wüste muss man bei den Golfkursen immer auf die Wasserleiste achten, da bei Erschöpfung weder Laufen noch Schlagen möglich ist. Einige Levels haben Wirbelstürme, die den Ball in andere Richtungen ablenken.

Diese Eigenheiten sind zwar nette Abwechslungen, aber sie werden schnell zur Routine. Nach ein paar Durchläufen hat man die Muster durchschaut, und die anfänglichen Herausforderungen bieten im späteren Spielverlauf kaum noch Widerstand.

Bewegungssteuerung: Wie ein echter Golfer

Eine der interessantesten Features ist die alternative Bewegungssteuerung, bei der man den Joy-Con wie einen echten Golfschläger schwingt. Diese funktioniert überraschend gut und bringt ein zusätzliches Gefühl von Authentizität ins Spiel. Besonders für Familien oder Gelegenheitsspieler ist dies eine willkommene Option, die das Spiel zugänglicher macht. Hardcore-Golfer werden jedoch vermutlich bei der Knopfsteuerung bleiben, da sie präziser ist.

Battle Golf: Chaos im Neon-Stadion

Während der Abenteuer-Modus relativ ruhig und besinnlich daherkommt, dreht Battle Golf komplett auf. Bis zu vier Spieler werden in eine Arena geworfen, wo es darum geht, drei von neun verfügbaren Löchern als Erster zu dominieren. Alle Spieler agieren gleichzeitig, was für herrliches Chaos sorgt.

Alle bekannten Elemente kommen hier zum Einsatz: Schläge, Spezialfähigkeiten, Rennen zum nächsten Loch und gegenseitige Sabotage. Hinzu kommen Hindernisse wie Thwomps, Chain Chomps und Bananenschalen, die den ohnehin schon chaotischen Ablauf noch weiter durcheinanderwirbeln.

Das Schöne an diesem Modus ist, dass er sowohl lokal im Splitscreen als auch online mit bis zu vier Spielern funktioniert. Der Bildschirm wird dabei zwar unübersichtlich, aber genau diese Hektik macht den Reiz aus und erinnert an die besten Momente von Mario Kart oder Mario Party. Battle Golf ist zweifelsohne der Höhepunkt des Spiels und zeigt Nintendo’s Arcade-Expertise von ihrer besten Seite.

Mario Golf: Super Rush

Mit der alternativen Bewegungssteuerung, könnt ihr wie ein echter Golfspieler spielen

Charaktere und Post-Launch-Content

Zum Launch bot das Spiel 16 Charaktere aus dem Mario-Universum, darunter Neuzugänge wie König Bob-omb, Pauline und Chargin‘ Chuck. Während König Bob-omb zunächst versehentlich auf der offiziellen Webseite erwähnt und dann wieder entfernt wurde, bestätigte Nintendo seine Präsenz später offiziell.

Nintendo versprach kostenlose Updates, die tatsächlich geliefert wurden: Über mehrere Monate kamen neue Charaktere wie Toadette, Koopa Troopa, Ninji, Shy Guy und Wiggler hinzu. Ebenso wurden neue Kurse wie New Donk City ergänzt, außerdem der Target Golf-Modus als dritte Spielvariante. Diese Updates halfen, den anfangs dürren Content-Umfang aufzubessern, kamen aber für Kritiker zu spät.

Für wen ist Mario Golf: Super Rush geeignet?

Das Spiel spricht hauptsächlich Golfspiel-Fans und Mario-Enthusiasten an, die bereit sind, Kompromisse einzugehen. Die Simulation-Aspekte sind tiefgründiger als bei Mario Kart oder Mario Tennis, was Gelegenheitsspieler überfordern könnte. Gleichzeitig fehlt echten Golfsimulations-Fans die Tiefe eines PGA Tour-Spiels.

Am meisten Spaß macht Mario Golf: Super Rush im Mehrspielermodus, sei es lokal oder online. Der chaotische Battle Golf-Modus und Speed Golf mit Freunden entfalten den typischen Nintendo-Partyspiel-Charme. Wer hingegen allein im Abenteuer-Modus spielt, wird schnell feststellen, dass die repetitiven Turniere und die eingeschränkte Charakterauswahl auf Dauer ermüden.

Mario Golf: Super Rush
Der Battle Modus ist hektisch und spaßig zu gleich

Präsentation: Bunt, aber technisch unausgegoren

Grafisch präsentiert sich Mario Golf: Super Rush in gewohnt bunter Nintendo-Optik. Die Charaktere sind liebevoll animiert, die Kurse farbenfroh gestaltet. Allerdings zeigt die Switch hier ihre technischen Grenzen: Popping-Effekte bei Bäumen und Vegetation sind allgegenwärtig, die Framerate sackt gelegentlich ab, besonders im Splitscreen-Modus.

Der Sound ist solide, mit fröhlichen Mario-typischen Melodien und den bekannten Soundeffekten. Die Musik bleibt aber nicht im Gedächtnis hängen und wird nach einigen Stunden repetitiv.

Pro und Contra

Pro

  • Speed Golf und Battle Golf bringen frischen Wind ins Genre
  • Bewegungssteuerung funktioniert überraschend gut
  • Tiefere Simulation-Aspekte als bei anderen Mario Sports-Titeln
  • Lokaler und Online-Multiplayer für bis zu vier Spieler
  • Kostenlose Post-Launch-Updates mit neuen Charakteren und Kursen
  • Progression-System im Abenteuer-Modus motiviert anfangs

Contra

  • Abenteuer-Modus auf Mii-Charakter beschränkt
  • Repetitive Turnierstruktur wird schnell eintönig
  • Zum Launch zu wenig Content (später durch Updates verbessert)
  • Technische Schwächen (Popping, gelegentliche Framedrops)
  • Umwelt-Gimmicks schnell durchschaut
  • Alleine spielen deutlich weniger spaßig als im Multiplayer

Fazit

Mario Golf: Super Rush reiht sich solide in Nintendo’s Portfolio an Sport-Spinoffs ein, erreicht aber nicht die Höhen von Mario Kart 8 Deluxe oder Mario Tennis Aces. Die Mischung aus Golfsimulation und Arcade-Action funktioniert grundsätzlich, wirkt aber nicht immer harmonisch.

Die Speed Golf-Mechanik ist das definierende Feature und spaltet: Wer hektisches Gerenne mag, wird Freude haben. Wer entspanntes Golfen erwartet, wird enttäuscht. Der Battle Golf-Modus hingegen ist ein klarer Treffer und zeigt Nintendo von seiner besten Seite – chaotisch, spaßig, perfekt für Partys.

Der größte Kritikpunkt bleibt der Abenteuer-Modus. Die Einschränkung auf einen Mii-Charakter ist unverständlich, wenn doch 16 bunte Mario-Figuren zur Verfügung stehen. Wer mit Waluigi durch die Story gehen möchte, kann dies nicht tun – eine verpasste Chance.

Richtigen Spaß entfaltet Mario Golf: Super Rush im Mehrspielermodus, sei es lokal oder online. Hier zeigt sich der typische Nintendo-Charme, der aus simplen Spielprinzipien unterhaltsame Abende mit Freunden zaubert. Solo vor sich hin spielen wird hingegen schnell repetitiv.

Für Golfspiel-Fans mit Multiplayer-Fokus ist Super Rush eine gute Wahl. Wer alleine spielen möchte oder eine tiefe Golfsimulation erwartet, sollte vorsichtig sein. Am Ende ist es ein solides, aber nicht herausragendes Mario-Sportspiel, das seine Stärken vor allem in Gesellschaft ausspielt.

Wertung

7,0/10


FAQ

Kann ich mit Mario-Charakteren den Abenteuer-Modus spielen? Nein, im Abenteuer-Modus ist man auf den eigenen Mii-Charakter festgelegt. Mario, Luigi, Waluigi und Co. treten nur als KI-Gegner auf. Erst in anderen Modi wie Battle Golf oder Standard Golf sind alle Charaktere frei wählbar.

Wie viele Spieler werden unterstützt? Lokal können bis zu vier Spieler im Splitscreen spielen. Online ebenfalls bis zu vier Spieler. Der Abenteuer-Modus ist rein Singleplayer.

Lohnen sich die Motion Controls? Die Bewegungssteuerung funktioniert überraschend gut und macht besonders mit der ganzen Familie Spaß. Für präzises Spielen ist die Knopfsteuerung aber die bessere Wahl.

Welche Updates gab es nach Release? Nintendo hat mehrere kostenlose Updates veröffentlicht, die neue Charaktere (Toadette, Koopa Troopa, Ninji, Shy Guy, Wiggler), neue Kurse (New Donk City, Shelltop Sanctuary) und den Target Golf-Modus hinzufügten.

Ist das Spiel eher Simulation oder Arcade? Eine Mischung. Die Schläger-Vielfalt und Physik tendieren zur Simulation, während Speed Golf, Spezialschläge und Battle Golf pure Arcade-Action sind.

Wie lange dauert der Abenteuer-Modus? Etwa 6-8 Stunden für die Hauptstory, länger wenn man alle Nebenturniere absolviert und den Mii maximal leveln möchte.


Technische Daten

Titel: Mario Golf: Super Rush
Release: 25. Juni 2021
Entwickler: Camelot Software Planning
Publisher: Nintendo
Plattform: Nintendo Switch (exklusiv)
Genre: Sports, Golf, Arcade
Spieler: 1-4 (lokal), 1-4 (online)
Altersfreigabe: PEGI 3 / USK 0 / ESRB E
Preis (UVP): 59,99 Euro
Charaktere zum Launch: 16 (später erweitert auf 21)

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